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  • Retrospektive auf die bisherige Vereinsarbeit

    Retrospektive auf die bisherige Vereinsarbeit

    Unser Prozess der Neuausrichtung begann Ende Februar bei einem Workshop, um die aktuelle Situation der Fangemeinschaft Dynamo zu reflektieren. Im Pressekonferenzraum des Rudolf-Harbig-Stadions blickten wir deshalb zunächst gemeinsam zurück auf die ersten 13 Jahre seit der Gründung. In dieser Retrospektive erstellten wir einen Zeitstrahl mit allen wichtigen Projekten und Aktivitäten seit 2007. Im Anschluss verglichen wir die zur Gründung in der Satzung festgeschriebenen Vereinszwecke mit der tatsächlich geleisteten Arbeit in den vergangenen Jahren.

    Formulierung der Vereinszwecke aus der gebotenen Notwendigkeit

    Jeder Verein hat einen Zweck, der durch Maßnahmen verwirklicht wird. Zur Gründungsversammlung 2007 schrieben auch die Mitglieder der Fangemeinschaft Dynamo in die Satzung, welche Aufgabe der neu gegründete Verein haben sollte.

    Zweck des Vereins ist die Organisation und die Interessenvertretung von Fans der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden e.V. (SGD). Der Verein will durch seine Tätigkeit den Fußballsport in seiner ursprünglichen Form fördern und unterstützt dabei die sportlichen Aktivitäten der SGD.

    Diese doch eher allgemein gehaltenen Worte sind rückblickend im Kontext der damals vorherrschende Situation bei der SG Dynamo Dresden und deren Fans zu verstehen. Es gab 2007 einfach keinerlei organisierte und strategische Fanarbeit in der Sportgemeinschaft und auch keine Institution, um Faninteressen gegenüber den Vereinsgremien und Dritten zu vertreten. Aus heutiger Sicht ist das kaum mehr vorstellbar, doch die aktiven Fans hatten damals mit vielen Hindernissen zu kämpfen.

    Der Vereinszweck sollte daher insbesondere verwirklicht werden durch die folgenden Maßnahmen:

    • Aktivitäten zur Bewahrung der traditionellen Fankultur der SGD
    • Koordination und Unterstützung von Fan‐Aktionen (z.B. Choreographien und Zaunfahnen)
    • Organisation von Veranstaltungen mit Spielern und Verantwortlichen der SGD
    • Organisation von Fußballturnieren von und für Fans
    • Organisation von Auswärtsfahrten
    • Förderung eines Gewalt und Rassismus freien, respektvollen und toleranten Miteinanders
    • Integration behinderter Anhänger der SGD

    Vereinsarbeit auf Basis der beschlossenen Aufgaben

    Im Mittelpunkt stand in den Anfangszeiten vor allem der Erhalt der Fankultur bei Dynamo. Das war uns besonders wichtig, da der näher rückende Stadionneubau das bisher bekannte Stadionerlebnis im alten Rund vollkommen neu gestalten sollte. Es galt, die Durchführung von Choreographien in Zeiten von zunehmenden Verboten sicherzustellen. Ebenso lag uns die ausgeprägte Zaunfahnenkultur am Herzen, die auch im neuen Stadion lebendig bleiben musste. Daher unterstützten wir finanzell und personell verschiedene Aktivitäten und mahnten nach ausgesprochenen Einschränkungen der Fankultur bei den Verantwortlichen weniger Repression und mehr Dialog an. Beispielhaft dafür standen zum Beispiel erste regelmäßige Gesprächsrunden mit der Geschäftsführung und die daraus resultierende Erarbeitung der Fancharta sowie das Anbringen von Halterungen für Zaunfahnen an den Stadionmauern im Innenraum.

    Zudem begannen wir mit der Organisation von Veranstaltungen, um das Vereinsleben anzukurbeln. Bei Pokerturnieren oder unserem SGD-Cup kamen Fans miteinander ins Gespräch. Zusätzlich luden wir ehemalige Spieler zu unseren ersten Legendenstammtischen ein und brachten so Teile der ruhmreichen Geschichte der SGD wieder zurück in die Erinnerung. Ein erster bedeutsamer Meilenstein war die Verabschiedung einer gemeinsam ausgearbeiteten Fancharta. In dem Papier wurden gegenseitig zu achtende Rahmenbedingungen für Fans und Geschäftsführung formuliert, um einen Ausgleich zwischen Fankultur und Kommerzialisierung zu schaffen.

