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  • SG Dynamo Dresden – 1. FC Heidenheim: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – 1. FC Heidenheim: Spielanalyse

    Gegen den FC Heidenheim holt die SGD nach einer wechselhaften Leistung einen letztlich verdienten Punkt. Vielfältige taktische Entwicklungen prägten das Spiel, auf die sich ein detaillierterer Blick lohnt.

    5 gefährliche Pressing-Minuten mit klassischer Strategie

    Nach dem letzten Spiel gegen Paderborn mit einem neuen strategischen Ansatz kehrte SGD-Trainer Schmidt gegen Heidenheim zunächst wieder zu seiner typischen aktiven Idee zurück. Über hohes Angriffspressing aus der Raute mit dabei aggressivem Vorwärtsverteidigen versuchte Dynamo, Ballgewinne in hohen Zonen oder nach gegnerischen langen Bällen zu erzeugen und durch folgende Umschaltaktionen Gefahr zu kreieren.

    Das gelang Dynamo in den ersten Minuten dieses Spiels auch. Man lenkte den Gegner klassisch nach außen, attackierte den Pass auf den Außenverteidiger und schob mannschaftlich durch. Zwei oder drei Mal verlor Heidenheim so den Ball auf dem Flügel oder im intensiven Kampf um den zweiten Ball nach einem langen Chip.

    Heidenheims kluge Spielauslösung

    Doch dass das typische Pressing anfangs so erfolgreich war, lag auch an der ungenauen Staffelung und fehlenden Ruhe im Heidenheimer Ballbesitz. Nach dieser kurzen Eingewöhnungsphase kam Heidenheim deutlich besser in ihr Spiel. Es wurde deutlich, dass Trainer Schmidt sein Team klug auf die bekannten Pressingabläufe der SGD eingestellt hatte. Dafür wählte er einen ähnlichen Ansatz wie der Hamburger SV gegen Dynamo. 

    Über die tief, flach und breit gestaffelte Viererkette spielte Heidenheim von Torwart über Innenverteidiger auf den Außenverteidiger, der normalerweise das Dresdner Pressingopfer ist. Dieser wurde dann jedoch durch kluge ballnahe Staffelungen so unterstützt, dass Dynamos Pressingabläufe überspielt werden konnten. 

    Heidenheims Spielaufbau, Dynamos Angriffspressing – Flügelprobleme.

    Aus dem nominellen 433 ließen sich Flügelstürmer und Achter auf dem Flügel weiträumig und tief in ballnahe Zonen fallen. Die Pressingsituation auf dem Flügel konnte Heidenheim so mit Steil-Klatsch-Abfolgen über Stürmer auf den Achter auflösen. So gelangten sie in den Raum hinter Dynamos zuvor herausgerückter erster Pressinglinie, konnten dort aufdrehen und das Spiel fortsetzen.

    Dynamos Problem war das weiträumige Durchsichern der Abwehr- und Mittelfeldkette. Gerade Löwe (daher der frühe Wechsel!) rückte häufig nicht aggressiv genug auf den Heidenheimer Flügelstürmer, auch für Stark wurden die Wege auf den ausweichenden Achter sehr weit. So bekam Dynamo nicht ausreichend Zugriff, sodass sich Heidenheim lösen konnte.

    Hatte Heidenheim das Pressing auf der einen Seite überspielt, setzten sie das Spiel mit einem deutlichen Fokus auf Verlagerungen fort. Meist nutzte der ballnahe Achter die enge Staffelung Dynamos mit einem Ball auf die verwaiste andere Seite aus, sodass man dort dynamische Situationen kreieren konnte.

    Dynamo im Mittelfeldpressing: 4132

    Aufgrund der klugen und daher gefährlichen Spielauslösung des Gegners gegen das Angriffspressing zog sich Dynamo zwangsweise schon nach wenigen Minuten in ein tieferes Mittelfeldpressing zurück. Dabei agierte man zunächst weiter aus der Rautenstaffelung, die wir so tief auch schon gegen Hannover beobachten konnten. Die drei engen Stürmer (Daferner, Königsdörffer, Drchal) schlossen mit ihrem Deckungsschatten die Passwege ins Zentrum, Dynamos Achter Schröter und Kade attackierten weiterhin den Pass auf den Heidenheimer Außenverteidiger, Sechser Stark sicherte zentral weiträumig durch.

