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  • Große Resonanz zum Magdeburg-Stammtisch

    Große Resonanz zum Magdeburg-Stammtisch

    Was war das für ein Stammtisch. Zugegeben, mit einer solchen Resonanz haben wir im Vorfeld nicht gerechnet. Doch das Thema des Abends hatte offensichtlich auch nach mehr als drei Monaten nichts an seiner tiefgreifenden Spannung verloren. Mehr als 350 Fans waren in die VIP-Räume des Dynamo-Stadions gekommen.

    Dieses Interesse werten wir als ein deutliches Indiz für die Notwendigkeit einer sachlichen Aufklärung und Debatte über die Geschehnisse in Magdeburg und die daraus entstandenen Folgen. Zielstellung war es, gemeinsam mit den Verantwortlichen über Lösungen zu diskutieren, um in Zukunft bei ähnlichen Vorfällen nicht auf kollektive Bestrafungen zurückgreifen zu müssen oder präventive Maßnahmen zu ertragen, die den Fan zur Kasse bitten oder ihn gar in seiner Unterstützung bei Auswärtsfahrten einschränken.

    Als Gäste konnten wir die Geschäftsführer Michael Born und Ralf Minge, den Sicherheitsbeauftragten Norbert Gebauer, die Fanbeauftragten Korinna Dittrich und Marek Lange sowie Ronald Beć vom Fanprojekt Dresden und Hannes von der Schwarz-Gelben Hilfe begrüßen.

    Der Abend begann mit einem allgemeinen Rückblick auf die Geschehnisse in Magdeburg am 16. April 2016, Ausgangspunkt war die sportliche Brisanz und das damit verbundene mediale und öffentliche Interesse an der Partie zwischen dem FCM und Dresden. Das Fehlverhalten einiger Fangruppierungen und das unverhältnismäßig aggressive Auftreten von Sicherheitsorganen führte letztendlich dazu, dass mehrere hundert Dynamo-Fans das Stadion nicht mehr betreten durften. Insbesondere das kollektive Aussperren der Fans und die Behandlung durch die Polizei hinterließen bis heute bei den Auswärtsfahrern einen bitteren Beigeschmack. Auch deshalb, weil der Verein mit Ausnahme eines präventiven Maßnahmekataloges die notwendige Kommunikation bisher vermissen ließ.

    Im ersten Teil der Veranstaltung erläuterte Ronald vom Fanprojekt Dresden die Auswertung des Spieltages, die auf Basis eines Fragebogens und vieler Rückmeldungen von Fans vorgenommen wurde. Im Ergebnis dieser Analyse reichte das Fanprojekt zwei Wochen nach dem Spiel in Magdeburg eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Im Anschluss daran umschrieb Hannes die Arbeit der Schwarz-Gelben Hilfe. Er verwies dabei auf das aktuelle Bemühen, mit Hilfe eines Anwaltes zu prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten für Fans bestehen könnten, die am 16. April vom Stadionbesuch ausgeschlossen wurden.

    Interessanter wurde es anschließend bei den Ausführungen der Vertreter aus der Geschäftsstelle des Vereins. Sicherheitsbeauftragter Norbert Gebauer gab einen umfangreichen Einblick in die Vorbereitung von Risikospielen mit Beteiligung der SGD, danach äußerte sich Ralf Minge zu seinen Empfindungen in Magdeburg und den im Nachgang getroffenen Maßnahmen. Mögliche Vorschläge und Ideen, wie zukünftig bei ähnlichen Vorfällen reagiert werden kann, ohne die Fans kollektiv abzustrafen oder Fankultur einzuschränken, wurden aber nicht thematisiert. Vielmehr stand die Selbstreflexion des eigenen Verhaltens immer wieder im Mittelpunkt.

    Nach Abschluss der großen Fragerunde kamen endlich auch die anwesenden Fans zu Wort. Im Verlauf des Abends entwickelte sich eine emotionale und teilweise auch forsche Diskussion, in der viel Kritik am Handeln der Geschäftsführung und den Maßnahmen geäußert wurde. So wurden unter anderem bemängelt, dass der Verein zu wenig tun würde, um seine Fans zu unterstützen oder dem vermittelten schlechten Bild des Vereins in der Öffentlichkeit entschieden entgegen zu treten. Auf der anderen Seite kamen wiederholt die Forderungen auf, endlich etwas gegen Unruhestifter zu unternehmen.

    Nach gut zweieinhalb Stunden wurde die Stoptaste gedrückt, denn die Diskussion bewegte sich mehr und mehr auf ein niedriges Niveau und hätte an diesem Tag kein Ende gefunden. Von diesem Standpunkt aus blieb der Fanabend weit hinter seiner Zielsetzung zurück, vor allem dem Versäumnis geschuldet, dass es an konkreten und praktischen Lösungen für viele genannte Probleme fehlte.

    Wir sehen es als dringend notwendig an, die grundlegende Thematik des Fanverhaltens in und um unseren Verein sowie die Kommunikation zwischen Mitgliedern, Fans und Mitarbeitern zukünftig weiter zu thematisieren und vor allem durchzuführen. Deshalb werden wir uns, wie auf dem Stammtisch angekündigt, mit den Verantwortlichen austauschen, um geeignete Wege zu finden, diesem Anspruch gerecht zu werden.