Augenzeuge
AUGENZEUGE – der Wochenrückblick der Fangemeinschaft Dynamo PDF Drucken E-Mail

Nr. 59, Sommerpause - 24.05.2012

„Juhu, endlich richtig Sommer“ dachten sich die meisten, als sie in den letzten Tage so das Thermometer betrachteten. Da möchte man rausgehen, in die Stadt, an die Elbe und in den Park. All das konnten die lauffreudigen Mitglieder der Fangemeinschaft Dynamo am Mittwoch auf fünf Kilometern in ca. 25 Minuten bei der „Team Challenge Dresden“ genießen - oder auch nicht. Hing dies doch sehr von der persönlichen Verfassung jedes Einzelnen und der jeweiligen Vorliebe für warmes Wetter ab. So schlecht konnten diese aber nicht sein, denn bei 4605 männlichen Teilnehmern (insgesamt 7.684 TeilnehmerInnnen) haben die Jungs des FG Teams immerhin die Plätze 1839, 2195, 2198 und 2805 erreicht und das Team damit auf Platz 278 von 544 geführt. Dennoch war allen die Erschöpfung beim Zieleinlauf im Dynamostadion deutlich anzusehen, aber auch der Spaß an diesem jedes Jahr wachsenden gemeinschaftlichen Sportereignis. Auch in einigen anderen Teams hatten sich bekannte fangemeinschaftliche Gesichter eingeschlichen, so dass man doch von ein paar mehr FG-Läufern sprechen kann. 

Im Gegensatz zum Studium des täglichen medialen Klatsch und Tratsch über Abgänge, Neuverpflichtungen und mögliche Hammer-Testspiele, von dem sich hinterher erneut die Hälfte als Falschmeldung herausstellt, war dies jedenfalls gut investierte Zeit und vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass genug Power in der Fangemeinschaft Dynamo steckt, die nur abgerufen werden muss, um auch in der neuen Saison die selbst gesteckten Ziele zu erreichen und als Fanvertretung weiter zu wachsen und ständig zu verbessern. Wir wünschen uns dabei auch weiterhin möglichst viele aktive Mitglieder, aber vor allem auch, dass alle Fans unsere SGD die Möglichkeit nutzen, sich mit Ihren Ideen, Wünschen und Anregungen an uns zu wenden. Nur so können wir auf Dauer eine stabile Fanvertretung verkörpern. Ähnliches wünschen wir uns natürlich auch weiterhin im Austausch mit allen Ansprechpartnern im und um den Verein. Ein respektvoller und konstruktiver Umgang miteinander ist im Hinblick auf die zu besprechenden Themen sehr wichtig und sollte bei allen Dingen im Vordergrund stehen, auch wenn es einmal kontrovers zugeht.

Wie Ihr bereits gemerkt habt, ist auch der Augenzeuge mehr oder weniger heimlich in die Sommerpause gegangen und meldet sich nur gelegentlich zu Wort. So werden wir es auch in den nächsten Wochen handhaben und euch bis zum Beginn der neuen Saison nur in unregelmäßigen Abständen mit den wichtigsten Informationen versorgen. Dennoch bleiben wir für euch natürlich über die bekannten Kanäle erreichbar. Wir wünschen allen Dynamofans eine erholsame Sommerpause, in der wieder Kraft für die folgende Saison getankt werden muss. Auch die vierte Zweitligasaison wird uns wieder Spiele bieten, die den einen oder anderen Pulsschlag in die Höhe treiben. Wir freuen uns darauf!

Fangemeinschaft Dynamo

Freitag, 25. Mai 2012
 
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Nr. 58, Woche vom 27.04. bis 03.05.2012

Mit dem Spiel am Sonntag geht für Dynamo eine Saison zu Ende, die einige Superlative bereithielt. Aus sportlicher und ökonomischer Sicht war es eine erfolgreiche Saison und lag deutlich über den Erwartungen. Die Fangemeinschaft Dynamo möchte dafür Danke sagen! Danke an Sportchef Menze und Trainer Loose! Danke an diejenigen, die solch großartige Fachleute verpflichtet haben! Danke an eine starke und engagierte Mannschaft, die uns so einige Glücksmomente beschert hat! Aber auch ein ganz großes Danke an alle, die hinter den Kulissen in nervenaufreibenden Überstunden tagtäglich alles dafür getan haben, dass dieser Verein seine diesjährigen Erfolge feiern konnte! Und nicht zuletzt geht auch ein dickes Danke an all die vielen friedlichen Fans, die unsere Mannschaft daheim und auswärts unterstützt und dem gegnerischen Anhang ordentlich eingeheizt haben!

Ein weiterer Erfolg des Vereins wurde noch vor dem letzten Spieltag vermeldet. Christian Müller konnte als Geschäftsführer der Sportgemeinschaft Dynamo gewonnen werden. Mit seiner Vita scheint er als Nachfolger für den Vorreiter in Sachen Konsolidierung, Volker Oppitz, die besten Voraussetzungen mitzubringen, um Begonnenes fortzusetzen oder möglicherweise gar zu forcieren. Die Fangemeinschaft Dynamo wünscht sich bei aller sportlicher Chance auch in Zukunft eine sachliche Arbeit, die dem wichtigsten Ziel „Entschuldung“ zügig und kontinuierlich näher kommt. Herr Christian Müller ist herzlich willkommen! Wir wünschen ihm nicht nur einen guten Start, sondern auch das notwendige Fingerspitzengefühl, was die Besonderheiten in Dresden im Umgang mit Fans, Stadt und Sponsoren verlangen. Viel Erfolg, Herr Müller!

