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  • SV Sandhausen – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    SV Sandhausen – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    In einem sehr wichtigen Saisonspiel verliert die SGD gegen den direkten Konkurrenten aus Sandhausen. Dabei verfolgt man in dem Spiel zwar eine klare Idee, führt diese jedoch häufig zu unsauber aus. Schauen wir uns das noch einmal im Detail an.

    Gegner und Strategie

    Jene, denen der SV Sandhausen unter Trainer Schwartz als Gegner gegenübersteht, wissen meist schon sehr genau, was in diesem Spiel zu erwarten ist: Ein defensivfokussiertes, aggressives und intensives, schnell umschaltendes Team. Genau damit musste auch die SGD am Sonntagnachmittag umgehen.

    Dafür war zum einen die nötige Intensität in allen Spielphasen vonnöten, um dem Gegner hinsichtlich dieser Aspekte mindestens auf Augenhöhe zu begegnen. Zudem brauchte es Lösungen im Ballbesitz, um gegen ein kompakt verteidigendes Team eigeninitiativ Torgefahr zu kreieren.

    Dynamo in Pressing- und Umschaltmomenten

    Ersteres klappte in diesem Spiel meiner Meinung nach ordentlich bis gut. 

    In organisierten Pressingphasen lief Dynamo den Gegner aus jener 4141-Struktur an, die auch schon im Spiel gegen Schalke zu beobachten war. Dabei orientieren sich die Mittelfeldakteure mannorientiert an den Zentrumsspielern und Außenverteidigern des Gegners, während Stürmer Daferner das Spiel durch bogenförmiges Anlaufen auf eine Seite lenkt. Das klappte über das gesamte Spiel, prägte eben jenes aufgrund der strategisch-taktischen Herangehensweise Sandhausens jedoch nur schwach. Denn Sandhausen wählt sowieso häufig den einfachen langen Ball, fokussiert sich wenig auf flachen Aufbau und Chancenkreation aus eigenem organisierten Ballbesitz.

    Dynamos Pressing, Sandhausens Ballbesitz – klares breites 4141 (Bsp. Min. 3).

    Vielmehr steht Sandhausen im kompakten Mittelfeldpressing und versucht, nach Ballgewinn über dynamisches Konterspiel zu Torgefahr zu kommen. Auch bei beispielsweise eigenem Aufbau bedeutet das eher die Wahl des direkten Vertikalballs und den intensiven Kampf um den zweiten Ball, um von dort in konterähnliche dynamische Situationen zu gelangen.

    Doch auch das verteidigte Dynamo über weite Strecken des Spiels souverän. Sowohl bei zweiten Bällen als auch nach Ballverlust gelang es, durch eine enge ballnahe Struktur und hohe, klug eingesetzte Aggressivität gegenüber Ball und Gegner viele Bälle zurückzugewinnen. 

    Was passierte, wenn dies situativ nicht funktionierte, zeigt die gefährliche Kopfballchance von Testroet aus der ersten Hälfte. Erst lässt er sich klug fallen, um als Ziel- und Verbindungsspieler den Ball erst zu erhalten und dann klug auf die nachstoßenden Akteure weiterzuleiten. Dann attackieren Sandhausens schnelle Außenspieler die Tiefe, womit Okorochi genug Platz zum Flanken auf den sich in der Box ebenfalls klug bewegenden Testroet hat. In dieser Szene jedoch pariert Dynamos Torhüter Broll den gefährlichen Ball.

    Bis auf ein paar wenige Ausnahmen war Dynamo also durchaus in der Lage, dem Gegner vom eigenen Tor fern zu halten. Insgesamt beschränkten sich diese Phasen jedoch wohl nur auf geschätzte 30 bis 40 Prozent des gesamten Spiels.

    Probleme im Ballbesitz

    Denn über weite Strecken der Spielzeit galt es für Dynamo vor allem, den Defensivblock des Gegners zu knacken. Genau dort lagen die Probleme der Dresdner.

