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  • Mitgliederversammlung gegen Einführung der 2G-Regel

    Mitgliederversammlung gegen Einführung der 2G-Regel

    Am 16. September 2021 fand im VIP-Bereich des Rudolf-Harbig-Stadions die Ordentliche Mitgliederversammlung der Fangemeinschaft Dynamo (FG) statt. Ursprünglich sollte die Zusammenkunft laut Satzung bereits im ersten Quartal 2021 durchgeführt werden, doch die Bestimmungen der Corona-Verordnungen verhinderten im Frühjahr die Veranstaltung.

    Berichterstattung durch den Vorstand

    Nachdem kurz nach 19 Uhr die angemeldeten Mitglieder vor Ort waren, konnte die Versammlung starten. Zunächst standen die Wahl der Versammlungsleitung und die Abstimmung der Tagesordnung an. Einstimmig wurde wie in den Jahren vorher Robert Pohl, 2. Vorsitzender des Vorstands, mit der Leitung betraut. Bevor auch die Tagesordnung bestätigt werden konnte, brachte ein Mitglied einen Antrag ein, in dem es um Zutrittsbeschränkungen zu Vereinsveranstaltungen ging. Der Antrag wurde einstimmig mit auf die Tagesordnung gesetzt.

    Es folgte nun der Bericht des Vorstands. Thematisiert wurden dabei alle Aspekte der Vorstandsarbeit. In einem Rhythmus von zwei bis drei Wochen finden regelmäßige Vorstandssitzungen statt. Für den Austausch und zur Dokumentation nutzt der Vorstand die Plattform MS Teams, die im letzten Jahr in der Fangemeinschaft Dynamo eingeführt wurde. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die FG in den letzten Monaten keine Veranstaltungen in Präsenz durchführen. So musste unter anderem auch das beliebte Skatturnier pausieren. Stattdessen konnten die Mitglieder der Fangemeinschaft Dynamo mehrmals an virtuellen Stammtischen teilnehmen, bei denen wir auch Vereinsvertreter wie Jan Seifert, den Nachwuchsleiter der SGD, begrüßten durften.

    Der Vorsitzende Andreas Göckeritz gab den anwesenden Mitgliedern einen Einblick in die Themen des Turnustreffens, an dem die Fangemeinschaft Dynamo regelmäßig teilnimmt. Hier standen im Berichtszeitraum viele Themen auf der Tagesordnung: Rückabwicklung Jahreskarten, Zukunft des Profifußballs, Ideen zur Kompensation von fehlenden Einnahmen, die Situation im Verein während der Corona-Pandemie, neue Jahreskarten und personalisierte Tickets sowie auch die Ereignisse und Folgen rund um das Aufstiegsspiel der SGD am 16. Mai 2021. Weitere Informationen zum Turnustreffen veröffentlicht der Verein immer im Nachgang der Treffen auf seiner Website.

    Einblicke in die Projektarbeit der vergangenen Wochen

    In den folgenden Berichten erhielten die Mitglieder detaillierte Informationen zu verschiedenen Projekten, die seit Sommer 2020 durch aktive Mitglieder der Fangemeinschaft Dynamo mit initiiert und gemeinsam mit anderen Fans organisiert wurden. Dazu gehörten die beiden Aktionen „Geisterkarte“ zum Pokalspiel gegen Darmstadt und die „Gemeinschaftskarte“ zum Aufstieg der SGD. Mit beiden Projekten konnte für Dynamo ein Erlös von knapp 500.000 Euro erzielt werden. Außerdem berichtete ein aktives Mitglied zum anstehenden Open Data Camp, das vom 22. bis 24. Oktober 2021 im Rudolf-Harbig-Stadion als Hackathon stattfindet. Informationen gab es darüber hinaus auch zu der Überarbeitung der Fancharta und zur Hilfsaktion für die beiden Fußballvereine aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Abschließend berichtete Sylvie Löffer, die für die Fangemeinschaft Dynamo im Aufsichtsrat der SGD sitzt, über ihre Arbeit und die wichtigsten Themen, die momentan in unserem Verein auf der Agenda stehen.

    Einstimmige Entlastung der Vorstandsmitglieder und Revisoren

    Im Anschluss konnten die Mitglieder zu den gehörten Berichten ihre Fragen stellen, die durch den Vorstand alle beantwortet wurden. Im zweiten Teil der Berichterstattung gab Schatzmeister Stephan Fröhlich einen Überblick zur finanziellen Situation der Fangemeinschaft Dynamo und zur Entwicklung der Mitgliederzahlen. Auch zu diesem Bereich konnten die Mitglieder anschließend Fragen an den Vorstand loswerden. Den letzten Bericht des Abends hielt Frank Schneider, der die Fangemeinschaft Dynamo bereits seit vielen Jahren als amtierender Revisor unterstützt. Gemeinsam mit Andre Gubsch, der auf der letzten Mitgliederversammlung als zweiter Revisor gewählt wurde, hatte er die Belege und Kassen geprüft. Auf Grundlage dieser Prüfung empfahlen die beiden Revisoren, den aktuellen Vorstand zu entlasten.

    Es folgt unmittelbar die Abstimmung über die jeweilige Entlastung der Vorstandsmitglieder und Revisoren. Einstimmig sprachen sich die anwesenden Mitgliedern per Beschluss für eine Entlastung aller Amtsträger aus.

    FG-Mitglieder gegen freiwillige Einführung der 2G-Regelung

    Im weiteren Verlauf der Versammlung diskutierten die anwesenden Mitglieder sehr ausführlich über die geltenden Vorgaben auf Basis der Corona-Verordnungen, die für einen Stadionbesuch in Dresden gelten. Anlass war der Antrag eines Mitglieds, die Fangemeinschaft Dynamo möge sich gegenüber der Geschäftsführung dafür einsetzen, dass zu Vereinsveranstaltungen und Heimspielen keine 2G-Regel zur Anwendung kommt. In diesem Fall dürften nur Fans und Mitglieder die Spiele der SGD im Stadion verfolgen oder anderen Veranstaltungen beiwohnen, wenn sie gegen das Coronavirus geimpft oder genesen wären. Nach einem Austausch zu diesem Thema wurde der Antrag fast einstimmig bei nur einer Enthaltung angenommen. Die gemeinsam abgestimmte Formulierung des Beschlusses dokumentieren wir hier an dieser Stelle:

    „Die Fangemeinschaft Dynamo e.V. kommuniziert gegenüber dem Verein SG Dynamo Dresden, dass alle Veranstaltungen der SG Dynamo Dresden im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten grundsätzlich offen für alle Menschen bleiben sollen und keine Beschränkung auf geimpfte und genesene Personen erfolgt. Für getestete Personen soll ein Schnelltest erlaubt bleiben. Es gibt keine Beschränkung auf PCR-Tests. Ziel sollte es sein, dass die Tests durch entsprechend ausgebildete Ehrenämtler vor Ort durchgeführt werden können.“

    Um kurz nach 22 Uhr beendete die Versammlungsleitung die diesjährige Ordentliche Mitgliederversammlung. Das Protokoll der Versammlung wird den Mitglieder der Fangemeinschaft Dynamo in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen.

  • Danke „Harti“: Du gehst als Legende

    Danke „Harti“: Du gehst als Legende

    Marco Hartmann erhält bei der SG Dynamo Dresden keinen neuen Vertrag. Nach acht Jahren endet das sportliche Kapitel des gebürtigen Leinefelders bei der Sportgemeinschaft. Zum Heimspiel gegen den SC Paderborn am 29. August 2021 erhält er einen würdigen Abschied.

    Vom Ergänzungsspieler zur Führungspersönlichkeit und Legende

    „Harti“ kam 2013 als Ergänzungsspieler zur SGD und wird nun als Legende verabschiedet. Neben Volker Oppitz gehört Marco Hartmann zu den Spielern nach der Wende, die unserem Verein trotz sportlicher Rückschläge für viele Jahre weiter treu geblieben sind. Acht Jahre in einem Verein, das ist gerade in der modernen Welt des Fußballs eine besondere Marke. Sie zeigen, dass Marco zurecht als Spieler einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern der Sportgemeinschaft erhält. Seine Verdienste für den Verein sind unumstritten, auch wenn er häufig durch seinem Spielstil verletzungsbedingt nicht auf dem Rasen stand.

    Oft wurde er nach Verletzungen abgeschrieben. „Harti“ würde dem Team nicht mehr helfen, hieß es mehr als einmal in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke oder im Stadion. Marco Hartmann hat bewiesen, dass diese Stimmen keine Relevanz haben. Wenn er auf dem Platz stand, spielte die Mannschaft an seiner Seite erfolgreich. Niemals aufgeben und weiter hart arbeiten – so lautete sein Motto. Er kam immer wieder zurück und verkörpert damit das Dynamo-Gen.

    Der Turban – sein Markenzeichen

    Für „Harti“ schien es selbstverständlich, nach Niederlagen wieder aufzustehen und alles reinzuwerfen, um den Erfolg an die Lennéstraße zurückzubringen. Viele Spiele beendete er mit einem Turban auf dem Kopf, weil er sich niemals zu schade war, vollen Einsatz und Kampf zu zeigen. Marco Hartmann hat das Dynamo-Trikot und unsere Farben in über 150 Spielen würdevoll präsentiert. Sein Charakter auf und neben dem Platz machen ihn für alle Zeiten zu einem Teil der Dynamo-Familie, deren Eigenschaften er wie kein anderer Mensch in den letzten acht Jahren verinnerlicht und gelebt hat.

    „Harti“ wird mit seinen 33 Jahren nun das Dynamo-Trikot nicht mehr überstreifen. Ein Kapitel endet vorerst, doch ein Buch besteht immer aus mehreren Kapiteln. Es ist wohl kein Geheimnis, dass in vielen Dynamo-Herzen der Wunsch schlummert, dass sich für Marco Hartmann die Dynamo-Tür in Zukunft noch einmal öffnet.

    Einmal Dynamo – immer Dynamo

    Lieber Marco, danke für alles, was du unserem Verein und der schwarz-gelben Gemeinschaft gegeben hast. Du bist und lebst Dynamo. Obwohl du nun nicht mehr bei uns spielen wirst und zunächst gehst: Einmal Dynamo – immer Dynamo! Das gilt auch für dich. Wir wünschen dir für die nächsten Aufgaben alles Gute, viel Erfolg und Freude. Ganz egal, ob du noch einmal anderswo deine Fußballschuhe schnürst, auf Weltreise gehst oder die Zeit mit deiner Familie genießt.

