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  • Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #2

    Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #2

    Nachdem wir gestern den Einstieg in Dynamos neue Herangehensweise unter Schmidt gewagt haben, soll es nach der Defensive und dem Konterspiel nun um den Dresdner Ballbesitz und die entgegengesetzte Umschaltbewegung gehen. Hier sind weitere strategisch-taktische Beobachtungen.

    Offensive

    Normalerweise liegt der strategische Fokus der SGD nicht auf einem ruhigen Ballbesitzspiel. Kontert man aber mal nicht direkt in die Tiefe, sondern hält den Ball etwas länger als gewohnt, wurden auch schon einige Ideen ersichtlich. 

    Grundsätzlich ist in dieser Hinsicht erst einmal festzuhalten, dass auch in dieser Spielphase das Prinzip der engen und kompakten Struktur gilt, was Kombinationen erleichtern soll. Auch der Grundsatz Aktivität und Progressivität bleibt bestehen. Das heißt, es soll nicht im Tiki-Taka-Style 80% Ballbesitz in tiefen Zonen gesammelt, sondern nach kontrolliertem Aufbau trotzdem schnell Torgefahr erzeugt werden.

    Im Spielaufbau ließen sich bisher einige Muster erkennen. Zunächst wird ersichtlich, dass der lange Ball keine verschmähte Option unter Schmidt ist. Das Gute ist: Diese werden gut vorbereitet. Eine Möglichkeit, gerade wenn der Gegner hoch presst, ist ein direkter Chipball auf einen Stürmer und der darauffolgende Kampf um den zweiten Ball. Dafür ziehen sich Dynamos Mittelfeld und Sturm noch enger zusammen als sie sowieso schon sind und versuchen so, denn Ball zu behalten. 

    Bisher kam dies jedoch eher selten vor. Vielmehr konnte Dynamo bisher über weite Strecken auch in höheren Zonen in Ruhe das Spiel aufbauen. Dabei befindet man sich je nach Situation, Gegner und Personal in einer 32- bzw. 23-Aufbaustruktur. Bei letzterem, also einer 4er-Kette, bezieht man meist auch den Torwart mit ein, der entweder eine seitliche Rückpassoption in Drucksituationen anbietet oder zwischen die Innenverteidiger aufrückt.

    Spielaufbau – 32-Struktur.
    Spielaufbau – 23-Struktur mit aufrückendem Torwart.
    Beispielhafte Spielaufbauszene, in der der Torwart mit seiner seitlichen Positionierung als Anspielstation helfen kann.

    Währenddessen binden die beiden Stürmer die generische Abwehrkette durch ihre Positionierung zwischen Innen- und Außenverteidiger. Dynamos Außenverteidiger bewegen sich maximal breit, um den Gegner auseinanderzuziehen (auch wenn sie bei der Chancenerarbeitung im letzten Drittel situativ eher nach dem Prinzip der minimalen Breite agieren). Aus dieser Struktur heraus ergaben sich einige interessante Aufbau- bzw. Übergangskombinationen:

    Das klassische Steil-Klatsch-Tief: Ein Stürmer oder Zehner kippt in den Halbraum ab (und zieht ggf. den Gegenspieler mit sich) und erhält dort einen vertikalen linienbrechenden Pass des breiten Innenverteidigers. Entweder kann er nun direkt aufdrehen oder den Ball klatschen lassen auf den ballnahen Achter. Daraufhin starten beide Stürmer sofort zwischen Innen- und Außenverteidiger in die entstandenen Räume in der Tiefe, sodass sie direkt wieder über einen Steilpass gefunden werden können. 

    Das klassische Steil-Klatsch-Tief über gegenläufige Bewegung der beiden Stürmer.
    Das klassische Steil-Klatsch-Tief #2. Auch mit einem fallenden Zehner hat das Dynamo schon gemacht.

    Überladung und direkte Tiefe oder Verlagerung: Dynamo überläd eine Seite und startet zunächst mit ruhigen Kombinationen zwischen Innen-, Außenverteidiger und Achter, um den gegnerischen Außenverteidiger herauszulocken. Den Raum dahinter versucht dann der Stürmer durch einen diagonalen Tiefenlauf zu bespielen. Nun schickt man entweder eben jenen Stürmer in die Tiefe oder verlagert das Spiel auf die ballferne Seite, wo der eigene Außenverteidiger durch die Verschiebebewegungen des Gegners auf die ballnahe Seite viel Platz haben sollte, um dynamisch anzudribbeln, ins 1v1 oder die Tiefe zu gehen oder sogar Flanken zu schlagen.

    Tiefe Kombination auf der überladenen Seite, darauf folgt der Tiefenball.
    2. Möglichkeit: Tiefe Kombination auf der überladenen Seite, dadurch Anlocken des Gegners und folgendes Verlagern in freien Raum.

    Überladung und direkte Tiefe, aber anders: Ähnlich wie Muster 2 funktioniert folgendes: Bei kleinteiliger Kombination auf der überladenen Seite kippt Dynamos Achter seitlich in den Außenverteidigerraum. Dieser wiederum schiebt hoch, teils bis an die letzte Linie, um den gegnerischen Außenverteidiger zurückzudrängen und so Raum zwischen den Linien zu öffnen, in den sich dann der ballnahe Stürmer oder Zehner fallen lassen kann. Dieser kann dann von dort aus aufdrehen oder den Ball wieder klatschen lassen. Auch hier ist zudem eine Verlagerung auf die verwaiste ballnahe Seite möglich.  

    Übergangskombination aus der Raute mit herauskippender Acht.

    Fand man dabei keine kurze Kombinationsmöglichkeit, kam auch hier der lange Chipball zum Einsatz. Meist vom Außenverteidiger an der Mittellinie, teils auch von den Innenverteidigern oder Sechsern, versucht Dynamo die Tiefenläufe der offensiven Akteure anzuvisieren. Startet ein Stürmer diagonal in die Tiefe, versucht man durchaus mal, ihn mit einem langen Ball direkt vor das Tor zu bringen. Auch die Achter starten manchmal solch einen Versuch, der in der folgenden Grafik zu erkennen ist. Während auf der überladenen Seite kombiniert wird, lässt sich ein Stürmer tief in den Halbraum fallen und versucht dabei, den gegnerischen Innenverteidiger aus der letzten Linie herauszulocken. In den dahinter entstehenden Raum versucht dann der Achter aus der Tiefe heraus zu starten, um so ohne direkten Gegenspieler vor das Tor zu gelangen. 

    Übergangskombination über Tiefenlauf der Acht hinter den ballnahen Innenverteidiger.

    Am Ende galt es so ins letzte Drittel zu kommen, über die Tiefenläufe hinter die letzte Kette des Gegners zu gelangen und dann von dort aus flache Cut-Back-Flanken in den Rückraum auf die in den Strafraum nach- bzw. einrückenden Offensivspieler und Außenverteidiger zu spielen. Gelingt der Durchbruch zur Grundlinie nicht, spielt man teils auch direkte Halbfeldflanken aus der Dynamik heraus, die mithilfe einer quantitativ guten Strafraumbesetzung in Torgefahr umgewandelt werden sollen.