    Sandhausen agierte ohne Ball in einem klassischen 4231-Mittelfeldpressing mit je nach Kontext verschiedenen Anlaufhöhen. Dabei orientierten sich die Flügelspieler Kinsombi und Soukou primär an Dynamos Außenverteidigern. Während Stürmer Testroet eine passivere Rolle in der Nähe Sollbauers einnahm, orientierte sich Seufert zunächst an Sechser Will. Spielte Dynamo nun von Sollbauer auf Knipping, rückte dieser mit Will im Deckungsschatten diagonal heraus. So sollte Dynamo auf eine Seite gelenkt werden, während gleichzeitig alle Passoptionen für Knipping zugestellt sind. 

    Nach einigen langen Bällen zu Beginn des Spiels löste Dynamo dieses Problem, indem sich Ankersechser Will klug aus dem Deckungsschatten bewegte und den Ball hinter Pressinglinie 1 erhalten und aufdrehen konnte. 

    Dynamos Aufbau, Sandhausens Pressing – Will löst sich aus dem Deckungsschatten (Bsp. Min. 5).

    Vermehrt kam in Dynamos Aufbau jedoch folgende besondere Herangehensweise zum Tragen: Während man in den bisherigen Ligaspielen unter Capretti stets im 433 aufbaute, agierte die SGD in diesem Spiel variabler. In tiefen Zonen baute man immer noch in der klassischen gestreckten 4123-Staffelung mit flacheren Außenverteidigern auf. Ab dem mittleren Drittel agierte Dynamo nun jedoch konstant asymmetrisch in einer Art 3151, indem Linksverteidiger Löwe breit hochschob, Akoto eng blieb und Batista Meier zwischen die Linien rückte. Das hat die SGD schon im Testspiel in der letzten Länderspielpause und in den Schlussminuten des Schalkespiels so probiert.

    Diese Idee hat strukturell – insbesondere gegen ein 442 – zahlreiche Vorteile im Spiel mit dem Ball. In erster Linie schafft man sich so eine 4vs2-Überzahl mit diagonalen Passwegen, was den Aufbau erleichtert. Gleichzeitig besetzt man weiterhin die maximale Breite (Löwe und Schröter) und überläd den Raum zwischen den Linien (3vs2). Bei sauberem Positionsspiel ergeben sich so in der Theorie zahlreiche vielversprechende Kombinationsmöglichkeiten.

    Diese Struktur hat Dynamo im Aufbau tatsächlich auch in diesem Spiel geholfen. Gegen Schalke war Dynamos Hauptproblem vor allem, dass zahlreiche gute Passfenster nicht genutzt wurden. Situativ war das in diesem Spiel auch noch so, jedoch deutlich seltener:

    Hauptsächlich Akoto konnte in erster Linie immer wieder im Halbraum andribbeln. Das führte zu Zuordnungsproblemen für Sandhausens Kinsombi, der neben ihm auch noch den tiefer und breit positionierten Schröter im Blick hatte. Entweder positionierte er sich zentraler, sodass Schröter auf dem Flügel Platz erhielt, Okorochi herauszog und/ oder andribbeln konnte. Oder es eröffneten sich diagonale Passfenster zwischen die Linien, wo sich Dynamos Kade, Batista Meier und Mörschel in Überzahl klug positionierten.

    Dynamos Aufbau, Sandhausens Pressing – Akoto dribbelt an, es ergeben sich mehrere spannende Konbinationsmöglichkeiten (Bsp. Min. 16).

    Ab diesen Stationen begannen jedoch Dynamos Probleme. Denn passende Anschlussaktionen gelangen der SGD selten.

    Gelangte der Ball zwischen die Linien, verlor Dynamo den Ball häufig direkt dort wieder. Situativ nahmen die Zielspieler (z. B. Batista Meier) die Bälle zu unsauber an oder brauchten zu viele Kontakte zum Fortsetzen und/ oder Aufdrehen. In Verbundenheit mit der sehr aggressiven, intensiven und disziplinierten Arbeit des SVS gegen den Ball (indem z. B. der ballferne Flügel sehr weit mit nach hinten arbeitete), kam Sandhausen dort immer wieder in die direkten Duelle und konnte viele davon für sich entscheiden. 

