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  • Fortuna Düsseldorf – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Fortuna Düsseldorf – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Gegen Fortuna Düsseldorf holt die SGD einen Punkt, der durchaus auch als eher glücklich bezeichnet werden kann. Dabei kehrt man nach dem Spiel gegen Kiel zu klassischen Capretti-Abläufen zurück, hat dabei aber ähnliche Probleme wie zuletzt. Schauen wir uns das Spiel noch einmal genauer an.

    Dynamos Ausgangslage

    In dieser Woche musste sich Dynamo auf einen primär wuchtigen Gegner aus Düsseldorf einstellen. Neben einer ausgesprochen hohen individuellen Klasse vieler Spieler besticht die Fortuna unter Daniel Thioune vor allem über ihre Intensität, ein dementsprechend gutes Gegenpressing und ein sehr direktes und gefährliches Umschaltspiel nach vorn.

    Für die SGD galt es – laut Capretti –, die spielerischen Entwicklungsschritte der vergangenen Wochen fortzuführen und diese mit der (vergleichsweise leicht) höheren Intensität gegen den Ball aus dem Spiel gegen Kiel zu verknüpfen. Gegen einen Gegner wie Düsseldorf waren schließlich alle Spielphasen von spielbedeutender Relevanz.

    Dynamos Pressing und die Umschaltphasen

    Gegen den Ball agierte Dynamo wie schon in der zweiten Hälfte gegen Kiel mit Mannorientierungen auf dem gesamten Feld. Aus einer 3412-Grundordnung wurde so gerade das Mittelfeld des Gegners eng verfolgt, während die Stürmer Daferner und Borrello das Spiel flexibel nach innen oder nach außen lenkten. Die Schienenspieler Giorbelidze und Schröter mussten dabei weite Wege zurücklegen, da sie bei Ballbesitz des gegnerischen Außenverteidiger auf ihre Seite hochschoben und bei ballfernem Spiel eher Anschluss an die letzte Kette hielten.

    Dynamos Pressing, Düsseldorfs Aufbau – Mannorientierungen, Daferner lenkt und erzwingt langen Ball (Beispielszene).

    Grundsätzlich konnte man so das Spiel der Düsseldorfer häufig auf lange Bälle beschränken. Wenngleich auch anzumerken ist, dass das auch so eher Fortunas Naturell entspricht. Denn unter anderem auch über solche Szenen kann man beim Kampf um den zweiten Ball die eigene Stärke der Intensität und Robustheit ausspielen.

    Dies bekam auch Dynamo zu spüren. Obwohl man den Gegner im Pressing gut lenken konnte, erspielte sich dieser dennoch einige gefährliche Szenen über jene langen Bälle. Gerade weil Dynamo Mann gegen Mann verteidigte und in der letzten Linie keine Überzahl hatte (bzw. dafür erst der ballferne Schienenspieler einrücken musste, was nicht immer mit dem passenden Timing gelang), konnten die Angreifer der Fortuna einige Bälle gut festmachen und das Spiel direkt vertikal fortsetzen. Dies spielten sie auf gefährliche Weise über kluge gegenläufige Bewegungen auf engem Raum, schnelles und technisch sauberes (individuelle Klasse!) 1-Kontakt-Spiel und dementsprechend einigen Steil-Klatsch-Kombinationen aus.

    Dynamos Pressing, Düsseldorfs Aufbau – einfacher langer Ball bringt gegen Mannorientierungen Gefahr (Beispielszene).

    Dynamos Intensität im Pressing, Gegenpressing und bei zweiten Bällen habe ich über das gesamte Spiel als überwiegend solide wahrgenommen. Im Vergleich mit dem brutal wuchtigen Gegner reichte das jedoch nicht immer aus. Aufgrund der Mannorientierungen ergaben sich zudem folgende Probleme:

    Zunächst ergaben sich so immer wieder ungleiche 1v1-Situationen. Wenn beispielsweise der Düsseldorfer Außenverteidiger angespielt, von Schröter angelaufen und dann longline weitergab, ergab sich ein Duell zwischen Sollbauer und dem jeweiligen gegnerischen Flügelspieler auf der Seite. Somit entstand  ein Mismatch zum Beispiel bezüglich der Geschwindigkeit und Beweglichkeit, was  durchaus zu einigen gefährlichen Szenen der Fortuna aufgrund eines qualitativen Vorteils (qualitative superiority, z. B. durch ein gewonnenes Laufduell) führen hätte können.