Die Aussichten auf Dynamos vierte Zweitligasaison sind relativ gut. Machbar erscheint bei vollem Einsatz aller Beteiligten eine erneute Platzierung in der oberen Tabellenhälfte. Als Zielstellung sollte dies auch in den Herzen der Fans so aufgenommen werden, denn die Erwartungen gehen zum Teil dem Leistungsvermögen des Vereins voraus. Das Etablieren in der Zweiten Liga als Maßstab für erst in ein paar Jahren kommende Aufgaben ist Anspruch genug, wenn man sich die Verhältnisse bei uns und anderswo ansieht. Mit der entsprechenden Bodenhaftung und den handelnden Personen macht sich die Fangemeinschaft Dynamo derzeit wenig Sorgen um die sportliche und ökonomische Entwicklung der SG Dynamo Dresden. 

Nachholbedarf gibt es dagegen rund um die dynamische Fangemeinde. So sieht die Fangemeinschaft Dynamo es als unerlässlich, zum Beispiel in Dortmund Erlebtes für immer der Vergangenheit angehören zu lassen. Auch der Umgang untereinander ist noch deutlich ausbaufähig. Toleranz und Respekt anderen gegenüber dürfen nicht nur gutgemeinte Schlagworte sein, sondern müssen zur Selbstverständlichkeit innerhalb der gesamten Fangemeinde reifen. Fanspezifische Themen werden auch in Zukunft Verein und Fangemeinschaft Dynamo beschäftigen. Je größer das gegenseitige Verständnis ist, desto besser sind die Chancen, dass bei Themen wie „Sektorentrennung“, „Pufferblöcke“ oder „Topzuschläge“ nicht die gegensätzlichen Ansichten im Vordergrund stehen, sondern die konstruktive Suche nach Lösungen. Wie zum Beispiel auch für eine Vereinsheimat, die zwingende Voraussetzung für eine höher Identifikation mit dem Verein und allen seinen Belangen ist. Die Fangemeinschaft Dynamo steht bereit, in der kommenden Saison diese Themen weiter zu bearbeiten, zu intensivieren und gemeinsam mit dem Verein, seinen Mitgliedern und Fans auf die Zielgerade zu führen. Wir hoffen nun auf offene Ohren!

Fangemeinschaft Dynamo

Freitag, 04. Mai 2012
 
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Nr. 57, Woche vom 21.04. bis 26.04.2012 

Am Sonntag ist es soweit - das letzte Heimspiel der Saison steht an. Es wird das letzte von insgesamt achtzehn Spielen, die wieder einmal Superlative geschaffen haben. 

Insgesamt etwa 450000 Fans werden am Ende die Spiele unserer Sportgemeinschaft in dieser Saison live im Stadion erlebt haben. Lässt man das Geisterspiel unbeachtet, bedeutet dies einen Schnitt von über 26000 Zuschauern pro Partie. Das sind Zahlen, an die auch die größten Optimisten vor Saisonbeginn nicht zu glauben gewagt hatten. Unvergessen die Bilder campender Fans vor den Kartenschaltern. Unglaublich, dass etwa sämtliche Karten für das anstehende Spiel bereits vor Beginn des freien Verkaufs weg waren. Unfassbar der aufgestellte Geisterspielkarten-Weltrekord beim Spiel gegen Ingolstadt. 

Aber nicht nur quantitativ war die Begeisterung der Dynamofans grenzenlos. Beispiellose Choreografien, eine der größten Blockfahnen Europas und eine immer wieder einfach nur mitreißende Stimmung werden allen vor Ort und vor den Fernsehern im Gedächtnis bleiben. Und wer auch nur den leisesten Zweifel gehabt hat, dass Dynamofans Kreativität und Witz besitzen, dürfte spätestens angesichts der unzähligen und einzigartigen Spruchbänder zum DFB-Schandurteil eines Besseren belehrt worden sein. 

Auch unsere Jungs auf dem heiligen Rasen ließen nichts unversucht, die Spiele der Saison 2011/12 zu grandiosen Highlights werden zu lassen. Fast immer gelang ihnen das auch. Nur vier Partien gingen verloren und kein Fan wird so schnell die Kantersiege gegen Union und den KSC, den Last-Minute-Punkt gegen Aachen, die kaum erwarteten Siege gegen die Aufstiegskandidaten Fürth und Düsseldorf oder das Jahrhundertspiel gegen Leverkusen vergessen.

Und dennoch war nicht alles toll, was im Dynamostadion in den vergangenen neun Monaten passierte. Handgreiflichkeiten im K-Block und innerhalb der aktiven Fanszene sorgten für große Irritationen, der Diebstahl des Dynamoschals eines kleinen Jungen durch einen eigenen „Fan“ für Empörung und Wut. 

Noch immer ungelöst ist das Problem „Sektorentrennung“ innerhalb des Heimbereiches. Dazu sorgen nach wie vor regelmäßig tausende freie Plätze in den unnötigen sogenannten „Pufferzonen“ nicht nur für enorme Mindereinnahmen und enttäuschte, kartenlose Dynamofans, sondern auch für Hohn und Spott durch Fans anderer Vereine. 

Durch den massiven Verkauf einstiger Zaunfahnenplätze ist im vergangenen Jahr die einstmals einzigartige traditionelle Zaunfahnenkultur im Dynamostadion praktisch zerstört worden. Topzuschläge wurden zum Teil gegen mit Fanvertretern getroffenen Absprachen erhoben, die Qualität des Angebots an Speisen und Getränken ist immer noch eine Katastrophe und wird nur noch unterboten von den dafür verlangten Preisen. 