    Dynamos Übergang, Sandhausens Pressing – Batista Meier agiert technisch unsauber und verliert den Ball zwischen den Linien (Bsp. Min. 49).

    Gelangte der Ball auf den Flügel, wurde in diesem Spiel zudem Dynamos (und Caprettis) Fokus auf die diagonale Spielfortsetzung deutlich. Erhält der Breitengeber den Ball (und geht nicht mit Dynamik an die Grundlinie oder ins 1v1), attackiert der ballnahe Achter (Kade oder Schröter) im Halbraum die Tiefe. Das schafft Raum zwischen den Linien, den der Ballführende entweder selbst diagonal bedribbeln oder in Richtung eines weiteren Zwischenraumspielers oder des Stürmers bespielen kann. Klappt das nicht, bleibt außerdem noch der Tiefenball auf den Achter, um von dort ins 1v1 gehen zu können.

    Dynamos Übergang, Sandhausens Pressing – Mörschel geht tief, Schröter dribbelt in Raum (Bsp. Min 29).
    Dynamos Übergang, Sandhausens Pressing – Daferner zieht den IV heraus, Batista Meier beläuft den Raum und wird von Schröter angespielt, gefährliche Szene! (Bsp. Min. 29).

    In diesem Spiel gelang eine solche Spielfortsetzung vom Flügel sehr selten. Teils verpasste man den Pass, teils stimmte das Positionsspiel im Zentrum nicht. Situativ arbeiteten die gegnerischen Flügelstürmer auch so weit und schnell zurück, dass Anschlussoptionen im Zentrum nicht aufgingen. Oft (und am bedeutendsten!) unterstützte der ballnahe Sechser seinen Außenverteidiger, sodass Sandhausen den Raum auf dem Flügel effektiv verknappen und Zugriff erzeugen konnte.

    Dynamos Übergang, Sandhausens Pressing – Schröter dribbelt wieder diagonal an, Sandhausen schafft aber schnell Kompaktheit (Bsp. Min 46).

    Letzteres klappte auch, wenn Schröter situativ statt das Spiel ins Zentrum fortzusetzen in die Dynamik und das 1v1 gegen Okorochi ging.

    Dynamos Übergang, Sandhausens Pressing – Sandhausen schiebt Schröter aggressiv zu (Bsp. Min. 16).

    Meist blieb so nur der Tiefenball, den insbesondere Löwe oft auf Kade spielte. Als der Sandhäuser Flügel ein/ zwei Mal zu spät kam und der Außenverteidiger nachschob, wurde eine solche Situation auch im Ansatz gefährlich. In nahezu allen Szenen reichte Kades Profil jedoch wiederum im 1v1 nicht für gefährliche Szenen.

    Dynamos Übergang, Sandhausens Pressing – Löwe spielt (in diesem Spiel häufig) den Tiefenball auf Kade (Bsp. Min. 51).

    30 Minuten Schlussoffensive

    Nach den zwei Gegentoren entschied sich Trainer Capretti daher schon ungefähr in Minute 60, Dynamos Herangehensweise drastisch zu verändern. Mit den Einwechslungen von den eher physischen, weniger technischen Spielern Stark, Drchal und Diawusie stellte er auf ein klassisches 442/4231 um. Dabei blieb in ganz hohen Zonen weiterhin die Asymmetrie mit Löwe, der insbesondere in der gegnerischen Hälfte weiter aufrückte als Akoto. 

    Der Spielfokus lag nun aber vermehrt auf einfachem direkten Spiel über die Flügel. Mit Stark und Will (und einem müderen Sandhausen) baute man mit viel Personal einfacher auf, um dann Diawusie oder Schröter in 1v1-Szenen zu bringen. Das führte mit den klassischen nachrückenden, meist überlaufenden Bewegungen der Außenverteidiger und der hohen Boxpräsenz in einigen Szenen tatsächlich zu mehr Torgefahr, war letztlich aber ein zu einseitiger Ansatz.