    Grafik: @angisdoodles on Instagram

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  • FC Hansa Rostock – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    FC Hansa Rostock – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Dynamos bester Zweitligastart der Geschichte geht nun auch an diesem Wochenende positiv weiter. Im Derby gegen Hansa Rostock stimmt das Ergebnis absolut, das Spiel war jedoch eher nicht so überzeugend wie bisher. Hier erkläre ich, warum ich das so sehe. 

    Aufstellungen und Strategie

    Dynamo ging das Spiel am Samstagabend genauso an wie in den Wochen zuvor. Warum auch etwas ändern, wenn es bisher so gut lief. Aus der typischen Rautenformation heraus agierte man strukturell und strategisch wie immer: hohes Pressing, brutale Intensität und Fokus auf Umschaltspiel.

    Im Gegensatz zu den bisherigen Spielen traf die SGD dieses Mal aber auf einen Gegner, der das Spiel ebenfalls primär mit riesiger Intensität zu prägen versucht. Aus einem 4231 heraus agierte Rostock strukturell flexibel, presste hoch und intensiv, versuchte genau wie Dynamo schnell umzuschalten und so Gefahr zu kreieren.

    Emotionale Anfangsphase

    Damit musste sich die SGD nun auf eine ganz andere Spielanlage einlassen. Bisher traf man auf Gegner, die tendenziell eher weniger damit klar kamen, dass Dynamo in allen Spielphasen und Situation durch ihre Intensität und risikoreiches Spiel großes Chaos erzeugen will. Nun kam mit Rostock ein Gegner, der selbst ähnlich agiert und grundsätzlich deutlich weniger Probleme mit einem solchen Stil des Kontrahenten hat.

    Verbunden mit der besonderen Stimmung auf den Rängen entstand so eine sehr emotionale Anfangsphase. Gerade in den ersten 10min bestand das Spiel fast nur aus riesiger Intensität, direkten Zweikämpfen, langen Bällen und Unterbrechungen. Viel Kampf, wenig Präzision und Kontrolle. Beispielhaft war dafür das Tor zum 1:0 für Dynamo, das aus einer chaotischen Situation mit fünf Kopfballduellen hintereinander und einem minimalen Stellungsfehler der Rostocker Innenverteidiger resultierte.

    Dynamos Plan 

    Erst nach einigen Minuten beruhigte sich das Spiel etwas, sodass die Pläne und Strukturen beider Mannschaften einiger Maßen sichtbar wurden. Dynamo agierte auch im Detail ähnlich wie in den Wochen zuvor. Auf das Spiel mit Ball wurde wenig Wert gelegt. Positioniert im engen 433 war kontrollierter flacher Aufbau von hinten schwierig. Vielmehr versuchte man, durch die enge Positionierung der Stürmer eine gute Struktur für lange und zweite Bälle zu schaffen. 

    Baute Rostock tief auf (Abstoß), lief Dresden im Angriffspressing hoch an und lenkte den Gegner durch bogenförmiges Anlaufen nach außen, um hohe Ballgewinne zu erzielen oder lange Bälle zu erzwingen. Teils stand Dynamo auch in einem etwas tieferen Pressing. Dabei versuchte man aus der Rautenformation heraus, die Rostocker nach innen zu lenken, um dort dann mit der engen Raute im Zentrum Bälle abzufangen oder die direkten Zweikämpfe zu gewinnen. Hätte das geklappt, wären schnelle direkte Konter über die drei Angreifer möglich und gefährlich gewesen.

    Erste Strukturen und Vorteil Rostocks

    In HZ1 hat dieses Pressing aber nicht geklappt. Dynamos Spieler kamen nicht so intensiv in die Zweikämpfe wie sonst. Woran lag das?

    Rostock war im Spiel mit Ball gut auf die Dresdner eingestellt. Mit viel Personal in hohen Zonen (ballnaher Achter schiebt in die letzte Linie) spielten sie zunächst einige Male gute lange Bälle, mit denen sie schnelle Spieler wie Mamba in die Tiefe schicken oder ebenfalls chaotische Situationen um den zweiten Ball kreieren konnten. Für Ersteres ist das Gegentor durch Mamba ein gutes Beispiel.

    Dynamos Pressing und Rostocks lange Bälle – Systematik

    Abseits davon konnte man erkennen, dass sie häufig auch durchaus flach und dynamisch kombinieren wollten – und gerade dann wurde es gefährlich. In einer 433-artigen Struktur blieben die 4er-Kette und das Mittelfeld tief. Die Achter positionierten sich nahe den Außenverteidigern sehr breit und überluden so die Flügel. Ähnlich wie gegen den HSV bereitete das Dynamo Probleme, da die Anlaufwege für die Raute sehr weit waren, direkte Zweikämpfe teils nicht möglich waren und leicht Lücken beim Ver- und Durchschieben entstehen konnten. So war es Rostock einige Male möglich, sich über die Flügel in den Halbraum zu kombinieren und von dort in die Tiefe zu kommen. 

    Rostocks Ballbesitz – Überladungen des Flügels

    Dynamos Anpassungen und Konter

    Die dadurch entstehende Rostocker Dominanz führte zu einer Umstellung Schmidts, die wir auch schon im letzten Spiel gegen Hannover beobachten konnten. Ungefähr ab Minute 35 presste Dynamo nun aus einer 451-Struktur heraus, um die vorher freien Räume neben der Raute besser kontrollieren zu können. 

    Dynamos angepasstes Pressing im 451

    Damit wurden jedoch die Möglichkeiten mit Ball für die SGD noch kleiner. Mit nur einem Stürmer und Flügeln, die ihre Gegenspieler bis weit in die eigene Hälfte verfolgen mussten, fehlte für erfolgreiches Konterspiel das Personal, welches direkt die Tiefe attackieren konnte. Mörschel als alleinige Spitze wirkte trotz ordentlichen Ablagen mit dem Rücken zum Tor etwas isoliert. 

    Gegentor durch Mamba

    Dieses Pressing brachte noch ein weiteres Problem mit sich. Man bekam zwar mehr Zugriff auf den Flügeln, doch wenn Rostock wiederum zu den klugen langen Bällen griff, hatte man weiterhin Probleme. Denn gerade mit den etwas weniger defensiv denkenden Mörschel an vorderster Front und Königsdörffer im rechten Mittelfeld verfiel Dynamo einige Male in gefährliche Passivität. Gepaart mit individuellen Stellungsfehlern zeigt das beispielsweise das Gegentor durch Mamba. Schauen wir uns das genauer an:

    Die Situation startet mit Dynamo im 451-Mittelfeldpressing und Rostock in ihrer 433-Struktur für lange Bälle auf Verhoek. Dafür stehen beide Achter eng und hoch in den Halbräumen. Währenddessen ziehen die breiten Flügel Schumacher und Mamba Dynamos Block in die Breite. Auf der linken Seite deckt das Kade durch seine tiefe und breite Positionierung gut ab, auf der anderen Seite steht Königsdörffer jedoch leicht zu hoch und zu zentral. Nun hat Sechser Behrens sehr viel Zeit am Ball, um den langen Ball vorzubereiten. Mörschel hätte dabei mehr Druck erzeugen können und müssen – denn so kann der Flugball genau und präzise gespielt werden.

    Genau das macht Behrens mit seinem Chipball auf die linke Seite zu Schumacher. Akoto erkennt das und agiert zunächst sehr klug: er versucht den Rostocker direkt unter Druck zu setzen. 

    Nach dessen Ballannahme setzt er sich aber wieder etwas nach hinten ab, was Schumacher zu viel Zeit am Ball gibt. Die Gründe für diese Entscheidung lassen sich nur vermuten. Ich könnte mir zum Beispiel denken, dass Akoto als gelernter Innenverteidiger in solchen klassischen Außenverteidigersituationen vielleicht manchmal noch tendenziell eher zentrumslastiger entscheidet. Zudem könnte er vielleicht auch durch den hohen Achter Bahn beeinflusst worden sein. Da sowohl Königsdörffer als auch Schröter noch sehr hoch stehen (zu hoch? schon zu Beginn standen die beiden Linien ziemlich weit auseinander…) hat dieser viel Raum und keinen Gegenspieler. So hätte er beispielsweise sofort im Halbraum angespielt werden können. Doch auch wenn er hier die Tiefe zwischen Akoto und Sollbauer attackiert, kann er gefährlich werden. Ich vermute, dass diese smarte Bewegung Akoto deswegen wieder etwas zurückdrängte.

    Doch in dieser Zeit schob schon Sollbauer nach, um den potenziellen Raum für den Achter zu schließen. Dadurch entstand in der Box eine 3v3-Situation – sehr gute Voraussetzungen für eine Flanke. Zwar verteidigt Dynamo weitestgehend nah am Mann, doch weil Stark zu weit weg ist , müssen Mai und Löwe die ersten beiden Optionen aufnehmen. So bleibt in deren Rücken Mamba frei, den Schumacher mit einer stark gespielten Flanke erreicht.

    Insgesamt waren es bei Dynamo viele kleine Fehler, nicht nur der von Akoto, die am Ende das Gegentor bedingen. Auf der anderen Seite muss man aber auch anerkennen, dass bei Rostock sowohl technisch als auch hinsichtlich der Lauf- und Passwege wirklich alles gestimmt hat. Gerade Bahn, der Akoto und Sollbauer verunsicherte, war in dieser Szene sehr wertvoll.

    Passende Anpassungen in der Halbzeit und erfolgreiche zweite Hälfte

    In der Halbzeit war es daher nun an Schmidt, die Rostocker Dominanz durch einige kleine Umstellungen zu durchbrechen. Das schaffte Dynamo vor allem durch kleine Anpassungen des Pressings und personelle Wechsel.

    Zunächst wurde erkennbar, dass Dynamo konstanter deutlich höher anlief, um die Probleme im tieferen Pressing zu übergehen. Im Angriffspressing spielte die Zentrumsraute nun zudem deutlich breiter und mannorientierter, um den Flügelüberladungen zu kontern. Denn das 451 war aufgrund der fehlenden Kontermöglichkeiten und dem Unentschieden nicht mehr die beste Option. Durch das höhere und intensivere Pressing und einer zunehmend wachsenden Müdigkeit und Ungenauigkeit des Gegners gelang es Dynamo im Laufe der Zeit, immer mehr Ballgewinne (hoch oder nach zweiten Bällen) zu erzeugen. 