    Diese Struktur ist äußerst schwer umzusetzen. Denn sie verlangt ähnlich wie das Angriffspressing weite Pressingwege des gesamten Teams. Schafft man es dabei nicht, rechtzeitig die entsprechenden ballnahen Räume zu schließen und Druck auf den Gegenspieler aufzubauen, ist man schnell unkompakt. Genau damit hatte Dynamo in dieser Phase Probleme.

    Denn Heidenheim setzte weiter auf die Überladungen des Flügels mit sehr weiträumig agierenden, teils sogar herauskippenden Achtern. Häufig wurde der Pass zunächst auf den Außenverteidiger gespielt, der daraufhin von Schröter oder respektive Kade angelaufen wurde. Dieser wurde aber durch den jeweiligen Flügelstürmer und Achter so unterstützt, dass die Anlaufwege für Dynamos Außenverteidiger (meist Akoto) und den ausbalancierenden Sechser Stark zu weit wurden; insbesondere wenn Heidenheim Dynamo zuvor über schnelle Verlagerungen von der einen zur anderen Seite laufen gelassen hatte. 

    Heidenheims Spielaufbau, Dynamos Mittelfeldpressing – Flügelprobleme.

    So gelangte Dynamo auf dem Flügel häufig in Gleich- oder sogar Unterzahlsituationen, die das ausgesprochen ballsichere Heidenheim gut auflöste und dann auf dem Flügel in die Dynamik kam, eine Flanke schlug oder ggf. ins 1v1 ging.

    Zumindest stimmte bei Dynamo aber wieder einmal die Endverteidigung. Insbesondere Sollbauer machte in der Innenverteidigung (das Gegentor ausgenommen) ein starkes Spiel. So konnte man die Flanken der Heidenheimer, deren Boxbesetzung vor allem qualitativ (Kühlwetter statt Kleindienst) nicht immer ideal war, meist souverän verteidigen.

    Dynamo im Mittelfeldpressing: 442

    Aufgrund dieser Probleme im Mittelfeldpressing stellte Dynamo schnell auf ein klassisches 442 um. So bekommt man in der Theorie durch kürzere Pressingwege und klarere Zuordnung die Flügel zumindest etwas mehr unter Kontrolle. Mit ihrem Fokus auf Flügelüberladungen und häufigen Verlagerungen auf den ballfernen Außenverteidiger stellte Heidenheim die SGD aber weiterhin vor dieselben Probleme: Dynamo musste dem Gegner viel hinterherlaufen und kassierte auf dem Flügel immer mal wieder Durchbrüche und Flankensituationen (wenn auch seltener als mit der Raute). Besonders die ballnah hoch aufrückenden, breit positionierten Außenverteidiger zogen Dynamos Block auseinander, schafften Räume für den klug einrückenden Flügel und den unterstützenden Achter und sorgten so für Kombinations- und Flankenmöglichkeiten.

    Heidenheims Spielaufbau und Übergang, Dynamos Mittelfeldpressing – Flügelprobleme.

    Verspielte Kontersituationen

    Nichtsdestotrotz eröffneten sich Dynamo in dieser Mittelfeldpressingphase einige Kontergelegenheiten. Strukturell ergaben sich diese ähnlich wie zuletzt gegen Paderborn, meist über balltreibende Flügel (in diesem Spiel insbesondere Schröter) im klassischen 442-Modus in den Raum hinter die aufgerückten Außenverteidiger des Gegners. 

    Schmidt hatte in der Spieltagspressekonferenz u. a. angedeutet, dass man mehr Personal in diese Situationen einbinden möchte, um so mehr Gefahr zu kreieren. Zumindest ersteres wurde auch so umgesetzt. Im Gegensatz zur Vorwoche wurde der balltreibende Spieler meist durch drei bis vier Spieler unterstützt, die über die Schnittstellen der gegnerischen Staffelungen die Tiefe attackierten.

    Doch signifikante Gefahr entstand daraus nicht. Meist entschied sich der balltreibenden Spieler für weniger erfolgsversprechende Optionen und/ oder spielte unpräzise Bälle in die Tiefe. Gerade Schröter trennte sich häufig zu spät vom Ball, benötigte zu viele Kontakte. Insgesamt stimmte die quantitative Konterbesetzung, qualitativ bleiben die Abläufe aber auch weiterhin unsauber und unklar. Auf der anderen Seite agierte Heidenheims Restraumverteidigung in der Rückwärtsbewegung und der Tiefensicherung aber auch erwartbar souverän und stabil.

