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  • SG Dynamo Dresden – SV Darmstadt 98: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – SV Darmstadt 98: Spielanalyse

    Gegen den SV Darmstadt verliert die SGD auf die wohl bitterste Art und Weise. Dabei legte man keine schlechte Leistung an den Tag. Werfen wir nochmal einen genaueren Blick auf Herangehensweise und Spielverlauf.

    Der Gegner

    An diesem Wochenende kam ein ausgesprochen stabiles und flexibles Zweitligateam nach Dresden. Den SV Darmstadt zeichnet ein vergleichsweise hoher Grad an Direktheit und Vertikalität im eigenen Spiel aus. Zudem prägen einige spannende Einzelspieler (Patric Pfeiffer, Philip Tietz, Luca Pfeiffer) das Spiel der Hessen. All diese Aspekte sollten auch im Spiel gegen die SGD bedeutend werden. Schauen wir es uns chronologisch an.

    Dynamo im angepassten Pressing

    Für Dynamo als Pressingteam galt es zunächst, innerhalb der bekannten Schmidtschen Prinzipien einen klugen Matchplan gegen die Darmstädter Spielweise auszuwählen. Dieses Mal entschied sich das Trainerteam der SGD gegen die bekannten Abläufe aus der Raute.

    Zwar stellte Dynamo den gegnerischen Abstoß weiterhin rautenartig (oder später im 442, bei dem der ballnahe Stürmer den gegnerischen Sechser durch seinen Deckungsschatten kontrollieren sollte) zu, darüber hinaus agierte man jedoch in einem tieferen 442/4222-Mittelfeldpressing. 

    So gewährte man Darmstadt eine kontrollierte Ballzirkulation in erster Aufbaureihe. Statt den gegnerischen Spielaufbau wie gewohnt direkt zu attackieren, stand vielmehr folgendes im Fokus: Die beiden eng agierenden Flügel Weihrauch und Batista Meier und die Stürmer Königsdörffer und Daferner sollten sich so positionieren, dass ihre Deckungsschatten potenzielle Passwege ins Zentrum schließen. 

    Darmstadts Überraschung mit Ball

    Diese Herangehensweise schien Darmstadt zu überraschen. In der gesamten ersten Hälfte konnten sie zwar ab und an gefährliche Aktionen kreieren, wirklich stimmig wirkten die durch Dynamos tieferes Pressing aber häufig auftretenden Ballbesitzphasen selten. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel wurde klar: Man erwartete Dynamo eher in der Raute, so Trainer Lieberknecht.

    So startete Darmstadt in ihr Ballbesitzspiel in 2512-ähnlichen Strukturen, wobei die Breite jeweils einfach (meist durch Karic und Skarke) und das Zentrum bzw. die Halbräume vielfältig besetzt wurden. Das hätte strukturell gut auf Dynamos klassische Idee gepasst. Man bindet mit vielen Spielern im Zentrum die gegnerische Raute und besetzt gleichzeitig die so entstehenden großen Räume auf dem Flügel. Gerade Dynamos Außenverteidiger Akoto und Giorbelidze hätten so weit rausrücken, die Viererkette weiträumig durchsichern müssen. Das hätte zu ungenügendem Zugriff auf den Ballführenden, großen (zu belaufenden) Räumen im Rücken und/ oder qualitativen Vorteilen für Darmstadt in 1v1-Situationen (besonders mit Tietz und Pfeiffer) führen können.

    Mit dem 442 kam Dynamo dem aber entgegen. Man war in der Lage, das Zentrum kompakt zu halten und gleichzeitig durch kürzere Verschiebebewegungen die Breite leichter abzudecken.

    Darmstadts anfängliche Offensivformation, Dynamos Defensivformation – 442 sichert Zentrum und Breite.