    Verlor man ein solches 1v1-Duell (oder bekommt gegen den Gegenspieler zu wenig Zugriff), löste das außerdem eine Kettenreaktion aus. In einer dynamischen Aktion muss wieder ein Dresdner herausrücken, was wiederum Räume im Rücken für weitere nachstoßende Spieler öffnet. Unter Capretti rücken die Verteidiger in Aktionen, bei denen ein Gegner offen steht und keinen Gegnerdruck bekommt, regelmäßig heraus. Währenddessen soll die restliche Kette diese Bewegungen auf klassische Weise ausbalancieren („Dreieck bilden“). Da beides jedoch noch nicht immer mit dem richtigen Timing geschieht und gerade in jenen dynamischen Szenen/ bei Kettenreaktionen schwierig umzusetzen ist, entstanden so in diesem Spiel einige gefährliche Szenen auf Seiten der Fortuna.

    Dynamos Pressing, Düsseldorfs Ballbesitz – Dynamo verliert Mannorientierungen weil Stark und Weihrauch denselben Gegner anlaufen, dadurch kann Fortuna aufdrehen und die Dynamik kommen (Beispielszene).
    Dynamos Pressing, Düsseldorfs Ballbesitz – Sollbauer rückt heraus, Kette muss absichern, bei beidem passt Timing jedoch nicht perfekt, es entsteht gefährliche Fortuna-Chance (Beispielszene).

    Ergänzend zeigte sich die technische Klasse der Düsseldorfer auch in vereinzelten Szenen, in denen Dynamo etwas tiefer anlief. Dabei gelang es ihnen einige Male, Dynamos Mannorientierungen über technisch saubere und dynamische Steil-Klatsch-Abfolgen und Spiel über den Dritten aufzulösen. Insbesondere wenn sich ein Mittelfeldspieler so weit fallen ließ, dass Dynamos Sechser Stark den weiten Weg zu seinem Gegenspieler nicht mitgehen konnte, bekam Dynamo in erster Pressinglinie wenig Zugriff. Letztlich half aber – wie auch schon in den letzten Wochen – der eine zusätzliche Mann in der Dreierkette, viele der Umschaltszenen oder konterähnlichen Aktionen spätestens am eigenen Strafraum wegzuverteidigen.

    Dynamo selbst suchte auch gerade zu Beginn einige Male den direkten Umschaltweg in Richtung gegnerisches Tor. Da man jedoch aus den angesprochenen Gründen nahezu ausschließlich tiefe Ballgewinne erzielen konnte, verlief sich dies gegen das sowieso meist intensive gegnerische Gegenpressing meist im Sand.

    Dynamos Ballbesitzspiel mit einigen Problemen

    Vielmehr prägten das Spiel viele Phasen, in denen Dynamo das Spiel organisiert aufbaute. Im Gegensatz zum Spiel gegen Kiel wählte man dabei nicht den simplen Sicherheitsweg, sondern kehrte zu bekannten Capretti-Ansätzen zurück, die auch in den Spielen gegen Schalke und insbesondere Sandhausen deutlich wurden.

    Wie schon zuletzt baute man das Spiel dabei aus einer 3142-Staffelung auf, bei der sich die Achter bekanntermaßen vergleichsweise hoch positionieren. Demgegenüber stand Düsseldorf in einem höheren 4231-Mittelfeldpressing, das ebenfalls weitgehend mannorientiert interpretiert wurde. Dabei wurde Dynamos Aufbaukette zunächst Raum gewährt. Der Fokus lag vielmehr auf dem Schließen der Passwege und der Mitspieler. Auch Dynamos Halbverteidiger Löwe und Sollbauer wurden selten angelaufen, sondern vielmehr gestellt und dabei langsam nach innen gelenkt. Das verhinderte klugerweise deren potenzielle andribbelnde Bewegungen (worauf ich mich anfangs eigentlich bei Löwe gefreut hatte) und provozierte zudem einen flachen Pass in das über enge Mannorientierungen kontrollierte Zentrum.