    Dynamos vereinzelte Ballbesitzaktionen

    In der ersten Hälfte gab es außerdem noch einige wenige Phasen, in denen Heidenheim Dynamo den Ball überließ. Dort kann man das nächste Problem der SGD verorten, wenn auch diese Spielphase weniger relevant für den gesamten Spielansatz beider Teams war.

    Man erkannte auf jeden Fall Dynamos Prinzipien im Ballbesitz. Während Sechser Stark wenig eingebunden war, versuchte die flache Viererkette und die tief ausweichenden Achter das gegnerische Mittelfeld zu locken. 

    Der potenzielle Raum dahinter sollte dann über Steil-Klatsch-Kombinationen bespielt werden. Meist (übrigens meist auch zu Beginn von Kontersituationen) macht Dynamo das über einen Chipball auf den tief kommenden Daferner, der den Ball (meist ballfern) ablegt, sodass man von dort dynamisch fortsetzt. Dafür lassen sich oft entgegengesetzte Bewegungsabläufe im Dresdner Spiel finden (z. B. Daferner kommt kurz, Flügel gehen tief).

    Schlussendlich mangelte es in den wenigen Ballbesitzaktionen bezüglich dieser Abläufe aber an Präzision. Beispielsweise hat sich Daferner über die Saison durchaus im Spiel mit dem Rücken zum Tor weiterentwickelt, verschleppt vielversprechende dynamische Situationen jedoch immer noch teils über technisch unsaubere Ballannahmen und Ablagen.

    Viel entscheidender war in diesem Spiel aber die gesamtmannschaftliche Ebene. Denn Heidenheim verteidigte diese Abläufe schlicht auch strukturell sehr gut. In dem 4141-Mittelfeldpressing kontrollierte Stürmer Kühlwetter Dynamos Sechser Stark mit seinem Deckungsschatten und lenkte von dort die Innenverteidiger durch leichtes diagonales Anlaufen auf eine Seite. Dynamos Achter Schröter und Kade verfolgte Heidenheim mannorientiert, während die Abwehrkette aktiv und intensiv nach vorn verteidigte. Damit eröffnete Heidenheim selten die von Dynamo anvisierten Räume. Vielmehr verteidigten sie sowohl individuell (z. B. lange Bälle) sehr souverän als auch kollektiv sehr kompakt.

    Darauf fand Dynamo keine Antwort. Geht Plan A nicht auf, wird Dynamos Aufbau- und Übergangsspiel bekannterweise sehr statisch und endet letztlich in einem langen Chipball und dem Kampf um den zweiten Ball, den man gerade in der ersten Hälfte selten gewann. Diese Limitationen konnte man beispielsweise gut in den wenigen Situationen beobachten, in denen der nicht attackierte Ehlers andribbelte. Das ist grundsätzlich ein kluges Mittel, um in einem solchen kompakten Block für Zuordnungsprobleme zu sorgen. In dieser Partie schien es jedoch nur Verzweiflungstat zu sein: Ehlers sah keine Optionen, dribbelte an, hatte aber aufgrund zu statischer Bewegungen seiner Vorderleute weiterhin keine Optionen.

    Ähnlich lässt sich über das Spiel im letzten Drittel sprechen. Kommt Dynamo nicht direkt in die Tiefe, führt der Weg schnell auf den Flügel für eine Flanke. Zwar klappt die Boxbesetzung im Vergleich zur Hinrunde besser, gerade gegen einen in der Endverteidigung starken Gegner würde ich mir aber wünschen, vielfältigere Optionen im Angebot zu haben. Teils fehlt z. B. nochmal ein Tiefenlauf, um hinter die Kette zu kommen.

    Die zweite Hälfte

    In der zweiten Hälfte gelang es Dynamo endlich, wieder in funktionierende Pressingabläufe zu gelangen. Um wieder aktiver zu werden, den Gegner unter Druck zu setzen und sich nicht auseinanderspielen zu lassen, lief man wieder aus der Raute heraus an. Es gelang häufiger, den Druck auf den Gegner hoch zu halten und ihn so zu langen Bällen oder Ballverlusten zu zwingen.