    Chancenerarbeitung im letzten Drittel über Cut-Back-Flanken.
    Chancenerarbeitung im letzten Drittel über hohe Flanken aus der Dynamik.

    Manchmal hilft es auch, flexibel während des eigenen Ballbesitzes, die Grundordnung zu wechseln, um neue Räume zu öffnen und den Gegner durcheinanderzubringen. So hat Dynamo auch schon einige Male während eigenen Ballbesitzes zwischen 4er- und 3er-Kette gewechselt. Wie gesagt, dabei verändern sich nur strukturelle Details. Manchmal reichen jene aber aus, um den Spielaufbau und das Übergangsspiel erfolgreicher zu gestalten. 

    Bei einer Raute hat man beispielsweise aufgrund der Spieleranzahlverhältnisse meist mehr Zentrumskontrolle und kann die Achter etwas befreien, die ggf. höher und breiter in den Halbraum schieben und dort eine weitere Anspielstation bieten können. Wenn der Gegner das Zentrum verdichtet, aber dort etwas Raum lässt, kann das also eine Waffe sein. Auf der anderen Seite erreicht man die Halbräume mit einer 3er-Kette meist über andribbelnde Bewegungen der Halbverteidiger. Verfolgt der Gegner Dynamos Achter also beispielsweise mannorientiert, können die sich in einer 32-Struktur zentraler zusammenziehen, um so Raum für die Verteidiger zu öffnen.

    Übergangsspiel – Freie Achter als Vorteil einer Raute gegen raumorientierte Gegner.
    Übergangsspiel – Mögliche Andribbelbewegungen als Vorteil einer 3er-Kette gegen einen mannorientierten Gegner.

    Bei Dynamo gibt es in dieser Hinsicht zwei Möglichkeiten des Strukturwechsels. Zunächst kann der zentrale Innenverteidiger auf die Sechserposition schieben (oder umgekehrt). Eine andere Möglichkeit kann funktionieren, wenn mit Chris Löwe eine etwas konservativere Variante auf der linken Verteidigerseite im 41212 eingesetzt wird. Manchmal konnte man da schon beobachten, dass er im Spielaufbau zurückbleibt, sozusagen den linken Halbverteidiger einer temporären 3er-Kette spielt und dafür ein sehr dynamischer Achter (Jonas Kühn hat das beispielsweise mal übernommen) die Breite besetzt. 

    Umschalten – Offensive auf Defensive

    An den Ballbesitz anschließend ist auch die letzte Spielphase, das Umschalten nach Ballverlust, essentiell, gerade für eine gewisse Spieldominanz. Das ist eine Phase, die Schmidt wiederum in den strategischen Fokus stellt. Er will, dass seine Mannschaft nach eigenem Ballverlust sofort ins Gegenpressing geht und versucht, einen Gegenstoß zu verhindern und den Ball so schnell wie möglich wieder zu gewinnen. 

    Dafür sind die kompakte Struktur, die ballnahen Verschiebungen und die 23- bzw. 32-Restverteidigung von Vorteil. Nach Ballverlust sind so die Wege für Dynamos Spieler kurz, von denen gleich mehrere den Ballführenden unter Druck setzen bzw. seine potenziellen Passwege schließen können. Auch hierbei forciert Schmidt wieder Mut, Aktivität und das Konzept des Vorwärtsverteidigens. Fokus liegt dabei im Speziellen auf Dynamos Sechsern und den Halbverteidigern der 3er-Kette, die als Restverteidigung aktiv nach vorn verteidigen sollen und manchmal auch die Flügel abdecken müssen. 

    Beispielhafte Szene des aggressiven Gegenpressings nach Ballverlust.

    Fazit und Ausblick

    Intensität, Aktivität, Progressivität. Das sind vermutlich die drei Schlagwörter, die Dynamos neuen Spielstil zusammenfassen. All die eben beschriebenen strategischen und taktischen Ideen ließen sich in den bisherigen Spielen der SGD unter Trainer Alexander Schmidt erkennen – einige besser, andere schlechter umgesetzt. Das Pressing funktionierte über weite Strecken schon ganz ordentlich, gerade im tieferen Block, obwohl auch ganz klar sichtbar war, dass das mannschafts- und individualtaktische Timing aufgrund von Müdigkeit und fehlender Abstimmung noch nicht über die gesamte Zeit stimmte. Genau dasselbe lässt sich auch auf beide Umschaltmomente übertragen, deren strategischer Fokus deutlich wurde, deren Umsetzung aber noch klarer werden muss. 

    Im Ballbesitz agierte Dynamo über die Vorbereitung vermutlich am schwächsten. Häufig war man nicht in der Lage, progressiv in den gegnerischen Block zu spielen und sich so zahlreiche Torchancen zu erarbeiten. Vielmehr spielte man zu statisch, viel im sogenannten U ohne Anbindung nach vorn und hatte zu viele einfach zu pressende Longline-Bälle dabei. Insgesamt hat auch da noch die Feinabstimmung und der Mut gefehlt. In dieser Hinsicht muss sich das Positionsspiel noch klar verbessern. Ich hätte mir beispielsweise eine stetigere Halbraumbesetzung gewünscht, um über aggressiveres Vertikalspiel oder andribbelnde Innenverteidiger (Mut!) in höhere Zonen zu gelangen.

    Das sog. Spiel im U – um den gegnerischen Block herum, ohne Gefahr zu erzeugen.
    Sog. Longline-Bälle: „Einfach mal die Linie lang!“ Doch dort kann der gegnerische Block mithilfe der Außenlinie leicht pressen und den Ball gewinnen.
    Mein Wunsch für ein besseres Positionsspiel: Eine Art 343-Struktur, in der die Stürmer die Halbräume besetzen und so Anspielmöglichkeiten im gegnerischen Block eröffnen.

    Nichtsdestotrotz: Ich bin sehr zuversichtlich, dass das wird. Der große Unterschied zu letzter Saison ist, dass in allen Spielphasen klare Ideen zu erkennen sind. Dass diese zur Vorbereitung noch nicht komplett funktionieren, ist selbstverständlich. Sie zeigen aber auf, wo es mit der SGD und Schmidt hingehen kann. Schafft es der Trainer, die Mannschaft in all den angesprochenen Aspekten weiterzuentwickeln und in ihrer Anlage strategisch komplett zu machen, sehe ich taktisch in Verbindung mit den vielversprechenden kadertechnischen Ansätzen großes Potenzial.

  • Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #1

    Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #1

    Nachdem wir gestern einen Blick auf den aktuellen Kader der SGD geworfen haben, soll es nun um einige strategisch-taktische Beobachtungen der Mannschaft aus den bisherigen Testspielen gehen. Wir wissen, dass der Kader auf 3412 und ferner auch 41212 geplant ist. Doch wie werden diese Grundordnungen auf dem Platz interpretiert?