    Aus unserer Sicht ebenso wichtig war das klare Bekenntnis für ein respektvolles Miteinander im Verein sowie das klare Einstehen gegen jede Form der Gewalt, der Diskriminierung und gegen Rassismus. Hinzu kam die Forderung zur Einrichtung einer festen Ansprechperson. Sie sollte sich speziell um die Belange von Fans mit Behinderung kümmern. Mittlerweile gibt es diese Stelle bereits seit mehreren Jahren in der Fanabteilung.

    Vereinszweck dem Wandel anpassen

    Zusammenfassend konnten wir in unserem Workshop ein positives Verhältnis von Vereinszweck und tatsächlichen Aktivitäten ausmachen. Die mit der Gründung und dem Aufbau der Fangemeimschaft Dynamo gestellten Aufgaben wurden weitestgehend erfüllt. Daher mussten wir in unserem Rückblick auf der Grundlage aller Erfahrungen und Erkenntnisse den Vereinszweck nicht gänzlich infrage stellen. Allerdings war auch klar, dass die Entwicklung der Fangemeinschaft Dynamo gerade in den letzten Jahren kaum noch den Anspruch der Gründungsphase entsprach. Zudem professionalisierte sich die SGD schrittweise, nicht nur in der Fanarbeit. Auch die Fanszene und die aktive Mitgliedschaft durchlebten einen Wandel mit vielen Umbrüchen.

    Deshalb nahmen wir nach einem spannenden und umfangreichen Rückblick alle einen Zettel und Stift in die Hand. Die Aufgabe bestand darin, verschiedene Fragestellungen zu beantworten. Zunächst einmal völlig losgelöst von realistischen Möglichkeiten der praktischen Umsetzung. Die Teilnehmer am Workshop schrieben auf ihre Zettel, welche Rolle und Position die Fangemeinschaft Dynamo in der Zukunft im Umfeld der SGD einnehmen kann. Im zweiten Schritt stand die Frage im Raum, welche Werte wir als dynamische Organisation vertreten. Daran knüpften Überlegungen an, was wir mittelfristig als Ziel erreichen wollen. Und weil wir natürlich unsere ehrenamtliche Arbeit und unsere Angebote nicht zum reinen Selbstzweck durchführen, beschäftigten wir uns damit, welcher Mehrwert und Nutzen durch die Fangemeinschaft Dynamo entstehen kann – sowohl für den Verein als auch für seine Mitglieder und Fans.

    Gut vier Stunden nahmen wir uns im Workshop die Zeit, um viele Ideen und Gedanken aufzuwerfen und zu notieren. Alle Teilnehmer waren sehr eifrig bei der Sache. Deshalb setzten wir am späten Abend kurz vor Mitternacht einen zweiten Termin zur Fortsetzung des Findungsprozesses an. Am Wochenende werden wir euch die ersten konkreten Inhalte und Ergebnisse dieser gemeinsamen Arbeit präsentieren.

    1. Teil: Ausrichtung der Fangemeinschaft Dynamo auf dem Prüfstand

    3. Teil: Vom Rollenverständnis über Werte und Nutzen zum Zielbild

  • Ausrichtung der Fangemeinschaft Dynamo auf dem Prüfstand

    Ausrichtung der Fangemeinschaft Dynamo auf dem Prüfstand

    In den vergangenen Wochen hat eine kleine Gruppe von Mitgliedern über die zukünftige Ausrichtung der Fangemeinschaft Dynamo im Umfeld der Sportgemeinschaft nachgedacht.

    Prozess zur Zukunft der Organisation

    Ausgangspunkt waren Gespräche zwischen unseren Mitgliedern auf Stammtischen, die wir bereits Ende des letzten Jahres durchgeführt haben. Anfang Februar folgte daher die Einladung an interessierte Mitglieder der Fangemeinschaft Dynamo, an einem Workshop teilzunehmen. Das Ziel des Workshops war es, gemeinsam den Status als Organisation zu reflektieren und zu bewerten. Anschließend ging es in den Diskussionen um Gedanken zur Zukunft der Fangemeinschaft Dynamo.

    Wir wollen dich auf unserem Weg der Selbstreflektion und Neuausrichtung mitnehmen und über den angestoßenen Prozess informieren. Du bekommst so einen Einblick in unsere Arbeit. Im ersten Beitrag beleuchten wir die Gründe, weshalb wir jetzt über die Weiterentwicklung unserer Organisation neu befinden.

