SG Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf: Spielanalyse

Endlich gelingt es Dynamo im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, einen Sieg einzufahren. Rezept war, die eigenen Stärken ähnlich wie zum Saisonbeginn klar, konsequent und konstant auf den Platz zu bringen. Wie man das gemacht hat, schauen wir uns hier mal genauer an.

Der Gegner

Mit Fortuna Düsseldorf stand der SGD am Sonntagnachmittag ein Gegner gegenüber, dessen hohe individuelle Klasse zuerst auffällt. In nahezu allen Mannschaftsteilen – Tor und Innenverteidigung auch aufgrund von Verletzungen ausgenommen – hat man einen breiten Kader mit durchweg spannenden und im Zweitligarahmen überdurchschnittlichen Einzelakteuren. Darunter befinden sich starke entwicklungsfähige (Tanaka, Klarer) und zahlreiche erfahrene Akteure (Zimmermann, Bodzek, Narey, Hennings). Das strahlt immer Gefahr aus.

Schaut man auf die Tabelle, liest man Berichte oder schaut sich das Spiel gegen die SGD an, bemerkt man aber, dass sich Fortuna auch sehr stark auf genau jene individuelle Klasse verlässt. Aus einer 442-Grundordnung spielen sie stabilen, dennoch keineswegs besonderen oder herausstechenden Fußball. Eine klare taktische Identität habe zumindest ich nicht erkennen können.

Mit Ball und im Umschalten auf Offensive fokussiert man sich auf schnelles und vertikales Spiel über die stark besetzten Flügel, um dann Hennings und nachrückende Akteure in der Box in Szene zu setzen. Ohne Ball spielt Düsseldorf klassisches Pressing, meist auf Mittelfeldhöhe. Ihr seht: Vieles steht und fällt bei der Fortuna mit individuellen Leistungen und der Qualität des Gegners. Besonders kreativ und flexibel erscheint mir deren Fußball nicht.

Dynamo: Ausgangssituation

Bei Dynamo ist das anders. Wir wissen, welchen klaren strategisch-taktischen Plan Trainer Schmidt verfolgt. Nach der langen Niederlagenserie zuletzt wurde in letzter Zeit (legitimerweise) diskutiert, ob dieser Stil für Liga 2 ausreicht und/ oder zur Mannschaft passt. Die sportlich Verantwortlichen beantworteten diese Frage mit einem klaren Ja, verwiesen gleichzeitig eher auf Umsetzungsprobleme dieser Idee in Detailfragen. Gegen Düsseldorf hieß es daher, die vom Trainer angedachte stabile Basis wieder klarer und konstanter auf den Platz zu bringen. Das bedeutete: Vor allem im Pressing klug und mit hoher Intensität agieren, dazu mit Ball und in Kontersituationen präziser und abgestimmter spielen. 

Ich nehme vorweg: Genau das hat in diesem Spiel über weite Strecken sehr gut geklappt. Und genau das ist daher auch der Grund für den Sieg. Lasst uns nichtsdestotrotz nochmal einen detaillierten Blick auf die konkrete taktische Umsetzung blicken.

Dynamo in Ballbesitz (mit besonderer Aufstellung)

Düsseldorf lief Dynamo gerade zu Beginn des Spiels nicht mit einer besonders hohen Pressinglinie an, wartete eher bis kurz nach der Mittellinie in ihrem 442. Damit hatte Dynamo gerade zu Beginn einige Male auch längere Ballbesitzphasen im eigenen Spiel. Wir wissen, dass das nicht Dresdner Hauptfokus oder Stärke ist. Dennoch vermochte ich einen Matchplan in dieser Hinsicht zu erkennen.

Ungewöhnlicherweise startete in diesem Spiel nämlich Königsdörffer auf der linken Halbposition der Raute, weswegen Herrmann auf die Zehn und Daferner mit Borrello ins Sturmzentrum rückte. Warum? Mit Ball interpretierte man die Raute nicht so wie sonst (sondern wählte im Allgemeinen eine deutlich sinnvollere Struktur).

In der bisherigen Saison agierte Dynamo meist in einem engen 433 mit hohen Achtern. Das ergab strukturell für den Kampf um lange und zweite Bälle Sinn, funktionierte aufgrund verschiedener individueller Probleme (kein Stoßstürmer, fehlende Präzision, …) jedoch nicht so oft wie erwünscht. Außerdem: Gerade wenn man auch flach aufbauen hätte können/ müssen, behinderte man sich so selbst. 