    Allgemeine Prinzipien

    Zunächst: Jeder Trainer verfolgt bei seinem persönlichen Spielkonzept stets gewisse Prinzipien, die unabhängig von Grundordnung und Spielanlage umgesetzt werden sollten. Bei Alexander Schmidt lassen sich in dieser Hinsicht bisher folgende Aspekte erkennen: 

    Zuerst gilt es, als gesamte Mannschaft stets in einer sehr kompakten Struktur zu stehen. Damit geht auch ein extremes Verschieben des gesamten Teams auf die ballnahe Seite einher, um den Raum und die Abstände zwischen den eigenen Spielern zu verkleinern. In dieser engen Struktur legt Schmidt Wert darauf, dass jeder Spieler und die gesamte Mannschaft stets aktiv, aggressiv und progressiv agiert. Das heißt, dass man stetig selbst denkt, selbst den Ball haben und dann auch schnell vor das gegnerische Tor kommen möchte. Daran schließt auch das Prinzip der Dynamik bzw. des Tempos an, welches bei Schmidt in jeder Spielphase im Fokus steht. 

    Ergänzend dazu legt man bei der SGD den strategischen Fokus nun auf ein starkes Pressing, auf dessen Grundlage man stets schnell nach vorn umschalten und über viele Tiefenläufe und vertikales Passspiel zum Erfolg kommen möchte. 

    Grundordnung

    Diese Prinzipien sollen, wie zuvor erwähnt, primär in der 3412-Grundordnung umgesetzt werden. Man möchte jedoch zudem auch flexibel in einer 41212-Grundordnung agieren. Grundsätzlich macht dies jedoch keinen großen Unterschied. Wie die Grafiken erkennen lassen, ist der bedeutendste Unterschied die Positionierung des zentralen Innenverteidigers bzw. des Ankersechsers. Dies führt dann bei einer klassischen Rautenformation dazu, dass die Außenverteidiger etwas konservativer agieren, während die Achter weiträumigere Aufgaben im Pressing und Ballbesitzspiel übernehmen. 

    Dynamos primäre 3412-Grundordnung.
    Dynamos sekundäre 41212-Grundordnung.

    Doch das sind wirklich minimale Unterschiede, die die prinzipiellen Abläufe nicht deutlich verändern. Ich kann mir schlicht vorstellen, dass man in der kommenden Saison flexibel zwischen diesen Systemen wechselt und das dann vor allem am Gegner und der eigenen Personalllage festmacht. Erfordert das Spiel beispielsweise mehr Präsenz im zentralen Mittelfeld, kann sich die Raute anbieten. Ist dagegen Rechtsverteidiger-BackUp Aidonis nicht verfügbar und Schröter in dem Spiel für diese klassische tiefe Außenverteidigerrolle etwas zu offensiv, spielt man vielleicht lieber im 3412.

    Abgesehen davon hat Trainer Schmidt schon einige Male gezeigt, dass er sowohl im Spiel als auch während einer Saison flexibel umstellen kann, wenn er dies für sinnvoll und erfolgversprechend hält. Beispielsweise konnte man unter ihm auch schon situativ 442-, 4231- und 4321-Staffellungen erkennen. Das wird nicht Plan A oder B sein, doch bei Gelegenheit kann es sicherlich vorkommen, dass die SGD von diesen abweicht, wobei ihr der sehr flexible Kader von großem Vorteil sein wird.  

    Defensive

    Gleich in welcher Grundordnung Dynamo agiert, die defensiven Abläufe ähneln sich meist. Im Grundsatz verfolgt man dabei zwei Pressingpläne:

    1. Angriffspressing

    Plan A ist ganz klar ein sehr hohes Angriffspressing, denn Dynamo will den Ball früh erobern. Meist aus der 3412-Struktur heraus rückt man daher schon früh sehr hoch. Mit einer hohen letzten Linie versucht man den Raum für den Gegner zu verknappen und als Team möglichst kompakt zu stehen. Auch wenn die Anlaufmuster im Detail von Gegner zu Gegner leicht variieren, lassen sich diesbezüglich schon einige Ideen erkennen: 

    Die zwei Stürmer stehen meist auf Höhe des gegnerischen Strafraums relativ breit, um optionsorientiert Innenverteidiger und Außenverteidiger zu kontrollieren. Die Außenverteidiger Dynamos stehen besonders hoch, um ggf. den gegnerischen Außenverteidiger anlaufen zu können. Der Rest des Teams verfolgt den Gegner mannorientiert, sodass je nach gegnerischer Struktur 12- oder 21-Strukturen im Mittelfeld entstehen können. Am Ende sollten so alle kurzen Anspieloptionen für den Gegner zugestellt sein.

    Beispielhafte Ausgangsposition im Angriffspressing.

    Ziel dieser Struktur ist es zum einen, lange Bälle des Gegners zu erzeugen. Von Natur aus ist es statistisch weniger wahrscheinlich, dass diese ihr Ziel erreichen. Dynamo versucht dann, entweder im direkten Kopfballduell oder beim Kampf um den zweiten Ball eben diesen zu gewinnen und zu sichern. Dabei ist es besonders wichtig, sich – nachdem der lange Ball gespielt wurde – in dieser Zone noch kompakter zusammenzuziehen und dann aggressiv auf den Ball zu gehen, um diesen Kampf zu gewinnen. 

    Beispielhafte Szene eines langen Balls während der Pressingphase.

    Zum anderen ist es möglich, dass der Gegner trotzdem kurz eröffnet. In diesem Fall besteht die Chance, den Ball durch geschicktes Pressing schon in hohen Zonen zu gewinnen oder wiederum einen langen Schlag zu provozieren. Dabei geht man meist wie folgt vor: Der erste Pass auf den Innenverteidiger wird zugelassen. Dieser wird dann direkt attackiert. Das heißt: Sobald der Pass gespielt wird, läuft man den Gegenspieler an, der jenen Pass erhalten soll. Je nach Gegner und Situation versucht man dabei, das gegnerische Spiel nach innen oder außen zu lenken.

    Ersteres ist auf folgender Grafik sichtbar. Die Stürmer laufen bogenförmig an und nehmen so den gegnerischen Außenverteidiger in ihren Deckungsschatten, sodass dieser nicht anspielbar ist. Im Zentrum sind weiterhin alle Gegner zugestellt, sodass die Wahrscheinlichkeit für ein Ballverlust oder langen Ball erhöht wird.

    Angriffspressing – Lenken des Gegners nach innen.

    Wie das Lenken nach außen funktioniert, zeigen folgende Grafiken. Bogenförmiges Anlaufen des Stürmers von innen nach außen schließt die Passwege für den Innenverteidiger auf die andere Seite. Die einzige Anspielmöglichkeit ist der ballnahe Außenverteidiger, der jedoch direkt von Dynamos zuvor hoch postiertem Außenverteidiger unter Druck gesetzt wird. Zudem verschiebt die gesamte Mannschaft auf diese ballnahe Seite, um dem Gegner noch mehr Raum zu nehmen und ihn so unter Druck zu setzen (inklusive des ballfernen Stürmers, der den ballfernen Innenverteidiger und den Torwart kontrolliert und dem ballfernen Außenverteidiger, der etwas zentral einrückt). Auch so erhöht Dynamo die Wahrscheinlichkeit auf einen hohen Ballgewinn oder einen langen Ball.