    Das darauf folgende direkte Umschalten wurde zudem durch die eingewechselten Vlachodimos und Hosiner positiv geprägt. Vlachodimos mit seiner Qualität bei Tiefenläufen und 1v1-Situationen konnte einige Male Durchbrüche erzeugen. Hosiner konnte außerdem von der Zehn aus durch seine Spielintelligenz und Kombinationsstärke auffallen, zudem wurde mit ihm auch die Boxbesetzung und Torgefahr am Ende der Dresdner Angriffe erhöht.

    Fazit

    So schießt Dynamo auch noch zwei weitere Tore und gewinnt damit (nach einer Phase mit stark ausgeführtem tiefen Verteidigen) am Ende durchaus nicht unverdient, auch wenn das Spiel auch gut und gern in die andere Richtung hätte gehen können. Die Intensität, Mentalität und vor allem die klugen Anpassungen des Trainerteams während des Spiels haben gegen Rostock den Ausschlag gegeben. Insgesamt war das dennoch nicht so überzeugend wie sonst. Das Spiel am Samstag war auch eines, was Dynamos Schwächen bei bestimmten strategischen Verhältnissen offenlegte. Denn klappt das im Fokus stehende Pressing aufgrund des Gegners nicht, kann man durchaus große Probleme bekommen. In solchen Phasen würde es helfen, wenn man über klare Ballbesitzideen und ruhige flache Kombinationen etwas mehr Kontrolle und Dominanz erlangen könnte. Solch eine Entwicklung wird – wie ich auch schon in den letzten Wochen angemerkt habe – langfristig noch essentiell wichtig werden, um gegen jede Art von Gegner bestehen zu können.

     

  • Dynamische Hilfe für zwei Fußballvereine im Ahrtal

    Dynamische Hilfe für zwei Fußballvereine im Ahrtal

    Mitte Juli wurde das Ahrtal in Rheinland-Pfalz nach starken Regenfällen vom Hochwasser heimgesucht. Mit dem Ahrweiler BC und SC 13 Bad Neuenahr sind auch zwei Fußballvereine betroffen. Längst sind die Schäden der Flut nicht beseitigt und die schrecklichen Bilder aus den Köpfen der Menschen gewichen. Dank der Hilfe und dem Engagement von Dynamo-Fans konnten wir innerhalb von kurzer Zeit eine erste Hilfe für die Menschen vor Ort organisieren.

    Wir sind der Fangemeinschaft Dynamo e.V. so unendlich dankbar“, sagt Gerd Treffer, Jugendleiter des Ahrweiler BC, in diesen Tagen, nachdem die ersten Aufräumarbeiten auf dem Vereinsgelände und im privaten Umfeld der Vereinsmitglieder erfolgt sind. Nach unserem Aufruf zu Sachspenden beteiligten sich zahlreiche Dynamo-Fans an der Hilfsaktion, indem sie selbst die nötigen Gerätschaften und Werkzeuge im Fanhaus auf der Löbtauer Straße vorbeibrachten oder Geld spendeten. Damit fuhren wir in die Dresdner Baumärkte, um weitere wichtige Hilfsgüter zu kaufen. In wenigen Tagen zeigte sich die große Hilfsbereitschaft der Dynamo-Anhänger eindrucksvoll, sodass ein LKW voll beladen mit Utensilien in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler fahren konnte. Dort kam er nach 600 Kilometer Fahrt an und wurde von einer Vereinsvertreterin des Ahrweiler BC in Empfang genommen.

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    Fangemeinschaft Dynamo leistet Unterstützung bei Fluthilfe.mp4 from Fanprojekt Dresden e.V. on Vimeo.

    Video: Fanprojekt Dresden

    Dankbare Hilfe in Ahrweiler durch viele Unterstützer

    Der Dynamo-Fanshop steuerte zudem ein großes Paket mit 100 T-Shirts von Umbro bei, um damit den Mitgliedern und Fans der beiden betroffenen Vereine eine Freude zu machen. „Was in so kürzester Zeit geplant und umgesetzt worden ist, lässt sich nur als phänomenal bezeichnen“, freut sich Anne-Kathrine Kremer, die als sportliche Leiterin beim SC 13 Bad Neuenahr aktiv ist. Die Geräte und Werkzeuge im Wert von geschätzten 10.000 Euro wurden in Ahrweiler in einen extra angemieteten Container eingelagert. Sie waren seitdem im Dauereinsatz und haben vielen Menschen ermöglicht, frühzeitig mit Aufräumarbeiten zu beginnen und Reparaturen durchzuführen.

    Wir sagen an dieser Stelle vielen Dank an alle Fans, Partner, Firmen sowie Spenderinnen und Spendern, die uns bei der Logistik unterstützt oder mit materiellen und finanziellen Spenden dazu beigetragen haben, dass wir den Menschen im Ahrtal helfen konnten. Die Rückmeldungen aus den beiden Vereinen bestätigen, dass die Hilfe dort angekommen ist, wo sie dringend benötigt wurde. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt, das dem Namen der Sportgemeinschaft und Fangemeinschaft voll und ganz gerecht wurde.

    In Folge 137 des Podcastes welle1953 gibt es ein Special zur dynamischen Fluthilfe mit zahlreichen O-Tönen aus dem Dynamo-Umfeld und aus Ahrweiler. Hört rein!

    Ein Dankeschön geht zusätzlich an:

    • Fanprojekt Dresden
    • Dynamo Dresden Merchandise GmBH
    • Foodnewcomer GmbH
    • Hornbach-Baumärkte in Prohlis und Kaditz
    • Ilona Hübner Versicherungmanagement GmbH
    • Europcar Autovermietung GmbH Agentur Henry Hein
    • Ironpaint Bautzen
    • Kfz-Reparaturwerkstatt Garage 27
    • Handmade-Shop Zwergenglück

    zerstörter Rasenplatz in Ahrweiler
    schmutzige Fußbälle nach Flut in Ahrweiler
    schmutzige Trikots und Spielkleidung nach Hochwasser
    Hilfsgüter für Flutopfer in Ahrweiler
    Container mit Hilfsgütern in Ahrweiler
    Mann reinigt Treppe von Schlamm

    Fotos: Ahrweiler BC, Fangemeinschaft Dynamo

  • Hannover 96 – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse 

    Hannover 96 – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse 

    Dynamo gewinnt am Wochenende gegen die Mannschaft aus Hannover das nächste Spiel unter Trainer Schmidt. Ein ordentliches, wenn auch kein überragendes Spiel. Warum die SGD dieses Mal vor allem von den gegnerischen Limitierungen profitiert, zeigen einige taktische Beobachtungen.

    Aufstellungen, Strategie und eine zerfahrene Anfangsphase

    Beide Teams gingen in dieses Spiel mit dem klaren Fokus auf das Pressing, währenddessen sie im Spiel mit Ball eher einfache Lösungen suchten. Dynamo agierte dabei typischerweise in der 433/4Raute2-Grundordnung und lief den Gegner über weite Strecken im Angriffspressing an, um so primär hohe Ballgewinne zu erzielen, schnell umzuschalten und zu Torchancen gelangen.

    Im Gegensatz dazu spielte Hannover auf der Grundlage eines nominellen 442 mit Weydandt und Ducksch im Sturmzentrum. Anfangs agierten auch sie mit Angriffspressing, später spielten sie etwas abwartender. Wie die SGD wollte man über direktes Umschalten gefährlich werden. Zudem verfolgte man im Spiel mit Ball zwei klare, wenn auch einseitige Ideen. Aber schauen wir uns zunächst die anfänglichen Strukturen und Abläufe konkret und grafisch an.

    Dynamos Pressing

    Baute Hannover in tiefen Zonen auf (Abstoß), lief Dynamo den Gegner extrem hoch an. Hannover streckte Dynamos Struktur durch die 4114-Grundordnung, was gerade das Absichern und Verteidigen der häufig eingesetzten langen Bälle erschwerte. Individuell stachen dabei jedoch die Innenverteidiger der SGD positiv heraus, die Weydandt und Ducksch in jenen engen Situationen weitgehend souverän wegverteidigten. 

    Spielte der Gegner dennoch kurz, lenkte Dynamo ihn durch bogenförmiges Anlaufen des ballnahen Stürmers nach außen, wo der Pass auf den Außenverteidiger direkt durch den ballnahen Achter attackiert wurde. So war die SGD, gerade in der Anfangsphase, in der Lage, direkt hohe Ballgewinne zu erzielen oder unkontrollierte Bälle zu erzwingen. 

    Dynamos Angriffspressing – Ausgangssituation.
    Dynamos Angriffspressing – Attackieren des AV-Passes.

    Insgesamt war dabei aus Dresdner Perspektive neben der Individualleistungen der 4er-Kette vor allem die brutale mannschaftstaktische Intensität positiv herauszuheben. 

    Hannovers Pressing

    Zu Beginn lief auch H96 die SGD direkt beim Spielaufbau in tiefen Zonen an. Aus einem 4231 heraus lenkte man uns auf die Seite und schob dort den Raum zu. Auch dies führte wiederum dazu, dass Dynamo im Aufbau zu vielen unkontrollierten und einfach zu pressenden Bällen gedrängt wurde (longline) und im Laufe der Zeit sichere und längere Passvarianten bevorzugte. 

    Hannovers Angriffspressing – Grundlegende Struktur.

    Aufgrund dieser strategischen Neutralisation beider Teams, entwickelte sich die Anfangsphase des Spiels vom Samstagabend zunächst in eine sehr zerfahrene Richtung. Torgefahr wurde auf beiden Seiten eher seltener kreiert. 

    Hannovers Spielaufbau

    Die ersten Ansätze dessen wurden Mitte der ersten Hälfte deutlich, als Hannover einige Male den eigenen Matchplan im Spiel mit Ball (zumindest teilweise) erfolgreich umsetzen konnte. 