    Darmstadts Anpassungen mit Ball 

    Schon nach fünf Minuten veränderte Darmstadt daher ihre Aufbaustruktur. Vermehrt kippte nun ein Mittelfeldakteur (meist Sechser Gjasula) in die erste Linie, was Überzahl und für die jeweils außen positionierten Verteidiger passendere Passwinkel zu Halbraum und Flügel bedeutete. Das erleichterte Darmstadt die Ballzirkulation, wenngleich sie sich immer noch nicht konstant in hohe Zonen kombinieren konnten. 

    Gefährlich wurde es vor allem dann, wenn sie über dynamische vertikale Abläufe die gefährlichen Stürmer Pfeiffer und Tietz einsetzten. Tietz startete häufig in die Tiefe (oder täuschte es an), wodurch er Raum zwischen den Linien kreierte. Dort positionierte sich Pfeiffer klug, sodass er dort entweder direkt mit einem langen Ball gefunden wurde oder eine Ablage von Tietz erhielt. Über solch kluge Bewegungen, sehr intensives Nachrückverhalten und schnelle Klatschabfolgen oder Verlagerungen kam Darmstadt in dynamische Situationen. Zum Beispiel konnten so die wuchtigen Flügelspieler einige Male nach einer Ablage oder Verlagerung auf Dynamos Kette zu gehen oder die Schnittstellen attackieren.

    Darmstadts angepasste Offensivformation, Dynamos Defensivformation – Bewegungen der Stürmer für Tiefe und Raum.

    Zudem fokussierten die Hessen den Raum zwischen den Dresdner Innen- und Außenverteidigern. Die etwas tiefer stehenden Breitengeber sollten Dynamos Außenverteidiger zum weiträumigen Rausrücken locken. Dynamos Mittelfeld war schließlich durch die zentral positionierten Außenverteidiger Darmstadts gebunden. Der hinter den Außenverteidigern entstehende Raum wurde dann entweder durch unterlaufende Bewegungen der zuvor eingerückten Außenverteidiger im Halbraum oder durch diagonale Läufe in die Tiefe durch Darmstadts Stürmer attackiert. (Letzteres konnte zudem situativ wieder zentrale Räume für Pfeiffer öffnen.)

    Darmstadts Offensivformation, Dynamos Defensivformation – Raum hinter dem Außenverteidiger.

    Dynamos starke Defensivleistung

    Ich könnte mir vorstellen, dass gerade letzteres gegen eine Raute noch häufiger und besser funktioniert hätte. Insgesamt konnte die SGD den Gegner aber gerade in der ersten Hälfte nur auf einige wenige gefährliche Szenen beschränken. Dabei half das 442-Pressing und die damit einhergehende bessere Kontrolle auf dem Flügel. Genauso war die sowohl individuell als auch kollektiv kluge Ausführung dessen entscheidend. Meist stimmten Positionierungen und Anlauf- (bei Pässen in den Block, aber auch z. B. bei Rückpassen und geschlossenen Stellungen, woraufhin man aufrückte) bzw. Verschiebebewegungen. Man verteidigte aufmerksam nach vorn und brachte die gewohnt hohe Intensität aufs Feld.

    So stellte man gute Kompaktheit im Zentrum und der ballnahen Seite her, schloss potenzielle Kombinationsmöglichkeiten und erzielte wichtige Ballgewinne, wurde der Ball doch gespielt. Auch Situationen über die Darmstädter Stürmer verteidigte man spätestens in der Box durch aktives Rückzugsverhalten und eine gewohnt stabile Endverteidigung. (Andererseits hätte Darmstadt Dynamo in der ersten Hälfte für meinen Geschmack auch noch etwas häufiger in Bewegung bringen können. Ab und an nutzte man schon Verlagerungen auf den ballfernen Breitengeber, in diesen Situationen verschob Dynamo aber gut. So hätte man vielleicht noch häufiger zentrale Lücken im Pressing der SGD oder 1v1-Situationen auf dem Flügel finden können.)