    Angriffspressing – Lenken des Gegners nach außen #1.
    Angriffspressing – Lenken des Gegners nach außen #2 – Beispielhafter Ballgewinn des Außenverteidigers.

    Auch wenn dies nun ziemlich sicher klingen mag, muss man in Bezug auf diese Art von Pressing einordnen, dass es durchaus sehr riskant sein kann. Die Positionierungen von jedem Spieler und das Timing in den Anlauf-, Verschiebe- und Balancierungsbewegungen muss stets stimmen. Genauso muss jeder Spieler seine 1v1-Duelle durch aggressives Vorwärtsverteidigen gewinnen. Macht man dabei ein Fehler und wird überspielt, kann Dynamos Defensive schnell offen stehen und ausgespielt werden. Schließlich spielt man meist 1v1 auf dem ganzen Feld und ist somit nicht mit viel Zusatzpersonal abgesichert.

    1. Mittelfeldpressing

    Zu dem Angriffspressing hat man unter Schmidt noch eine zweite, etwas absicherende Variante gesehen: das tiefere Mittelfeldpressing. Situativ, gerade wenn die Müdigkeit der eigenen Mannschaft zu groß wird, zieht man sich bis vor den eigenen Strafraum zurück. Aus derselben 3412-Struktur versucht man dann, in einen kompakten Block zu fallen und den Gegner erst an der Mittellinie zu attackieren. Dabei agiert man weniger mannorientiert, sondern versucht vor allem die zentralen Räume zu schließen und darin aggressiv und mannorientiert zu verteidigen, sollte der Gegner dort hinein spielen. Dafür gibt man Raum auf den Flügeln frei, in den der Gegner zunächst spielen soll. Tut er das und versucht dort in die Tiefe zu gelangen, schiebt die gesamte Mannschaft symmetrisch auf jene Seite, um dort den Raum zu verknappen und so entweder den Ball zu gewinnen oder den Gegner wieder in tiefere Zonen zu zwingen. Da bei dieser Pressingidee vor allem die Mittelfeldspieler viel Raum belaufen und sichern müssen, hat Schmidt häufig auch auf ein 532 umgestellt. Durch das Zurückziehen des Zehners versucht man so, die Verschiebewege zu verkleinern und die Kontrolle der Flügel zu erhöhen. 

    Mittelfeldpressing – Grundlegende Struktur.
    Mittelfeldpressing – Gegner wird auf die freien Räume nach außen gelenkt.
    Mittelfeldpressing – Der Außenverteidiger wird zugeschoben und hat keine Optionen mehr.
    Mittelfeldpressing – Das oft genutzte 532 bringt einen Mann mehr im Zentrum.

    Umschalten – Defensive auf Offensive

    Oberstes Ziel von Dynamos Pressing ist logischerweise der Ballgewinn, möglichst in hohen Zonen. Denn: Erhält man dort den Ball, ist die Chance auf einen schnellen Torerfolg am größten. Dynamo ist schon nah am Tor, der Gegner in seiner Offensivformation nicht kompakt und auch nicht auf einen Angriff vorbereitet. Schmidt will daher, dass nach dem Ballgewinn der erste Blick der Dresdner Spieler stets nach vorn gerichtet ist. Wenn wir schnell und vertikal nach vorn umschalten können, machen wir das. 

    Dafür bieten die offensiven Akteure der SGD sofort dynamische Läufe in die Tiefe hinter die letzte gegnerische Kette an. Im Fokus stehen dabei vor allem die beiden Stürmer. Diese starten meist diagonal in die Tiefe – je nach Situation und vorausgegangener Positionierung eher von innen nach außen hinter die aufgerückten generischen Außenverteidiger oder von außen nach innen. Situativ kann einer von ihnen jedoch auch als Wandspieler agieren, um den Ball nach einem vertikalen Pass auf die nachrückenden Akteure abzulegen.

    Auch Dynamos Zehner kann situativ die Tiefe attackieren, agiert jedoch meist eher balltreibend auf der Suche nach dem Steckpass auf die Spieler vor ihm. Weiterhin versuchen auch die hohen Außenverteidiger in der Breite die Tiefe zu attackieren, um den Gegner auseinanderzuziehen, den Ball selbst in der Tiefe zu erhalten oder Flanken zu schlagen. 

    Beispielhafte Kontersituation – Gegner befindet sich in der unkompakten Angriffsstruktur, einige Dynamos fallen und agieren als Wandspieler, andere attackieren die Tiefe.

    Fortsetzung (Offensive und zweite Umschaltbewegung) folgt morgen…

  • Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos Transfersommer

    Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos Transfersommer

    Nach dem Aufstieg ist vor dem Ligaalltag – nachdem die SGD nach einer turbulenten, dennoch am Ende halbwegs souveränen Saison 2020/21 den verdienten Aufstieg aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga erreichte, ging das tagtägliche Fußballgeschäft nach einigen freien Tagen direkt weiter. Wie bereitet man sich nun am besten vor, um auch eine Liga höher zu bestehen? Ein bedeutender Aspekt in dieser Hinsicht ist die Kaderplanung. Hier ist meine Einschätzung dazu.

    Rückblick – Der Aufstiegskader 

    Im Sommer 2020 begann der sportliche Neuanfang der SGD in Liga 3. Wie nach einem Abstieg typisch, veränderte sich das Gesicht der Mannschaft deutlich. Zahlreiche Akteure, deren Verträge ausliefen oder nur für die zweite Liga galten, orientierten sich anderweitig. Nur einige wenige blieben an Bord der SGD – darunter einige junge Spieler mit großem sportlichen und finanziellen Potenzial und weitere erfahrenere, vereinsverbundene Jungs, die insgesamt zur neuen langfristigen Ausrichtung passten. 

    Obwohl ein Abstieg logischerweise primär sowohl sportliche als auch finanzielle Nachteile mit sich bringt und die Vereinsentwicklung signifikant zurückwirft, liegt in ihm gerade im Hinblick auf die Kaderplanung eine große Chance. Mit einem klaren Cut und einem schnellen, gleichzeitig durchdachten Neustart lassen sich die Weichen für eine erfolgversprechende Zukunft stellen. Es gilt dann, möglichst schnell einen jungen und vielversprechenden Kader zusammenzustellen, der die SGD wieder nach oben bringt. 

    Genau das hat Geschäftsführer Sport Ralf Becker geschafft. Mit einem im Ligavergleich deutlich überdurchschnittlichen Team, das zudem auch auf menschlicher Ebene sehr gut zusammenzupassen schien, hat man zu dieser Zeit meines Erachtens nach großartige Arbeit geleistet. Die sportlichen Leistungen des letzten Jahres sollten dies auch noch einmal unterstreichen. 