    Einerseits war es Dynamo nicht stets und über die gesamte Zeit möglich, die langen und darauffolgenden zweiten Bälle auf Weydandt zu verteidigen. Im Großen und Ganzen agierte man dabei aber meist sehr aggressiv und erfolgreich, wobei einem die enge Rautenstruktur zu Gute kam.

    Andererseits – und in dieser Hinsicht von größerer Bedeutung – war Hannover bei etwas höherem Spielaufbau ab und zu mal in der Lage, im Übergang Dynamos Pressing zu überspielen (auch wenn daraus immer noch wenig Torgefahr resultierte). Plan war, durch das Räumen des Zentrums, einen hohen Flügelfokus und ruhigem Verlagern, Dynamo über lange Zeit in die (aufgrund der engen Raute anstrengenden weil weiten) Verschiebebewegungen zu zwingen, dabei auf einen Fehler zu hoffen und über diesen dann (zum Beispiel über Muslija) in den ballnahen Halbraum zu gelangen. 

    Hannovers Ballbesitzspiel – Flügelfokus, Verlagerungen, Spiel im U.

    Dynamos Umstellung auf 451

    Um diesen Flügelfokus zu kontern, ließ Dynamos Trainer Schmidt die Mannschaft beim Verteidigen in tieferen Zonen nun in 451-Strukturen agieren. Durch das Zurückziehen der Außenstürmer verkürzte man so die Anlaufwege und erhöhte zeitgleich die Kontrolle der dort in Überzahl bzw. Gleichzahl agierenden Gegner (je nach Positionierung eher durch den Deckungsschatten [anfangs] oder durch mannorientiertes Verfolgen [später]). So war man in der Lage, das so schon einseitige und (gerade aufgrund der Personalauswahl) sehr direkte Spiel der Hannoveraner weitgehend vom eigenen Strafraum fernzuhalten.

    Dynamos Mittelfeldpressing – Umstellung auf 451.

    Dynamos verbesserter Ballbesitz

    Im Laufe der ersten Halbzeit zog sich Hannover immer weiter in ein etwas passiveres Mittelfeldpressing zurück. Nun war Dynamo wiederum gefragt, im Aufbau- und Übergangsspiel mit Ball Lösungen zu finden – in den letzten Wochen eher eine weniger gut funktionierende Spielphase. Zunächst agierte man auch ähnlich wie in den letzten Wochen. Im engen 433 mit hohen Achtern waren grundsätzlich nur lange Chips auf Daferner mit folgendem Kampf um den zweiten Ball oder direktes Anspielen der Tiefenläufe in der Lage, Dynamos Spiel progressiv zu beeinflussen. Ansonsten waren die Abstände zu groß, die Achter zu leicht von den gegnerischen Sechsern zu verfolgen.

    Dynamos Ballbesitzspiel #1 – Fokus auf lange Bälle.

    Mithilfe einiger kleiner Anpassungen war man später aber immer besser in der Lage, im Übergangsspiel Durchbrüche zu erzeugen und dabei die nominelle Überzahl im Zentrum auszuspielen. Circa ab Minute 30 agierten Dynamos Achter und der ballnahe Flügel (gerade Königsdörffer) etwas breiter und tiefer. Damit zogen diese ihre mannorientierten Verfolger im Zentrum aus ihren Positionen und eröffneten dort Raum für Zehner Mörschel, der sich so häufiger fallen lassen konnte. Von dort aus waren nun einige Steil-Klatsch-Kombinationen möglich, die die Tiefenläufe der Stürmer besser bedienen konnten. 

    Dynamos Ballbesitzspiel #2 – Steil-Klatsch-Fokus.

    Spannende Rochaden im Übergang

    Währenddessen fiel mir ein sehr interessantes Detail ins Auge, das mit der Spielerauswahl im Mittelfeldzentrum zu tun hat. Seit Schröter als eigentlich sehr dynamischer und progressiver Spieler in der Breite auf der rechten engen Achterposition agiert, kommt dieser schließlich seltener in jene Situationen, in denen er seine Stärken ausspielen kann. Um diesem entgegenzuwirken, waren im Spiel gegen Hannover nun einige spannende Rochaden auf der rechten Seite erkennbar. 

    All diese Bewegungen liefen nach folgendem Prinzip ab: 1x breit, 1x hoher Halbraum, 1x tiefer Halbraum; dabei Dreiecksbildung. Im Übergangsspiel wechselten Akoto, Schröter und Königsdörffer stets genau nach diesem Plan ihre Positionen. Gerade wenn Schröter in die Breite rückte, Königsdörffer den Innenverteidiger band und Akoto als eigentlich etwas undynamischerer Innenverteidiger tief einrückte, schaffte man sich so Kombinationsstrukturen, die den Stärken dieser drei Spieler besser einband als deren nominelle Ausgangspositionen. So kam Dynamo häufiger in die Dynamik, kreierte erfolgversprechende 1v1-Situationen für Schröter und erzeugte so einige Durchbrüche in die Tiefe. (Auf der anderen Seite fehlte manchmal die zentrale Anbindung, wenn Akoto nicht weit genug einrückte.)

    Dynamos Ballbesitzstruktur – Positionsrochaden auf rechts.

    Probleme im letzten Drittel

    Nichtsdestotrotz gelang es den Dresdnern nicht, zwingende Torchancen zu kreieren. Das lag vor allem an einer gewissen Einseitigkeit während der Chancenerarbeitung im letzten Drittel. Die Durchbrüche in die Tiefe führten bei Dynamo nur zu etwas Raumgewinn auf den Flügeln. Von dort in Richtung Strafraum zu gelangen, gestaltete sich dann aber wiederum sehr schwer. Bei den dann häufig gespielten Flanken war zum einen die Strafraumbesetzung durch nachstoßende Angreifer unzureichend. Zum anderen war Hannover auch oft in der Lage, den potenziellen Flankengeber wieder schnell unter Druck zu setzen und nach außen zu drängen, sodass Dynamo den Angriff wieder abbrechen musste.

    Insgesamt hätte ich mir dabei schlicht vielfältigere Optionen gewünscht. Wie Schmidt in der Pressekonferenz meinte, hätten kurze Kombinationen statt direktem Attackieren der Tiefe den Angriffen in vielen Fällen besser getan. Mehr Zentrumsfokus, Dribblings nach innen statt nach außen und flache Cutbacks statt hohe Flanken aus der Dynamik hätten dabei meines Erachtens nach ebenso geholfen. 

    Halbzeit Zwei

    Nach der Pause merkte man schnell, dass Dynamo den eigenen Ballbesitz durch etwas mehr Ruhe und Fokus auf kleinteilige Kombinationen verbessern wollte. Doch mit dem ersten Tor durch Daferner veränderte sich die strategische Spielanlage schnell.

    Dynamo zog sich nun vermehrt in dem angesprochenen 451-Mittelfeldpressing zurück und ließ Hannover das Spiel gestalten. Trotz einiger signifikanter Wechsel in der Defensive war Dynamo so beeindruckenderweise über die gesamte restliche Spielzeit in der Lage, Hannovers Offensivbemühungen weitgehend zu kontrollieren. Einerseits blieben diese weiterhin sehr einseitig und undynamisch. Durch Wechsel und die Umstellung auf eine breite 4Raute2-Struktur veränderte sich zumindest die individuelle Gestaltung der Rollen im Detail, im Großen und Ganzen blieben jedoch Hannovers Offensivabläufe weitestgehend ähnlich.

    Auf der anderen Seite gilt es in diesem Zusammenhang aber auch, Dynamos diszipliniertes kollektives Verteidigen positiv hervorzuheben. Man schob gut durch, nach und sicherte planmäßig ab. Die Einzelduelle führte man stets sehr intensiv und aggressiv, wobei vor allem das souveräne Zweikampfverhalten der 4er-Kette herausstach.

    Fazit

    Kombiniert man das mit einer sehr aufmerksamen Verteidigung von Standardsituationen, gewinnt die SGD dieses Spiel verdient und sicher. Insgesamt war das eine sehr ordentliche Leistung der Dresdner, die vor allem durch ein konstant starkes Pressing auftrumpften. Das Spiel mit Ball war im Gegensatz dazu leider etwas ungefährlich, was jedoch gegen einen limitierten Gegner aufgrund der strategischen Spielanlage nicht von riesiger Bedeutung war. Langfristig sollte man das im Kopf behalten – kurzfristig kann man absolut zufrieden sein.

  • SG Dynamo Dresden – SC Paderborn: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – SC Paderborn: Spielanalyse

    In einem intensiven und emotionalen Pokalspiel gelingt es der SG aus Dresden, den zuvor etwas höher eingeschätzten Zweitligisten aus Paderborn zu schlagen. Nicht unverdient, wenn man den Spielverlauf betrachtet. Hier ist ein grober taktischer Bericht.

    Eine ausgeglichene erste Hälfte

    Für mich ist es schwierig, die erste Halbzeit dieses Spiels in noch kürzere Phasen zu unterteilen. Zu ähnlich verliefen die gesamten 45 Minuten – auf beiden Seiten. Dynamo und Paderborn starteten in das Pokalspiel mit einem ganz klaren strategischen Fokus: hohes Pressing. Für beide Trainer typisch liefen die Teams den jeweiligen Gegner am gegnerischen Strafraum und – gerade auf Dresdner Seite – mit brutaler Intensität an. Ziel war, direkt Ballgewinne in hohen Zonen zu erzwingen, danach schnell umzuschalten und so Torgefahr zu erzeugen. Ersteres klappte auf beiden Seiten sehr gut.

    Paderborns Pressing

    Zum einen gelang es Dynamo selten, das Spiel geordnet aufzubauen. Das lag zunächst über weite Strecken an dem hohen und mannorientierten Angriffspressing des Gegners. Aus dem nominellen 433 bewegte sich Paderborn in eine 3412-artige Struktur, um die Anspielstationen für Dynamo im 433 1v1 zuzustellen. Dafür rückte der rechte Flügelstürmer Pröger etwas tiefer, um Linksverteidiger Löwe zu kontrollieren. So konnte zudem der Außenverteidiger Schuster auf dieser Seite einrückend agieren, sodass schließlich jedem Einzelspieler ein Dresdner Akteur gegenüberstand.

    Pressingstruktur des SCP – Manorientiertes Angriffspressing.