    Fazit

    Insgesamt ist es Dynamo gegen ein stark verteidigendes Sandhausen somit über das ganze Spiel nicht gelungen, in den Bereichen Übergangsspiel und Chancenerarbeitung im letzten Drittel gefährliche Aktionen mit genügend hoher Schlagzahl zu erspielen. Dabei erreichte man diese Zonen durchaus besser und häufiger als gegen Schalke. Auch die Capretti-Abläufe wurden noch klarer ersichtlich. Von dort weg gelang es jedoch nicht, gegen einen robusteren Gegner genügend und genügend klare Szenen zu kreieren, um gegen Sandhausen einen oder mehr Punkte mitzunehmen.

  • SG Dynamo Dresden – SV Sandhausen und St. Pauli: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – SV Sandhausen und St. Pauli: Spielanalyse

    Plakativ gesagt haben wir als Dynamo-Fans eine wahre Woche des Grauens hinter uns. Gerade eine solche Phase verlangt eine umfassende Einordnung, um die Entwicklung von Verein und Mannschaft im Blick zu behalten. Ich versuche mich mal daran. Lasst auch gern eure Ansichten mit hinzu. 

    Das Pokalspiel gegen den FC St. Pauli

    Da seitdem schon ein paar Tage vergangen sind, einige lesenswerte Spielanalysen erschienen sind und das Spiel gegen Sandhausen vermutlich etwas erkenntnisreicher war, möchte ich hier zunächst nur grob auf das Pokalspiel gegen Pauli eingehen. Jene, die sich für einen ausführlichen taktischen Bericht interessieren, verweise ich gern an den Hamburger Millernton-Blog.

    Im Sinne eines Überblicks können wir dennoch diesbezüglich folgendes zusammenfassen: Dynamo hat gegen Pauli keineswegs kompletten und langfristig vielversprechenden Fußball gespielt. Jedoch war man mit einem besonderen Matchplan des Trainerteams gut auf die gewohnt starke Hamburger Mannschaft eingestellt. So war man in der Lage, den Gegner auf ein Minimum an Torgefahr zu reduzieren und das Spiel knapp zu gestalten. Am Ende sind es Kleinigkeiten, die solch ein Spiel entscheiden, die zudem nicht immer direkt taktischer Natur sind. Am Ende hätte das Pokalspiel in beide Richtungen kippen können. Insgesamt habe ich aber eine stabile Basis auf Dynamo-Seite gesehen, genau wie in den letzten Wochen zuvor. Auch wenn man dieses Mal etwas Glück mit dem Spielverlauf hatte (schnelle Tore nach Gegentoren), sah man wieder einmal Ansätze, die zumindest so stabil aussahen, dass man sich mittelfristig (diese Saison als Zeithorizont) keine großen Sorgen machen müsste.

    Spiel gegen den SV Sandhausen

    Genau das habe ich ja versucht, in den letzten Wochen immer wieder zu betonen. Trotz der fehlenden Ergebnisse habe ich zumindest eine taktische Basis erkannt, mit der man mindestens einigen Gegnern der zweiten Liga überlegen sein müsste und sich daher mittelfristig keine Sorgen machen muss. In meinem Kopf war Sandhausen genauso ein Gegner.

    Dynamos Matchplan und gute Ansätze

    Zu Beginn des Spiels gegen den SVS am Samstagabend bestätigte sich diese Ansicht. Sandhausen agierte in dem Schwartz-typischen, klassischen 442/4231 mit Fokus auf das Pressing und einigen Limitationen im Spiel mit Ball. Im direkten Vergleich sah man dann in den ersten 20 Minuten schon, dass Dynamo insgesamt taktisch etwas gereifter und kompletter ist. 