    Hier noch eine zusätzliche Szene, die ich spannend fand (30. Min.): Das einzige Mal, dass Darmstadt ihre zentrale Überzahl gefährlich nutzen kann, indem sie sich zentral sehr klug in den Schnittstellen positionieren. Nach dem Pass auf die Sechs schließt Dynamo nicht rechtzeitig, sodass die mittlere Pressinglinie über den Halbraum überspielt werden kann. Von dort startet eine dynamische Aktion über Darmstadts Flügel.

    Dynamos gefährlicheres Umschalten

    Aus jenen Ballgewinnen galt es aus Dynamo-Perspektive dann, selbst Torgefahr zu kreieren. In solchen Umschaltsituationen machte die SGD einen besseren Eindruck als zuletzt. Neben der Quantität des Konterpersonals passten dieses Mal auch vermehrt die Entscheidungen des Ballführenden zu den Laufwegen der Mitspieler. Entscheidend war im Vergleich zum Spiel gegen Paderborn und Heidenheim, dass man neben dem Belaufen der Tiefe häufiger auf einen Verbindungsspieler setzte. Meist übernahm diese Rolle Daferner, der sich vor der letzten Reihe Darmstadts positionierte und denn Ball klatschen ließ und/ oder nach vorn gerichtete Verbindungen zu den Tiefenläufen schuf.

    Auch die Besetzung der Flügel mit den kreativen Spielern Weihrauch und Batista Meier und ein in diesem Spiel robuster Königsdörffer wirkten sich positiv auf die Entscheidungsfindung in diesen Situationen aus. Es klappte aber natürlich auch nicht alles. Auch weil Darmstadts Restverteidigung stabil agierte (Patric Pfeiffer!). Dennoch war das Konterspiel der SGD in dieser Partie im Vergleich ein weiterer Schritt nach vorn.

    Anpassungen in der zweiten Hälfte

    In Hälfte 2 passte sich Darmstadt an das unerwartete Pressing der SGD an. Mit Müller kam ein besonders in der linken Innenverteidigerrolle spielstärkere Akteur in die Partie, mit Honsak ein direkter, zielstrebiger Flügelstürmer. Das ging einher mit einer strukturellen Änderung.

    Darmstadt baute nun häufiger aus einer 442-Staffelung auf. (Wobei situativ auch der 3er-Aufbau weiter auftrat.) Dabei standen im Aufbau beide Außenverteidiger etwas tiefer (und weiterhin nicht maximal breit), beide Sechser innerhalb Dynamos kompakten Zentrums. Damit band man die Dresdner Flügel Weihrauch und Batista Meier in zentraleren Räumen und lockte situativ auch Dynamos Doppelsechs aus Stark und Kade etwas heraus. 

    Darmstadts Offensivformation, Dynamos Defensivformation – HZ2 bringt mehr Direktheit und 1v1.

    Das kreierte etwas mehr Raum und Zeit in der Breite und ab und an auch zwischen den Linien, was Darmstadt mit einem nun noch etwas direkteren Ansatz bespielte. Die Muster im Übergangsspiel blieben dabei ähnlich wie in der ersten Hälfte. Viel Fokus lag auf 1v1-Situationen auf dem Flügel und klugen Bewegungen beider Stürmer im Raum zwischen den Linien oder hinter dem herausgerückten Außenverteidiger. Dabei zeichnete sich Darmstadts Spiel durch bemerkenswerte Wucht und Dynamik aus, die Dynamo trotz insgesamt ordentlichem Defensivverhalten situativ Probleme bereitete.

    Spannende Schlussphase

    Dennoch konnte auch die SGD in der zweiten Spielhälfte weiterhin Torgefahr kreieren. Das Spiel entwickelte sich durch Darmstadts direkteren Ansatz und die fortgeschrittene Zeit im Allgemeinen zu vermehrtem „Chaos”. Umschaltaktion reihte sich an Umschaltaktion, lange und zweite Bälle und Standards (Einwürfe!) gerieten zunehmend in den Fokus. (Etwas, womit beide Teams gut umgehen können.) 