     

    In Anbetracht der noch bestehenden Limitierungen des Dresdner Ballbesitzspiels unter Schmidt, der jenes selten in den strategischen Fokus stellt und eher auf einfache, direkte Lösungen setzt, war so auf Paderborner Seite nicht einmal große Intensität vonnöten, um Ballgewinne erzielen zu können. Vielmehr führte jene Struktur dazu, dass Dynamo im Aufbau große Abstände zwischen den eigenen Spielern hatte, diese zudem zugestellt waren und damit am Ende häufig nur ein langer Ball blieb. Dabei half die enge Struktur der fünf offensiven Akteure der SGD durchaus das ein oder andere Mal, doch insgesamt konnte man auf Dresdner Seite im Spiel mit dem Ball wenig Strukturiertes beobachten.

    Dynamos Pressing

    Im Gegensatz zu Dynamo ist Paderborn grundsätzlich ein Team, welches durchaus hohen Wert auf spielerische Lösungen in Ballbesitz legt. Das konnte man auch in diesem Spiel beobachten. In einem 343, in dem sich Sechser Schallenberg gerade zu Beginn häufig zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, agierte man stets mutig, versuchte stets flache und progressive Kombinationen zu spielen. Gegen das starke Pressing der SGD lief dies aber häufig ins Leere. 

    Auch die SGD lief den Gegner schon an dessen Strafraum an, agierte aber aus dem typischen Mix aus 433 und 4Raute2. Die 4er-Abwehrkette sicherte hinten ab, um gegen die drei Paderborner Stürmer stets in Überzahl zu bleiben. Vorn liefen die drei Stürmer die gegnerischen Innenverteidiger und Sechser an, wobei vor allem im Fokus stand, Schallenberg durch Manndeckung von Daferner aus dem Spiel zu nehmen. Das Spiel sollte so auf die Flügel gelenkt werden, wo dann der ballnahe Achter den Ballführenden anlaufen und das gesamte Team aggressiv zuschieben sollte. Im Gegensatz zum Spiel gegen den HSV setzte man diesen Plan, der hohe Laufbereitschaft verlangte, über weite Strecken, gerade während des sehr intensiven Beginns des Spiels, sehr gut um. Das Anlaufen, Zuschieben und Durchschieben des gesamten Teams und gerade der Mittelfeldspieler wurde mutig und aggressiv ausgeführt und klappte daher letztendlich häufig.

    Pressingstruktur der SGD – Hohes Angriffspressing. Hier interessant: Struktur leicht asymmetrisch dargestellt, da SCP-Aufbau sehr linksfokussiert war und sich Kade daher oft schon optionsorientiert zwischen AV und 6er positioniert hat, um den Anlaufweg zu verkürzen.
    Beispielhafte Pressingszene nach Ball auf AV und Verschieben der SGD.

     

    Probleme bekam Dynamo tatsächlich nur in einigen wenigen Situationen. Paderborn war nur in der Lage, das starke Pressing in zwei Fällen zu überspielen. Einerseits, wenn die SGD individuelle Fehler machte. Passte beispielsweise eine Anlauf- oder Verschiebebewegung nicht zu 100%, kam zu früh oder zu spät, verlor man die Kontrolle. Andererseits, wenn die individuelle Spielstärke des Paderborner Aufbaupersonals aufblitzte. Sechser Thalhammer habe ich in dieser Hinsicht beispielsweise noch im Kopf, der sich einige Male durch kluge Positionierung, Körperfinten und kleine Dribblings dem Druck entziehen konnte. Nichtsdestotrotz: Über weite Strecken passierte das der SGD nicht. Über die gesamte Zeit, gerade in der Anfangsphase, war man vielmehr in der Lage, vielversprechende Ballgewinne mit Perspektive Torgefahr zu erzielen. Doch letzteres klappte nicht. Warum?

    Ungenauigkeit im Ballbesitz

    Die SGD und auch Paderborn agierten in der ersten Halbzeit des Pokalspiels extrem ungenau, wenn man den Ball am Fuß hatte. Sowohl im Umschaltspiel als auch im (nur phasenweise zu beobachtenden) Ballbesitz fehlte schlichtweg Präzision und Timing. Gewann Dynamo den Ball, fand man selten die passende Anschlussaktion. Der Tiefenlauf kam zu früh, der Steckpass zu spät oder das Paderborner Gegenpressing gewann den zweiten Ball. Startete Paderborn eine offensive Umschaltbewegung, verloren auch sie den Ball spätestens vor dem Dresdner Strafraum.

    Bis auf einige wenige Chancen war dieses Pokalspiel in der ersten Hälfte damit insgesamt von hoher Intensität und starkem Pressing geprägt, währenddessen dennoch keine Torgefahr zustande kam. Bis dahin war das ein ausgeglichenes Spiel, auch wenn Dynamo die fehlende Struktur tendenziell eher gelegen haben dürfte als dem Gegner.

    Dynamos verbessertes Umschaltspiel

    In Halbzeit Zwei entwickelte sich dann aber doch etwas mehr Torgefahr – wiederum auf beiden Seiten. Zunächst begann die SGD mit einigen sehr vielversprechenden Chancen. Dafür waren kleinere Anpassungen verantwortlich, die das Dresdner Umschaltspiel deutlich klarer und zielstrebiger machten. Beispielsweise agierte Königsdörffer nun situativ etwas breiter, um den Halbraum hinter der letzten Kette zwischen Innen- und Außenverteidiger besser belaufen und dort seine Dynamikvorteile ausspielen zu können. Insgesamt verbesserte sich Timing und Abstimmung, was in Chancen von u. a. Borrello mündete.

    Entscheidende Paderborner Anpassungen

    Doch auch der SCP war nun häufiger in der Lage, gefährlich vor das Tor von Kevin Broll zu gelangen. Zu Beginn war dies in der immer weiter schwindenden Intensität der Dresdner begründet. Später stellte Trainer Kwasniok auch strukturell einiges um. Nun begann Paderborn, die SGD erst kurz nach der Mittellinie in einer 4231 statt einer 343-Grundordnung anzulaufen. Was bedeutete das?

    Dynamo musste nun das Spiel aufbauen, Paderborn konnte umschalten – die Ballbesitzwerte der SGD müssen Mitte der zweiten Hälfte deutlich höher gelegen haben als zuvor. So verschieb sich der strategische Vorteil in Richtung Westfalen. Problematisch für Dresden und vorteilhaft für Paderborn war dabei, dass Erstere immer noch keine Lösungen für das Spiel mit Ball hatten. Der SCP schloss das Zentrum und wartete ab. Dynamo hatte zwar den Ball, zeigte jedoch keine klare Idee, was sie damit vorhatten. Vielmehr agierte man sehr unruhig und hektisch, schlug viele lange Bälle und verlor diese wiederum sehr schnell.

    Pressingstruktur des SCP #2 – enges Mittelfeld verhindert Dynamos Kombinationen und gewinnt viele zweite Bälle.

     

    So war der SCP in der Lage, den Ball immer häufiger in dem Bereich um die Mittellinie zu gewinnen. Man lockte den Gegner zudem etwas weiter aus den tiefen Ausbauzonen, sodass die Möglichkeiten nun groß waren, über die Stürmer den Raum hinter der letzten Kette und zwischen Abwehr und MIttelfeld der Dresdner zu bekontern.

    Beispielhafte Szene für das potenzielle Kontern des SCP nach Ballgewinn im 4231-MFP.

    In den letzten Minuten stellte die SGD vermutlich auch deswegen, aber vor allem aufgrund fehlender Kräfte nochmal auf ein tieferes Mittelfeldpressing um. Doch auch da gelang es den Paderbornern mit ihrem zielstrebigen und mutigen Ballbesitzspiel, regelmäßig und gefährlich vor das Dresdner Tor zu gelangen. Aus dem 4231 konnte man sich dabei einige Male die Halbräume erschließen und so nach vorn kombinieren.

    Pressingstruktur der SGD #2 – Systematische Darstellung. Die Dresdner 8er standen teils etwas zu hoch, sodass der SCP über dynamische vertikale Kombinationen v. a. in Richtung der zentralen Überladung des Zwischenlinienraums gefährlich werden konnte.

     

    Fazit

    Nichtsdestotrotz: Am Ende trifft Dynamo. Mit wunderbar anzusehenden Aktionen und klugen Läufen der involvierten Spieler schafft man es, in einer etwas schwächeren Phase, das Spiel auf den Kopf zu stellen und so zu gewinnen. Das ist am Ende meines Erachtens nach nicht unverdient, obwohl ich das Spiel insgesamt als durchaus ausgeglichen bezeichnen würde. Gegen einen starken Gegner bleibt bei Dynamo vor allem das smarte und sehr gut umgesetzte Pressing in Erinnerung. Langfristig gilt es, daneben die Schwächen im Ballbesitz im Kopf zu haben. 

  • Ohne Verkehrschaos zum Stadion? Hacker mit Ideen gesucht!

    Ohne Verkehrschaos zum Stadion? Hacker mit Ideen gesucht!

    Es ist Sonnabend, Dynamo spielt zu Hause. Nichts geht mehr rund um das Rudolf-Harbig-Stadion. Fußballanhänger ziehen in Scharen in Richtung Lennéstraße, motorisierte Fans kurven auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Innenstadt, in Bussen und Straßenbahnen stehen die Freunde der Schwarz-Gelben dicht an dicht.

    Dynamo-Fans, Stadtverwaltung und Stadionbetreiber veranstalten Hackathon im Oktober

    Dieser Zustand ist gelebter Heimspielalltag. Gerade für weniger Fußballbegeisterte ist er aber immer wieder ein Ärgernis. Muss das so bleiben? Lassen sich mit neuen technischen Möglichkeiten solche Situationen entschärfen? Können auch Stadionbesucher die Vorteile der Mobilitätswende für sich nutzen?

    Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, der Stadion Dresden Projektgesellschaft sowie weiteren Partnern wollen wir das mit Unterstützung kreativer IT-Köpfe in einem sogenannten „Hackathon“ herausfinden. Am Sonnabend, 23. Oktober 2021, und Sonntag, 24. Oktober 2021, werden Teams aus Hard- und Softwareentwicklern innovative Ideen für neue Mobilitätslösungen im Umfeld des Rudolf-Harbig-Stadions gemeinsam entwickeln. Die Stadt sowie alle beteiligten Partner stellen dafür zahlreiche offene Daten zur Verfügung, etwa aus dem Amt für Geodaten und Kataster oder von den Verkehrsbetrieben.