    Auch in diesem Spiel verfolgte die SGD wieder einen Matchplan, den ich für schlüssig hielt. Ohne Ball formierte man sich in einem 343-Mittelfeldpressing, um auf letzter Linie Überzahl gegen die vier hohen Angreifer des Gegners zu haben und gleichzeitig das Zentrum mit den Deckungsschatten der offensiven Spielern zu schließen. So lockte man den SVS in etwas höhere Zonen, ohne dass man selbst gefährliche Situationen zuließ. Dafür verteidigte Dynamo zu gut und agierte Sandhausen mit Ball zu limitiert (geringes Tempo, lange Bälle, longline-Bälle). Zudem öffnete man so potenzielle Räume hinter der Sandhausener Abwehrkette, die man nach einem Ballgewinn bekontern hätte können. 

    Dynamos Mittelfeldpressing #1 – 3421-Struktur

    Im Spiel ohne Ball trat anfangs in dieser Hinsicht zwar ein kleines Zuordnungsproblem auf den Flügeln auf, den Dynamo nur einfach, Sandhausen jedoch doppelt besetzte. Doch durch eine schnelle Umstellung auf eine 3142-Struktur, verbunden mit der Anweisung, dass Dynamos Achter die gegnerischen Außenverteidiger anlaufen, löste man dies aber schnell. 

    Dynamos Mittelfeldpressing #2 – Zuordnungsproblem bei doppelter Flügelbesetzung des SVS, 5er-Kette hätte sich leicht aufgelöst.
    Dynamos Mittelfeldpressing #3 – 3142 statt 3421, 8er läuft gegnerischen AV an.

    Auch im Spiel mit Ball erkannte man den Willen, spielerische Lösungen zu finden. Was genau der Plan war, ließ sich nur selten erkennen, individuelle Lösungen von Einzelspielern kreierten in dieser Phase jedoch durchaus einige gute Durchbrüche. Grundsätzlich vermute ich, dass man den Gegner durch Spielaufbau in den tiefen Zonen anlocken und dann mit Chipbällen auf AV oder Stürmer überspielen wollte. Teils fehlte dabei jedoch das Tempo und die Genauigkeit im Kombinationsspiel.

    Dynamos grundlegende Ballbesitzstruktur zu Spielbeginn – Anlocken und Überspielen.

    Das einzige Muster, was ich zumindest drei/ vier Mal sehen konnte, war das Öffnen des Zwischenlinienraums im gegnerischen 442-Block: In Dynamos 3142-Struktur wurden Sechser Stark und Achter Kade und Herrmann mannorientiert durch den Gegner verfolgt. Während sich diese vergleichsweise tief positionierten und die Außenverteidiger Löwe und Schröter die Breite hielten, zog man so das gegnerische Mittelfeld heraus. In den Raum dahinter ließ sich Mörschel einige Male fallen, sodass ihn die andribbelnden Halbverteidiger Akoto und Aidonis dort anspielen und er aufdrehen konnte. (Deswegen spielten übrigens Akoto und Aidonis in der Verteidigung. Der Plan schien gewesen zu sein, Sandhausen mit Ballbesitz zu bespielen. Gerade den Halbverteidigern kam dabei große Bedeutung zu. Mai wäre da zu limitierend gewesen. Nach der gelben Karte für Aidonis war der Wechsel auf ihn in HZ2 dann aber folgerichtig, um defensiv in den Testroet-Duellen sicher zu stehen.)

    Dynamos Ballbesitzstruktur – ein Übergangsmuster mit Öffnung des Zwischenlinienraums.

    Nichtsdestotrotz blieb auch zu Beginn dieses Spiels das letzte Drittel ein großes Problem. Schon in den letzten Wochen haben wir immer wieder gesehen, dass Dynamo während der Chancenerarbeitung in dieser Zone sehr selten variantenreich agiert, sich zu häufig auf die Außen drängen lässt und von dort dann selten gefährliche Halbfeldflanken schlägt. Genau das erkannte man auch wieder gegen Sandhausen, was vor allem unglücklich war, da der Gegner gute individuelle Qualität in der Abwehrkette mitbringt, gerade was die Endverteidigung der Box angeht.