    Dynamos Aufbau, Düsseldorfs Pressing – mannorientierte Grundausrichtung.

    So ergaben sich viele Szenen, in denen Dynamo zu einem langen Ball gezwungen wurde. Für Bälle an die letzte Kette war die Dresdner Struktur mit den hohen Achtern und damit mindestens vier eng gestaffelten Akteuren grundsätzlich geschaffen, gegen die Düsseldorfer Verteidiger plus der gesamten gegnerischen Intensität dennoch meist unterlegen. Ähnliches galt für Bälle auf einen Tiefenlauf hinter den gegnerischen Außenverteidiger. Erhielt ein Halbverteidiger den Ball ohne Druck und bot sich der Schienenspieler tief an, zog letzterer den gegnerischen Außenverteidiger weit aus der Kette. Den dahinter entstehenden Raum attackierten meist die Achter Kade oder Weihrauch (teils auch Borrello). Doch die teils mangelnde Präzision der Bälle plus die individuelle Unterlegenheit der Zielspieler bezüglich Robustheit und 1v1-Qualität ließ diese Bälle schnell versanden.

    Spielte Dynamo doch flach, konnte man weitere Prinzipien Caprettis beobachten – musste gleichzeitig aber auch deren unsaubere Umsetzung beklagen. In diesem Spiel wurden diesbezüglich vor allem folgende Muster deutlich:

    Der Pass ins Zentrum ergab sich aufgrund der gegnerischen Anlaufwege in erster Linie und der zentralen Mannorientierungen selten. Ab und an wäre ein Diagonalball auf einen zwischen die Linien fallenden Angreifer möglich gewesen. Grundsätzlich passierte das jedoch selten, da sich Daferner und Borrello häufig ebenfalls an der letzten Linie hielten oder unsauber positioniert waren. Ergab sich dennoch ein Passfenster, nutzten das die Halbverteidiger nicht.

    Dynamos Aufbau, Düsseldorfs Pressing – diese Beispielszene zeigt drei Aspekte: Narey lenkt Löwe nach innen; dort ist doch einmal ein Passfenster, was er jedoch nicht nutzt; der Tiefenlauf öffnet Zentrum und bietet Option für langen Ball, den spielt Löwe auch.

    Häufiger fand ein Halbverteidiger einen eng und tiefer positionierten Achter im Zentrum. Von dort blieb jedoch nur die direkte Klatschoption auf den Schienenspieler, was teils durch zu viele Kontakte des Ballführenden und einen robusten Gegner ebenfalls nicht gelang.

    Entweder so oder auf direktem Weg vom Halbverteidiger oder Chipbälle von Broll oder Knipping – am Ende landete Dynamos Übergangsspiel dennoch meist auf dem Flügel. Dort endete die Mehrzahl Angriffe jedoch auch.

    Unter Capretti sucht die SGD auf dem Flügel stets eine diagonale Anschlussaktion in Richtung Zentrum. Erhält ein Flügelspieler den Ball, wird im Halbraum die Tiefe attackiert, um Raum zwischen den Linien zu öffnen. So sollen sich Andribbel- und/ oder Passfenster ins Zentrum öffnen. Da Düsseldorf Dynamos Schienenspieler Giorbelidze und Schröter jedoch aggressiv anlief und den Flügelraum mit einer engen Staffelung vieler Akteure effektiv verknappte, gelang das selten. Dazu kam, dass sowohl beide Dresdner unter Druck und im 1v1 einseitig agieren als auch die Anschlussstaffelungen der Dresdner Stürmer im Zentrum unsauber waren. Somit kassierte Dynamo viele Ballverluste auf dem Flügel und erreichte nicht das letzte Drittel.

    Dynamos Übergang, Düsseldorfs Pressing – diagonale Aktion am Flügel, Tiefenlauf Weihrauch, aber Düsseldorf schiebt Schröter gut zu, zudem keine Optionen im Zentrum (Beispielszene).