    Dr. Robert Franke, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung: „Es gilt, die offenen Daten gemeinsam neu zu analysieren und daraus prototypische Anwendungen zu entwickeln. Es sollen ganzheitliche, innovative und nachhaltige Ergebnisse entstehen, die dabei helfen, unsere Gesellschaft zu gestalten und nachhaltiges Handeln zu unterstützen. “
    Zentrale Fragestellungen sind: Wie werden Großveranstaltungen in Dresden nachhaltiger und umweltbewusster gestaltet? Wie können verfügbare Informationen effektiver eingebunden werden?

    Stadion als Kreativort für neue Mobilitätskonzepte

    Die Teilnehmenden können die Gelegenheit nutzen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und Kontakte zu knüpfen. Ein kreatives und gemütliches Umfeld mit Stadionblick inklusive Chill-Zone und Catering ist vorhanden, damit man seinen Ideen freien Lauf lassen kann. Die besten Ergebnisse werden von einer ausgewählten Jury ausgezeichnet und mit Preisen in verschiedenen Kategorien gewürdigt. Unter dem Hashtag #OpenDataCamp können sich Interessierte zum Thema Open Data und zum Open Data Camp austauschen.

    Andreas Göckeritz, Vorstandsvorsitzender der Fangemeinschaft Dynamo: „Wir hoffen auf eine rege Beteiligung. Mit dem geballten Entwicklungs-Knowhow in Dresden wollen wir nicht nur die Erreichbarkeit der Heimspiele für die Dynamo-Fans verbessern, sondern auch mit Ideen zur Entwicklung der Stadt insgesamt beitragen.“

    Ronald Tscherning, kaufmännischer Leiter der Stadion Dresden Projektgesellschaft mbH & Co. KG, ergänzt: „Neben neuen Verkehrskonzepten für die Spieltage sind wir natürlich auch an Lösungen für unsere Konzertbesucher interessiert. Sie sollen zum Musikgenuss ganz entspannt kommen und gehen können.“

    Leuchtturmprojekt wird von MAtchUP und Partnern unterstützt

    Der Hackathon ist ein Baustein des EU-Projekts MAtchUP. Dresden wurde im Rahmen des europaweiten Wettbewerbs „Horizon 2020 Smart Cities and Communities“ ausgewählt, um das von der Europäischen Kommission geförderte Leuchtturmprojekt umzusetzen. Unter Federführung des Amtes für Wirtschaftsförderung arbeitet die Stadt Dresden mit Institutionen, Unternehmen und Bürgern zusammen. Ziel ist es, Städte, Industrie und die Bevölkerung zusammenzuführen, um Lösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln und umzusetzen, die zu messbaren Erfolgen bei der Energie- und Ressourceneffizienz und zu neuen Märkten führen.

    Bei der diesjährigen Ausgabe des Open Data Camps stellen neben der Landeshauptstadt Dresden folgende Partner aktiv Daten bereit: Dresdner Verkehrsbetriebe mit dem Verkehrsverbund Oberelbe, der GeoSN (Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen) und die Sächsische Staatskanzlei mit dem Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste. Weitere Unterstützer sind der GDI Sachsen e.V., die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und die Professur für Geoinformatik der TU Dresden.

    Die Anmeldung für das Open Data Camp ist ab sofort möglich.

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    Unterstütze als Mitglied aktiv unsere Vereinsarbeit oder mit deinem Mitgliedsbeitrag unsere Projekte (12 Euro pro Jahr).

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  • Hamburger SV – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Hamburger SV – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Nach einem turbulenten Spiel gegen den Hamburger SV geht die SGD mit einem Punkt nach Hause. Das war ein schwieriges Spiel, mit dem Ergebnis am Ende kann Dynamo aber zufrieden sein. Hier sind einige taktische Beobachtungen.

    Hamburg als schwieriger Gegner

    Im Gegensatz zum FC aus Ingolstadt in der letzten Woche (für den Spielbericht siehe den letzten Blogpost) stand Dynamo mit dem HSV nun ein deutlich schwieriger Gegner entgegen. Dieser gilt zuweilen als einer der Aufstiegsfavoriten der Liga. Mit Tim Walter als Trainer spielt dieser auch einen besonderen Fußball:

    Strategisch ist der HSV auf die Spielphase Ballbesitz fokussiert und fällt dabei durch eine sehr besondere Spielweise auf. In einem insgesamt fluiden Positionsspiel agiert man besonders im Spielaufbau sehr flexibel, lässt vor allem die Innenverteidiger oft und dynamisch aufrücken. Auch wenn sie mir im letzten Drittel teils zu durchschnittlich agieren, viel Flügelspiel dabei haben, spielen sie damit durchaus dominant und souverän in Liga 2. Für Dynamo stellte sich daher die Frage: Wie kontern wir dieses Konzept?

    Dynamos fehlgeschlagener Pressingplan

    Trainer Schmidt ließ Dynamo, wie auch schon in den vorangegangen Spielen, in einem hohen Rautenpressing agieren. Etwas tiefer als normal, dennoch ziemlich hoch, erwarteten Dynamos Stürmer den Spielaufbau der Hamburger. Um die dynamischen Bewegungen und Rochaden des tiefen Aufbaupersonals zu kontrollieren, agierten diese durchaus abwartend, liefen nicht direkt an, sondern versuchten, das Zentrum zu schließen. 

    Nichtsdestotrotz war der HSV häufig in der Lage, dieses Pressing zu überspielen. Denn: Die Struktur der SGD passte nicht zur gegnerischen Spielweise, kam ihr vielmehr sogar entgegen. Naturgemäß befinden sich schließlich große freie Räume auf beiden Seiten der Raute. Der HSV, der in einer 433-artigen Struktur agierte und die Flügel (zum Beispiel mithilfe von herauskippenden Achtern) immer wieder überlud, konnte genau dort kombinieren. Dynamos 4er-Kette wurde durch die drei breiten und hoch stehenden Stürmer des Gegners zurückgedrängt, die drei Stürmer bewegten sich vorn zentral und eng. So war Dynamo in jenen Flügelregionen häufig in Unterzahl. Der ballnahe Achter musste herausschieben, öffnete währenddessen aber wiederum Räume im Halbraum, die der HSV über beispielsweise fallende Stürmer, herausrückende Innenverteidiger oder horizontal andribbelnde Außenverteidiger bespielen konnte. Schob die SGD mal mit dem gesamten 3er-Mittelfeld auf die ballnahe Seite, um so den Raum dort zu verknappen, gab man wiederum auf der ballfernen Seite Möglichkeiten für eine Verlagerung frei. 

    Grundlegende Pressingstruktur der SGD bei Ballbesitz HSV – HSV mit dynamischen Bewegungen und Überladungen auf dem Flügel, Unterzahl und weite Wege für die SGD
    Beispiel #1 der Pressingprobleme der SGD – freier Halbraum nach Verschieben des 8ers
    Beispiel #2 der Pressingprobleme der SGD – offener Halbraum nach Verschieben des 8ers und Möglichkeit zum Andribbeln nach breitem Anlaufen des Stürmers

    Insgesamt hatte die SGD daher große defensive Probleme, gerade in der Anfangsphase. Die Struktur passte schlichtweg nicht. Außerdem kam hinzu, dass einige Akteure zu Beginn sehr unsauber agierten. Hier ist Rechtsverteidiger Schröter ein gutes Beispiel, der meiner Meinung nach individualtaktisch einige Unsicherheiten im defensiven Stellungsspiel und Zweikampfverhalten offenbarte. So kassierte man am Ende das verdiente 1:0 und konnte froh sein, dass der HSV im letzten Drittel nicht so komplett agierte wie in den anderen beiden Spielteilen.

    „Stabilität“ ab Minute 30 und weitere Probleme

    Im Laufe des Spiels kämpfte sich die SGD ins Spiel, wie Schmidt es später ausdrückte. In Hälfte 1 war man zumindest in der Lage, sich individuell zu stabilisieren. So musste der HSV schon etwas mehr arbeiten, um in Richtung Tor zu gelangen. Trotzdem blieben die strukturellen Probleme offensichtlich, präsent und gefährlich. 

    Aus Dynamo-Sicht kam auch noch dazu, dass man dem Gegner auch in den anderen Spielphasen unterlegen war. Das Umschaltspiel wirkte gegen ein starkes Gegenpressing zu hektisch und war daher wirkungslos, da die Tiefenläufe nicht abgestimmt waren oder nicht erreicht wurden. Wenn man mal den Ball hatte, ging es gegen das mannorientierte Rautenpressing der Hamburger zudem zu häufig planlos lang. Häufige Longline-Bälle (für eine Erklärung siehe Saisonvorschau Spielweise #2) führten zu schnellen Ballverlusten und noch größerer gegnerischer Dominanz.

    Dynamos Anpassungen in der Halbzeit

    Defensive 

    In der Halbzeit galt es für das Trainerteam nun, die strukturellen Probleme der SGD zu lösen. Ich hatte mir zu diesem Zeitpunkt gewünscht, dass man sich etwas tiefer zurückzieht, die Flügel mehr kontrolliert und den Fokus auf das Verteidigen im und Kontern aus dem tiefen Block fokussiert. Doch Schmidt hatte eine andere Idee. In Halbzeit Zwei waren nun für mich zwei verschiedene Pressingpläne zu erkennen.

    Situativ, gerade wenn der HSV in sehr tiefen Zonen aufbaute (beispielsweise bei einem Abstoß), agierte die SGD in einem hohen mannorientierten 4Raute2-Angriffspressing, was typisch für Schmidt ist. Das funktionierte jedoch selten, aus den selben Gründen wie in der ersten Hälfte. Zu leicht gelang es dem HSV, die Stürmer und Achter durch flexible Bewegungen und sichere Kombinationen zu überspielen. Deswegen konnte ich persönlich nicht so richtig verstehen, warum Dynamo diesen Plan verfolgte. Denn ein unabgestimmtes Pressing verbraucht nur unnötige Energie und gibt dem Gegner dann Raum, die übrigen Verteidiger zu bespielen. 