Dynamos Positionsspiel – bisheriges 433.

Gegen Düsseldorf war bei Dynamo dagegen klar erkennbar, dass man letzteres im Aufbau bevorzugt. Daher verfolgte man mit den beiden eigentlichen Flügeln auf der Acht ein anderes Positionsspiel, agierte eher in einem 4132 mit engen Stürmern. 

Prinzipiell attackierten dabei jeweils zwei Stürmer (meist Daferner und Borrello) die Tiefe, um die gegnerische Abwehrkette nach hinten zu drücken und Raum zwischen den Linien zu öffnen. Dort positionierten sich dann die drei restlichen Mittelfeldspieler, zwischen Abwehr und Mittelfeld und stets auf Lücke der gegnerischen 4er-Kette, die wiederum von Dynamos hohen Außenverteidiger auseinandergezogen werden sollte. Strukturell ergibt diese Art von Zentrumsüberladung gerade gegen ein klassisches 442 viel Sinn. 

Dynamos Positionsspiel mit Ball – Grundstruktur.

Trotzdem schaffte es Dynamo selten, diese strukturellen Vorteile auszunutzen. Beide Innenverteidiger trauten sich teils nicht, breit genug zu stehen, um sinnvolle Passwinkel nach vorn zu öffnen. Auch Stark wirkte zu Beginn im 6er-Raum etwas verloren, war nicht in der Lage, die Stürmer zu binden. 

Im Laufe der Zeit erlangte Dynamo aber immer mehr Mut und Ballsicherheit, sodass man einige Male in den Düsseldorfer Block hineinspielen konnte. Einige Male konnte man über die Außenverteidiger diagonal in die Halbräume gelangen. 

Dynamos Positionsspiel mit Ball – Spiel über den AV.

Als wertvoll erwies sich auch das situative Andribbeln durch Ehlers, der so Zuordnungsprobleme im gegnerischen Block provozierte und dadurch Raum in Halbraum oder dem Flügel öffnete. 

Dynamos Positionsspiel mit Ball – Andribbeln.

Ein drittes ersichtliches Muster war das Herauskippen von Stark auf die rechte Halbspur, von wo er ebenfalls im Raum neben den Stürmern andribbeln könnte. 

Dynamos Positionsspiel mit Ball – Starks Andribbeln.

Wirklich viel Gefahr konnte die SGD darüber am Ende jedoch nicht kreieren, da das Spiel grundsätzlich viele Umschaltaktionen auf beiden Seiten provozierte, andererseits das eigene Übergangsspiel auch nicht super präzise war. Eine Idee war sicherlich, Königsdörffer und Schröter dribbelnd diagonal nach außen zu schicken. (Siehe allgemeine Grafik oben.) Geklappt hat das aber nicht oft.

Dynamo im Pressing 

Mehr Gefahr erzeugte die SGD in verschiedenartigen Umschaltsituationen. Düsseldorf ist kein besonders aufbaustarkes, im Ballbesitz kreatives Team. Diese gegnerische Schwäche korrespondierte mit Dynamos Stärke im Pressing. Für diese Spielphase verfolgte die SGD ebenso einen klaren Plan. 

Zwar lief man hoch und aggressiv an, im ruhigen Spielaufbau des Gegners ließ man aber Keeper Kastenmeier frei. Aus der Rautenformation heraus kontrollierte Herrmann den 6erRaum mannorientiert, während Daferner und Borrello die gegnerischen Außenverteidiger mit ihrem Deckungsschatten kontrollierten. So schloss man alle Anspielstationen des Gegners. Pressingauslöser war auf dieser Grundlage der Pass auf die Innenverteidiger. Die Stürmer attackierten dann direkt diesen Pass, indem sie den Empfänger bogenförmig anliefen. Je nach Positionierung und Situation lenkten sie das Spiel entweder nach innen, um einen langen Ball zu provozieren, oder nach außen, wo Dynamos Achter auf die Außenverteidiger rausschoben.

Dynamos Pressing – beispielhafte Ausgangsstruktur.

Der Chipball auf die Außenverteidiger war tatsächlich auch Düsseldorfs primäre Lösung, denn der Anlaufweg für Dynamos Achter nach außen war dort sehr lang. So kam Fortuna situativ direkt in ihren Flügelfokus, wo sie mit Überladungen Gleichzahl schaffen und so Durchbrüche in die Tiefe erzeugen wollten. Gerade anfangs gelang das einige Male.

Düsseldorfs Spiel mit Ball – Flügelfokus.