    Gegentore und Unsicherheit

    Dementsprechend gelang es Dynamo in der ersten Hälfte nicht, Torgefahr zu kreieren. Vielmehr kassierte man aufgrund der Probleme mit Ball und über die angesprochene, dazu passende, robuste und direkte Spielweise des Gegners vereinzelte, sehr gefährliche Chancen des Gegners. Nach den beiden Gegentoren verstärkte sich dies zudem ein wenig, da der Mut zum progressiven Pass im Aufbau noch weiter schwand, Dynamo so noch weniger Spielkontrolle hatte und letztlich noch mehr 50/50- und 1v1-Duelle verlor.

    Die zweite Hälfte

    In der zweiten Spielhälfte änderten sich Dynamos Herangehensweise und die allgemeine Spielanlage nicht signifikant. Vielmehr prägten mehrere Details den weiteren Spielverlauf.

    Zunächst agierte die SGD wieder etwas klarer in den Aktionen. Mit dem Ball spielte man häufiger klar den langen Ball, sodass sich das Team besser darauf vorbereiten und zweite Bälle häufiger gewinnen konnte anstatt gefährliche Ballverluste im mittleren Drittel zu kassieren. Dort agierte man bei Pässen auf die Achter zudem direkter, sodass die Steil-Klatsch-Abfolgen auf den Flügel dynamischer wurden und den Schienenspieler etwas mehr Raum und Zeit gewährte.

    Letztlich entscheidend war jedoch zum einen, dass Düsseldorf im Laufe der Spielzeit an Intensität im eigenen Spiel verlor und damit sowohl gegen den Ball weniger Zugriff als auch offensiv weniger gefährlich wurde. Zum anderen brachten Dynamos Wechsel zu Königsdörffer und Diawusie mehr Robustheit und 1v1-Stärke auf das Feld, was sich insbesondere bei letzterem in häufiger auftretenden Durchbrüchen auf dem Flügel zeigte.

    Dynamos Übergang, Düsseldorfs Pressing – diagonale Anschlussaktion in HZ2, Düsseldorf schiebt weniger intensiv zu, Borrello ist zentral besser positioniert, Schröter findet ihn dennoch nicht (Beispielszene).

    Dynamos Tore fallen dann in Szenen, in denen Königsdörffer und Weihrauch ihre Stärken eindrucksvoll auf den Platz bringen. Danach kam bei Dynamo zudem das gestiegene Selbstvertrauen (und damit mehr erfolgreiche direkte Duelle) hinzu, wenngleich die Probleme im Übergangsspiel und im letzten Drittel weiterhin ähnlich blieben.

    Fazit

    Somit blieb es dann am Ende doch eher bei einem glücklichen Unentschieden. Gleichzeitig mag der erste Eindruck des Spiels auch schlechter gewesen sein als es am Ende tatsächlich war. Letztlich verfolgen Dynamo weiterhin – neben vereinzelten defensiven Unsicherheiten – primär jene Problem im Spiel mit dem Ball, die wie auch schon gegen Schalke und Sandhausen gegen einen sehr guten Gegner offenbart wurden.

  • SG Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf: Spielanalyse

    Endlich gelingt es Dynamo im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, einen Sieg einzufahren. Rezept war, die eigenen Stärken ähnlich wie zum Saisonbeginn klar, konsequent und konstant auf den Platz zu bringen. Wie man das gemacht hat, schauen wir uns hier mal genauer an.

    Der Gegner

    Mit Fortuna Düsseldorf stand der SGD am Sonntagnachmittag ein Gegner gegenüber, dessen hohe individuelle Klasse zuerst auffällt. In nahezu allen Mannschaftsteilen – Tor und Innenverteidigung auch aufgrund von Verletzungen ausgenommen – hat man einen breiten Kader mit durchweg spannenden und im Zweitligarahmen überdurchschnittlichen Einzelakteuren. Darunter befinden sich starke entwicklungsfähige (Tanaka, Klarer) und zahlreiche erfahrene Akteure (Zimmermann, Bodzek, Narey, Hennings). Das strahlt immer Gefahr aus.