    Zuletzt schlichen sich auch bei beiden Teams vermehrte Ungenauigkeiten ein. Ungenügendes Freilaufverhalten und unkonzentriertes Passspiel im Aufbau waren beispielsweise Aspekte, die einige Umschaltsituationen verursachten. So kreierten beide Teams einige gefährliche Aktionen, bei denen es letztlich Darmstadt gelingt, noch das entscheidende Tor zu erzielen.

    Fazit

    Am Ende hätte dieses Tor aber genauso auch auf der anderen Seite fallen können. Trotz des Ergebnisses war diese Partie für Dynamo insgesamt – innerhalb der Schmidt-Idee und deren bekannten Limitationen (!) – ein weiterer Schritt nach vorn. Gegen ein Topteam agierte man defensiv weitgehend stabil. Zudem agierte man durch passendere Abläufe in Umschaltaktionen torgefährlicher als zuletzt. Die bestehenden Schwächen im Spiel mit Ball (Positionsspiel, Abläufe und Prinzipien im Kombinationsspiel, etc.) wurden zwar wiederum deutlich, prägten dieses spezielle Spiel jedoch weniger.

  • Niederlagenserie gegen SCP, FCH und SVD: Spielanalyse

    Niederlagenserie gegen SCP, FCH und SVD: Spielanalyse

    Wie versprochen schauen wir uns zur aktuellen Länderspielpause noch einmal Dynamos Niederlagenserie aus dem September genauer an. Warum haben wir gegen Paderborn, Heidenheim und Darmstadt verloren? Und wie ordnen wir diese Schwächephase in die Gesamtentwicklung ein?

    SGD – SCP: 0:3

    Die erste Saisonniederlage kassiert die SGD Ende August gegen den SC aus Paderborn. Das 0:3 schien auf den ersten Blick natürlich extrem ernüchternd. Wenn man sich das Spiel aber nochmal genauer ansieht, muss ganz klar konstatiert werden, dass dieses Ergebnis nicht im Ansatz den Spielverlauf widerspiegelt.

    Dynamos Herangehensweise

    Gerade in den ersten 30 Minuten des Spiels agierte Dynamo nämlich eigentlich genauso stark wie in den Wochen zuvor. Aus der klassischen 433/4Raute2-Struktur liefen wir den Gegner gemäß dem Schmidt-typischen Pressingfokus sehr hoch und mit brutaler Intensität an. Obwohl Paderborn unter Kwasniok ein sehr spielstarkes Team ist, konnte man so deren Spielaufbau schon früh stören, einige hohe Ballgewinne erzielen und durch schnelles vertikales Umschalten einige gefährliche Chancen kreieren. Wenn Dynamo etwas mehr Glück hat, führt man in diesem Spiel schon nach zwei Minuten.

    Neben diesem typischen Plan fielen mir jedoch noch weitere Aspekte in Dynamos Spiel positiv auf. Gerade im Vergleich zu den folgenden Spielen (Heidenheim, Darmstadt, Pauli) agierte man nämlich auch im Ballbesitz deutlich gefährlicher, da mutiger, präziser und variabler. 

    Zunächst lag das sicher zum Teil auch an der Einbindung der Einzelspieler. Beispielsweise Schröter als rechter Breitengeber und Vlachodimos als dynamischer linker Flügel wurden genau gemäß ihrer Stärken eingesetzt und konnten so das Team mit ihrer individuellen Qualität bereichern. 

    Doch auch gesamttaktisch ließen sich wie zum Saisonbeginn spannende Muster erkennen. In erster Linie ging es darum, nach den hohen Ballgewinn schnell über die Flügel in die Tiefe zu kommen und von dort ins Zentrum zu flanken. Dabei war man, wie gesagt, deutlich genauer und dadurch auch dynamischer unterwegs, was die Gefahr der eigenen Angriffe signifikant erhöhte.