Und last but not least, haben die Sicherheitsmaßnahmen rund um Spiele der SGD auch im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Eine regelrecht irrsinnige Anzahl an Polizeikräften ist immer noch Alltag, Wasserwerfer sind es offenbar wieder. Vor dem K-Block werden Handys kontrolliert, vor dem Gästeblock schnüffeln Sprengstoffsuchhunde Fußballfans ab. Insgesamt hat der Sicherheitswahn rund um unsere Spiele ein Maß erreicht, das absolut geeignet ist, vielen Fußballfans den Spaß an einem Stadionbesuch, die Freude daran komplett und nachhaltig zu zerstören. Zum Abschluss der Heimspielsaison hat es die Dresdner Polizei nun sogar fertiggebracht, erstmals einen sogenannten „Fanbrief“ an unsere Gästefans zu verfassen. Unter dem Motto „Fair geht vor“ wird dort den anreisenden Zugfahrern unter anderem nicht nur erklärt, in welcher Richtung sie den zu ihrem eigenen Schutz abgeriegelten Bahnsteig zu den bereitgestellten, eng polizeibegleiteten Transportfahrzeugen zu verlassen haben, sondern auch in welchem Tempo. Zügig nämlich. Auch die Ankündigung, Vermummungen und Pyroeinsätze als Straftaten zu verfolgen, wirkt nicht zwingend deeskalierend.

Bei aller berechtigten Freude über eine außergewöhnlich erfolgreiche Heimspielsaison - auch und ganz besonders über all diese negativen Dinge gilt es nachzudenken. Über die alten und die neu dazugekommenen. Intensiv und zielorientiert. Von den Verantwortlichen innerhalb des Verein, von den Fans und vor allem von beiden gemeinsam. Vielleicht nicht unbedingt am Sonntagnachmittag, aber hoffentlich in einer diesmal sehr langen Sommerpause. Nach Meinung der Fangemeinschaft Dynamo wäre das für unsere Sportgemeinschaft Dynamo beinahe noch wichtiger als der souveräne Sieg gegen den auch künftigen Zweitligisten FC St. Pauli.

Fangemeinschaft Dynamo

Freitag, 27. April 2012
 
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Nr. 56, Woche vom 14.04. bis 20.04.2012

Hin und wieder zieht jeder Mensch Bilanz, lässt Vergangenes Revue passieren und überlegt, was in Zukunft noch getan werden muss. Auch Organisationen überprüfen auf diese Weise, ob Zielstellungen erreicht oder verfehlt wurden. So auch die Fangemeinschaft Dynamo. 

Nun sollte eine solche Selbstreflektion ehrlich und schonungslos erfolgen, um einen Sinn zu ergeben. Konsequent wurden in den vergangenen zwei Monaten Gespräche gesucht, Anfragen gestellt und eine interne Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des letzten Jahres der Fangemeinschaft Dynamo geführt. 

Mehrere Außenstehende, darunter auch einige Mitarbeiter der SG Dynamo Dresden, haben uns zu verstehen gegeben, dass unser Umgang mit verschiedenen Themen äußerst skeptisch betrachtet und die Fangemeinschaft Dynamo mehr und mehr als Quertreiber betrachtet wird. Dass dies absolut im Kontrast zum Anspruch der Fangemeinschaft Dynamo steht, konsequent konstruktiv und mit fairen Mitteln bestimmte Veränderungen zu erreichen, muss an dieser Stelle vermutlich nicht weiter erwähnt werden. Interessant ist allerdings, wie reagiert wird, wenn wir unseren eigenen Satzungszweck zu erfüllen suchen, der die Vertretung von Faninteressen durch den Dachverband aller Fans vorschreibt. Nimmt man diese Reaktionen als Barometer für die Zielstrebigkeit der Fangemeinschaft Dynamo, scheint unsere Arbeit nicht ganz so wirkungslos zu sein, wie oftmals angenommen. Im letzten Jahr hat der Dachverband eine nicht unwesentliche Zahl neuer Mitglieder aufnehmen können, akribische Detailarbeit zum Thema Sektorentrennung gegen jede Ignoranz und gegen jede entlarvte Lüge geleistet und sich für banal erscheinende Dinge wie eine Vereinsheimat, den dynamischen Nachwuchs oder soziale Projekte eingesetzt – alles Interessen der Fans der SG Dynamo Dresden. 

Dennoch mussten wir erfahren, dass innerhalb Dynamos die Fangemeinschaft Dynamo vor allem dann als Partner angesehen wurde, wenn es galt, Schaden vom Verein abzuwenden. Bei allen Punkten, die die darüber hinausgehenden Interessen der Fans betreffen, gab es keinerlei nennenswerte Ergebnisse. So sind die Sektorentrennungen nach wie vor geschlossen, Zaunfahnenplätze weiter verloren gegangen - auch wenn hier nach einer Kompromisslösung gesucht wird, die aber eben nicht bedeutet, dass in Zukunft Zaunfahnen da hängen dürfen, wo sie hingehören – das Thema Steinhaus versickert in unergründlichen Tiefen, Vorschläge aus dem Konzeptentwurf zur präventiven Fanarbeit wurden bisher weder umgesetzt, noch diskutiert, Topzuschläge sind leider keine Ausnahme mehr und die Kommunikation innerhalb des Vereins tendiert gegen Null. All diese Themen spricht die Fangemeinschaft Dynamo immer wieder an. Und wir tun dies nicht, um den Titel „größte Zicke bei Dynamo“ zu gewinnen, sondern einfach nur, weil wir es tun müssen. 