    Schaut man auf die Tabelle, liest man Berichte oder schaut sich das Spiel gegen die SGD an, bemerkt man aber, dass sich Fortuna auch sehr stark auf genau jene individuelle Klasse verlässt. Aus einer 442-Grundordnung spielen sie stabilen, dennoch keineswegs besonderen oder herausstechenden Fußball. Eine klare taktische Identität habe zumindest ich nicht erkennen können.

    Mit Ball und im Umschalten auf Offensive fokussiert man sich auf schnelles und vertikales Spiel über die stark besetzten Flügel, um dann Hennings und nachrückende Akteure in der Box in Szene zu setzen. Ohne Ball spielt Düsseldorf klassisches Pressing, meist auf Mittelfeldhöhe. Ihr seht: Vieles steht und fällt bei der Fortuna mit individuellen Leistungen und der Qualität des Gegners. Besonders kreativ und flexibel erscheint mir deren Fußball nicht.

    Dynamo: Ausgangssituation

    Bei Dynamo ist das anders. Wir wissen, welchen klaren strategisch-taktischen Plan Trainer Schmidt verfolgt. Nach der langen Niederlagenserie zuletzt wurde in letzter Zeit (legitimerweise) diskutiert, ob dieser Stil für Liga 2 ausreicht und/ oder zur Mannschaft passt. Die sportlich Verantwortlichen beantworteten diese Frage mit einem klaren Ja, verwiesen gleichzeitig eher auf Umsetzungsprobleme dieser Idee in Detailfragen. Gegen Düsseldorf hieß es daher, die vom Trainer angedachte stabile Basis wieder klarer und konstanter auf den Platz zu bringen. Das bedeutete: Vor allem im Pressing klug und mit hoher Intensität agieren, dazu mit Ball und in Kontersituationen präziser und abgestimmter spielen. 

    Ich nehme vorweg: Genau das hat in diesem Spiel über weite Strecken sehr gut geklappt. Und genau das ist daher auch der Grund für den Sieg. Lasst uns nichtsdestotrotz nochmal einen detaillierten Blick auf die konkrete taktische Umsetzung blicken.

    Dynamo in Ballbesitz (mit besonderer Aufstellung)

    Düsseldorf lief Dynamo gerade zu Beginn des Spiels nicht mit einer besonders hohen Pressinglinie an, wartete eher bis kurz nach der Mittellinie in ihrem 442. Damit hatte Dynamo gerade zu Beginn einige Male auch längere Ballbesitzphasen im eigenen Spiel. Wir wissen, dass das nicht Dresdner Hauptfokus oder Stärke ist. Dennoch vermochte ich einen Matchplan in dieser Hinsicht zu erkennen.

    Ungewöhnlicherweise startete in diesem Spiel nämlich Königsdörffer auf der linken Halbposition der Raute, weswegen Herrmann auf die Zehn und Daferner mit Borrello ins Sturmzentrum rückte. Warum? Mit Ball interpretierte man die Raute nicht so wie sonst (sondern wählte im Allgemeinen eine deutlich sinnvollere Struktur).

    In der bisherigen Saison agierte Dynamo meist in einem engen 433 mit hohen Achtern. Das ergab strukturell für den Kampf um lange und zweite Bälle Sinn, funktionierte aufgrund verschiedener individueller Probleme (kein Stoßstürmer, fehlende Präzision, …) jedoch nicht so oft wie erwünscht. Außerdem: Gerade wenn man auch flach aufbauen hätte können/ müssen, behinderte man sich so selbst. 

    Dynamos Positionsspiel – bisheriges 433.

    Gegen Düsseldorf war bei Dynamo dagegen klar erkennbar, dass man letzteres im Aufbau bevorzugt. Daher verfolgte man mit den beiden eigentlichen Flügeln auf der Acht ein anderes Positionsspiel, agierte eher in einem 4132 mit engen Stürmern. 