    Heidenheim machte aber den Eindruck, sowieso weniger über den tiefen Aufbau auslösen zu wollen. Durch die Einwechslung von Schimmer hatten sie wieder einen klaren Zielspieler, der das Spiel über lange und zweite Bälle möglich macht – eine Stärke des Teams.

    Dynamo verteidigte diese Spielweise in der zweiten Hälfte ziemlich ordentlich, Heidenheim aber auch. Es entwickelte sich daher eine Partie mit vielen Zweikämpfen und Umschaltaktionen auf beiden Seiten. Ab und an gewann Dynamo den Ball, ab und an Heidenheim. Torgefahr gab es auf beiden Seiten aber wenig. Bis das Dresdner Pressing einmal nicht komplett greift, Giorbelidze auf dem Flügel unglücklich agiert und Sollbauer das Kopfballtor von Schimmer nicht verhindert.

    Das 1:1 und mehr Präsenz

    Mit etwas Glück kann Dynamo aber schnell zurückschlagen. Aus einer weiteren Pressingsituation entsteht der streitbare Elfmeter, den Daferner sicher verwandelt.

    Vor dem Hintergrund der Probleme in der Erarbeitung von Chancen war das eminent wichtig. Zudem insofern, als dass Dynamo das Spiel nun sogar auf seine Seite ziehen konnte. Sofort gewann man mehr direkte Duelle und agierte intensiver bei zweiten Bällen und im Gegenpressing. Währenddessen verlor Heidenheim zeitweise ihre Souveränität, gerade im Spiel mit Ball, und spielte häufig zu schnell zu einfach lang.

    So konnte Dynamo mehr und mehr Druck erzeugen, der am Ende auch in Torgefahr mündete. Das Pressing funktionierte besser, man gewann mehr Duelle und (!) holte sich verlorene Bälle auch öfter wieder zurück. Die Umschaltaktionen spielte man zunächst weiterhin schwach aus. Das verbesserte sich aber zumindest in Teilen mit der Einwechslung von mehr Spielstärke: Insbesondere Weihrauch traf nach anfänglichen Ungenauigkeiten immer häufiger kluge Entscheidungen und konnte enge Situationen gefährlich auflösen.

    Am Ende kann Dynamo so durchaus auch noch ein weiteres Tor erzielen. Letztlich kreierte man dafür insgesamt aber zu wenig Torchancen, was den Zuschauer daran erinnert, dass auch in dieser Phase die Abläufe im Umschaltspiel noch weiteren Verbesserungsbedarf offenbarten.

    Fazit

    Letztlich ist der Punkt für die SGD verdient. Die Leistung in diesem Spiel ist aber differenziert zu betrachten. Anfangs klappte der Pressingplan gegen ein top und flexibel eingestelltes Heidenheim nicht. Das wurde zwischenzeitlich klug korrigiert und funktionierte gerade nach dem 1:1 und dem dazu gewonnenen Selbstvertrauen auch so wie vom Trainer gewollt. Auch mit Ball hat man in der Schlussphase gesehen, was einzelne Spieler ausmachen können. Betrachtet man aber das gesamte Spiel und die geringe Torgefahr, stehen weiterhin das einseitige Ballbesitzspiel und die fehlende Präzision im Umschaltspiel im Fokus. Woran die Umsetzungsprobleme (v. a. Pressing, Konter) in diesem Spiel lagen, ist die entscheidende Anschlussfrage – ich vermag sie nicht zu beantworten.

  • Niederlagenserie gegen SCP, FCH und SVD: Spielanalyse

    Niederlagenserie gegen SCP, FCH und SVD: Spielanalyse

    Wie versprochen schauen wir uns zur aktuellen Länderspielpause noch einmal Dynamos Niederlagenserie aus dem September genauer an. Warum haben wir gegen Paderborn, Heidenheim und Darmstadt verloren? Und wie ordnen wir diese Schwächephase in die Gesamtentwicklung ein?

    SGD – SCP: 0:3

    Die erste Saisonniederlage kassiert die SGD Ende August gegen den SC aus Paderborn. Das 0:3 schien auf den ersten Blick natürlich extrem ernüchternd. Wenn man sich das Spiel aber nochmal genauer ansieht, muss ganz klar konstatiert werden, dass dieses Ergebnis nicht im Ansatz den Spielverlauf widerspiegelt.