Wenn sich ein zweiter zentraler Mittelfeldspieler situativ fallen ließ, bekam Dynamo ebenfalls Zuordnungsprobleme im Pressing. Dieses Mittel nutzte Fortuna aber nur wenige Male.

Dynamos Pressing – Zuordnungsproblem bei tiefem Mittelfeldspieler.

Im Laufe der Zeit kam die SGD jedoch immer besser ins Spiel, setzte den klugen Pressingplan mit der vom Saisonbeginn bekannten, sehr hohen Intensität über weite Strecken erfolgreich um. (Klappte das Mal nicht, bekam man die Situation doch noch irgendwie in der Endverteidigung geklärt.) Gerade Ehlers (nach anfänglicher Unsicherheit gute Intensität, aber auch wertvolles Dribbling und vertikales Passspiel), Sollbauer oder auch Königsdörffer (ungewohnte Laufstärke, auch wenn er wie üblich im direkten Zweikampf und der Positionierung situativ Probleme hat) sollten in dieser Hinsicht meiner Meinung nach positiv hervorgehoben werden.

Dynamo: Kontergefahr

Zu Beginn des Spiels gelang es aber noch selten, vielversprechende Ballgewinne zu erzeugen. Das verbesserte sich aber mit dem im Laufe stärker werdenden Vorwärtsverteidigen mit noch größerer Intensität. Im Laufe der Zeit gewann man zudem an Mut zum vertikalen Passspiel, sodass man in der Lage war, schneller, präziser und gefährlicher umzuschalten. Im Vergleich zu den letzten Wochen habe ich in dieser Hinsicht zum einen abgestimmtere Tiefenläufe und mehr Ballsicherheit in überwiegend diagonalen Mustern wahrgenommen. Dabei suchte meist ein Spieler die Breite (meist die Achter), währenddessen sich die anderen Spieler tendenziell nicht mehr so häufig nach außen drängen ließen, sondern vermehrt nach innen aufdrehten und so häufiger in die gefährlichen Zonen kamen. Die Situation vor dem Elfmeter dient dafür als perfektes Beispiel.

Halbzeit Zwei

Nach der Halbzeit setzte sich das Spiel ähnlich fort. Düsseldorf passte zunächst einige Details im eigenen Ballbesitz an, zog die Außenverteidiger (Anlaufweg der Dresdner 8er vergrößern) und den spielstarken Tanaka tiefer zurück. Doch das hatte zu Beginn wenig Einfluss auf den Spielverlauf. Nur tendenziell entwickelte sich das Spiel in eine dynamischere und umschaltfokussiertere Richtung, da auch Düsseldorf mehr Tempo und Vertikalität ins eigene Spiel brachte. Fortunas Aufbauprobleme setzten sich aber weiter fort, bei etwas mehr Präzision hätte Dynamo daher auch gut und gerne noch ein zweites Tor erzielen können.

Zum Ende des Spiels wurde Dynamo jedoch deutlich passiver und fiel immer tiefer zurück. Ich vermute, dass dabei die Kraft (man beobachte Daferner) eine Rolle gespielt haben könnte. Das überließ Düsseldorf vermehrt den Ball, der Gegner zeigte dabei aber auch weiterhin keine vielversprechenden Ballbesitzideen. Bei etwas mehr Pech kann Dynamo schon ein Tor aus einer individuell starken Aktion des Gegners kassieren. Insgesamt schaffte man es aber, die Intensität über weite Strecken aufrechtzuerhalten. Letztendlich war vor allem die vergleichsweise kluge Zweikampfführung und Endverteidigung in Verbindung mit den gegnerischen Limitationen entscheidend dafür, dass der Spielstand bei 1:0 blieb.

Fazit

Dynamo hat gegen Fortuna Düsseldorf keineswegs kompletten Fußball gespielt. Doch man hat genau das geschafft, was man sich in den zwei Wochen zuvor vorgenommen hatte. Die SGD war gesamttaktisch auf alle Spielphasen gut eingestellt. Im Ballbesitz konnte man vielversprechende Ansätze erkennen, auch wenn diese nicht zu signifikanter Torgefahr geführt haben. Entscheidend war, dass man die eigenen Stärken im Pressing und in den beiden Umschaltphasen wieder klarer und konsequenter umgesetzt hat. So gewinnt man dann gegen einen Gegner, der eigentlich individuell besser aufgestellt ist, in einem ausgeglichenen Spiel durchaus nicht unverdient.

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