    Hatte man etwas mehr Zeit am Ball bzw. musste aus tieferen Zonen heraus aufbauen, fand man häufig gute Lösungen gegen das Paderborner Pressing. Entweder war man in der Lage, die zweiten Bälle nach langen Schlägen mit brutaler Intensität zu gewinnen und so wiederum in die schon beschriebenen Umschaltsituationen zu kommen oder man spielte sich über die tiefen Außenverteidiger frei, die sich ihrer Gegenspieler entzogen.

    Beispiel langer Ball im Aufbau – enge Struktur für zweite Bälle.
    Dynamos flacher Spielaufbau – Lösung über tiefe AV.

    Entscheidend war daran anschließend, dass man sich – nicht wie in den folgenden Spielen – zu leicht und mit zu wenig Personal auf die Außenbahnen drängen ließ. Einerseits überlud man mit dem jeweiligen AV, 6er, 8er, Flügel und Stürmer klug die ballnahe Seite, um dort kombinieren zu können.

    Dynamos Übergang – Überladung der ballnahen Seite.

    Verlagerungen über Stark auf die verwaiste andere Seite waren dann ein oft genutztes, kluges Anschlussmittel.

    Dynamos Übergang – Verlagerung über 6er wenn Seite zugeschoben.

    Andererseits war man jedoch auch mutig genug, häufiger über das Zentrum aufzubauen. Durch einige sehr dynamische Steil-Klatsch-Kombinationen über die vier eng positionierten Rautenspieler schaffte man immer mal wieder vielversprechende Räume für unsere andribbelnden Außenverteidiger. 

    Alles in allem war ich wirklich beeindruckt von dem Spiel der SGD gegen Paderborn, zumindest in den ersten 30 Minuten. Eigentlich war das genau das, was Schmidt erwartet – brutale Intensität, gutes Pressing, gutes Gegenpressing, aber eben auch (!) mutiger Ballbesitz mit hilfreicher Genauigkeit. Durch gute Boxbesetzung waren auch Chancen da, um Tore zu erzielen (auch wenn da mit etwas mehr Genauigkeit im letzten Drittel sicher sogar noch mehr drin gewesen wäre).

    Unglückliche Gegentore

    Am Ende kassiert man in diesen Minuten aber doch auch drei Gegentore. Diese hätten in ihrer Entstehung nicht unglücklicher sein können. Die erste Kontersituation nach einem Ballverlust im Mittelfeld von Kade (was schlicht passieren kann), spielten Justvan und Michel einfach grandios aus. Das zweite Gegentor entsteht aus einer eigentlich sehr ungefährlichen Situation, in der aber Sollbauer ein technischer Fehler unterläuft, den Pröger mit überragender Schusstechnik perfekt ausnutzt. Das 0:3 schien zunächst ein Fehler von Akoto zu sein, doch primär war das einfach eine der ersten Situationen, in denen Dynamo in der gegnerischen Hälfte das eigene Pressing nicht mit dem perfekten Timing ausspielte und so die schnellen Paderborner Stürmer auf unsere hohe Kette zuliefen. (Fußnote: Ich habe mir das Spiel nochmal angesehen, meines Erachtens nach hat Akoto übrigens kein schwaches Spiel gemacht. Klar, den Zweikampf vorm 0:3 sollte er gewinnen. Wie viele Paderborner Chipbälle er aber sonst mit seinem Tempo wegverteidigt hat, ist durchaus positiv hervorzuheben.)

    Paderborn und der weitere Spielverlauf

    Dass Dynamo diese Tore so kassiert, lag neben einer großen Portion Pech auch schlichtweg an einem starken Gegner. Dass die individuelle Qualität in jedem Mannschaftsteil Paderborns über der unseren liegt, ist klar. Wie Justvan, Pröger und Michel diese Tore kreieren oder wie Hünemeier Dynamos Flanken in der Box verteidigt, war schon beeindruckend. 