    Anpassungen in HZ1

    Auch wenn diese Ansätze nicht super besonders waren, machte Dynamo in dieser Phase einen souveränen Eindruck und zeigte einen Plan für dieses Spiel. Defensiv stand man sicher (auch wenn, klar, der Gegner auch nicht viel anbot), offensiv agierte man zumindest etwas verbessert als in den letzten Wochen (auch wenn das auch nicht schwer ist, auch klar).

    Im Laufe der ersten Halbzeit ließ sich Dynamo jedoch von diesem Plan abbringen. Immer häufiger formierte man sich statt in dem anfänglichen 3142 in einer 433-Struktur mit einem vermehrt aufrückenden Schröter. Das machte es Sandhausen einfacher, Dynamos Ballbesitzversuche zu verteidigen. Dynamos Abstände wurden größer, der Gegner konnte einfacher in den Mannorientierungen pressen. Daher spielte die SGD nun auch vermehrt lange Verzweiflungsbälle, ohne dass diese wirkliche Torgefahr in Richtung letztes Drittel erzeugten. Ferner führten die großen Abstände auch zu weniger Spieldominanz im Allgemeinen, da diese dem Gegenpressing nach Ballverlust nicht gut taten.

    Dynamos neue Ballbesitzstruktur – 433.

    Warum man diese Anpassung traf, kann ich mir nicht erklären. Ich weiß nicht, ob das Anweisung vom Trainerteam oder Ergebnis der Spieldynamik war. In beiden Fällen würden mich die Gründe interessieren. Fest steht: Damit begannen Dynamos Probleme.

    HZ2 mit Gegentor und großer Unsicherheit

    Meiner Meinung nach hätte man in Halbzeit Zwei wieder zu dem anfänglichen Plan zurückkehren sollen. Anstatt das zu tun, agierte Dynamo nun aber endgültig wieder aus der klassischen Rautenstruktur heraus. Die Gründe hierfür würden mich auf jeden Fall interessieren. Auf jeden Fall war diese Struktur der Grund, warum die Dresdner sich auf das Sandhausener Spiel herunterziehen haben lassen. Man machte dem Gegner so das Verteidigen leichter, erschwerte sich selbst kontrollierte Kombinationen, spielte selbst lieber schnell lang. Ähnliche Probleme wie sonst auch.

    Besonders problematisch wurde dies dann, als man nach einem Standard das Gegentor kassiert. Defensiv stand man bis dahin sicher, nach einer kleinen Unaufmerksamkeit veränderte sich jetzt der Spielverlauf in eine für die Dresdner Spielanlage ungünstige Richtung (auch das kennen wir aus den letzten Wochen).

    Was es nun gebraucht hätte, sind Ruhe und Kontrolle verbunden mit einer klaren Idee, wie man in Ballbesitz den tiefen Sandhausener Block knackt und Torgefahr kreiert. Bezugnehmend auf die schon zuvor stattgefundene Veränderung der gesamttaktischen Struktur entwickelte sich Dynamos Spiel jedoch genau in die andere Richtung. Ohne klar erkennbaren Plan lief man kopflos an. Das verschlimmerte sich zudem im Laufe der Spielzeit mit der zunehmenden Ungeduld und Frustration der Mannschaft, was zu Ungenauigkeit und zu vielen schlecht vorbereiteten langen Schlägen ohne viel Torgefahr führte. 

    Fazit

    So sind am Ende auch die verbleibenden personellen Wechsel nicht mehr so relevant. Ist keine allgemeine Struktur oder Idee da, macht es keinen großen Unterschied, wer genau wo agiert. Individuelle Glanzmomente hätten die SGD vielleicht noch einmal zurückgebracht, man hatte ja noch ein/ zwei Chancen, am Ende verliert Dynamo aber aufgrund gesamttaktischer Fehler verdient – man hätte sich deutlich mehr Chancen erspielen müssen.

