Schlagwort: Strategie

  • Niederlagenserie gegen SCP, FCH und SVD: Spielanalyse

    Niederlagenserie gegen SCP, FCH und SVD: Spielanalyse

    Wie versprochen schauen wir uns zur aktuellen Länderspielpause noch einmal Dynamos Niederlagenserie aus dem September genauer an. Warum haben wir gegen Paderborn, Heidenheim und Darmstadt verloren? Und wie ordnen wir diese Schwächephase in die Gesamtentwicklung ein?

    SGD – SCP: 0:3

    Die erste Saisonniederlage kassiert die SGD Ende August gegen den SC aus Paderborn. Das 0:3 schien auf den ersten Blick natürlich extrem ernüchternd. Wenn man sich das Spiel aber nochmal genauer ansieht, muss ganz klar konstatiert werden, dass dieses Ergebnis nicht im Ansatz den Spielverlauf widerspiegelt.

    Dynamos Herangehensweise

    Gerade in den ersten 30 Minuten des Spiels agierte Dynamo nämlich eigentlich genauso stark wie in den Wochen zuvor. Aus der klassischen 433/4Raute2-Struktur liefen wir den Gegner gemäß dem Schmidt-typischen Pressingfokus sehr hoch und mit brutaler Intensität an. Obwohl Paderborn unter Kwasniok ein sehr spielstarkes Team ist, konnte man so deren Spielaufbau schon früh stören, einige hohe Ballgewinne erzielen und durch schnelles vertikales Umschalten einige gefährliche Chancen kreieren. Wenn Dynamo etwas mehr Glück hat, führt man in diesem Spiel schon nach zwei Minuten.

    Neben diesem typischen Plan fielen mir jedoch noch weitere Aspekte in Dynamos Spiel positiv auf. Gerade im Vergleich zu den folgenden Spielen (Heidenheim, Darmstadt, Pauli) agierte man nämlich auch im Ballbesitz deutlich gefährlicher, da mutiger, präziser und variabler. 

    Zunächst lag das sicher zum Teil auch an der Einbindung der Einzelspieler. Beispielsweise Schröter als rechter Breitengeber und Vlachodimos als dynamischer linker Flügel wurden genau gemäß ihrer Stärken eingesetzt und konnten so das Team mit ihrer individuellen Qualität bereichern. 

    Doch auch gesamttaktisch ließen sich wie zum Saisonbeginn spannende Muster erkennen. In erster Linie ging es darum, nach den hohen Ballgewinn schnell über die Flügel in die Tiefe zu kommen und von dort ins Zentrum zu flanken. Dabei war man, wie gesagt, deutlich genauer und dadurch auch dynamischer unterwegs, was die Gefahr der eigenen Angriffe signifikant erhöhte.

    Hatte man etwas mehr Zeit am Ball bzw. musste aus tieferen Zonen heraus aufbauen, fand man häufig gute Lösungen gegen das Paderborner Pressing. Entweder war man in der Lage, die zweiten Bälle nach langen Schlägen mit brutaler Intensität zu gewinnen und so wiederum in die schon beschriebenen Umschaltsituationen zu kommen oder man spielte sich über die tiefen Außenverteidiger frei, die sich ihrer Gegenspieler entzogen.

    Beispiel langer Ball im Aufbau – enge Struktur für zweite Bälle.
    Dynamos flacher Spielaufbau – Lösung über tiefe AV.

    Entscheidend war daran anschließend, dass man sich – nicht wie in den folgenden Spielen – zu leicht und mit zu wenig Personal auf die Außenbahnen drängen ließ. Einerseits überlud man mit dem jeweiligen AV, 6er, 8er, Flügel und Stürmer klug die ballnahe Seite, um dort kombinieren zu können.

    Dynamos Übergang – Überladung der ballnahen Seite.

    Verlagerungen über Stark auf die verwaiste andere Seite waren dann ein oft genutztes, kluges Anschlussmittel.

    Dynamos Übergang – Verlagerung über 6er wenn Seite zugeschoben.

    Andererseits war man jedoch auch mutig genug, häufiger über das Zentrum aufzubauen. Durch einige sehr dynamische Steil-Klatsch-Kombinationen über die vier eng positionierten Rautenspieler schaffte man immer mal wieder vielversprechende Räume für unsere andribbelnden Außenverteidiger. 

    Alles in allem war ich wirklich beeindruckt von dem Spiel der SGD gegen Paderborn, zumindest in den ersten 30 Minuten. Eigentlich war das genau das, was Schmidt erwartet – brutale Intensität, gutes Pressing, gutes Gegenpressing, aber eben auch (!) mutiger Ballbesitz mit hilfreicher Genauigkeit. Durch gute Boxbesetzung waren auch Chancen da, um Tore zu erzielen (auch wenn da mit etwas mehr Genauigkeit im letzten Drittel sicher sogar noch mehr drin gewesen wäre).