Im AUGENZEUGEN Nr. 54 haben wir die Topzuschläge thematisiert und darauf hingewiesen, dass vor allem der zeitliche Zusammenhang mit gerade erbrachten, sensationellen Sonderleistungen der Fans mehr als unglücklich war. Statt diesen Hinweis ernst zu nehmen, gab es die höhnische Antwort via Pressemitteilung, dass auch gegen den FC St. Pauli ein Topzuschlag erhoben wird und dieses Mittel in Zukunft weiterhin zur Sicherung der stabil bleibenden Eintrittspreise genutzt werden soll. Natürlich hat dazu seitens der Geschäftsführung niemand mit der Fangemeinschaft Dynamo gesprochen. Dies ist allerdings deshalb überraschend, weil die Fangemeinschaft Dynamo die protokollierte Zusage erhalten hat, dass es in der Rückrunde nur noch ein Spiel mit Topzuschlag geben soll. Sicher wissen auch wir, dass der Geschäftsführer inzwischen ein anderer ist. Dennoch erwarten wir, dass Zusagen nicht von Personen abhängen, sondern eingehalten werden, egal wer gerade Geschäftsführer ist. Ohne diese Verlässlichkeit erübrigen sich weitere Absprachen. Offensichtlich ist nicht die Fangemeinschaft Dynamo diejenige, die Vertrauen gewinnen muss. Denn wir haben mindestens im letzten Jahr alle unsere Zusagen eingehalten. 

Wir wünschen uns nicht nur eine Rückkehr zur konstruktiven Kommunikation, sondern auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen, die die Fans interessieren. Wir wünschen uns, dass man in der Geschäftsstelle den Wert der Fans dieses Vereins erkennt und man endlich wieder versucht, miteinander etwas Unglaubliches zu erreichen. Denn nur so hat dieser Verein eine Chance dazu.

Fangemeinschaft Dynamo

Freitag, 20. April 2012
 
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Nr. 55, Woche vom 07.04. bis 13.04.2012

Schau an, es sieht so aus, als ob es wirklich wahr werden sollte. Die Fankneipe im Stadion macht endlich auf. Und zwar mit Beginn der neuen Saison. 

So verkündete es die Sächsische Zeitung am vergangenen Sonnabend. Gehen wir doch einmal ein paar Jahre zurück. Als Pro RHS 2004 aufrief, Ideen für ein attraktives Stadion zu formulieren, stand eine Fankneipe im Stadion mit an vorderster Stelle. Irgendwie gehörte es für viele „Ureinwohner“ des Dynamostadions dazu, ja es war schon regelrecht eine heilige Handlung, dass man sich im „Kulti“ vor und nach dem Spiel traf, philosophierte, Tipps abgab und das bei einem gepflegt gezapften Bier vom Wirt höchstpersönlich. Der Blick konnte zwischen den Schals ruhmreicher Gegner und in Vergessenheit geratener Underdogs, Pokalen und Zeitungsartikeln, historischen Fotos und Wimpeln oder der Schlange am Tresen und Live-Fußball an der Wand schweifen. Und das alles mit Interieur und Wandbemalung konsequent in schwarz und gelb gehalten.

Fast genau sieben Jahre ist es her, da wurde dem damaligen Oberbürgermeister Ingolf Roßberg der Ideenkatalog der Fans übergeben. Wir wollten viele Stehplätze, wir wollten ein STADION, wir wollten Zaunfahnenplätze und eine Fankneipe. Ersteres haben wir, zweites und drittes haben wir noch, wenn auch jeweils mit schmerzlichen Kompromissen und nun soll endlich die Fankneipe kommen.

Da HBM die Baukosten erheblich überschritt und der Nachtrag von der Stadt Dresden nicht finanziert wurde, entstand ein für Dynamo sehr schlechter Kompromiss. Die Baukosten für die Fankneipe wurden auf den Verein umgelegt, dafür werden jährlich etwas mehr als 100.000 Euro fällig. Die Umlage auf Dynamo ist umso unverständlicher, wenn man weiß, dass der Verein nicht einen Cent der Einnahmen bekommt, geschweige denn eine anteilsmäßige Miteigentümerschaft am Stadion erlangt.

Bauseitig war die Fankneipe bereits 2010 fertiggestellt. Zunächst stieß die bereits installierte schwarz-rote Ersteinrichtung nach Vorbild des VIP-Bereiches auf erheblichen Widerstand innerhalb der aktiven Fanszene. Die Stadionkommission wurde daraufhin in die weiteren Planungen zur Fankneipe einbezogen. So entwickelte sich das einheitliche Interesse an einer Ausschreibung zum Betreiber. Die Projektgesellschaft, Pro RHS und die Fangemeinschaft Dynamo bildeten ein Auswahlgremium, das einmütig das Konzept des alten „Kulti“-Wirtes aus mehreren Bewerbern auswählte. Dieses wird nun im Rahmen des Gesamt-Caterings umgesetzt. Mit Beginn der Betreibung werden für Dynamo die oben erwähnten Refinanzierungskosten fällig. Diese Tatsache ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass die Fans bis heute auf die Eröffnung der Fankneipe vergeblich gewartet haben.