    Dafür war die zweite, häufiger genutzte Idee für das Pressing die bessere. Strukturell agierte man ähnlich, veränderte aber entscheidende Details. Das 433 zog sich noch enger zusammen und versuchte noch deutlicher (und diesmal auch etwas erfolgreicher), das Zentrum zu schließen. War der Gegner auf dem Flügel, schob man aggressiver (vor allem die Außenverteidiger) heraus und versuchte so, die Kombinationen des HSV zu verhindern. Insgesamt schien es, als hätte Schmidt eine höhere Intensität in den Einzelduellen gefordert. Auch die drei Stürmer der SGD waren dafür ein gutes Beispiel, die etwas höher und aggressiver anliefen.

    Dynamos Pressing in HZ2 – ähnlich, aber etwas stabiler; wenn auch nicht perfekt bzgl. Kontrolle der Flügel

    So konnte Dynamo die Hamburger Durchbrüche zumindest quantitativ reduzieren. Die Probleme wurden situativ immer noch deutlich, es klappte definitiv nicht alles. Doch spätestens in der Endverteidigung der Box agierte Dynamo überzeugend (oder der HSV etwas zu einseitig, wahrscheinlich beides). Insgesamt hatte Hamburg immer noch einige progressive Aktionen dabei, schien gerade nach der Meffert-Auswechslung so aber etwas weniger fluide und gefährlich im Aufbau und Übergang. Das spielte Dynamo in die Karten.

    Offensive

    Um auch selbst etwas Torgefahr zu kreieren, brachte Trainer Schmidt zur Halbzeit des Weiteren Panagiotis Vlachodimos aufs Feld. Der interpretierte die linke Stürmerrolle etwas direkter und dynamischer als der eher balltreibende Brandon Borrello in Halbzeit Eins, was Dynamos Konterfokus unterstützte. Nach Ballgewinn konnte man so öfter und auch erfolgreicher umschalten. Vlachodimos attackierte sofort (und mit besserem Timing) die Räume zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger und war so maßgeblich an einigen gefährlichen Aktionen beteiligt. Im Großen und Ganzen passte er individualtaktisch besser in die strategische Spielanlage beider Teams.

    Beispiel für einen Tiefenlauf von Vlachodimos in der offensiven Umschaltbewegung der SGD

    Spielende und Fazit

    Am Ende entwickelte sich das Spiel dann in eine etwas chaotischere Richtung. Hamburg sah viel vom Ball, attackierte das letzte Drittel der SGD, scheiterte aber an einem am Ende über weite Strecken solide organisierten tiefen Block und individualtaktisch auftrumpfenden Einzelspielern (Tim Knipping, Michael Sollbauer, Kevin Broll). Dynamo konterte situativ, wurde aber selten gefährlich. So geht das Spiel am Ende unentschieden aus.

    Für die SGD geht dieser Punkt letztendlich auch absolut in Ordnung. Aufgrund der angesprochenen strukturellen Schwächen hätte man sich auch nicht beschweren dürfen, wenn man gegen den HSV verloren hätte. Dies würde ich im Verantwortungsbereich des Trainerteams verorten. Am Ende findet Trainer Schmidt aber ganz ordentliche Anpassungen, die das intensiv kämpfende Team am Ende zu einem Punkt bringen. Als Aufsteiger in der Entwicklung gegen einen sehr starken Gegner, der vermutlich noch viele Gegner in diesem Zweitligajahr dominieren wird, ist das ziemlich okay. Nicht überragend, aber auch nicht schlecht.

  • SG Dynamo Dresden – FC Ingolstadt: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – FC Ingolstadt: Spielanalyse

    Spitzenreiter! Dynamo Dresden gewinnt das erste Spiel der Saison 2021/22 souverän gegen den Mitaufsteiger aus Ingolstadt. Wie kommt das zustande? Hier sind einige taktische Beobachtungen.

    Die Ausgangslage

    Für uns Außenstehende schien der FCI vor dem Spiel wie eine Wundertüte, gerade auch aufgrund eines Trainerwechsels während der Sommerpause. Nicht jedoch für Alexander Schmidt und sein Trainerteam: Ihnen war klar, dass der Gegner primär ein Pressingteam ist. Sie erwarteten Ingolstadt in einem 4222 und wussten, dass sie die Dresdner hoch anlaufen würden. Was macht man nun dagegen?

    Aufstellung und Matchplan

    Wie Schmidt normalerweise spielen lässt, wissen wir (bzw. können wir in den letzten Blogbeiträgen zur Saisonvorschau nachlesen). Von seiner grundlegenden Strategie und den dahinter steckenden Prinzipien (hohes Pressing, Intensität, Vertikalität etc.) wich er auch für dieses Spiel nicht ab. Jedoch: Er verfolgte innerhalb dieses Rahmens einen spezifisch auf den Gegner angepassten Matchplan. Er veränderte Details in Grundordnung und Abläufen, um der Ingolstädter Taktik entgegenzuwirken. 

    Offensichtlich wurde dies schon mit der Aufstellung oder spätestens in den ersten Minuten. Statt einer klaren Raute spielte Dynamo in Ballbesitz nun mit Christoph Daferner im Sturmzentrum. Dort agierte er nicht wie ein gewöhnlicher 10er zwischen den Linien sondern band meist beide Innenverteidiger mit einer hohen Position mit Rücken zum Tor. So sah das diesmal eher wie eine 433-Struktur aus (auch wenn die Zahlen nicht so wichtig sind).

    Letztendlich veränderte das nur Details, diese waren aber entscheidend in der Entwicklung des Spiels. Wenn Dynamo hoch angelaufen wurden, drückte man die gegnerische 4er-Kette durch die breite und hohe Positionierung der drei Stürmer weit zurück. Weil die Außenverteidiger sich daher nicht zu weit herauslocken lassen wollten, entstanden zwei vorteilhafte Aspekte für die SGD: Zum einen hatte man mit der 4er-Kette und den drei Mittelfeldspielern stets Überzahl beim Spielaufbau in tiefen Zonen, konnte so häufig einen freien 8er oder Außenverteidiger finden und damit letztendlich das hohe Pressing überspielen. Dabei half zum anderen, dass der Raum zwischen Ingolstadts Verteidigung und Angriff so groß wurde, dass sich die 6er nicht trauten, herauszurücken und Dynamo unter Druck zu setzen. So konnte man zu Beginn einige Male dynamische Durchbrüche im Zentrum erzeugen, nur im letzten Drittel fehlte es an Präzision und Abstimmung.

    Angriffspressing des FCI und Dynamos Aufbaustruktur – Überzahl in tiefen Zonen und viel freier Raum im Zentrum.

    Diese Vorteile im Spiel mit Ball wurden des Weiteren durch das Pressing der SGD quantitativ verstärkt. Man lief Ingolstadt in einer asymmetrischen Struktur mannorientiert an und konnte so viele lange Bälle erzwingen. Ingolstadt hatte ab und zu mal einige wenige erfolgreiche Aktionen, sowohl in Situationen, in denen sie den eigenen Außenverteidiger frei spielen konnten, als auch vereinzelt im eigenen Pressing. Im Großen und Ganzen waren sie jedoch taktisch deutlich unterlegen.

    Angriffspressing der SGD – Asymmetrische Mannorientierungen.

    Ingolstädter Anpassung und Dresdner Ballbesitz

    Diese Probleme brachten Ingolstadt dazu, auf ein klassisches und vorsichtigeres 442-Mittelfeldpressing umzustellen. Das brachte Mitte der ersten Halbzeit durchaus etwas Stabilität. Nichtsdestotrotz war Dynamo in der Lage, mit klaren Ideen dieses Block zu durchbrechen und Chancen zu kreieren. 

    Im tieferen Aufbau bewegte man sich zunächst sehr flexibel, gerade auf der linken Seite. Dabei wurden spannende Positionsrochaden von Löwe, Kade und Borrello ersichtlich. Ersterer blieb im Gegensatz zu Schröter häufig etwas tiefer und zentraler, während Kade und Borrello abwechselnd die Breite bzw. den hohen Halbraum besetzten. Damit war definitiv eine gute Ballzirkulation gegeben, die auch von dem über das ganze Spiel starke Gegenpressing nach Ballverlust getragen wurde. Doch für klare Torchancen brauchte es noch eine kleine Anpassung. Borrello begann circa ab Minute 30, konstanter minimal breit zu stehen, womit er den Gegner auseinanderzog und so Passwege und Kombinationen im Zentrum ermöglichte.

    Eine mögliche Kombination gegen den tiefen Block – Dynamos breite Flügel und Achter ziehen ihre Gegenspieler auseinander, Daferner kann sich in den offenen Raum fallen lassen.

    Das 1:0 durch Christoph Daferner

    Kurz vor der Halbzeit fällt dann das 1:0 für die SGD. Aufgrund der Dominanz letztlich verdient, auch wenn es nicht nach einer Ballbesitzphase fällt. Nach souveräner Zweikampfführung von Sollbauer, schaltet man Schmidt-typisch schnell um und attackiert sofort die Tiefe. Schröter kann nun seine Dynamik und Flankenstärke ausspielen, Daferner agiert zudem klug im Zentrum.

    Hälfte 2 mit Panagiotis Vlachodimos 

    In der Halbzeit war nun klar, dass Ingolstadt wieder etwas höher anlaufen wird, um dadurch Torgefahr zu kreieren. Dynamos Personal- und Taktikanpassungen waren daher wiederum sinnvoll. Mit Vlachodimos brachte Schmidt einen direkten Flügelstürmer, der gern die Tiefe attackiert und deutlich fitter als Königsdörffer erschien. Gegen die nun höher stehenden und aggressiver herausrückenden Gegner ergab sich nun viel Raum hinter der letzten Kette, den er attackieren konnte. Dynamo agierte nun wieder etwas mehr mit den rautentypischen Kombinationen: Daferner ließ sich häufig etwas zwischen die Linien fallen, zog so einen Innenverteidiger heraus und konnte den so entstehenden Raum dann über die klassischen Steil-Klatsch-Tief-Kombinationen bespielen. Einige Male ergaben sich dabei Räume für Vlachodimos – am Ende erzielt Dynamo dann auch das 2:0 auf diese Art und Weise.

    Mögliche Rautenkombination #1: Entgegengesetzte Bewegungen mit Tiefenlauf.
    Mögliche Rautenkombination #2: Steil-Klatsch-Tief oder Verlagerung.