    Unglückliche Gegentore

    Am Ende kassiert man in diesen Minuten aber doch auch drei Gegentore. Diese hätten in ihrer Entstehung nicht unglücklicher sein können. Die erste Kontersituation nach einem Ballverlust im Mittelfeld von Kade (was schlicht passieren kann), spielten Justvan und Michel einfach grandios aus. Das zweite Gegentor entsteht aus einer eigentlich sehr ungefährlichen Situation, in der aber Sollbauer ein technischer Fehler unterläuft, den Pröger mit überragender Schusstechnik perfekt ausnutzt. Das 0:3 schien zunächst ein Fehler von Akoto zu sein, doch primär war das einfach eine der ersten Situationen, in denen Dynamo in der gegnerischen Hälfte das eigene Pressing nicht mit dem perfekten Timing ausspielte und so die schnellen Paderborner Stürmer auf unsere hohe Kette zuliefen. (Fußnote: Ich habe mir das Spiel nochmal angesehen, meines Erachtens nach hat Akoto übrigens kein schwaches Spiel gemacht. Klar, den Zweikampf vorm 0:3 sollte er gewinnen. Wie viele Paderborner Chipbälle er aber sonst mit seinem Tempo wegverteidigt hat, ist durchaus positiv hervorzuheben.)

    Paderborn und der weitere Spielverlauf

    Dass Dynamo diese Tore so kassiert, lag neben einer großen Portion Pech auch schlichtweg an einem starken Gegner. Dass die individuelle Qualität in jedem Mannschaftsteil Paderborns über der unseren liegt, ist klar. Wie Justvan, Pröger und Michel diese Tore kreieren oder wie Hünemeier Dynamos Flanken in der Box verteidigt, war schon beeindruckend. 

    Dazu kommt, dass Paderborn natürlich auch gesamttaktisch einen kompletten und flexiblen Eindruck macht. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im Spielaufbau waren sie zum Beispiel immer öfter in der Lage, Dynamos Pressing durch eine tiefe Positionierung der eigenen Sechser ins Leere laufen zu lassen.

    Paderborns Spielaufbau gegen Dynamos Pressing – tiefer 6er bringt Überzahl; Dynamos 8er trauen sich nicht hochzuschieben, da hinten sonst keine Überzahl mehr.

    Genauso agierten sie nach dem 0:3 bis zum Spielende einfach sehr clever. Nachdem zu Beginn des Spiels viele Umschaltaktionen auf beiden Seiten für Gefahr sorgten (und am Ende zum 0:3 führten), bekamen sie immer mehr Kontrolle in ihr Spiel. Situativ zogen sie sich zurück, wenn Dynamo den Ball hatte, was ihnen mehr Zugriff im Zentrum und Absicherung der Tiefenläufe durch die Stürmer der SGD bot. Durch die zwei hoch positionierten, „zockenden“ Stürmer war dabei auch noch gleichzeitig die Kontergefahr stets präsent. Mit Ball überspielten sie Dynamos Pressing entweder mit langen Bällen (meist auch direkt hinter die Kette, wo Sollbauer gegen Michel zum Beispiel einen signifikanten Temponachteil hatte) oder waren in der Lage, durch tiefe 6er (s. oben) und Außenverteidiger Dynamo anzulocken, trotzdem in Überzahl auszuspielen und dann mit Tempo und Vertikalität zu überrumpeln.

    Dagegen half natürlich nach den Gegentoren auch nicht, dass Dynamo nicht in der Lage war, die eigene Intensität gegen den Ball und den eigenen Mut mit Ball aufrechtzuerhalten. Über die Gründe dafür lässt sich spekulieren, sicherlich spielten dabei jedoch sowohl mentale als auch physische Aspekte eine Rolle. Schmidt brachte zwar noch einiges an frischem Offensivpersonal, löste am Ende auch die Restverteidigung etwas auf, jedoch war man über das gesamte Spiel nicht in der Lage, zwingende Dominanz zu erzeugen. Ein paar Chancen waren da, doch der immer besser ins Spiel kommende, sehr clevere Gegner und die eigenen kleinen Unsicherheiten waren am Ende der Grund, warum das Spiel 0:3 blieb.

    Fazit

    Trotzdem war das meines Erachtens eher ein gutes als ein schlechtes Spiel. Es waren ähnlich starke Ansätze wie in den siegreichen Wochen zuvor zu erkennen. Und wenn man in den ersten 30 Minuten vielleicht etwas mehr Glück hat, kann das Spiel auch in eine ganz andere Richtung kippen.

    SGD – FCH: 1:2

    In eine spielerisch deutlich schwächere Phasen kommt Dynamo erst mit dem Spiel in Heidenheim. Jene, die sich darüber noch einmal im Detail informieren wollen, verweise ich auf die zugehörige Podcastfolge des #SGD1953-Podcast. 

    Dynamos Probleme

    Im Großen und Ganzen lassen sich Dynamos Probleme in diesem Spiel jedoch wie folgt zusammenfassen: ein falscher Matchplan, ein extrem abgezockter Gegner und eine unerklärliche Phase der Passivität zum Ende des Spiels.

    Wer sich an das Spiel erinnert, hat vielleicht noch das frühe Tor der Heidenheimer im Kopf. Das kommt vor allem zustande, weil Dynamo zum ersten Mal in der Saison in einen 3412 beginnt. Man merkt in den ersten Minuten, dass die gesamttaktischen Abläufe nicht so rund laufen wie in den Wochen zuvor. Mit Ball fehlt die Präzision, Akoto als linker Außenverteidiger limitiert zudem die offensiven Umschaltbewegungen. Ohne Ball ist das Gegenpressing durch den fehlenden Mann im Zentrum nicht mehr so griffig und effektiv.