    Man baute während der Aufstiegssaison auf einen klaren Kern von zwölf Stammspielern, unter denen sich zahlreiche junge Akteure befanden, die in dieser Spielzeit ihren Durchbruch schafften. Angreifer Ransford-Yeboah Königsdörffer mit seinen 19 Jahren ist dabei sicherlich als offensichtlichstes Beispiel zu nennen. Diese Achse wurde durch 17 weitere Spieler ergänzt, die aus verschiedensten Gründen seltener zum Einsatz kamen, dennoch ebenso essentiell für den sportlichen Erfolg des Teams waren. 

    Insgesamt ergab sich so eine sinnvolle Mischung im Kader der SGD – hinsichtlich der Erfahrung heterogen strukturiert, hinsichtlich des Marktwerts und der Leistungsfähigkeit homogen und aufeinander abgestimmt. Betrachtet man sportökonomische Studien sind genau das günstige Bedingungen für sportlichen Erfolg – ein Aspekt, der bei Beckers Arbeit positiv bemerkenswert ist.

    Altersstruktur der SGD 20/21 – Eine passende Mischung aus jungen und erfahrenen Akteuren.

    Des Weiteren hielt ich auch den Umgang mit Verträgen für sehr sinnvoll. Alle langfristig angedachten Verpflichtungen waren bis 2022 gebunden – nicht zu lang, sodass der Verein keine zu großen finanziellen Verpflichtungen eingeht, jedoch auch nicht zu kurz, sodass der Verein den Kern seines Kaders in naher Zukunft wieder verliert. Die großen, etwas jüngeren Talente wie Innenverteidiger Kevin Ehlers band man zudem bis 2023. Kurzfristige Teamergänzungen wie Niklas Kreuzer erhielten dagegen nur einen Einjahresvertrag, damit die SGD auch da die größtmögliche Planungs- und Entscheidungsfreiheit innehält. 

    Vertragsstruktur der SGD 20/21 – Sinnvolle und langfristige Planung.

    Einzig bei der Betrachtung des Praktisch-Sportlichen könnte man eine leicht kritische Perspektive einnehmen. Denn zum Ende der Saison wirkte der Kader durchaus etwas unausgewogen. Das lag vorrangig daran, dass man zu Beginn mit einer 433-Grundordnung plante, im Saisonverlauf aber auf ein 343/3412-System umstellte. Dies war sportlich und auch bezüglich der Einbindung der Einzelspieler absolut logisch und verständlich, führte jedoch auch zu einem leichten Ungleichgewicht. Zum Beispiel in der Innenverteidigung geriet man einige Male in personelle Probleme, die man langfristig beheben sollte.

    Insgesamt war Dynamo damit aber nach dem Wiederaufstieg in einer komfortablen Situation und konnte nun die Früchte der starken strategischen Arbeit im vorherigen Jahr ernten. Der Kader stand auf einer soliden qualitativen und quantitativen Basis, die nur noch einige wenige Ergänzungen brauchte. Kleine Unausgewogenheiten galt es zu korrigieren, abgesehen davon lief aber alles nach dem langfristigen Plan, was gerade in einer finanziell schwierigen Pandemiesituation von Vorteil ist.

    Der Becker-Plan

    Was war nun Ralf Beckers Plan in diesem Sommer? Die Gesamtsituation war trotz des stabilen Grundgerüsts auf jeden Fall nicht einfach. Mit Leihspieler Jonathan Meier und Julius Kade, dessen Rückkaufoption über 500.000€ vom 1. FC Union Berlin aktiviert wurde, verließen Dynamo zwei klare Stammspieler. Pandemiebedingte finanzielle Einschnitte schränkten zudem Dynamos Möglichkeiten ein. Nichstdestotrotz ging es darum, den Kader zweitligatauglich zu gestalten. Das bedeutet: Die schon bestehende Achse des Kaders galt es in dreierlei Hinsicht zu ergänzen. 

    1. Einerseits ging es darum, eben genannte Abgänge zu ersetzen. 
    2. Andererseits, die Qualität der zweiten Reihe zu erhöhen und diese an die neue Spielidee und 3er-Ketten-Grundordnung anzupassen. 
    3. Außerdem ging es natürlich auch darum, den Kader punktuell in der Spitze zu verstärken.

    Und all das vor dem Hintergrund möglichst geringer finanzieller Ausgaben, einem langfristig vielversprechenden Plan und einer für sportlichen Erfolg sinnvollen Kadergesamtstruktur, das heißt unter anderem einer heterogenen Erfahrungsstruktur.

    Dynamos Kader soll diesbezüglich in diesem Jahr primär auf der 3412-Grundordnung basieren, die man grundsätzlich auch schon in der vergangenen Saison spielte. Man will zudem auch immer mal wieder flexibel in einer 41212-Formation agieren. Genauer werde ich darauf nochmal in den kommenden Texten zur taktischen Herangehensweise Schmidts eingehen. Folgendes aber erstmal vorweg: Es macht keinen riesigen Unterschied, in welchem der beiden Grundordnungen Dynamo agiert. Vielmehr sind die Prinzipien und Abläufe meist dieselben. Es gibt nur geringe Unterschiede in der Ausgangslage: Der größte ist dabei logischerweise die Positionierung des zentralen Innenverteidigers bei einer 3er-Kette bzw. des Ankersechsers in einer 4er-Kette. Diese Veränderung führt zudem zu leichten Verschiebungen hinsichtlich der Außenverteidiger und Achter. So agieren bei einem 3412 Erstere etwas offensiver, während bei einer 4er-Kette die Achter weiträumigere Aufgaben übernehmen. 

    Doch das sind wirklich nur minimale Unterschiede. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum man primär mit 3er-Kette zu planen scheint, obwohl für Trainer Alexander Schmidt eigentlich die Rautenformation typisch ist: Man spielt denselben Fußball, die 3412-Grundordnung passt aber besser zu den Einzelspielern der SGD. In dieser Hinsicht lassen sich beispielhaft die Sechser/Achter bei Dynamo nennen, denen für die richtige Raute etwas die Dynamik fehlt. Man müsste viele neue Spieler auf dieser Position verpflichten, um das auszugleichen. Agiert man mit höheren Außenverteidigern, die bei der SGD sowieso schon vorrangig offensiv denken, kommt dies sportlich und finanziell weniger zum Tragen und ist effizienter zu managen. 