    Dynamos Herangehensweise

    Gerade in den ersten 30 Minuten des Spiels agierte Dynamo nämlich eigentlich genauso stark wie in den Wochen zuvor. Aus der klassischen 433/4Raute2-Struktur liefen wir den Gegner gemäß dem Schmidt-typischen Pressingfokus sehr hoch und mit brutaler Intensität an. Obwohl Paderborn unter Kwasniok ein sehr spielstarkes Team ist, konnte man so deren Spielaufbau schon früh stören, einige hohe Ballgewinne erzielen und durch schnelles vertikales Umschalten einige gefährliche Chancen kreieren. Wenn Dynamo etwas mehr Glück hat, führt man in diesem Spiel schon nach zwei Minuten.

    Neben diesem typischen Plan fielen mir jedoch noch weitere Aspekte in Dynamos Spiel positiv auf. Gerade im Vergleich zu den folgenden Spielen (Heidenheim, Darmstadt, Pauli) agierte man nämlich auch im Ballbesitz deutlich gefährlicher, da mutiger, präziser und variabler. 

    Zunächst lag das sicher zum Teil auch an der Einbindung der Einzelspieler. Beispielsweise Schröter als rechter Breitengeber und Vlachodimos als dynamischer linker Flügel wurden genau gemäß ihrer Stärken eingesetzt und konnten so das Team mit ihrer individuellen Qualität bereichern. 

    Doch auch gesamttaktisch ließen sich wie zum Saisonbeginn spannende Muster erkennen. In erster Linie ging es darum, nach den hohen Ballgewinn schnell über die Flügel in die Tiefe zu kommen und von dort ins Zentrum zu flanken. Dabei war man, wie gesagt, deutlich genauer und dadurch auch dynamischer unterwegs, was die Gefahr der eigenen Angriffe signifikant erhöhte.

    Hatte man etwas mehr Zeit am Ball bzw. musste aus tieferen Zonen heraus aufbauen, fand man häufig gute Lösungen gegen das Paderborner Pressing. Entweder war man in der Lage, die zweiten Bälle nach langen Schlägen mit brutaler Intensität zu gewinnen und so wiederum in die schon beschriebenen Umschaltsituationen zu kommen oder man spielte sich über die tiefen Außenverteidiger frei, die sich ihrer Gegenspieler entzogen.

    Beispiel langer Ball im Aufbau – enge Struktur für zweite Bälle.
    Dynamos flacher Spielaufbau – Lösung über tiefe AV.

    Entscheidend war daran anschließend, dass man sich – nicht wie in den folgenden Spielen – zu leicht und mit zu wenig Personal auf die Außenbahnen drängen ließ. Einerseits überlud man mit dem jeweiligen AV, 6er, 8er, Flügel und Stürmer klug die ballnahe Seite, um dort kombinieren zu können.

    Dynamos Übergang – Überladung der ballnahen Seite.

    Verlagerungen über Stark auf die verwaiste andere Seite waren dann ein oft genutztes, kluges Anschlussmittel.

    Dynamos Übergang – Verlagerung über 6er wenn Seite zugeschoben.

    Andererseits war man jedoch auch mutig genug, häufiger über das Zentrum aufzubauen. Durch einige sehr dynamische Steil-Klatsch-Kombinationen über die vier eng positionierten Rautenspieler schaffte man immer mal wieder vielversprechende Räume für unsere andribbelnden Außenverteidiger. 

    Alles in allem war ich wirklich beeindruckt von dem Spiel der SGD gegen Paderborn, zumindest in den ersten 30 Minuten. Eigentlich war das genau das, was Schmidt erwartet – brutale Intensität, gutes Pressing, gutes Gegenpressing, aber eben auch (!) mutiger Ballbesitz mit hilfreicher Genauigkeit. Durch gute Boxbesetzung waren auch Chancen da, um Tore zu erzielen (auch wenn da mit etwas mehr Genauigkeit im letzten Drittel sicher sogar noch mehr drin gewesen wäre).