Wie wird sich die Fankneipe durchsetzen, vor allem zwischen den Spieltagen? Mit der „Torwirtschaft“ und dem „Acki´s“ haben sich zwei Einrichtungen für Dynamofans längst etabliert. Auch die Fangemeinschaft Dynamo hat in der Torwirtschaft hervorragende Rahmenbedingungen für Zusammenkünfte und Themenabende gefunden. Es gibt aktuell keinen Grund, daran etwas zu ändern. Dennoch ist eine Fankneipe direkt im Stadion genau das, was sich viele Dynamofans wünschen. Vielleicht wird es Fangruppen geben, welche im „Kulti“ eine neue Heimat finden. Stadionrundgänge sollen dort beginnen, Stammtische abgehalten werden. Vielleicht ist das schwarz-gelbe Ambiente sogar der gewünschte Rahmen für ein dynamisches Hochzeitspaar. Viel wird davon abhängen, wie die Fans das „neue Kulti“ annehmen werden. Dafür ist natürlich auch die Zugänglichkeit wesentlich, was wiederum dafür sorgen dürfte, dass am Sicherheitskonzept einige Änderungen notwendig werden. Geschlossene Stadiontore – so wie es derzeit zwischen den Spieltagen der Fall ist – wird es in Zukunft nicht mehr geben können. Zudem wird die Frage zu beantworten sein, welche Stadionbesucher in den Genuss kommen dürfen, vor dem Spiel oder zur Halbzeit bei Bier und Bockwurst Live-Fußball zu schauen und Insignien aus 60 Jahren Dynamo-Tradition zu bewundern. Bei geschlossenen Sektorentrennungen werden alle Sitzplatzbesucher davon ausgeschlossen. Die Fangemeinschaft Dynamo wird sehr genau beobachten, wie sich die Verantwortlichen dazu positionieren. Hier ergibt sich ein weiterer, sehr wichtiger Grund, die unsäglichen Rolltore schnellstens dauerhaft zu öffnen. Dynamo hat es selbst in der Hand, seinen treuen, Geistertickets kaufenden und Topzuschlag zahlenden Fans zwei Wünsche auf einmal zu erfüllen und damit einen kleinen Schritt in Richtung Vereinsidentifikation und 
-heimat zu wagen.

Übrigens fand der letzte Stammtisch im „Kulti“ des alten Rudolf-Harbig-Stadions mit Norbert Meier statt. Jener Trainer, der so gar nicht nach Dresden passen wollte und folgerichtig von Ede Geyer ersetzt wurde, und nun am kommenden Montag wieder zu Gast ist, um mit seinen Düsseldorfer „Fortunen“ drei Punkte für den Aufstieg zu entführen. Sicher wird der Empfang weit weniger herzlich, als im Dezember 2006. Für unsere Jungs gilt es, die schmerzliche Niederlage vom letzten November wett zu machen, als ausgerechnet unser Aufstiegsheld von 2004 Ranislav Jovanovic in der Nachspielzeit das Siegtor für die Düsseldorfer markierte, vor genauso vielen Zuschauern, wie unsere eigentliche Stadionkapazität hergibt. Und der magere Punkt aus den letzten beiden Spielen ist aktuell nicht das, was Dynamofans von der Mannschaft erwarten. Auf Wiedergutmachung wird gehofft. Trotz Liveübertragung im frei empfangbaren Fernsehen sollte erneut ein ausverkauftes Dynamostadion vermeldet werden. Der Mannschaft drücken wir genauso fest die Daumen, wie dem Gelingen der neuen Fankneipe ab der kommenden Saison.

Fangemeinschaft Dynamo

Freitag, 13. April 2012
 
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Nr. 54, Woche vom 30.03. bis 05.04.2012 

Zwei Entscheidungen gab es in der vergangenen Woche, die die Fangemeinschaft Dynamo beschäftigt haben. Eine davon war schockierend. Die andere auch.

Die erste Entscheidung traf das Verwaltungsgericht Hamburg. Es wies einen Widerspruch des FC St. Pauli zurück, der sich gegen ein Verbot der Hamburger Polizei richtete. Diese hatte dem Kiez-Club den Verkauf von Eintrittskarten an Fans von Hansa Rostock untersagt. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass das Gericht in seiner Begründung ausdrücklich nicht ausschließt, dass ein Verein einfach deshalb die Verantwortung für jegliche Gefahren trägt, weil er Fans zu seiner Veranstaltung einlädt. Weitergedacht bedeutete dies, dass er für die entsprechenden Kosten verantwortlich wäre. Sollte die eingelegte Beschwerde der Hamburger gegen den Beschluss erfolglos bleiben, bedeutete dies einen Einschnitt im deutschen Fußball, dessen Folgen dramatisch sein dürften. 
Es hieße nämlich nichts anderes, als dass praktisch künftig die Polizei darüber entscheiden würde, ob Fans ein Fußballspiel ihrer Mannschaft besuchen dürfen oder nicht, darüber ob es Fußball weiterhin geben wird. Es wäre eine Entscheidung, die nicht nur all denjenigen Argumente liefern würde, die Deutschland als einen Polizeistaat betrachten, sondern auch eine, die unser aller Fanleben radikal verändern würde. 


Die Entscheidung des Hamburger Gerichts ist aber gleichzeitig auch eine eigentlich unbezahlbare Werbung für alle regionalen und deutschlandweiten Vertreter von Faninteressen. Wer etwa noch einen kleinen Anstoß brauchte, um sich für eine Mitgliedschaft bei der Fangemeinschaft Dynamo zu entscheiden, für den sollte der Hamburger Wahnsinn auf jeden Fall ausreichen, um nun doch endlich einen Antrag auszufüllen. 