    Ungenaues Pressing und wichtiges Tor

    Danach stellte sich bei Dynamo meines Erachtens nach etwas der Schlendrian ein. Einige Male klappte das hohe Angriffspressing nicht zu 100%. Mörschel auf der 8 oder auch Hosiner in der Offensive fanden nicht immer die richtige Positionierung, standen teils zu hoch oder zu tief oder gingen die Wege nicht komplett mit. Da war ich froh, dass man durch eine Einzelaktion im Konter das 3:0 erzielen konnte. Sonst hätte das durchaus noch knapper werden können.

    Nach dem dritten Tor war das Spiel dann aber gelaufen. Dynamo ließ den Ball kontrolliert in tiefen Zonen laufen und ging weniger Risiko. Das imponierte mir, denn solch eine abgezockte Performance habe ich bei Dynamo lange nicht gesehen.

    Fazit

    Insgesamt war das damit ein wirklich starkes Spiel der SGD. In allen Spielphasen, besonders überraschend im Spiel mit Ball und dem Gegenpressing, agierte man mit einem klaren Plan und war auch in der Lage, diesen umzusetzen. Jedoch gilt es auch einzuordnen, dass der Gegner Ingolstadt in allen Belangen verwundernswerterweise wenig souverän und flexibel agierte. Es wird daher spannend, wie sich Dynamo in den kommenden Wochen gegen andere Kaliber schlagen wird.

  • Sachspenden für Ahrweiler BC und SC 13 Bad Neuenahr

    Sachspenden für Ahrweiler BC und SC 13 Bad Neuenahr

    Mitte Juli wurde das Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz von einer schweren Hochwasser-Katastrophe heimgesucht. Viele Menschen verloren dabei ihr Hab und Gut oder sogar ihr Leben.

    Dynamo sammelt Spendengelder

    Angelehnt an unser Leitbild hatten wir unmittelbar danach zur Hilfe aufgerufen, denn „wir Schwarz-Gelbe helfen einander und nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr.“ Wir wollten den Menschen in den betroffenen Regionen schnell helfen und baten die Geschäftsführung darum, den Kontakt zur Stadt Dresden aufzunehmen, um eine gemeinsame Hilfsaktion ins Leben zu rufen. Dynamo sammelt bereits Spenden für die Flutopfer und versteigert demnächst auch die Trikots der Spieler aus dem ersten Saisonspiel gegen Ingolstadt, um Menschen in den zerstörten Orten zu unterstützen.

    Auch wir erhielten nach unserem Aufruf zahlreiche Nachrichten, die wir gesichtet und geprüft haben. Daraus entstand ein konkreter Bedarf an Hilfe für die beiden in Bad Neuenahr-Ahrweiler angesiedelten Fußballvereine: den Ahrweiler BC 1920 und den SC 13 Bad Neuenahr. Wir nahmen Kontakt zum Vorstand des Ahrweiler BC auf, der seine Sportanlage mit dem Frauenfußballverein SC 13 Bad Neuenahr nutzt.

    „Eine einzige Katastrophe“

    Die Anlage des Ahrweiler BC wurde durch das Hochwasser vollständig zerstört. An Spiele gegen andere Mannschaften in der Heimstätte des Vereins ist auf absehbare Zeit nicht zu denken. Mehr als 700 Mitgliedern, die überwiegend selbst von der Flut betroffen sind, wird es über Monate nicht möglich sein, ihrer Fußball-Liebe nachzugehen. „Die Hälfte unserer Trainer ist seit dem Hochwasser obdachlos und auch die Familien unserer vielen Jugendspieler konnten sich nur noch auf Dächer flüchten, um ihr Leben zu retten“, berichtet Martin Brand auf der Website des Vereins. In der zerstörten Stadt gibt es weder Gas und Strom noch funktioniert die Wasserversorgung.

    Die Heimspielstätte, das Appolinarisstadion, mit seinem Rasenplatz und die beiden Kunstrasenfelder sind nicht nur überflutet, sondern regelrecht zerstört. Auch das Ahrstadion hat es schwer getroffen. „Ebenso das Vereinsheim samt Büros und der Materialkeller mit Trikots und Bällen sind stark betroffen“, heißt es im Bericht auf der Vereinsseite des Ahrweiler BC. Der Verein steht vor dem Aus, denn wie es weitergeht, weiß im Moment niemand.

    Wer die Zeilen des Ahrweiler BC liest, weiß um die Wucht, mit der das Hochwasser die Menschen getroffen hat. Deshalb haben wir Kontakt zum Vorstand des Ahrweiler BC aufgenommen. Nach einer ersten Bestandsaufnahme ist klar, dass wir hier helfen wollen und müssen. Das Fanprojekt Dresden unterstützt uns dabei. Vielen Dank!

    LKW mit Hilfsgütern fährt nach Bad Neuenahr

    In einem persönlichen Gespräch mit Gerd Treffer, dem Vorstand des Ahrweiler BC, tauschten wir uns über den Bedarf vor Ort aus, der im Moment am größten ist. Am Ende der Woche, am 30. Juli 2021, wollen wir mit einem Transporter oder Lkw nach Rheinland-Pfalz fahren, um mit Hilfsgütern den aktuell größten Bedarf zu stillen und das Leid ein wenig zu mildern. Das soll jedoch nur ein Anfang sein, denn wir streben ein nachhaltiges Projekt an, dass über einen längeren Zeitraum läuft. Mit Hilfe vieler Dynamo-Fans wollen wir versuchen, konkret und zukunftsorientiert ein gemeinsames Vorhaben auf die Beine zu stellen. Lasst uns als Gemeinschaft etwas Großartiges schaffen!

    Mit der Genehmigung von Gerd Treffer veröffentlichen wir seine Nachricht, die er uns nach dem ersten Gespräch zukommen ließ.

    Zustandsbericht aus dem Ahrtal

    „Guten Morgen, erstmals herzlichen Glückwunsch zum Sieg und der Tabellenführung. So kann es bleiben.

    Aktuell sieht die Lage so aus, dass viele Haushalte die Häuser vom Unrat entfernt haben und nun dabei sind, die Keller zu entschlammen. In meinem Viertel verlassen abends 90 Prozent der Bewohner die Häuser, da diese schlichtweg nicht bewohnbar sind. Ein Problem sind aktuell die mit Müll und zerstörten Autos zugestellten Straßen. Gestern waren Tausende von Helfern im Tal. Es ging verkehrstechnisch nichts mehr. Es gab kein Durchkommen für Rettungskräfte und Helfer in unserem Teil des engen Tals.

    Deshalb hat der Krisenstab für heute und morgen die Straßen nur für Rettungskräfte und Anwohner freigegeben. Nach wie vor haben wir keinen Strom, Wasser und Gas und wissen nicht, wann diese wieder verfügbar sind. Ich halte Ausschau nach älteren Menschen in Hinterhöfen. Gestern habe ich eine alte einsame Frau gefunden, die seit einer Woche im Schlamm sitzt und Angst hat, das Haus zu verlassen. Einfach schrecklich. Viele sind traumatisiert.

    Ich schätze, hoffe und bete, dass der Strom in zehn Tagen wieder da ist. Sobald dies der Fall ist, werden die Bewohner dann damit beginnen, die Häuser zu säubern, Schlamm zu entfernen, Böden und Tapeten rauszureißen und alle möglichen ersten Reparaturen durchzuführen. Dies bedeutet, dass wir Bautrockner, Kabeltrommeln, Verlängerungskabel, Gartenschläuche, Hochdruckreiniger (kleine), Nass-Sauger, Handwerkzeug etc. dringend benötigen werden. Ich hoffe, das reicht als Angabe der dringend benötigten Materialien.

    Herzliche Grüße ins Dynamoland an die Schwarz-Gelben Engel aus dem Ahrtal.“

    Dynamo-Fans, so könnt ihr jetzt helfen

    Auf Grundlage dieser Nachricht wollen wir nun helfen und sind gemeinsam mit den beiden Vereinen auf der Suche nach entsprechenden Utensilien und Gerätschaften.

    • Bautrockner
    • Kabeltrommeln
    • Verlängerungskabel (bestenfalls grell und mit IP 44-Zertifizierung)
    • Kettensägen
    • Akkuschrauber
    • Tauchpumpen mit Schläuchen
    • Gartenschläuche
    • Hochdruckreiniger (kleine)
    • Nass-Sauger
    • Handwerkzeug (Hammer, Brecheisen, Zangen, Schraubenschlüssel, Ratschen, Spachteln)

    Darüber hinaus sehen wir den Bedarf von Benzin-Stromerzeugern, um auch ohne verfügbaren Strom bei den Aufräumarbeiten agieren zu können. Sämtliche Gegenstände und Geräte, die für die Aktion zur Verfügung gestellt werden, übernimmt der Vorstand des Ahrweiler BC, der diese nach eigener Einschätzung vor Ort an Vereinsmitglieder verteilt. Für Geräte, bei denen eine spätere Rückgabe notwendig ist, erfolgt bei der Übernahme und Übergabe eine Protokollierung. Der Rücktransport nach Dresden wird ebenfalls organisiert.

    Wir weisen an dieser Stelle jedoch vorsorglich darauf hin, dass für einen Verlust oder Schäden an den Utensilien unsererseits keine Haftung übernommen wird. Alles, was wir tun, erfolgt auf dem Prinzip von Treu und Glauben.

    Abgabe von Sachspenden und Geräten im Fanprojekt

    Sämtliche Sachspenden können ab sofort nach telefonischer Anmeldung unter 0351 485 20 49 zu den Öffnungszeiten im Fanhaus beim Fanprojekt Dresden abgegeben werden. Bitte sprecht notfalls auf den Anrufbeantworter und hinterlasst eine gültige Rückrufnummer.

    Fanprojekt Dresden
    Löbtauer Straße 17 (Nähe Bahnhof Mitte)
    01067 Dresden

    Öffnungszeiten
    Mo bis Do jeweils von 9 Uhr bis 16 Uhr
    Mi von 9 Uhr bis 22 Uhr

    Andere Uhrzeiten sind unter Umständen nach Absprache möglich.

    Wenn ihr weitere Ideen und Angebote habt, um zu helfen und das nachhaltige Projekt zu unterstützen, meldet euch bei uns. Sendet dazu eine Mail an info@fangemeinschaft-dynamo.de oder nutzt das Kontaktformular auf der Startseite.

    Fotos: Ahrweiler BC