    Deswegen stellt Schmidt dann auch schnell wieder auf die gewohnte Rautengrundordnung um. Das bringt sichtlich Stabilität, gerade weil man im Zentrum mehr Zugriff gewinnt und so unter anderem mehr zweite Bälle gewinnen kann. Auch mit Ball sind einige gute Steil-Klatsch-Ansätze zu erkennen, viel Gefahr kann man jedoch nicht erzeugen. 

    Vergleich – Kampf um zweite Bälle – 3412 bringt zentrale Unterzahl.
    Vergleich – Kampf um den zweiten Ball – Raute bringt zentrale Gleichzahl.

    Das liegt wiederum an einem Gegner, der wirklich ausgesprochen clever und komplett agiert. Heidenheim verteidigt mannschaftlich diszipliniert und kompakt und schaltet über Mohr, Kleindienst, Kühlwetter und Malone mit viel Tempo und smarten Laufwegen gefährlich um. Mit Ball überspielen sie Dynamos Angriffspressing und kommen dann im Kampf um den zweiten Ball und im Gegenpressing über ihre brutale Intensität.

    Trotzdem kommt Dynamo noch einmal zurück. Schmidt bringt mit Hosiner einen zusätzlichen Kreativspieler auf den Platz und wechselt mit Vlachodimos zudem eine dynamische Option für Breite und Tiefe ein. Durch die Umstellungen des Trainerteams bekommt die SGD zu Beginn der zweiten Hälfte mehr Zugriff im Pressing und wird zudem präziser im Umschaltspiel. Mit der individuellen Qualität der Angreifer entstehen so einige gute Chancen und am Ende dann auch das 1:1.

    Sehr überraschend wird für mich dann nur das Ende des Spiels. Dynamos Team wird in den letzten 20 Minuten ungewohnt passiv, zieht sich bis an den eigenen Strafraum zurück und schafft keine Entlastung – eigentlich untypisch für Schmidt-Teams, der immer Aktivität als eines der bedeutendsten Prinzipien in den Vordergrund stellt. So rutscht dann am Ende doch noch das 1:2 durch. Vielleicht spielten dabei wieder mentale Aspekte eine Rolle? Ich mag es eigentlich nicht, solche Fragen zu stellen. Für uns Außenstehende ist es müßig, über solche Gründe zu spekulieren. Wir können nur das beschreiben, was taktisch auf dem Platz passiert, für die Hintergründe haben wir zu wenig Einblick. Doch vorstellen könnte ich mir es allemal, mir würde keine andere Erklärung für dieses passive Verhalten einfallen.

    Fazit

    Unabhängig davon verliert Dynamo das Spiel gegen Heidenheim genau aufgrund dieser drei Probleme. Insgesamt war man nicht so extrem unterlegen, gerade nach den wichtigen, richtigen und bemerkenswerten In-Game-Umstellungen des Trainerteams. Am Ende deutete es sich in dieser Partie aber schon an, wo Dynamo noch Verbesserungspotenzial hat: im Ballbesitzspiel.

    SGD – SVD: 0:1

    Genau das war nämlich das große Problem im Spiel gegen Darmstadt, was wir ebenfalls schon einmal ausführlich im #SGD1953-Podcast besprochen haben. Mit der frühen roten Karte und dem Freistoßgegentor durch Kempe entsteht ein Spielverhältnis, was Dynamo strategisch am wenigsten liegt. Darmstadt zieht sich in ein sehr kompaktes Mittelfeldpressing zurück, überlässt Dynamo den Ball und versucht trotzdem immer wieder mit den kompletten und sehr gefährlichen Stürmern Tietz, Honsak und Pfeiffer zu kontern. 

    Nun war Dynamo gefordert, sich Chancen herauszuspielen, war aber nicht in der Lage, den Gegner herauszulocken, um so in die provozierten Chaossituationen zu kommen und daraufhin die Tiefe zu attackieren. Nach anfänglichen Unsicherheiten erkannte man sogar eine 3142-artige Struktur bei der SGD, die das Zentrum für Kombinationen überladen sollte. Für eine kurze Phase hatte man im Rahmen dessen auch einige spannende Steil-Klatsch-Kombinationen dabei. Im Großen und Ganzen wurde aber deutlich, dass Dynamo im kontrollierten Ballbesitz noch die klaren Abläufe fehlen. Dazu kam, dass das Tempo im eigenen Spiel (was meist mit dem Mut korreliert) komplett fehlte. So konnte man sich nur wenige klare Chancen erspielen; zunächst war es schwer, ins letzte Drittel zu kommen, und wenn mal dort war, war man nur in der Lage ungefährliche Durchbrüche auf dem Flügel zu erzeugen, von wo Flanken in der nur unzureichend besetzten Box wenig Gefahr erzeugten.

    Dynamos Ballbesitz im 3142 – zu wenig Spiel in den Block, da dort wenig Anbindung; vielmehr Flügeldurchbrüche, jedoch kein Ertrag.

    Fazit

    In diesem Spiel hat Dynamo gemäß der typischen taktischen Herangehensweise eigentlich nicht viel falsch gemacht. Man kam einfach gegen einen sehr gut eingestellten Gegner in eine sehr unglückliche strategische Ausgangslage, die die noch bestehenden eigenen Schwächen gnadenlos aufdeckte und die eigenen Stärken überhaupt nicht zur Geltung kommen ließ. Somit war das am Ende auf jeden Fall eine verdiente Niederlage (übrigens genauso wie gegen Pauli zwei Wochen später), jedoch keine, die mir persönlich Sorgen bezüglich der Gesamtentwicklung machte.