Was passiert, wenn Faninteressen nicht konsequent genug vertreten werden, wurde auch bei der zweiten Entscheidung deutlich. Sie kam von unserem eigenen Verein, heißt „Topzuschlag“ und wird beim Heimspiel gegen Düsseldorf erhoben. 

Auch die nun langsam aber sicher dem Ende zugehende Saison ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie innig Dynamofans ihren Verein lieben. Tausende Euro Fanbürgschaften, ein Geisterspielkarten-Weltrekord, „Ausverkauft“ auch gegen unattraktive Gegner, aus den Nähten platzende Gästeblöcke in fremden Stadien – wie gewohnt ließen die Dynamofans keine Chance aus, um zu beweisen, wie tief die Verbundenheit mit ihrer Sportgemeinschaft ist. Wenn es Fußballfans gibt, auf die der bekannte Spruch mit dem „letzten Hemd“ zutrifft, dann ganz sicher uns. 

Diese Fakten und die für Dynamofans mit vier Aussperrungen besonders schwierigen Konsequenzen des DFB-Schandurteils vor Augen, machen die Erhebung eines Topzuschlags zum jetzigen Zeitpunkt nach Meinung der Fangemeinschaft Dynamo mehr als nur unnötig. Fans, die gerade 34.000 Geisterkarten gekauft haben, deren Zaunfahnenplätze man gerade verkauft hat, jetzt einfach in die Tasche zu greifen, ist respektlos und dreist. 

Nun ist, wenn man es ganz nüchtern und rein faktisch betrachtet, dieser Zuschlag keine völlige Überraschung für uns als Fangemeinschaft Dynamo. Dass der Verein beabsichtigt, insgesamt fünf solche Zuschläge in dieser Saison zu erheben, war in einem Treffen zwischen Verein und Fanvertretern im September angekündigt worden. Hier den Verantwortlichen nicht vorsorglich und rechtzeitig noch einmal „auf die Füße getreten“ zu haben, dürfen wir uns durchaus vorwerfen. Wir werden aber auch aus dieser Erfahrung entsprechende Schlüsse für die Zukunft ziehen. Dennoch gilt nach Meinung der Fangemeinschaft Dynamo auch und gerade hier, dass man nicht alles tun muss was man tun darf und nicht alles tun darf was man tun könnte.

Vielleicht - und darauf setzt die Fangemeinschaft Dynamo - ist die Entscheidung aber auch einfach nur das Produkt der aktuell sehr provisorischen personellen Strukturen innerhalb unseres Vereins und/oder mangelhafter Kommunikation. Wäre dies so, dann bestünde ja die Möglichkeit, diese Maßnahme, die allem widerspricht, was in den vergangenen Wochen und Monaten von Vereinsseite gegenüber seinen Fans geäußert wurde, zu korrigieren. Zum Beispiel mit einem Rabatt beim letzten Saisonspiel gegen St. Pauli. 

Wie wär's, Sportgemeinschaft? 


Fangemeinschaft Dynamo

Freitag, 06. April 2012
 
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Nr. 53, Woche vom 23.03. bis 29.03.2012 

Der DFB hat nachgedacht. Über seine Strafen und ihren Sinn. Das hat er jedenfalls vor einigen Tagen verkündigen lassen. Auch wenn diese Meldung mehr als genug berechtigten Anlass für eine wahre Orgie von Hohn und Spott bieten würde, lassen wir die Ironie- und Satirekeule im Schrank. Und auch für Freude oder Genugtuung gibt es keinen Grund. Weiß doch bisher - außer den Fußballverkäufern in der Mainmetropole - keiner so richtig, worüber konkret nachgedacht wurde.

Wäre es tatsächlich die Einsicht, dass Sippenhaft nichts anderes als ein Werkzeug hilfloser Diktatoren darstellt, dann könnten - nicht nur - Fußballfans aufatmen. Sollte es die Erkenntnis sein, dass das Internet es möglich macht, dass verbotene Fans sich dennoch und kurzfristig mit Karten versorgen können und so die Anweisungen von DFB-Richtern zur Farce verkommen, dann könnte man als Fußballfan darüber schmunzeln. Und wenn es die Akzeptanz gesellschaftlicher Realitäten und Grenzen von Fußballvereinen gewesen wäre, dann gäbe es regelrecht Grund zum Feiern. Wenn, ja wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wäre. Oder in unserem Fall zum Beispiel die Wörtchen "Solidarisierung gegen den Verband".

Liest man die Punkte, die den DFB angeblich zum Nachdenken über ein Umdenken angestiftet haben, dann darf man als Fußballfan durchaus bezweifeln, ob da wirklich ein Nachdenken über ein Umdenken stattfindet. Störend ist nämlich in erster Linie die Solidarisierung von Fans. Das vom DFB jetzt erkannte Problem ist also nicht, dass ihre Strafen gegen eine gesamte Fangemeinde ungerecht sind, sondern lediglich, dass Fans solche Strafen als ungerecht empfinden. Bestraft werden sollen deshalb in Zukunft nicht mehr "alle Fans", sondern nur noch die Schuldigen. Das klingt zunächst gut, aber das tut es leider nur beim ersten Hören. Denn schaut man sich einmal an, wer nach Meinung der neuen Gerechtigkeitsfanatiker in Frankfurt schuld an allem Übel innerhalb ihrer blitzblanken Sommermärchenfußballwelt war, ist und aller Voraussicht nach auch weiterhin sein wird, dann trapst die Nachtigall lauter als jeder hirnlose Böller. Was beim Lesen der DFB-Ankündigung einzig und allein bleibt, ist mehr als ein vager Verdacht, dass es nicht darum geht, Ungerechtigkeit und Oberflächlichkeit zu korrigieren, sondern nur darum, die zunehmende Solidarisierung der Fans zu brechen. Das Sperren oder Bestuhlen von Stehplatzblöcken und das Schikanieren oder Verbieten von Fangruppen sind Ideen, die als denkbare Mittel zum Erreichen dieses Ziel eine durchaus vorhandene sehr reale Basis haben. 