    Dazu kommt, dass Paderborn natürlich auch gesamttaktisch einen kompletten und flexiblen Eindruck macht. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im Spielaufbau waren sie zum Beispiel immer öfter in der Lage, Dynamos Pressing durch eine tiefe Positionierung der eigenen Sechser ins Leere laufen zu lassen.

    Paderborns Spielaufbau gegen Dynamos Pressing – tiefer 6er bringt Überzahl; Dynamos 8er trauen sich nicht hochzuschieben, da hinten sonst keine Überzahl mehr.

    Genauso agierten sie nach dem 0:3 bis zum Spielende einfach sehr clever. Nachdem zu Beginn des Spiels viele Umschaltaktionen auf beiden Seiten für Gefahr sorgten (und am Ende zum 0:3 führten), bekamen sie immer mehr Kontrolle in ihr Spiel. Situativ zogen sie sich zurück, wenn Dynamo den Ball hatte, was ihnen mehr Zugriff im Zentrum und Absicherung der Tiefenläufe durch die Stürmer der SGD bot. Durch die zwei hoch positionierten, „zockenden“ Stürmer war dabei auch noch gleichzeitig die Kontergefahr stets präsent. Mit Ball überspielten sie Dynamos Pressing entweder mit langen Bällen (meist auch direkt hinter die Kette, wo Sollbauer gegen Michel zum Beispiel einen signifikanten Temponachteil hatte) oder waren in der Lage, durch tiefe 6er (s. oben) und Außenverteidiger Dynamo anzulocken, trotzdem in Überzahl auszuspielen und dann mit Tempo und Vertikalität zu überrumpeln.

    Dagegen half natürlich nach den Gegentoren auch nicht, dass Dynamo nicht in der Lage war, die eigene Intensität gegen den Ball und den eigenen Mut mit Ball aufrechtzuerhalten. Über die Gründe dafür lässt sich spekulieren, sicherlich spielten dabei jedoch sowohl mentale als auch physische Aspekte eine Rolle. Schmidt brachte zwar noch einiges an frischem Offensivpersonal, löste am Ende auch die Restverteidigung etwas auf, jedoch war man über das gesamte Spiel nicht in der Lage, zwingende Dominanz zu erzeugen. Ein paar Chancen waren da, doch der immer besser ins Spiel kommende, sehr clevere Gegner und die eigenen kleinen Unsicherheiten waren am Ende der Grund, warum das Spiel 0:3 blieb.

    Fazit

    Trotzdem war das meines Erachtens eher ein gutes als ein schlechtes Spiel. Es waren ähnlich starke Ansätze wie in den siegreichen Wochen zuvor zu erkennen. Und wenn man in den ersten 30 Minuten vielleicht etwas mehr Glück hat, kann das Spiel auch in eine ganz andere Richtung kippen.

    SGD – FCH: 1:2

    In eine spielerisch deutlich schwächere Phasen kommt Dynamo erst mit dem Spiel in Heidenheim. Jene, die sich darüber noch einmal im Detail informieren wollen, verweise ich auf die zugehörige Podcastfolge des #SGD1953-Podcast. 

    Dynamos Probleme

    Im Großen und Ganzen lassen sich Dynamos Probleme in diesem Spiel jedoch wie folgt zusammenfassen: ein falscher Matchplan, ein extrem abgezockter Gegner und eine unerklärliche Phase der Passivität zum Ende des Spiels.

    Wer sich an das Spiel erinnert, hat vielleicht noch das frühe Tor der Heidenheimer im Kopf. Das kommt vor allem zustande, weil Dynamo zum ersten Mal in der Saison in einen 3412 beginnt. Man merkt in den ersten Minuten, dass die gesamttaktischen Abläufe nicht so rund laufen wie in den Wochen zuvor. Mit Ball fehlt die Präzision, Akoto als linker Außenverteidiger limitiert zudem die offensiven Umschaltbewegungen. Ohne Ball ist das Gegenpressing durch den fehlenden Mann im Zentrum nicht mehr so griffig und effektiv.