    Gesamtfazit

    Was nehmen wir nun aus dieser so ernüchternd wirkenden Niederlagenserie mit? Da muss man an dem letzten Satz des vorherigen Abschnitts anknüpfen. Auch wenn es sich auf den ersten Blick anders angefühlt haben dürfte: Hinter allen drei Niederlagen stecken verschiedene Gründe. Gegen Paderborn macht Dynamo eigentlich ein ausgesprochen gutes Spiel, man sieht, wie Schmidt-Fußball komplett sein kann, am Ende hat man aber schlicht absurd viel Pech. Gegen Heidenheim startet Dynamo mit einem falschen Matchplan und wirkt insgesamt etwas verunsicherter als zuvor, kommt aber zwischendurch trotzdem wieder auf eine stabile Basis. Gegen Darmstadt sah man sehr schwach aus, doch das lag primär an dem unglücklichen Spielverlauf.

    Ich glaube, all das kann mal passieren. Denn eine Gemeinsamkeit dieser drei Spiele darf man nicht vergessen: Das waren jeweils absolute Topgegner, gut eingestellt, strategisch komplett und taktisch clever. Da können kleine Unsicherheiten und Ungenauigkeiten schnell zur Niederlage führen. Deswegen mache ich mir jedoch keine großen Sorgen um die mittelfristige Gesamtentwicklung des Teams. Mit etwas mehr Glück hätten wir auch zwei der drei Spiele gewinnen können (sehr optimistisch gesprochen). Das einzige wirklich langfristig bedeutende Problem, das in diesen Partien deutlich wurde, sind Dynamos Limitierungen im Ballbesitz. Doch hier mache ich dann wieder die zwei Perspektiven auf, die wir schon von den anderen Texten kennen: Dass das Problem besteht, steht außer Frage. Doch dass man als Aufsteiger noch nicht komplett ist, ist normal. Für diese Saison kommen genug zu uns passende Gegner, dass wir die nötigen Punkte holen werden. Langfristig muss die Entwicklung aber genau in diese Richtung gehen. Die Basis und die Ansätze sind dafür aber schon jetzt zu erkennen. Und das macht mich optimistisch.

  • FC Sankt Pauli – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    FC Sankt Pauli – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Dynamo verliert am Sonntagnachmittag deutlich und absolut verdient gegen eine der wohl stärksten Mannschaften der aktuellen zweiten Liga. Wie das zustande gekommen ist, erfahrt ihr hier.

    Der Gegner

    Der FC Sankt Pauli hat sich in den letzten Monaten und Jahren zu einem Team entwickelt, das sowohl individual- als auch auch gesamttaktisch sehr souverän, abgezockt und eingespielt erscheint. Sie verfolgen einen klaren strategisch-taktischen Plan und setzten diesen im Spiel gegen die SGD auch weitestgehend gut um.

    Nominell agierte Pauli wie Dynamo aus einer engen 4Raute2-Grundordnung heraus. Zu Beginn liefen sie die Dresdner in einem rautentypischen Angriffspressing an. Sie wollten so mit brutaler Intensität hohe Ballgewinne und vielversprechende Umschaltaktionen erzeugen.

    Angriffspressing St. Pauli – zur Seite lenken, weiträumige 8er, enge AV.

    Das 1:0 und weitere Chancen

    Gegen Dynamo, die ihr klassisches Spiel unter Schmidt auch dieses Mal durchzogen (das muss ich glaube nicht nochmal näher ausführen, schaut bei Bedarf sonst gern nochmal in andere Blogbeiträge. Stichworte: Raute, Pressingfokus, Konter, Limitierungen im Ballbesitz), war das schon nach knapp 55 Sekunden erfolgreich. Die SGD, die schon von Haus keine primäre Ballbesitzmannschaft ist und sich gerade im Aufbau sehr häufig auf die Flügel drängen lässt, wurde auf die linke Seite gelenkt, verlor dort den Ball und musste dann nach den smarten Anschlussaktionen der Hamburger Stürmer das 1:0 durch Buchtmann hinnehmen. 

    Angriffspressing St. Pauli – Ballgewinn vorm 1:0.

    In den darauffolgenden Minuten verlief sich das Spiel ähnlich weiter, indem Pauli hoch zuschob, Dynamo so dominierte und einige gefährliche Chancen herausspielen konnte (auch wenn sie dabei noch mehr hätten rausholen können). Grund dafür war, dass der heutige Gegner der SGD nicht nur im Pressing stark agierte, sondern auch klare Ideen und Abläufe im Aufbau-, Übergangs- und Chancenerarbeitungsspiel erkennen ließ.

    Aus der Rautenformation heraus agierte Sankt Pauli grundsätzlich bemerkenswert flexibel und dynamisch. Die Spieler gingen große Wege und wechselten häufig die Raumbesetzung, wie folgende Grafik grob zusammenfassen soll.

    Grundausrichtung St. Pauli.

    Insgesamt waren sie so häufig in der Lage, Dynamos Pressing zu umspielen. Zunächst ist als Grund davor die individuelle Klasse der einzelnen Akteure hervorzuheben, die es immer wieder schafften, enge Situationen über kluge Körperfinten, Dribblings und Kombinationen aufzulösen.