Es wird sich zeigen, ob die vermutlich neue Strategie des DFB, mit ihren Bestrafungen Fans künftig noch zielgerichteter als bisher zu spalten, erfolgreich sein kann. Aber mal Hand auf's Herz - gibt es neben all den angeblichen Journalisten und den debilen Gehilfen der Fußballindustrie in der Otto Fleck Schneiße, nicht auch Einige unter uns, die es zugunsten persönlicher Interessen zur Not auch mal nicht ganz so genau mit der Definition von "Schuld" nehmen würden? Wie groß wäre denn unsere Wut, die Wut der vielen tausend Dynamofans auf einen Verband und seine schreiende Ungerechtigkeit gewesen, wären gegen Ingolstadt "nur" der K-Block gesperrt und in Frankfurt "nur" die Ultras Dynamo verboten worden?

Fangemeinschaft Dynamo

Donnerstag, 29. März 2012
 
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Nr. 52, Woche vom 16.03. bis 22.03.2012 

Es war ein großartiges Bild, ein Bild, dass mehr zeigte als Fußballfans beim Anfeuern ihrer Mannschaft. Als sich am vergangenen Freitagabend mehrere hundert Dynamofans im Frankfurter Stadion zu einem improvisierten Gästeblock formierten, bedeutete dies auch zwei symbolische Mittelfinger in Richtung der nahen Otto Fleck Schneiße. Das Bild der schwarzgelben Anhängerschar, die trotz "Zuschauerausschluss" ihr Team wie gewohnt frenetisch unterstützte, war eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Dynamofans sich nicht von einer Gruppe engstirniger Fußballbürokraten ihre Rechte nehmen lassen. Es war der Beweis dafür, dass die "Bestrafungen" eines völlig überforderten Fußballverbandes nicht nur völlig falsch, sondern auch völlig nutzlos sind. Die Fangemeinschaft Dynamo ist stolz auf den Auftritt der Dynamofans in Frankfurt und bedankt sich bei allen Schwarzgelben, die Teil dieses einzigartigen dynamischen Bildes waren. 

Ganz "legal" werden wir am morgigen Abend im Dynamostadion unsere Jungs auf dem Rasen anfeuern. Fast schon wie gewohnt, wird das Stadion auch gegen die Münchner Löwen rappelvoll sein. Erfreulich und positiv zu bewerten ist dabei die Tatsache, dass der zumindest teilweise Verzicht auf unnötige und deshalb unsinnige "Pufferblöcke" diesmal das eindrucksvolle Bild eines ausverkauften Stadions nicht zerstören wird. Die Fangemeinschaft Dynamo betrachtet dies als ein Indiz dafür, dass auch bei den entsprechenden Verantwortlichen ein Umdenken stattfindet und hofft, dass dies auch im Hinblick auf die unsägliche Sektorentrennung im Heimbereich einen Hoffnungsschimmer darstellt. Für ein für alle Zuschauer sicheres und tolles Stadionerlebnis braucht es weder gesperrte Ränge noch geschlossene Rolltore.

Was eine echte dynamische Gemeinschaft wirklich braucht und was sie ausmacht, wird morgen Abend im Vorprogramm zum Spiel deutlich werden. Die Fangemeinschaft Dynamo wird dort dem Verein "Dynamo für alle Kinder" symbolisch das Geld überreichen, dass die Dynamofans im Rahmen unserer Aktion "GEIST und SPIEL" gespendet haben. Wie hoch die Summe ist, über die sich der schönste aller dynamischen Vereine freuen kann, wieviel Geld insgesamt im Rahmen unserer Spendenaktion anlässlich des Geisterspiels gegen Ingolstadt zusammengekommen ist und was mit der finanziellen Unterstützung der Fans nun konkret passieren wird, erfahren alle Dynamos während unserer FANZEIT, die wie gewohnt eine halbe Stunde vor Anpfiff unseres Sieges gegen den TSV 1860 München stattfindet.


Fangemeinschaft Dynamo

Donnerstag, 22. März 2012
 
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Nr. 51, Woche vom 09.03. bis 15.03.2012 

In dieser Woche hat der AUGENZEUGE die Möglichkeit bekommen, seinem Namen in der ursprünglichsten Form gerecht zu werden. Unsere Vertreterin im Aufsichtsrat, Anke Kattner, hat uns ihren AUGENZEUGEN-Bericht zu ihren Erlebnissen beim Geisterspiel zukommen lassen. Die Gelegenheit nutzen wir gern, um uns bei Anke nicht nur für diesen Beitrag zu bedanken, sondern für ihr gesamtes Engagement für unseren Verein und nicht zuletzt die Fangemeinschaft Dynamo. Anke, mach weiter so!

"Als Offizieller Geist vor Ort

Aufgrund meiner Kooptierung durch die Fangemeinschaft Dynamo in den Aufsichtsrat hatte ich die Möglichkeit, mich auf die sogenannte Delegationsliste für
 offizielle Vereinsvertreter setzen zu lassen. Dies hatte ich zunächst jedoch nicht einmal in Erwägung gezogen. Zum einen war ich als „Offizielle“ noch nicht so oft unterwegs, kannte mich mit den Modalitäten nicht aus und vertrete als faktisch einfaches Aufsichtsratsmitglied dieses Gremium auch nicht nach außen. Zum anderen ist meine „Heimat“ die heutige West-Tribüne und die Haupttribüne für mich eher nicht so interessant. 