    Dynamos neuer Kader 2021/22

    Hat das alles geklappt? Ich sage ja. Gehen wir es mal der Reihe nach durch:

    1. Wurden alle wichtigen Abgänge ersetzt?

    Ja, die abgegebenen Stammspieler Meier und Kade werden beide ersetzt. Kades Platz nimmt nun der äußerst vielversprechende Achter Luca Herrmann ein, der ablösefrei zur SGD kam. Herrmann durchlief die starke Jugendarbeit des SC Freiburg und hat nun sehr wahrscheinlich das Zeug dazu, den nächsten Schritt zu gehen. Mit seinen Stärken in der Positionierung, Vororientierung, seinen smarten Körperfinten und Ballannahmen, seiner Aufdrehbewegung und sinnvollen Tiefenläufen kann er meines Erachtens nach nun schon jetzt die SGD im Zentrum verstärken. Klar lässt sich diskutieren, wie weit er schon ist. Doch unterschätzen sollte man ihn nicht, auch wenn er aus der Regionalliga kommt. Gerade bei Zweitvertretungen der großen Mannschaften schlummern häufig große Talente. Das ist schließlich ein weiterer positiver Faktor: Herrmann bringt im Hinblick auf sein Alter und weiteres Entwicklungspotenzial sehr spannendes Humankapital für Dynamo als Ausbildungsverein mit.

    Der Platz von Meier ist noch die einzige offene Baustelle im Kader der SGD. Eine Verpflichtung eines weiteren Linksverteidigers, der sowohl im Pressing stark ist als auch Offensivdrang mitbringt, wäre für Dynamos Kader sowohl qualitativ als auch quantitativ essentiell und genießt daher höchste Priorität. Noch sind die Verantwortlichen auf der Suche, doch Sorgen mache ich mir dahingehend noch nicht. Es ist normal, dass sich der gesamte Transfermarkt in die Länge zieht – gerade in Zeiten von internationalen Wettbewerben und pandemiebedingten Einschränkungen. Auch gelegentliche Absagen von Spielern sind einzuberechnen. Schließlich sind Transfers hochkomplex und verlangen eine Einigung von drei oder sogar mehr Parteien mit jeweils verschiedenen Einzelinteressen.

    1. Wie hat sich die zweite Reihe entwickelt?

    Die Planung der zweiten Reihe bei der SGD begann zunächst mit einigen Abgängen. Dazu wurden die Verträge von einigen weiteren Spielern, die in der Saison wenig zum Einsatz kamen und nun in Liga 2 nicht mit eingeplant werden sollten, nicht verlängert. Dazu zählen unter anderem Keeper Stefan Kiefer und Maximilian Großer. Auch die kurzfristigen Kaderergänzungen wie Marvin Stefaniak oder Leroy Kwadwo gehören dazu. Klar lässt sich beispielsweise bei Kwadwo diskutieren, ob er dem Kader nicht doch immer noch sportlich und menschlich gut getan hätte. Insgesamt kann ich aber jeden einzelnen Abgang dieser Art nachvollziehen. Man war überzeugt davon, qualitativ stärkere und langfristig vielversprechendere Akteure verpflichten zu können und nebenbei den Kader besser auszubalancieren – und genau das hat man auch getan. Vor allem mit Antonis Aidonis und Michael Akoto verpflichtete man flexiblere Spieler mit auch meiner Meinung nach höherem Entwicklungspotenzial. Die weiteren Abgänge machten vor allem Platz für Verstärkungen in der Spitze:

    1. Hat man sich in der Spitze verstärkt?

    Dynamo hat es auch geschafft, sich in der Spitze zu verstärken. Mit Morris Schröter, Michael Sollbauer und Brandon Borrello kamen wiederum sehr flexible Akteure, die das Team definitiv mit großer spielerischer Erfahrung und Qualität bereichern werden. Schröter ist dabei als offensiv denkender Flügelverteidiger eingeplant, der stets die Breite gibt. Gerade mit Ball wird er so seine Dynamik, seine Tiefenläufe und seine starken und variantenreichen Flanken ausspielen können, auch wenn man vermutlich noch etwas an seinem Defensivverhalten arbeiten muss. Hinter Schröter wird Sollbauer absichern, ein extrem erfahrener und überdurchschnittlicher Zweitligainnenverteidiger, der den intensiven Schmidt-Fußball zudem schon vom FC Barnsley unter Valerien Ismael kennt. Ebenso passt Borrello als intensiver und körperlicher Offensivspieler zur SGD, der sowohl auf der 10 als auch den zwei Stürmerpositionen eingeplant ist und dort das Team mit kreativen Dribblings bereichern wird. 

    1. Wie sieht die Kadergesamtstruktur aus?

    Insgesamt kommt man so auf einen wirklich runden Kader. Mit nicht zu großen finanziellen Aufwendungen hat man es geschafft, den bisher schon starken Kader noch einmal auf ein anderes qualitatives Level zu heben und nebenbei auch die Zukunftsaussichten zu erhöhen. Jede Position ist doppelt besetzt und mit sehr flexiblen Spielern lassen sich nun die beiden vom Coach priorisierten Grundordnungen spielen.

    Kaderübersicht der SGD – Primär agiert man in einer 3412-Struktur.
    Kaderübersicht der SGD – Sekundär kann zudem auf eine 41212-Grundordnung zurückgegriffen werden.

    Des Weiteren passt auch die Alters- und Erfahrungsstruktur. Einige junge und damit sportlich und finanziell spannende Spieler, die damit perfekt in die Vereinsstrategie passen, wurden ergänzt mit einigen erfahrenen Akteuren, die das Team anleiten können.

    Das gesamte Vorgehen ergibt daher für mich komplett Sinn. Man bringt einen klaren Stamm aus dem letzten Jahr mit, dem man es zutraut, die nächsten Schritte zu gehen. Diesbezüglich sehe ich Spieler wie beispielsweise Knipping, Will, Stark, Mörschel und Daferner absolut in Liga 2. Diesen Kern hat man nun punktuell noch weiter verbessert und nebenher auch die zweite Reihe günstig angepasst und mit vielversprechenden Jungs ergänzt. Ich persönlich sehe ehrlicherweise nicht, wie der Kader noch besser hätte aussehen können. Weitere Verstärkungen in der Spitze gehen natürlich immer, aber wäre das finanziell und sportlich möglich und sinnvoll gewesen? Hinsichtlich der Breite hätte man sich natürlich auch erfahrenere Spieler auf die Bank setzen können. Diese hätten dann aber bei einer sportlich ähnlichen Rolle sicher etwas mehr Geld verlangt und würden zudem in einigen Jahren wieder einen Umbruch nötig machen. Ich präferiere dann lieber die langfristige und vielversprechende Option, gerade weil Name, bisherige Liga und Vergangenheit nicht zwingend Leistung in der Zukunft bedeuten.

    Fazit

    So agierte die SGD in diesem Sommer insgesamt mit Weitsicht, Ruhe und Geduld und baute so wiederum einen sportlich, finanziell und charakterlich stimmigen Kader. Auch wenn das manchmal etwas länger dauert als erhofft, ist es das, was die Wahrscheinlichkeit für sportlichen Erfolg erhöht. Das Grundgerüst für die 2. Bundesliga steht. Jetzt kommt es auf den Trainer an und darauf, wie er dieses einsetzt und weiterentwickelt. Morgen schauen wir uns an, wie er das bisher getan hat. 