    Zudem agierte Pauli im tiefen Aufbau sehr flexibel. Meist fiel ein nomineller Achter weit zurück, um sich der engen Deckung Dynamos zu entziehen, in tiefen Zonen Überzahl zu schaffen und die SGD so ins Leere laufen zu lassen. Auch die diagonalen Dribblings in Richtung Zentrum, die beide Außenverteidiger einige Male anboten, halfen dabei. Und sollte der flache Aufbau nicht gelingen, war der lange Ball auf Burgstaller, der mit den restlichen drei Angreifern (auch Achter, der die Tiefe attackiert) eng gestaffelt war und so gut zweite Bälle gewinnen konnte, eine Option.

    Angriffspressing SGD – tiefer Achter und smarte AV als Schlüssel für St. Pauli.

    In höheren Zonen gelang es Pauli genauso, durch Dynamik und schlaue Kombinationen Gefahr zu erzeugen. Auf der rechten Seite drückte Irvine durch seine hohe Positionierung Dynamos Mörschel weit zurück, in den geöffneten Raum konnte Rechtsverteidiger einige Male diagonal eindribbeln und so die Ordnung weiter durcheinander zu bringen oder direkt Steil-Klatsch-Kombinationen starten. Stets war in diesen Kombination viel Diagonalität dabei, was in Verbindung mit dem dynamischen Freilauf- und Positionsverhalten gut Dynamos Mannorientierungen im Zentrum auseinanderspielte und Linksverteidiger Paqarada, Kyereh oder Hartel auf der ballfernen Seite in vielversprechende offene Räume schickte. 

    Ballbesitzspiel St. Pauli – beispielhafte Kombination, Prinzip der Diagonalität und Steil-Klatsch hier ersichtlich.

    Stabilisation, aber nicht mehr

    Nach den Anfangsminuten gelang es Dynamo phasenweise besser, zumindest die eigene Defensive zu stabilisieren. Einerseits nahm Pauli situativ die Intensität heraus, andererseits stellte Trainer Schmidt zwischendurch auf eine 541/451-Grundordnung in einem etwas passiveren Mittelfeldpressing um. Das half, der gegnerischen Dynamik, Flexibilität, Diagonalität und dadurch entstehenden räumlichen Gleich- bzw. Überzahl zu kontern, weil man so durch eine klarere Zuordnung bessere Raumkontrolle erlangte. Nichtsdestotrotz waren es genau diese Prinzipien, die Pauli auch weiterhin immer mal wieder gefährlich werden ließen.

    Im Vergleich zur SGD waren jene auch der deutlichste Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften. Dynamo bekam im Laufe des Spiels immer mal wieder etwas mehr und ruhigeren Ballbesitz. Im Gegensatz zu den Hamburgern zeigten sie jedoch wenig klare und erfolgversprechende offensive Abläufe. Viel zu oft (aber typisch für Dynamo) ließ man sich auf die Seite lenken, spielte die Linie entlang und wurde dabei schnell zugeschoben. Im letzten Drittel blieben häufig wie gewohnt nur Halbfeldflanken der Außenverteidiger, deren Gefahr durch die heutige ungewöhnlich maue Boxbesetzung aber noch weiter verringert wurde.

    Ballbesitzspiel SGD – Typischer Longline-Ball.

    Halbzeit Zwei 

    In der zweiten Hälfte setzte das Spiel genauso dort an, wo es in Hälfte Eins aufgehört hatte. Defensiv stand man insgesamt etwas stabiler, auch wenn das vermutlich mehr am Gegner als an einem selbst lag. Offensiv bekam man nun zwar etwas mehr vom Ball, doch auch ein etwas tiefer stehendes Pauli agierte äußerst souverän: defensiv sicher, auch mit Ball ab und an eine kontrollierte Ballbesitzphase einstreuend und offensiv eiskalt nach gegnerischen Fehlern.

    Fazit und Einordnung

    Insgesamt war die SGD dem Gegner im heutigen Spiel somit komplett unterlegen und verliert damit verdient. Pauli als eingespielte Topmannschaft war, wie auch schon u. a. Darmstadt und Paderborn, ein Team, das zu stark war für Dynamo. Es zeigte erfolgreich auf, wie Rautenfußball aussehen kann, der alle Spielphasen abdeckt. Sankt Pauli war mit der brutalen Intensität, smartem Umschalten, allgemeiner Cleverness und echt vielversprechenden Ballbesitzmustern schlicht kompletter als die Dresdner.

    Die haben im Rahmen ihrer Spielidee eigentlich gar nicht so viel falsch gemacht. Es sind schlicht die strukturellen Schwächen, die stark ins Gewicht fallen. Gegen einen solchen Topgegner stoßen wir mit unserer aktuellen strategisch-taktischen Herangehensweise einfach an unsere Grenzen. Das ist sicher frustrierend, im Gesamtkontext gesehen jedoch überhaupt nicht schlimm. Als Aufsteiger ist Dynamo kein komplettes Topteam, das ist normal und kurz- bzw. mittelfristig auch in Ordnung. Wo es langfristig aber hingehen sollte, wohin sich unser Fußball in Zukunft entwickeln sollte, wurde uns heute durch den FC Sankt Pauli jedoch eindrucksvoll demonstriert.

