Fußball ist im Leben nicht alles
Kreisel
Samstag, 28. November 2009

Nationaltorwart René Adler wunderte sich kürzlich nach dem 1:1 der deutschen Mannschaft gegen Finnland in Hamburg schon sehr: „Dass die Fans nach 20 Minuten gepfiffen haben, fand ich unangebracht.“
Nach eingehender Analyse ließen diese Vorkommnisse beim DFB die Überlegungen reifen, Länderspiele künftig nur noch in Städten stattfinden zu lassen, in denen der Mannschaft die volle Unterstützung der Anhänger sicher ist. Quo Vadis Dresden! Erinnerte man sich doch bei diesen Worten gleich an einen gewissen Ruud Kaiser, der zu Anfang der aktuellen Saison ähnliche Erfahrungen machen musste und noch einen draufsetzte, indem er den sonst als so sachkundig bekannten Dresdnern bescheinigte, wer so was macht „hat von Fußball keine Ahnung“. Allerdings kamen die Pfiffe in Dresden schon nach 15 Minuten von den Rängen. Damit wäre man im Wettlauf um eins der begehrten Länderspiele definitiv als erster draußen. Schade eigentlich, denn das würde doch sehr lustig werden: „Podolski, Du kannst nichts!“, „Ballack, bewege Dich mal!“ oder „Lahm, Du bist das Letzte!“. Solche Sprüche hören sich unsere Profis ja nun auch zu jedem Spiel an. Viel schärfer sogar, gemixt mit ein paar richtig netten Beleidigungen. Und sind wir doch mal ehrlich, dafür bekommen sie ja auch gutes Geld, nicht soviel wie die Auswahlspieler, aber immerhin. Überhaupt sollte man in der 3. Liga schon Erfolg für sein Eintrittsgeld erwarten dürfen, die Fußballer machen den ganzen Tag nichts, außer ihrem Hobby nachzugehen, und das seit zwanzig oder mehr Jahren. Wenn es mal nicht so super läuft, muss man das als Arbeitsverweigerung bezeichnen dürfen, schließlich ist es ihre Aufgabe, zu gewinnen. Dass es da noch einen Gegner mit der gleichen Maßgabe gibt, ist uninteressant, denn mit der Eintrittskarte kauft man sich auch das Recht, als Sieger nach Hause zu gehen.

Apropos nach Hause gehen, das wäre doch wirklich der Knaller. Deutschland bestreitet ein Länderspiel in Dresden, sieht an dem Tag schlecht aus, liegt hinten, und zehn Minuten vor Schluss leeren sich wegen der Klassiker „Den Mist kann man sich nicht mehr anschauen“ und „Ich muss meine Bahn noch bekommen“ die Ränge. Das würde man dann wahrscheinlich Landesverrat nennen. Aber viel wichtiger ist: wie nennt man das bei Dynamo? Und wie fühlt sich ein Spieler, wenn er an einem Nachmittag beleidigt, ausgepfiffen und dann noch durch Abwesenheit verhöhnt wird. Das sind die Fragen, die wir uns - unabhängig davon, wie finanziell gut ein Profisportler auch sonst gestellt sein mag - mal durch den Kopf gehen lassen sollten, wenn wir wieder mit dem Bier in der einen und der Bratwurst in der anderen Hand zu unserem Platz laufen. Dass es dann mit einem Länderspiel klappt, ist trotzdem eher unwahrscheinlich, schließlich haben wir uns über zwanzig Jahre lang einen entsprechenden Ruf erarbeitet. Der eine Ultra allerdings, der seine große Schwenkfahne selig lächelnd neunzig Minuten mit dem Rücken zum Spielfeld auf dem Zaun sitzend wedelt, wäre bestimmt genau nach dem Geschmack des DFB.

Wenn jetzt noch ein ganz Schlauer bemerkt, dass wir ja gar keine Länderspiele im RHS austragen könnten, da es dafür zu klein sei, soll er sich den Text noch mal durchlesen, um den Sinn besser erfassen zu können. Wie auch immer, heute kommt statt Italien das kleine Heidenheim, wo wir solche Sachen unter uns mal ansprechen können. Die Fangemeinschaft Dynamo wünscht je nach Geschmack „Ein schönes Spiel“ oder „Viel Spaß“.

Hier gibt es die pdf zum Download.

 

 


Winterpause
 

 
 


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