  • 3. Dynamo-Skatturnier: Bereicherung für das dynamische Vereinsleben

    3. Dynamo-Skatturnier: Bereicherung für das dynamische Vereinsleben

    Am 12. Oktober fand im Dynamo-Stadion das 3. Dynamo-Skatturnier statt. Trotz Ferienzeit und Temperaturen, die eher zum Grillen als zum Kartenspielen einluden, meldeten sich für die dritte Auflage diesmal 74 Skatfreunde an.

    Nachdem alle Teilnehmer ihre Tischnummer gezogen hatten, ging es nach einer kurzen Begrüßung pünktlich mit der ersten Serie los. Das Zeitlimit betrug 2 Stunden und 15 Minuten. Mit einer vierstelligen Punktzahl sicherten sich hier bereits 14 Skatspieler eine sehr gute Ausgangsposition für einen möglichen Turniersieg. Die Tischplätze für die zweite Runde ergaben sich aus den Platzierungen der ersten Runde.

    Preise für die besten 25 Skatspieler

    Zum Skatspiel gehört zum einmal das Glück, die perfekten Karten in der Hand zu halten. Hinzu kommt das Können, mit diesen Karten auch das bestmögliche Spiel zu absolvieren. Deshalb war das Ergebnis der ersten Runde noch lange kein Fingerzeit, wer am Ende die meisten Punkte und damit den Turniersieg einfährt.

    Nach viereinhalb Stunden gespielter Nettozeit stand das Endergebnis fest. Das 3. Dynamo-Skatturnier gewann Heiko Sokolowski mit einer Punktzahl von 2176. Den zweiten Platz belegte Jürgen Frei mit 2067 Punkten. Mit 1980 Punkten landete Rico Schreiter auf dem dritten Platz. Für die besten 25 Teilnehmer hatten wir Gutscheine und Sachpreise aus dem Dynamo-Fanshop ausgelobt.

    Gesamtergebnis

    Dankeschön an alle Teilnehmer, Helfer und Unterstützer

    Das Dynamo-Skatturnier hat sich schnell im Vereinsleben der SGD etabliert. Bei den bisherigen drei Veranstaltungen konnten wir schon über 180 verschiedene Mitspieler begrüßen. Mittlerweile gibt es sogar eine ganze Reihe an Stammspielern, die immer dabei gewesen sind. Auch lange Anfahrtswege an einem Freitagabend, beispielsweise aus Bad Schandau, Bautzen oder Nünchritz, werden „in Kauf genommen“, um dabei zu sein.

    Über diese Resonanz freuen wir uns natürlich sehr, denn sie gibt Motivation, die Skatturniere auch zukünftig regelmäßig durchzuführen und weitere Veranstaltungen zu planen. An dieser Stelle danken wir allen fleißigen Helfern für ihre tatkräftige Mithilfe und insbesondere der Dynamo-Geschäftsstelle, der Stadionprojektgesellschaft sowie der Stadion Event Catering GmbH.

    Das nächste Dynamo-Skatturnier wird voraussichtlich im Februar/März 2019 stattfinden.

    3. Dynamo-Skatturnier im Stadion

    Dynamo-Skat im Stadion

    Dynamo-Skat im VIP-Raum

  • Unsere Kurve: Rückblick auf das Bundestreffen in Darmstadt

    Unsere Kurve: Rückblick auf das Bundestreffen in Darmstadt

    Am Tag der Deutschen Einheit fand in Darmstadt das dritte Treffen der Interessengemeinschaft Unsere Kurve (UK) in diesem Jahr statt. Eingeladen hatte die Fan- und Förderabteilung von Darmstadt 98. Auch ein Vertreter der Fangemeinschaft Dynamo reiste nach Hessen, um im altehrwürdigen Stadion am Böllenfalltor mit anderen Fans über fanpolitische Themen zu sprechen.

    Aktuelle Themen aus den Vereinen

    Zu Beginn der knapp sechsstündigen Veranstaltung berichteten die Teilnehmer jeweils über aktuelle Entwicklungen in ihren Fanorganisationen und Vereinen. Dieser Austausch eignet sich immer sehr gut, um über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Die Erfahrungsberichte der anderen Fans sind insoweit interessant, weil sie zeigen, welche vielfältigen Probleme in einem Fußballverein auftreten können und welche Mittel helfen, sie zu lösen. In jedem Fall lassen sich daraus viele Erkenntnisse für die eigene lokale Arbeit vor Ort ableiten.

    Die Vertreter der Supporters Karlsruhe erzählten zum Beispiel über ihre Zukunftswerkstatt, in der sie gemeinsam mit 80 Vereinsmitgliedern wichtige Handlungsfelder für den KSC diskutierten und daraus ein Leitbild entwickelten. Ein interessantes Projekt wurde dagegen in Freiburg umgesetzt. Dort gibt es im Stadion jetzt drei Brunnen mit kostenlosem Trinkwasser für Fans.

    Gespräche mit den Fußballverbänden

    Im zweiten Tagesordnungspunkt kam der Dialog mit den Fußballverbänden zur Sprache. Die IG Unsere Kurve nimmt wie auch andere Fanorganisationen mit zwei Vertretern regelmäßig an der AG Fankulturen teil. Auf dem Treffen in Darmstadt einigten sich alle anwesenden Fans darauf, dass diese Gesprächsrunde mit dem DFB und der DFL in Zukunft als Austausch und nicht als Dialog definiert wird. Grund dafür ist nach neun Sitzungen die gewonnene Erkenntnis, dass eine Einflussnahme auf Entscheidungen der Verbände nur bedingt möglich ist.

    Trotzdem wird UK auch weiterhin mit den Verbänden im Kontakt bleiben, um in beratender Funktion zu aktuellen Themen eigene Standpunkte und die Meinung der Fans zu vermitteln. Im Dezember findet das nächste Spitzengespräch mit DFB-Präsident Reinhard Grindel und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert statt.

    Obwohl die gesamte Situation im Fußball aktuell nicht positiv erscheint, ist es aus Sicht der IG Unsere Kurve nötig, trotzdem informell Einfluss zu nehmen und Informationen abzurufen. Oder anders gesagt: Es ist besser, eine Organisationsstruktur zu haben als gar keine. Parallel zu den Gesprächen mit den Verbänden liegt der Fokus deshalb auch auf lokaler Ebene. Die Vereine bleiben weiterhin ein direkter Ansprechpartner in fanpolitischen Fragen.

    Ziel der Gespräche ist es, langfristig ein Umdenken bei Verbänden und Vereinen in der Betrachtung fanrelevanter Themen zu erreichen. Statt immer wieder Probleme zu thematisieren, liegt die Ausrichtung darauf, die positiven Aspekte der Fankultur stärker zu fördern. Beim Bundestreffen in Darmstadt diskutierten die Teilnehmer dazu erste Ideen und ein mögliches Vorgehen in dieser Sache.

    Arbeitsstrukturen in der fanpolitischen Lobbyarbeit

    Immer wieder ein Thema sind die Arbeitsstrukturen und die Frage nach einer effizienten Bearbeitung von anstehenden Aufgaben. Nach langer Vorbereitungszeit wurden die Voraussetzungen geschaffen, zukünftig von allen Mitgliederorganisationen bei UK jährlich einen Mitgliedsbeitrag zu erheben. Dieser dient dazu, eigene Aktivitäten finanziell zu untersetzen.