    Deswegen stellt Schmidt dann auch schnell wieder auf die gewohnte Rautengrundordnung um. Das bringt sichtlich Stabilität, gerade weil man im Zentrum mehr Zugriff gewinnt und so unter anderem mehr zweite Bälle gewinnen kann. Auch mit Ball sind einige gute Steil-Klatsch-Ansätze zu erkennen, viel Gefahr kann man jedoch nicht erzeugen. 

    Vergleich – Kampf um zweite Bälle – 3412 bringt zentrale Unterzahl.
    Vergleich – Kampf um den zweiten Ball – Raute bringt zentrale Gleichzahl.

    Das liegt wiederum an einem Gegner, der wirklich ausgesprochen clever und komplett agiert. Heidenheim verteidigt mannschaftlich diszipliniert und kompakt und schaltet über Mohr, Kleindienst, Kühlwetter und Malone mit viel Tempo und smarten Laufwegen gefährlich um. Mit Ball überspielen sie Dynamos Angriffspressing und kommen dann im Kampf um den zweiten Ball und im Gegenpressing über ihre brutale Intensität.

    Trotzdem kommt Dynamo noch einmal zurück. Schmidt bringt mit Hosiner einen zusätzlichen Kreativspieler auf den Platz und wechselt mit Vlachodimos zudem eine dynamische Option für Breite und Tiefe ein. Durch die Umstellungen des Trainerteams bekommt die SGD zu Beginn der zweiten Hälfte mehr Zugriff im Pressing und wird zudem präziser im Umschaltspiel. Mit der individuellen Qualität der Angreifer entstehen so einige gute Chancen und am Ende dann auch das 1:1.

    Sehr überraschend wird für mich dann nur das Ende des Spiels. Dynamos Team wird in den letzten 20 Minuten ungewohnt passiv, zieht sich bis an den eigenen Strafraum zurück und schafft keine Entlastung – eigentlich untypisch für Schmidt-Teams, der immer Aktivität als eines der bedeutendsten Prinzipien in den Vordergrund stellt. So rutscht dann am Ende doch noch das 1:2 durch. Vielleicht spielten dabei wieder mentale Aspekte eine Rolle? Ich mag es eigentlich nicht, solche Fragen zu stellen. Für uns Außenstehende ist es müßig, über solche Gründe zu spekulieren. Wir können nur das beschreiben, was taktisch auf dem Platz passiert, für die Hintergründe haben wir zu wenig Einblick. Doch vorstellen könnte ich mir es allemal, mir würde keine andere Erklärung für dieses passive Verhalten einfallen.

    Fazit

    Unabhängig davon verliert Dynamo das Spiel gegen Heidenheim genau aufgrund dieser drei Probleme. Insgesamt war man nicht so extrem unterlegen, gerade nach den wichtigen, richtigen und bemerkenswerten In-Game-Umstellungen des Trainerteams. Am Ende deutete es sich in dieser Partie aber schon an, wo Dynamo noch Verbesserungspotenzial hat: im Ballbesitzspiel.

    SGD – SVD: 0:1

    Genau das war nämlich das große Problem im Spiel gegen Darmstadt, was wir ebenfalls schon einmal ausführlich im #SGD1953-Podcast besprochen haben. Mit der frühen roten Karte und dem Freistoßgegentor durch Kempe entsteht ein Spielverhältnis, was Dynamo strategisch am wenigsten liegt. Darmstadt zieht sich in ein sehr kompaktes Mittelfeldpressing zurück, überlässt Dynamo den Ball und versucht trotzdem immer wieder mit den kompletten und sehr gefährlichen Stürmern Tietz, Honsak und Pfeiffer zu kontern. 