    Prinzipiell attackierten dabei jeweils zwei Stürmer (meist Daferner und Borrello) die Tiefe, um die gegnerische Abwehrkette nach hinten zu drücken und Raum zwischen den Linien zu öffnen. Dort positionierten sich dann die drei restlichen Mittelfeldspieler, zwischen Abwehr und Mittelfeld und stets auf Lücke der gegnerischen 4er-Kette, die wiederum von Dynamos hohen Außenverteidiger auseinandergezogen werden sollte. Strukturell ergibt diese Art von Zentrumsüberladung gerade gegen ein klassisches 442 viel Sinn. 

    Dynamos Positionsspiel mit Ball – Grundstruktur.

    Trotzdem schaffte es Dynamo selten, diese strukturellen Vorteile auszunutzen. Beide Innenverteidiger trauten sich teils nicht, breit genug zu stehen, um sinnvolle Passwinkel nach vorn zu öffnen. Auch Stark wirkte zu Beginn im 6er-Raum etwas verloren, war nicht in der Lage, die Stürmer zu binden. 

    Im Laufe der Zeit erlangte Dynamo aber immer mehr Mut und Ballsicherheit, sodass man einige Male in den Düsseldorfer Block hineinspielen konnte. Einige Male konnte man über die Außenverteidiger diagonal in die Halbräume gelangen. 

    Als wertvoll erwies sich auch das situative Andribbeln durch Ehlers, der so Zuordnungsprobleme im gegnerischen Block provozierte und dadurch Raum in Halbraum oder dem Flügel öffnete. 

    Dynamos Positionsspiel mit Ball – Andribbeln.

    Ein drittes ersichtliches Muster war das Herauskippen von Stark auf die rechte Halbspur, von wo er ebenfalls im Raum neben den Stürmern andribbeln könnte. 

    Dynamos Positionsspiel mit Ball – Starks Andribbeln.

    Wirklich viel Gefahr konnte die SGD darüber am Ende jedoch nicht kreieren, da das Spiel grundsätzlich viele Umschaltaktionen auf beiden Seiten provozierte, andererseits das eigene Übergangsspiel auch nicht super präzise war. Eine Idee war sicherlich, Königsdörffer und Schröter dribbelnd diagonal nach außen zu schicken. (Siehe allgemeine Grafik oben.) Geklappt hat das aber nicht oft.

    Dynamo im Pressing 

    Mehr Gefahr erzeugte die SGD in verschiedenartigen Umschaltsituationen. Düsseldorf ist kein besonders aufbaustarkes, im Ballbesitz kreatives Team. Diese gegnerische Schwäche korrespondierte mit Dynamos Stärke im Pressing. Für diese Spielphase verfolgte die SGD ebenso einen klaren Plan. 

    Zwar lief man hoch und aggressiv an, im ruhigen Spielaufbau des Gegners ließ man aber Keeper Kastenmeier frei. Aus der Rautenformation heraus kontrollierte Herrmann den 6erRaum mannorientiert, während Daferner und Borrello die gegnerischen Außenverteidiger mit ihrem Deckungsschatten kontrollierten. So schloss man alle Anspielstationen des Gegners. Pressingauslöser war auf dieser Grundlage der Pass auf die Innenverteidiger. Die Stürmer attackierten dann direkt diesen Pass, indem sie den Empfänger bogenförmig anliefen. Je nach Positionierung und Situation lenkten sie das Spiel entweder nach innen, um einen langen Ball zu provozieren, oder nach außen, wo Dynamos Achter auf die Außenverteidiger rausschoben.

    Der Chipball auf die Außenverteidiger war tatsächlich auch Düsseldorfs primäre Lösung, denn der Anlaufweg für Dynamos Achter nach außen war dort sehr lang. So kam Fortuna situativ direkt in ihren Flügelfokus, wo sie mit Überladungen Gleichzahl schaffen und so Durchbrüche in die Tiefe erzeugen wollten. Gerade anfangs gelang das einige Male.

    Düsseldorfs Spiel mit Ball – Flügelfokus.

    Wenn sich ein zweiter zentraler Mittelfeldspieler situativ fallen ließ, bekam Dynamo ebenfalls Zuordnungsprobleme im Pressing. Dieses Mittel nutzte Fortuna aber nur wenige Male.

    Dynamos Pressing – Zuordnungsproblem bei tiefem Mittelfeldspieler.