    Unglückliche Gegentore

    Am Ende kassiert man in diesen Minuten aber doch auch drei Gegentore. Diese hätten in ihrer Entstehung nicht unglücklicher sein können. Die erste Kontersituation nach einem Ballverlust im Mittelfeld von Kade (was schlicht passieren kann), spielten Justvan und Michel einfach grandios aus. Das zweite Gegentor entsteht aus einer eigentlich sehr ungefährlichen Situation, in der aber Sollbauer ein technischer Fehler unterläuft, den Pröger mit überragender Schusstechnik perfekt ausnutzt. Das 0:3 schien zunächst ein Fehler von Akoto zu sein, doch primär war das einfach eine der ersten Situationen, in denen Dynamo in der gegnerischen Hälfte das eigene Pressing nicht mit dem perfekten Timing ausspielte und so die schnellen Paderborner Stürmer auf unsere hohe Kette zuliefen. (Fußnote: Ich habe mir das Spiel nochmal angesehen, meines Erachtens nach hat Akoto übrigens kein schwaches Spiel gemacht. Klar, den Zweikampf vorm 0:3 sollte er gewinnen. Wie viele Paderborner Chipbälle er aber sonst mit seinem Tempo wegverteidigt hat, ist durchaus positiv hervorzuheben.)

    Paderborn und der weitere Spielverlauf

    Dass Dynamo diese Tore so kassiert, lag neben einer großen Portion Pech auch schlichtweg an einem starken Gegner. Dass die individuelle Qualität in jedem Mannschaftsteil Paderborns über der unseren liegt, ist klar. Wie Justvan, Pröger und Michel diese Tore kreieren oder wie Hünemeier Dynamos Flanken in der Box verteidigt, war schon beeindruckend. 

    Dazu kommt, dass Paderborn natürlich auch gesamttaktisch einen kompletten und flexiblen Eindruck macht. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im Spielaufbau waren sie zum Beispiel immer öfter in der Lage, Dynamos Pressing durch eine tiefe Positionierung der eigenen Sechser ins Leere laufen zu lassen.

    Paderborns Spielaufbau gegen Dynamos Pressing – tiefer 6er bringt Überzahl; Dynamos 8er trauen sich nicht hochzuschieben, da hinten sonst keine Überzahl mehr.

    Genauso agierten sie nach dem 0:3 bis zum Spielende einfach sehr clever. Nachdem zu Beginn des Spiels viele Umschaltaktionen auf beiden Seiten für Gefahr sorgten (und am Ende zum 0:3 führten), bekamen sie immer mehr Kontrolle in ihr Spiel. Situativ zogen sie sich zurück, wenn Dynamo den Ball hatte, was ihnen mehr Zugriff im Zentrum und Absicherung der Tiefenläufe durch die Stürmer der SGD bot. Durch die zwei hoch positionierten, „zockenden“ Stürmer war dabei auch noch gleichzeitig die Kontergefahr stets präsent. Mit Ball überspielten sie Dynamos Pressing entweder mit langen Bällen (meist auch direkt hinter die Kette, wo Sollbauer gegen Michel zum Beispiel einen signifikanten Temponachteil hatte) oder waren in der Lage, durch tiefe 6er (s. oben) und Außenverteidiger Dynamo anzulocken, trotzdem in Überzahl auszuspielen und dann mit Tempo und Vertikalität zu überrumpeln.

    Dagegen half natürlich nach den Gegentoren auch nicht, dass Dynamo nicht in der Lage war, die eigene Intensität gegen den Ball und den eigenen Mut mit Ball aufrechtzuerhalten. Über die Gründe dafür lässt sich spekulieren, sicherlich spielten dabei jedoch sowohl mentale als auch physische Aspekte eine Rolle. Schmidt brachte zwar noch einiges an frischem Offensivpersonal, löste am Ende auch die Restverteidigung etwas auf, jedoch war man über das gesamte Spiel nicht in der Lage, zwingende Dominanz zu erzeugen. Ein paar Chancen waren da, doch der immer besser ins Spiel kommende, sehr clevere Gegner und die eigenen kleinen Unsicherheiten waren am Ende der Grund, warum das Spiel 0:3 blieb.

    Fazit

    Trotzdem war das meines Erachtens eher ein gutes als ein schlechtes Spiel. Es waren ähnlich starke Ansätze wie in den siegreichen Wochen zuvor zu erkennen. Und wenn man in den ersten 30 Minuten vielleicht etwas mehr Glück hat, kann das Spiel auch in eine ganz andere Richtung kippen.

    SGD – FCH: 1:2

    In eine spielerisch deutlich schwächere Phasen kommt Dynamo erst mit dem Spiel in Heidenheim. Jene, die sich darüber noch einmal im Detail informieren wollen, verweise ich auf die zugehörige Podcastfolge des #SGD1953-Podcast. 