Nach ein paar Fragen aus dem Freundeskreis, ob ich eigentlich ins Stadion gehen könnte und de facto die Fanszene dort vertreten würde, hab ich also darüber nachgedacht und für mich entschieden, dass ich mir in der 2. Halbzeit das Geschehen im Stadion mal ansehen werde. Ein paar Tage vor dem Spiel habe ich mich daher auf die Delegationsliste setzen lassen und meine offiziellen Dokumente erhalten.

Mit dem Halbzeitpfiff bin ich also in der Torwirtschaft los, rüber zur Haupttribüne. Nach 50 Metern hab ich jedoch erst mal die nächsten Bekannten von der „West“ getroffen und mich dort noch 10 Minuten verquatscht. Dann ging’s weiter bis zum Eingang. Dort hatte sich der unterbeschäftigte Einlassdienst gerade mit ein paar Passanten unterhalten. Etwas überrascht war er dann schon, als ich mit meinem unter meinem FG-Schal versteckten Einlassdokument auf ihn zukam. Mit dem Fahrstuhl ging’s nach oben zu den Logen. Dort gab es zwei Delegationslogen (gekennzeichnet als Delegationsloge Nr. 1 und Delegationsloge Nr. 2), vor denen einige unsere „rekonvaleszenten“ Spieler standen und ungläubig auf die Lennéstraße schauten. Ich unterhielt mich daher zunächst kurz mit Martin Stoll, Wolfgang Hesl und Dennis Eilhoff. Dann ging es mit den Spielern in Delegationsloge Nr. 1 und von dort direkt weiter auf den „Balkon“ vor den Logen, wobei unsere verletzten Spieler in der Loge blieben und ich mich in den nass-kalten Wind stellte. Nach einem Blick nach rechts und links konnte ich nicht mehr als etwa 20 Personen erkennen. Ein Teil davon selbstverständlich mit Audi-Jacken. 

Totenstille auf dem Balkon, vor allem da der Wind jedes Restgeräusch verschluckt hat. Einige klatschten bei sehenswerten Aktionen, aber man fühlte sich davon eher peinlich berührt. Ich bin insgesamt zwei Mal an die Scheiben zur Lennéstraße rüber, um zu schauen, ob wirklich ein Meisterschaftsspiel stattfindet. Dann hat man die Menschenmassen gesehen und sich gefragt, was das hier eigentlich für eine surreale Situation ist.

Insgesamt drei Vertreter der Vereinsgremien (mit mir) waren nach meiner Wahrnehmung anwesend. Zwei Aufsichtsrätinnen und ein Ehrenrat. Vom Rasen wurden immer wieder Rufe herüber geweht und von draußen waren die Sprechgesänge zu hören, als wäre der K-Block ganz normal gefüllt. Dass man das SO deutlich verstehen kann, hätte ich nicht gedacht. Das müssen die Spieler auf dem Platz auch gehört haben! DAS hatte den eigentlichen Gruselfaktor. Viele Details, die ich später im TV gesehen habe, hatte ich live gar nicht mitbekommen. Die Konzentration war bei mir persönlich vollkommen weg. Zum einen ist man irritiert von den unbekannten Geräuschen im Stadion obwohl man zum anderen das Gefühl hat, an einer Stadionführung teilzunehmen, die als besonderen Höhepunkt ein Spiel beinhaltete. Der Vollständigkeit halber: Es gab nur Alkoholfreies, Kuchen, Wiener Würstchen und Kaffee. Letzteres zumindest bis 10 min vor dem Abpfiff. Ich hab die Wiener und den Kaffee probiert.

Etwas entsetzt war ich zunächst, als ich zwar jede sonst bekannte Zaunfahne im Stadion, aber nicht die FG-Fahne entdecken konnte. Erst später im TV war zu sehen, dass die FG-Fahne medienwirksam an der Haupttribüne befestigt wurde und natürlich von meiner Position nicht gesehen wurde. 

Nach dem Abpfiff wollten wir eigentlich so schnell wie möglich raus aus dem Stadion, aber das hätte ich nicht erwartet. Der Anblick von tausenden Leuten vorm Stadion wirkt hypnotisierend. Man muss einfach hinschauen. So hab ich das Wahnsinnstreiben auf der Lennéstraße von oben angesehen. Wir sind dann auf der Logenebene weiter Richtung K-Block-Eingang gegangen, vorbei an einem nur halbherzig abgesperrten Bereich. Dort standen noch drei Personen, die im tiefsten bayrisch gerade feststellten, dass da jetzt gleich ne „Humba“ gemacht wird. Nun gut. Wir haben also zusammen die sächsische „Humba“ angesehen und sind dann noch auf die Fluchttreppen raus, um den Lärm auch mal ohne Scheiben dazwischen zu hören. Was soll man dazu sagen. Ich kann mich an kein Null zu Null erinnern, dass je so gefeiert wurde…

Danach ging es dann wieder runter in den Eingangsbereich. Die Pressekonferenz begann gerade. Kurz wurden noch ein paar „dienstliche“ Angelegenheiten mit unserem Interimsgeschäftsführer besprochen und dann war man wieder unter Leuten.

Mein Fazit: Geisterspiele sind gruselig!"

Donnerstag, 15. März 2012
 
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