    Im Laufe der Zeit kam die SGD jedoch immer besser ins Spiel, setzte den klugen Pressingplan mit der vom Saisonbeginn bekannten, sehr hohen Intensität über weite Strecken erfolgreich um. (Klappte das Mal nicht, bekam man die Situation doch noch irgendwie in der Endverteidigung geklärt.) Gerade Ehlers (nach anfänglicher Unsicherheit gute Intensität, aber auch wertvolles Dribbling und vertikales Passspiel), Sollbauer oder auch Königsdörffer (ungewohnte Laufstärke, auch wenn er wie üblich im direkten Zweikampf und der Positionierung situativ Probleme hat) sollten in dieser Hinsicht meiner Meinung nach positiv hervorgehoben werden.

    Dynamo: Kontergefahr

    Zu Beginn des Spiels gelang es aber noch selten, vielversprechende Ballgewinne zu erzeugen. Das verbesserte sich aber mit dem im Laufe stärker werdenden Vorwärtsverteidigen mit noch größerer Intensität. Im Laufe der Zeit gewann man zudem an Mut zum vertikalen Passspiel, sodass man in der Lage war, schneller, präziser und gefährlicher umzuschalten. Im Vergleich zu den letzten Wochen habe ich in dieser Hinsicht zum einen abgestimmtere Tiefenläufe und mehr Ballsicherheit in überwiegend diagonalen Mustern wahrgenommen. Dabei suchte meist ein Spieler die Breite (meist die Achter), währenddessen sich die anderen Spieler tendenziell nicht mehr so häufig nach außen drängen ließen, sondern vermehrt nach innen aufdrehten und so häufiger in die gefährlichen Zonen kamen. Die Situation vor dem Elfmeter dient dafür als perfektes Beispiel.

    Halbzeit Zwei

    Nach der Halbzeit setzte sich das Spiel ähnlich fort. Düsseldorf passte zunächst einige Details im eigenen Ballbesitz an, zog die Außenverteidiger (Anlaufweg der Dresdner 8er vergrößern) und den spielstarken Tanaka tiefer zurück. Doch das hatte zu Beginn wenig Einfluss auf den Spielverlauf. Nur tendenziell entwickelte sich das Spiel in eine dynamischere und umschaltfokussiertere Richtung, da auch Düsseldorf mehr Tempo und Vertikalität ins eigene Spiel brachte. Fortunas Aufbauprobleme setzten sich aber weiter fort, bei etwas mehr Präzision hätte Dynamo daher auch gut und gerne noch ein zweites Tor erzielen können.

    Zum Ende des Spiels wurde Dynamo jedoch deutlich passiver und fiel immer tiefer zurück. Ich vermute, dass dabei die Kraft (man beobachte Daferner) eine Rolle gespielt haben könnte. Das überließ Düsseldorf vermehrt den Ball, der Gegner zeigte dabei aber auch weiterhin keine vielversprechenden Ballbesitzideen. Bei etwas mehr Pech kann Dynamo schon ein Tor aus einer individuell starken Aktion des Gegners kassieren. Insgesamt schaffte man es aber, die Intensität über weite Strecken aufrechtzuerhalten. Letztendlich war vor allem die vergleichsweise kluge Zweikampfführung und Endverteidigung in Verbindung mit den gegnerischen Limitationen entscheidend dafür, dass der Spielstand bei 1:0 blieb.

    Fazit

    Dynamo hat gegen Fortuna Düsseldorf keineswegs kompletten Fußball gespielt. Doch man hat genau das geschafft, was man sich in den zwei Wochen zuvor vorgenommen hatte. Die SGD war gesamttaktisch auf alle Spielphasen gut eingestellt. Im Ballbesitz konnte man vielversprechende Ansätze erkennen, auch wenn diese nicht zu signifikanter Torgefahr geführt haben. Entscheidend war, dass man die eigenen Stärken im Pressing und in den beiden Umschaltphasen wieder klarer und konsequenter umgesetzt hat. So gewinnt man dann gegen einen Gegner, der eigentlich individuell besser aufgestellt ist, in einem ausgeglichenen Spiel durchaus nicht unverdient.