    Dynamos Probleme

    Im Großen und Ganzen lassen sich Dynamos Probleme in diesem Spiel jedoch wie folgt zusammenfassen: ein falscher Matchplan, ein extrem abgezockter Gegner und eine unerklärliche Phase der Passivität zum Ende des Spiels.

    Wer sich an das Spiel erinnert, hat vielleicht noch das frühe Tor der Heidenheimer im Kopf. Das kommt vor allem zustande, weil Dynamo zum ersten Mal in der Saison in einen 3412 beginnt. Man merkt in den ersten Minuten, dass die gesamttaktischen Abläufe nicht so rund laufen wie in den Wochen zuvor. Mit Ball fehlt die Präzision, Akoto als linker Außenverteidiger limitiert zudem die offensiven Umschaltbewegungen. Ohne Ball ist das Gegenpressing durch den fehlenden Mann im Zentrum nicht mehr so griffig und effektiv.

    Deswegen stellt Schmidt dann auch schnell wieder auf die gewohnte Rautengrundordnung um. Das bringt sichtlich Stabilität, gerade weil man im Zentrum mehr Zugriff gewinnt und so unter anderem mehr zweite Bälle gewinnen kann. Auch mit Ball sind einige gute Steil-Klatsch-Ansätze zu erkennen, viel Gefahr kann man jedoch nicht erzeugen. 

    Vergleich – Kampf um zweite Bälle – 3412 bringt zentrale Unterzahl.
    Vergleich – Kampf um den zweiten Ball – Raute bringt zentrale Gleichzahl.

    Das liegt wiederum an einem Gegner, der wirklich ausgesprochen clever und komplett agiert. Heidenheim verteidigt mannschaftlich diszipliniert und kompakt und schaltet über Mohr, Kleindienst, Kühlwetter und Malone mit viel Tempo und smarten Laufwegen gefährlich um. Mit Ball überspielen sie Dynamos Angriffspressing und kommen dann im Kampf um den zweiten Ball und im Gegenpressing über ihre brutale Intensität.

    Trotzdem kommt Dynamo noch einmal zurück. Schmidt bringt mit Hosiner einen zusätzlichen Kreativspieler auf den Platz und wechselt mit Vlachodimos zudem eine dynamische Option für Breite und Tiefe ein. Durch die Umstellungen des Trainerteams bekommt die SGD zu Beginn der zweiten Hälfte mehr Zugriff im Pressing und wird zudem präziser im Umschaltspiel. Mit der individuellen Qualität der Angreifer entstehen so einige gute Chancen und am Ende dann auch das 1:1.

    Sehr überraschend wird für mich dann nur das Ende des Spiels. Dynamos Team wird in den letzten 20 Minuten ungewohnt passiv, zieht sich bis an den eigenen Strafraum zurück und schafft keine Entlastung – eigentlich untypisch für Schmidt-Teams, der immer Aktivität als eines der bedeutendsten Prinzipien in den Vordergrund stellt. So rutscht dann am Ende doch noch das 1:2 durch. Vielleicht spielten dabei wieder mentale Aspekte eine Rolle? Ich mag es eigentlich nicht, solche Fragen zu stellen. Für uns Außenstehende ist es müßig, über solche Gründe zu spekulieren. Wir können nur das beschreiben, was taktisch auf dem Platz passiert, für die Hintergründe haben wir zu wenig Einblick. Doch vorstellen könnte ich mir es allemal, mir würde keine andere Erklärung für dieses passive Verhalten einfallen.

    Fazit

    Unabhängig davon verliert Dynamo das Spiel gegen Heidenheim genau aufgrund dieser drei Probleme. Insgesamt war man nicht so extrem unterlegen, gerade nach den wichtigen, richtigen und bemerkenswerten In-Game-Umstellungen des Trainerteams. Am Ende deutete es sich in dieser Partie aber schon an, wo Dynamo noch Verbesserungspotenzial hat: im Ballbesitzspiel.

    SGD – SVD: 0:1

    Genau das war nämlich das große Problem im Spiel gegen Darmstadt, was wir ebenfalls schon einmal ausführlich im #SGD1953-Podcast besprochen haben. Mit der frühen roten Karte und dem Freistoßgegentor durch Kempe entsteht ein Spielverhältnis, was Dynamo strategisch am wenigsten liegt. Darmstadt zieht sich in ein sehr kompaktes Mittelfeldpressing zurück, überlässt Dynamo den Ball und versucht trotzdem immer wieder mit den kompletten und sehr gefährlichen Stürmern Tietz, Honsak und Pfeiffer zu kontern. 