    Nun war Dynamo gefordert, sich Chancen herauszuspielen, war aber nicht in der Lage, den Gegner herauszulocken, um so in die provozierten Chaossituationen zu kommen und daraufhin die Tiefe zu attackieren. Nach anfänglichen Unsicherheiten erkannte man sogar eine 3142-artige Struktur bei der SGD, die das Zentrum für Kombinationen überladen sollte. Für eine kurze Phase hatte man im Rahmen dessen auch einige spannende Steil-Klatsch-Kombinationen dabei. Im Großen und Ganzen wurde aber deutlich, dass Dynamo im kontrollierten Ballbesitz noch die klaren Abläufe fehlen. Dazu kam, dass das Tempo im eigenen Spiel (was meist mit dem Mut korreliert) komplett fehlte. So konnte man sich nur wenige klare Chancen erspielen; zunächst war es schwer, ins letzte Drittel zu kommen, und wenn mal dort war, war man nur in der Lage ungefährliche Durchbrüche auf dem Flügel zu erzeugen, von wo Flanken in der nur unzureichend besetzten Box wenig Gefahr erzeugten.

    Dynamos Ballbesitz im 3142 – zu wenig Spiel in den Block, da dort wenig Anbindung; vielmehr Flügeldurchbrüche, jedoch kein Ertrag.

    Fazit

    In diesem Spiel hat Dynamo gemäß der typischen taktischen Herangehensweise eigentlich nicht viel falsch gemacht. Man kam einfach gegen einen sehr gut eingestellten Gegner in eine sehr unglückliche strategische Ausgangslage, die die noch bestehenden eigenen Schwächen gnadenlos aufdeckte und die eigenen Stärken überhaupt nicht zur Geltung kommen ließ. Somit war das am Ende auf jeden Fall eine verdiente Niederlage (übrigens genauso wie gegen Pauli zwei Wochen später), jedoch keine, die mir persönlich Sorgen bezüglich der Gesamtentwicklung machte.

    Gesamtfazit

    Was nehmen wir nun aus dieser so ernüchternd wirkenden Niederlagenserie mit? Da muss man an dem letzten Satz des vorherigen Abschnitts anknüpfen. Auch wenn es sich auf den ersten Blick anders angefühlt haben dürfte: Hinter allen drei Niederlagen stecken verschiedene Gründe. Gegen Paderborn macht Dynamo eigentlich ein ausgesprochen gutes Spiel, man sieht, wie Schmidt-Fußball komplett sein kann, am Ende hat man aber schlicht absurd viel Pech. Gegen Heidenheim startet Dynamo mit einem falschen Matchplan und wirkt insgesamt etwas verunsicherter als zuvor, kommt aber zwischendurch trotzdem wieder auf eine stabile Basis. Gegen Darmstadt sah man sehr schwach aus, doch das lag primär an dem unglücklichen Spielverlauf.

    Ich glaube, all das kann mal passieren. Denn eine Gemeinsamkeit dieser drei Spiele darf man nicht vergessen: Das waren jeweils absolute Topgegner, gut eingestellt, strategisch komplett und taktisch clever. Da können kleine Unsicherheiten und Ungenauigkeiten schnell zur Niederlage führen. Deswegen mache ich mir jedoch keine großen Sorgen um die mittelfristige Gesamtentwicklung des Teams. Mit etwas mehr Glück hätten wir auch zwei der drei Spiele gewinnen können (sehr optimistisch gesprochen). Das einzige wirklich langfristig bedeutende Problem, das in diesen Partien deutlich wurde, sind Dynamos Limitierungen im Ballbesitz. Doch hier mache ich dann wieder die zwei Perspektiven auf, die wir schon von den anderen Texten kennen: Dass das Problem besteht, steht außer Frage. Doch dass man als Aufsteiger noch nicht komplett ist, ist normal. Für diese Saison kommen genug zu uns passende Gegner, dass wir die nötigen Punkte holen werden. Langfristig muss die Entwicklung aber genau in diese Richtung gehen. Die Basis und die Ansätze sind dafür aber schon jetzt zu erkennen. Und das macht mich optimistisch.