    Meiner Meinung nach war das eine vermeidbare Niederlage. Gegen einen keineswegs starken, geschweige denn kompletten Gegner, verliert man schlicht komplett den eigenen roten Faden. Defensiv sind es letztendlich wieder Kleinigkeiten, offensiv die strategischen Schwächen, die zu der Niederlage führen.

    Ist Trainer Schmidt der Richtige? 

    Um sich mal an diese Frage heranzutrauen und die aktuelle Ergebniskrise einzuordnen, möchte ich – anders als in den letzten Wochen – noch einmal komplett ausholen. Die entscheidende Frage ist folgende: Passt die Spielidee von Alexander Schmidt zur aktuellen Situation der SGD?

    Ich würde sagen: Komplett ist die Spielidee definitiv nicht. Schmidt denkt primär defensiv, im Spiel mit Ball hat Dynamo noch deutlich Verbesserungsbedarf, das haben wir schon die gesamte Saison herausgearbeitet. Doch in den anderen strategischen Spielphasen hat es Schmidt meines Erachtens nach geschafft, eine eigentlich sehr stabile und proaktive Basis aufzubauen (was ihn im Vergleich zu anderen Defensivtrainern positiv abhebt). Wie auch schon bezüglich des Pauli-Spiels angemerkt: Mit dieser Basis sollte man normalerweise schon besser sein als mindestens drei Gegner der Liga. Deswegen sollte man mit dieser Spielidee mittelfristig schon die Klasse halten können.* 

    Da man aber nicht komplett ist, bleibt man abhängig von Gegner, Spielverlauf, individueller Klasse, etc. Wenn dann all das zusammenkommt, bekommt man schnell Schwierigkeiten, auch das haben wir in den letzten Wochen gesehen. Kleine Fehler wie das Gegentor gegen Sandhausen können so dann schwerwiegende Auswirkungen haben.

    Ganz langfristig gedacht, muss man sich daher natürlich noch deutlich weiterentwickeln und kompletter werden. Langfristig muss sich Schmidt deswegen auch an der Implementierung von sinnvollen Ballbesitzkonzepten messen lassen. Ob das in den kommenden Wochen/ Monaten klappt, kann ich nicht vorhersehen. Was mich positiv stimmt, sind aber die immer mal wieder aufblitzenden Ansätze im Spiel mit Ball, die man im Laufe der Saison schon manchmal beobachten konnte. Wie lange so etwas dauert, kann ich ebenfalls nicht konkreter sagen – das hängt stets vom Vereins- und Mannschaftskontext ab, in den wir nicht genau Einblick haben. Klar, mit jedem Spiel ohne deutliche Entwicklungsschritte wird der Optimismus natürlich aber auch immer kleiner.

    Aufgrund der kurz-/mittelfristigen Aussicht plus dieser Ansätze denke ich persönlich dennoch, dass Schmidt für die aktuelle Situation im ersten Jahr nach dem Aufstieg sehr gut zur SGD passt. Daher sollte man ihm meines Erachtens nach definitiv die Entwicklungszeit geben. Ob es ganz langfristig immer noch passt, muss sich dann zeigen.

    *Für die mittelfristige Entwicklung in dieser Saison muss man dann jedoch aber auch die angesprochene stabile Basis gerade gegen solche Gegner auf den Platz kriegen. Das war zumindest gegen Sandhausen nicht der Fall. In dieser Hinsicht wird dann einfach die weitere Entwicklung entscheidend. Ich stimme Schmidt zu, dass trotz dieser Partie noch nichts Extremes passiert ist (wie z. B. fünf nacheinanderfolgende Partien, ohne jegliche vielversprechende taktische Basis). Das war nun das erste richtig schwache Spiel. Ob so etwas zukünftig in den kommenden Wochen passieren wird, wird sich zeigen. Ich glaube es nicht, verstehe aber auch pessimistischere Denkweisen. Am Ende wird genau das entscheiden, wo der Weg hingeht.