    Nun war Dynamo gefordert, sich Chancen herauszuspielen, war aber nicht in der Lage, den Gegner herauszulocken, um so in die provozierten Chaossituationen zu kommen und daraufhin die Tiefe zu attackieren. Nach anfänglichen Unsicherheiten erkannte man sogar eine 3142-artige Struktur bei der SGD, die das Zentrum für Kombinationen überladen sollte. Für eine kurze Phase hatte man im Rahmen dessen auch einige spannende Steil-Klatsch-Kombinationen dabei. Im Großen und Ganzen wurde aber deutlich, dass Dynamo im kontrollierten Ballbesitz noch die klaren Abläufe fehlen. Dazu kam, dass das Tempo im eigenen Spiel (was meist mit dem Mut korreliert) komplett fehlte. So konnte man sich nur wenige klare Chancen erspielen; zunächst war es schwer, ins letzte Drittel zu kommen, und wenn mal dort war, war man nur in der Lage ungefährliche Durchbrüche auf dem Flügel zu erzeugen, von wo Flanken in der nur unzureichend besetzten Box wenig Gefahr erzeugten.

    Dynamos Ballbesitz im 3142 – zu wenig Spiel in den Block, da dort wenig Anbindung; vielmehr Flügeldurchbrüche, jedoch kein Ertrag.

    Fazit

    In diesem Spiel hat Dynamo gemäß der typischen taktischen Herangehensweise eigentlich nicht viel falsch gemacht. Man kam einfach gegen einen sehr gut eingestellten Gegner in eine sehr unglückliche strategische Ausgangslage, die die noch bestehenden eigenen Schwächen gnadenlos aufdeckte und die eigenen Stärken überhaupt nicht zur Geltung kommen ließ. Somit war das am Ende auf jeden Fall eine verdiente Niederlage (übrigens genauso wie gegen Pauli zwei Wochen später), jedoch keine, die mir persönlich Sorgen bezüglich der Gesamtentwicklung machte.

    Gesamtfazit

    Was nehmen wir nun aus dieser so ernüchternd wirkenden Niederlagenserie mit? Da muss man an dem letzten Satz des vorherigen Abschnitts anknüpfen. Auch wenn es sich auf den ersten Blick anders angefühlt haben dürfte: Hinter allen drei Niederlagen stecken verschiedene Gründe. Gegen Paderborn macht Dynamo eigentlich ein ausgesprochen gutes Spiel, man sieht, wie Schmidt-Fußball komplett sein kann, am Ende hat man aber schlicht absurd viel Pech. Gegen Heidenheim startet Dynamo mit einem falschen Matchplan und wirkt insgesamt etwas verunsicherter als zuvor, kommt aber zwischendurch trotzdem wieder auf eine stabile Basis. Gegen Darmstadt sah man sehr schwach aus, doch das lag primär an dem unglücklichen Spielverlauf.

    Ich glaube, all das kann mal passieren. Denn eine Gemeinsamkeit dieser drei Spiele darf man nicht vergessen: Das waren jeweils absolute Topgegner, gut eingestellt, strategisch komplett und taktisch clever. Da können kleine Unsicherheiten und Ungenauigkeiten schnell zur Niederlage führen. Deswegen mache ich mir jedoch keine großen Sorgen um die mittelfristige Gesamtentwicklung des Teams. Mit etwas mehr Glück hätten wir auch zwei der drei Spiele gewinnen können (sehr optimistisch gesprochen). Das einzige wirklich langfristig bedeutende Problem, das in diesen Partien deutlich wurde, sind Dynamos Limitierungen im Ballbesitz. Doch hier mache ich dann wieder die zwei Perspektiven auf, die wir schon von den anderen Texten kennen: Dass das Problem besteht, steht außer Frage. Doch dass man als Aufsteiger noch nicht komplett ist, ist normal. Für diese Saison kommen genug zu uns passende Gegner, dass wir die nötigen Punkte holen werden. Langfristig muss die Entwicklung aber genau in diese Richtung gehen. Die Basis und die Ansätze sind dafür aber schon jetzt zu erkennen. Und das macht mich optimistisch.