    Die Diskussion zur Finanzierbarkeit und Notwendigkeit einer hauptamtlichen Stelle stand ebenfalls auf dem Programm. Hier hatten sich einige Teilnehmer vorab mit relevanten Fragen beschäftigt und stellten ihre Ergebnisse allen Mitstreitern vor. Anschließend debattierten alle eifrig über Vor- und Nachteile. Da einige offene Fragen blieben, wurde die Entscheidung bis zur Klärung auf das nächste Bundestreffen vertagt. Grundsätzlich waren sich alle anwesenden Teilnehmer einig, dass eine solche Personalie mit koordinierenden und organisierenden Funktionen die Arbeit stärkt.

    Einblick in die Spielplangestaltung

    Im September waren Vertreter von Darmstadt 98 zu Gast bei der DFL in Frankfurt. Anlass war ein durch die ansässige Fan- und Förderabteilung veröffentlichtes Essay über die Spielplangestaltung und daraus folgende Diskussionen mit dem Ligaverband. Die Darmstädter berichteten über den Termin und erläuterten ihre Erkenntnisse. Als Fazit blieb stehen, dass viele Fanargumente für fanfreundliche Anstoßzeiten und frühzeitige Terminierungen durch die Verantwortlichen leicht ausgehebelt werden. Um diesen Argumenten entgegen zu treten, braucht es eine stärkere Dokumentation von Beispielen, die bestätigen, dass es Terminierungen gibt, die zurecht auch hinterfragt werden müssen.

    Europameisterschaft 2024 in Deutschland

    In wenigen Jahren kommt mit der Europameisterschaft wieder einmal ein großes Fußballturnier nach Deutschland. Die Meinungen über Sinn und Unsinn dieser Veranstaltung gehen weit auseinander. Die entscheidenden Fragen lauten, in wie weit die EM 2024 auch den Fußballalltag der Liga und vor allem der Fans beeinflussen wird. Die Erfahrungen rund um die WM 2006 geben einen guten Ausblick.

    Um diesen potenziellen Gefahren und Einschnitten frühzeitig zu begegnen, beteiligt sich UK bereits seit etwa zwei Jahren an einer Initiative für Menschenrechte. Transparency International hat weitere gesellschaftliche Verbände und Organisationen in einem Netzwerk zusammengebracht. Ziel ist es, die Europameisterschaft als Veranstaltung für alle durchzuführen. Wichtige übergeordnete Themen sind dabei Beteiligung, Inklusion, Dialog und Menschenrechte, die auch Fanrechte beinhalten.

    Geplant ist, an den einzelnen Standorten verschiedene Stakeholder, also gesellschaftliche Vertreter, an einen Tisch zu holen, um gemeinsam Aktionen im Rahmen der EM-Spiele zu planen. Auch die Fans gehören als Anspruchsgruppe dazu. Die Koordination der Fanbeteiligung liegt in der Hand der lokalen Fanprojekte. In den nächsten Wochen wird es dazu weitere Informationen geben.

    Das nächste Treffen

    Das nächste Bundestreffen der IG Unsere Kurve findet voraussichtlich im Januar 2019 in Hamburg statt. Die Mitgliederorganisationen von UK kommen dreimal im Jahr zusammen. Das erste Treffen geht meistens über zwei Tage, hinzu kommen die traditionellen Termine am 1. Mai und am 3. Oktober. Wer mehr über die Fanarbeit auf bundespolitischer Ebene erfahren möchte oder selbst Interesse zur Bearbeitung der Themen mitbringt, findet bei uns ein offenes Ohr.

    Informationen zur IG Unsere Kurve

  • 4. Legendenstammtisch mit drei Ehrenspielführern der SGD

    4. Legendenstammtisch mit drei Ehrenspielführern der SGD

    Am 24. August 2018 findet im Dynamo-Stadion der vierte Legendenstammtisch der Fangemeinschaft Dynamo statt. Zu Gast werden mit Dieter Riedel, Hans-Jürgen Kreische und Klaus Sammer drei Urgesteine und Ehrenspielführer der SG Dynamo Dresden sein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und richtet sich an alle Fans und Mitglieder der Sportgemeinschaft. Der Eintritt ist frei.

    Thema des Abends wird der Fußball in Dresden in den 1960er und 1970er Jahren sein. In dieser Zeit musste Dynamo zunächst zweimal aus der damals höchsten Spielklasse der DDR in die zweite Liga absteigen. Mit Beginn der Ära von Walter Fritzsch ab 1969 begann danach die erfolgreichste Zeit des Vereins mit fünf Meisterschaften und zwei Pokalsiegen. Mit unseren Gästen wollen wir auf diese wechselhaften Jahre zurückblicken und erkunden, wie der Hype um Dynamo Dresden damals entstanden ist und welche Akteure dafür verantwortlich waren. Hans Jürgen Kreische, der seine Diplomarbeit über die „Geschichte der SG Dynamo Dresden zwischen 1946 und 1979“ schrieb, wird über einige interessante Erkenntnisse berichten können.

    Erfolge mit der SG Dynamo Dresden

    Als Spieler begründeten die drei genannten Akteure ab Mitte der 1960er Jahre den Mythos der Sportgemeinschaft mit und absolvierten im Dynamo-Trikot zusammen mehr als 700 Punktspiele. Hinzu kamen legendäre Auftritte im Pokal und auf der europäischen Bühne gegen internationale Top-Teams. Im Jahr 1967 standen sie beim ersten Europapokalspiel der SGD im Messecup gegen die Glasgow Rangers gemeinsam in der Startelf. Und noch eine Sache ist bemerkenswert. Die ersten sieben Tore der SGD im Europacup gehen allesamt auf das Konto unserer Gäste. Die Torpremiere gelang Riedel im ersten Spiel gegen Glasgow. Auch Kreische traf gegen die Schotten im Rückspiel, während Sammer seinen Treffer gegen Partizan Belgrad feiern konnte. Nach dem Ende ihrer sportlichen Karrieren waren alle drei Protagonisten auch in verschiedenen Funktionen im Verein tätig, vom Trainer bis zum Präsidenten.

    Bewusstsein für Tradition schaffen

    Die drei von insgesamt acht Ehrenspielführern lassen heute als Repräsentanten des Vereins die lange Tradition der SG Dynamo Dresden immer wieder aufleben. Mit der Fortsetzung unserer Legendenstammtische möchten wir auch den nachfolgenden jüngeren Generationen diese Geschichten weitergeben und ein Bewusstsein dafür entwickeln. 2008 fand der erste Legendenstammtisch mit Dixie Dörner und Frank Lippmann statt. Es folgten weitere Veranstaltungen dieser Art mit Ralf Hauptmann, René Beuchel und Sven Ratke sowie unserem Erfolgstrainer Christoph Franke.

    Fotos: Frank Dehlis