    (Eigentlich möchte ich mich nicht immer wiederholen, doch gerade diese Gesamteinordnung halte ich für entscheidend. Nur so wird die Spielbetrachtung rund. Wer das noch konkreter erklärt haben möchte, hört gern in die morgige Folge des #SGD1953-Podcast rein. Nächstes Wochenende folgt dann nochmal ein detaillierter Bericht zu den drei verpassten Spielen der letzten Wochen, wobei das Thema Ballbesitz nochmal intensiver aufgegriffen werden wird. Denn: Genau aufgrund dieser strategische Schwächen haben wir auch gegen Paderborn, Heidenheim und Darmstadt verloren.)

  • SG Dynamo Dresden – SV Werder Bremen: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – SV Werder Bremen: Spielanalyse

    Dynamo gewinnt überraschend deutlich gegen den SV Werder Bremen. Wie das zustande gekommen ist, zeigt eine genauere Betrachtung des Spiels am Sonntagnachmittag.

    Anfangs Werder

    Dynamo stand dieses Wochenende ein erwartungsgemäß spielstarker Gegner gegenüber. Typisch für Trainer Anfang agierte Werder in einer 4141-Grundordnung und mit hohem strategischen Fokus auf den Ballbesitz. Grob zusammengefasst kann man sagen, dass Bremens Ziel dabei ist, das Spiel kontrolliert und dominant über die eng und tief positionierte Viererkette und den Ankersechser aufzubauen, um daraufhin zu den sehr hoch und breit positionierten Angreifern zu gelangen. Diese ziehen die gegnerische Kette auseinander und schaffen so Raum für einander, sodass bei Anfang-Teams zum Beispiel die hohen Halbräume als Ziel derlei Aufbaukombinationen zu beobachten sind. Von dort aus sollen dann die häufig angebotenen, dynamischen und gefährlichen Tiefenläufe der drei Stürmer mit Steckpässen bespielt werden.

    Dynamos gut vorbereiteter Pressingplan

    Häufig schaffen es solche Teams, den Gegner zu dominieren und genügend Chancen zu kreieren. Für Dynamo galt es also zunächst, einen sinnvollen Pressingplan zu finden, um diesem zu kontern – und das hat Trainer Schmidt definitiv geschafft.

    Aus dem schon bekannten 433-/ 4Raute2-System lief Dynamo Werder zu Beginn im Angriffspressing (später auch etwas tiefer, aber grundsätzlich ähnlich) hoch an. Daferner nahm dabei den im Werder-Aufbau so wichtigen Ankersechser mit Mannorientierung aus dem Spiel, während die Flügel Schröter und RYK durch ihre enge Positionierung und bogenförmiges Anlaufen den Gegner nach außen zu lenken versuchten. 

    Der provozierte Pass auf den Außenverteidiger wurde dann sofort durch Dynamos Achter attackiert, währenddessen die gesamte Mannschaft wiederum sehr aggressiv auf die ballnahe Seite verschob und so den Raum für Werder verknappten und deren Anspielstationen schlossen. 

    Dynamos Pressing #1 – Lenken nach außen.
    Dynamos Pressing #2 – extremes Verschieben, AV nach vorn.

    Dabei mussten vor allem Dynamos Außenverteidiger (meist auf gegnerischen Achter) und Innenverteidiger (nachschieben auf gegnerischen Flügel) große und durchaus nicht risikolose Wege gehen, insgesamt agierte man in diesem Pressing jedoch sehr mutig, aggressiv und dadurch auch sehr erfolgreich.

    Halbzeit 1

    So wurden zahlreiche Bremer Offensivbemühungen schon im Keim erstickt, indem Dynamo ungenaue Bälle provozierte und gerade in den Halbräumen einige vielversprechende hohe Ballgewinne erzielen konnte. Bremen spielte aufgrund des hohen Pressings gerade zu Beginn durchaus auch einmal einige lange Bälle auf die Tiefenläufe der Stürmer – das bekam Dynamo teils nicht komplett souverän verteidigt, es war aber ebenso nicht super gefährlich. Ähnliches gilt für einige Umschaltsituationen in Hälfte 1.

    Negativer hervorzuheben ist aus Dresdner Perspektive dagegen das Spiel mit Ball. In Ballbesitz war man gewohnt limitiert, spielte viele Longline-Bälle. Doch auch in Umschaltaktionen agierte man extrem ungenau, was einige potenziell gefährliche Konter verhinderte. (Auch wenn gerade in dieser Hinsicht die personellen Probleme einen großen Einfluss hatten. Will als undynamischer linksseitiger Sechser auf der rechten Achterposition und Schröter in vorderster Front, der eigentlich am liebsten die Breite gibt, hatten zum Beispiel einige individuelle Probleme.) Klar, dass Dynamo kein Ballbesitzteam ist, ist offensichtlich. Das ist auch okay. Wie schon seit Wochen immer mal wieder erwähnt, muss man sich dahingehend aber noch deutlich weiterentwickeln, wenn man an langfristigen Erfolg denkt. 

    Aber zurück: Gegen Bremen kamen diese Schwächen weniger zur Geltung als beispielsweise in den letzten Wochen gegen tief stehende Kontrahenten. Dynamo konnte sich auf die eigenen Stärken konzentrieren und war mit dem oben beschriebenen Pressingplan in der Lage, Bremen zu kontern. Nach einer gut ausgespielten (und schwierig verteidigten) Umschaltaktion erzielte man ja dann schließlich das 1:0.