    Im Wandel der Zeit: Oppostion und Unterstützer

    Als die Fangemeinschaft Dynamo im Mai 2007 gegründet wurde, stand es um den Verein Dynamo Dresden alles andere als gut. Sportlich dümpelte die SGD in der drittklassigen Regionalliga herum. Wirtschaftlich standen im Zusammenhang mit dem geplanten Stadionneubau logistische und finanzielle Herausforderungen an. Die Bekanntgabe von roten Zahlen im Saisonetat gehörte zur Tagesordnung. Zudem befand sich die Fanszene in einem schweren Konflikt mit Vereinsgremien, die permanent Repressionen aussprachen. Die Fangemeinschaft Dynamo übernahm damals die Funktionen einer vereinskritischen Opposition und Interessenvertretung der Dynamo-Fans. Die Anfangszeit war geprägt durch vereinsinterne Auseinandersetzungen. Die Auflösung dieser Spannungsfelder und Differenzen bestimmte daher zunächst die Ausrichtung der FG in den ersten zwei Jahren.

    Ab 2009 begann bei Dynamo Dresden ein Prozess, der bis heute anhält. Fortan setzte bei der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat ein Umdenken ein, sowohl finanziell als auch fanpolitisch. Es sollte einerseits nur noch das Geld ausgegeben werden, das auch eingenommen wurde. Erfolg um jeden Preis stand nicht mehr auf der Agenda des Vereins. Als Indikator für diese positive Entwicklung steht beispielshaft die jährliche Erteilung der Lizenz für den Spielbetrieb. Anders als in der Vergangenheit müssen bereits seit Jahren keinerlei Bürgschaften mehr für die Finanzplanung einer Saison vorgelegt werden.

    Ausbau der Fanarbeit und Dialog

    Auch das Verhältnis zwischen Vereinsgremien und Fans verbesserte sich spürbar. Die Einführung eines regelmäßigen Dialogs im Turnustreffen förderte das Miteinander. Die direkte Entsendung von Vertretern in den Aufsichtsrat half dabei, die Bedürfnisse von Fans abzubilden und Faninteressen in der Vereinsarbeit zu berücksichtigen. Der gegenseitige Austausch ist mittlerweile zu einem elemantaren Bestandteil unseres Vereins geworden, um Mitgestaltung sowie Mitbestimmung zu sichern. Der Ausbau der hauptamtlichen Fanarbeit ab 2011 gehört ebenfalls zu dieser positiven Entwicklung.

    In diesem Umfeld wandelte sich die Ausrichtung der Fangemeinschaft Dynamo als Organisation. Statt Opposition und Konfliktlösungen standen nun die Sicherung und die unterstützende Begleitung der Vereinsarbeit im Vordergrund. Zudem gab es innerhalb der FG ständige personelle Umbrüche und Zeiten der Selbstbeschäftigung. Nicht selten überlagerten unsichtbare administrative Aktivitäten zur Aufrechterhaltung der Vereinsorganisation die sichtbare Projektarbeit. Irgendwann kam folgerichtig die Frage auf, sowohl von außen als auch innerhalb der Fangemeinschaft Dynamo, wo denn unser Weg hinführen soll. Und ob wir eine solche Organisation im Umfeld von Dynamo überhaupt noch benötigen.

    Erarbeitung eines Zielbildes für 2022

    Um diese Fragen zu beantworten, haben wir im Februar mit einem Teil unserer Mitglieder einen ersten Workshop im Stadion durchgeführt. Dort stellten wir uns weitere Fragen:

    • Welche Rolle nimmt die FG ein?
    • Wie positioniert sich die FG?
    • Wofür steht die FG?
    • Was will die FG erreichen?
    • Welchen Nutzen und Mehrwert bietet die FG?

    Ziel dieser gemeinsamen Runde war die Erstellung eines Zielbildes für die nächsten zwei Jahre. 2022 feiert die Fangemeinschaft Dynamo ihren 15. Jahrestag. Wir finden, dass dieses kleine Jubiläum ein guter Anlass ist, um sich neue Ziele zu setzen.

    In den nächsten Tagen wollen wir euch die Ergebnisse unserer Arbeit in den letzten Wochen genauer vorstellen. Und wenn ihr euch an dieser Stelle die Frage stellt, was denn die Fangemeinschaft Dynamo bisher überhaupt gemacht hat, dann schaut doch mal auf unseren Zeitstrahl, in dem wir die wichtigsten Meilensteine unserer bisherigen Geschichte seit 2007 zusammengefasst haben.

    2. Teil: Retrospektive auf die bisherige Vereinsarbeit

    3. Teil: Vom Rollenverständnis über Werte und Nutzen zum Zielbild