    Halbzeit 2

    In der zweiten Hälfte änderte sich nicht viel an der Herangehensweise beider Teams. Wie im Laufe der ersten Halbzeit schon eingetreten, lief Dynamo nun etwas tiefer an, blieb strukturell aber bis ungefähr zur 70. Minute bei dem Anfangsplan. Nur um später dann die Breite noch besser zu kontrollieren, zog man im Laufe der Spielzeit nochmal beide Flügel in ein 451 zurück. 

    Dynamos Pressing #3 – tieferes 451.

    In beiden Phasen verteidigte, verschob und duellierte sich Dynamo jedoch ausgesprochen diszipliniert. Auch die normalerweise als eher offensiv- als defensivdenkenden Mörschel und Königsdörffer fielen dabei positiv auf. Insgesamt schaffte man es, gerade das Zentrum und die zuvor angesprochenen Halbräume zu schließen und gleichzeitig die Tiefe zu kontrollieren, was Bremen das Offensivspiel deutlich erschwerte und nur wenige Chancen zuließ. Dabei waren ab und an mal einige Unsicherheiten in Dynamos Defensive dabei (zum Beispiel wenn situativ ein Bremer AV noch deutlicher mit hoch schob als schon zuvor und so die Zuordnung im Pressing situativ nicht mehr stimmte), spätestens in der Endverteidigung der Box agierte man jedoch meist ziemlich souverän. 

    Gepaart wurde das schließlich mit einer höheren Genauigkeit und besseren Entscheidungsfindung im Umschaltspiel (siehe besonders das 2:0; wenn ich es schaffe, schreibe ich da noch einmal explizit was dazu), was Dynamo die beiden Kontertore und damit am Ende den Sieg bescherte.

    Fazit

    Dieser Sieg fällt am Ende meiner Meinung nach etwas zu hoch aus, denn so viele Chancen konnte sich Dynamo nicht erspielen (das Spiel kann mit Pech auch 0:1 ausgehen; an der Chancenerarbeitung muss man arbeiten). Insgesamt gewinnt man jedoch trotzdem verdient, da man gegen individuell eigentlich stärkere Bremer eine gute Antwort auf deren normalerweise gefährliche Spielweise geben kann. 

    Grundsätzlich hat Dynamo wieder den typischen Schmidt-Fußball gespielt, ist dieses Mal jedoch auf einen Gegner getroffen, der einem durch seinen Dominanzanspruch und Ballbesitzfokus strategisch deutlich besser liegt. Genau das ist die Art von Spielen, aufgrund derer ich für Dynamo gute Chancen in dieser Saison sehe und auch der Überzeugung bin, dass eine solide Runde möglich ist.

    Langfristig gilt es jedoch natürlich trotzdem, dass man sein taktisches Profil komplettieren sollte. Auch gegen Bremen war nicht alles besonders gut. Den Ballbesitz sollte man für langfristigen Erfolg im Auge behalten.

    (P.S.: In der kommenden Länderspielpause holen wir die Analysen der zuletzt verpassten Spiele nach, da wird der Ballbesitz nochmal ein größeres Thema.) 

  • FC Hansa Rostock – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    FC Hansa Rostock – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Dynamos bester Zweitligastart der Geschichte geht nun auch an diesem Wochenende positiv weiter. Im Derby gegen Hansa Rostock stimmt das Ergebnis absolut, das Spiel war jedoch eher nicht so überzeugend wie bisher. Hier erkläre ich, warum ich das so sehe. 

    Aufstellungen und Strategie

    Dynamo ging das Spiel am Samstagabend genauso an wie in den Wochen zuvor. Warum auch etwas ändern, wenn es bisher so gut lief. Aus der typischen Rautenformation heraus agierte man strukturell und strategisch wie immer: hohes Pressing, brutale Intensität und Fokus auf Umschaltspiel.

    Im Gegensatz zu den bisherigen Spielen traf die SGD dieses Mal aber auf einen Gegner, der das Spiel ebenfalls primär mit riesiger Intensität zu prägen versucht. Aus einem 4231 heraus agierte Rostock strukturell flexibel, presste hoch und intensiv, versuchte genau wie Dynamo schnell umzuschalten und so Gefahr zu kreieren.

    Emotionale Anfangsphase

    Damit musste sich die SGD nun auf eine ganz andere Spielanlage einlassen. Bisher traf man auf Gegner, die tendenziell eher weniger damit klar kamen, dass Dynamo in allen Spielphasen und Situation durch ihre Intensität und risikoreiches Spiel großes Chaos erzeugen will. Nun kam mit Rostock ein Gegner, der selbst ähnlich agiert und grundsätzlich deutlich weniger Probleme mit einem solchen Stil des Kontrahenten hat.

    Verbunden mit der besonderen Stimmung auf den Rängen entstand so eine sehr emotionale Anfangsphase. Gerade in den ersten 10min bestand das Spiel fast nur aus riesiger Intensität, direkten Zweikämpfen, langen Bällen und Unterbrechungen. Viel Kampf, wenig Präzision und Kontrolle. Beispielhaft war dafür das Tor zum 1:0 für Dynamo, das aus einer chaotischen Situation mit fünf Kopfballduellen hintereinander und einem minimalen Stellungsfehler der Rostocker Innenverteidiger resultierte.

    Dynamos Plan 

    Erst nach einigen Minuten beruhigte sich das Spiel etwas, sodass die Pläne und Strukturen beider Mannschaften einiger Maßen sichtbar wurden. Dynamo agierte auch im Detail ähnlich wie in den Wochen zuvor. Auf das Spiel mit Ball wurde wenig Wert gelegt. Positioniert im engen 433 war kontrollierter flacher Aufbau von hinten schwierig. Vielmehr versuchte man, durch die enge Positionierung der Stürmer eine gute Struktur für lange und zweite Bälle zu schaffen. 

    Baute Rostock tief auf (Abstoß), lief Dresden im Angriffspressing hoch an und lenkte den Gegner durch bogenförmiges Anlaufen nach außen, um hohe Ballgewinne zu erzielen oder lange Bälle zu erzwingen. Teils stand Dynamo auch in einem etwas tieferen Pressing. Dabei versuchte man aus der Rautenformation heraus, die Rostocker nach innen zu lenken, um dort dann mit der engen Raute im Zentrum Bälle abzufangen oder die direkten Zweikämpfe zu gewinnen. Hätte das geklappt, wären schnelle direkte Konter über die drei Angreifer möglich und gefährlich gewesen.

    Erste Strukturen und Vorteil Rostocks

    In HZ1 hat dieses Pressing aber nicht geklappt. Dynamos Spieler kamen nicht so intensiv in die Zweikämpfe wie sonst. Woran lag das?

    Rostock war im Spiel mit Ball gut auf die Dresdner eingestellt. Mit viel Personal in hohen Zonen (ballnaher Achter schiebt in die letzte Linie) spielten sie zunächst einige Male gute lange Bälle, mit denen sie schnelle Spieler wie Mamba in die Tiefe schicken oder ebenfalls chaotische Situationen um den zweiten Ball kreieren konnten. Für Ersteres ist das Gegentor durch Mamba ein gutes Beispiel.

    Dynamos Pressing und Rostocks lange Bälle – Systematik

    Abseits davon konnte man erkennen, dass sie häufig auch durchaus flach und dynamisch kombinieren wollten – und gerade dann wurde es gefährlich. In einer 433-artigen Struktur blieben die 4er-Kette und das Mittelfeld tief. Die Achter positionierten sich nahe den Außenverteidigern sehr breit und überluden so die Flügel. Ähnlich wie gegen den HSV bereitete das Dynamo Probleme, da die Anlaufwege für die Raute sehr weit waren, direkte Zweikämpfe teils nicht möglich waren und leicht Lücken beim Ver- und Durchschieben entstehen konnten. So war es Rostock einige Male möglich, sich über die Flügel in den Halbraum zu kombinieren und von dort in die Tiefe zu kommen. 

    Rostocks Ballbesitz – Überladungen des Flügels

    Dynamos Anpassungen und Konter

    Die dadurch entstehende Rostocker Dominanz führte zu einer Umstellung Schmidts, die wir auch schon im letzten Spiel gegen Hannover beobachten konnten. Ungefähr ab Minute 35 presste Dynamo nun aus einer 451-Struktur heraus, um die vorher freien Räume neben der Raute besser kontrollieren zu können. 

    Dynamos angepasstes Pressing im 451

    Damit wurden jedoch die Möglichkeiten mit Ball für die SGD noch kleiner. Mit nur einem Stürmer und Flügeln, die ihre Gegenspieler bis weit in die eigene Hälfte verfolgen mussten, fehlte für erfolgreiches Konterspiel das Personal, welches direkt die Tiefe attackieren konnte. Mörschel als alleinige Spitze wirkte trotz ordentlichen Ablagen mit dem Rücken zum Tor etwas isoliert. 

    Gegentor durch Mamba

    Dieses Pressing brachte noch ein weiteres Problem mit sich. Man bekam zwar mehr Zugriff auf den Flügeln, doch wenn Rostock wiederum zu den klugen langen Bällen griff, hatte man weiterhin Probleme. Denn gerade mit den etwas weniger defensiv denkenden Mörschel an vorderster Front und Königsdörffer im rechten Mittelfeld verfiel Dynamo einige Male in gefährliche Passivität. Gepaart mit individuellen Stellungsfehlern zeigt das beispielsweise das Gegentor durch Mamba. Schauen wir uns das genauer an:

    Die Situation startet mit Dynamo im 451-Mittelfeldpressing und Rostock in ihrer 433-Struktur für lange Bälle auf Verhoek. Dafür stehen beide Achter eng und hoch in den Halbräumen. Währenddessen ziehen die breiten Flügel Schumacher und Mamba Dynamos Block in die Breite. Auf der linken Seite deckt das Kade durch seine tiefe und breite Positionierung gut ab, auf der anderen Seite steht Königsdörffer jedoch leicht zu hoch und zu zentral. Nun hat Sechser Behrens sehr viel Zeit am Ball, um den langen Ball vorzubereiten. Mörschel hätte dabei mehr Druck erzeugen können und müssen – denn so kann der Flugball genau und präzise gespielt werden.

    Genau das macht Behrens mit seinem Chipball auf die linke Seite zu Schumacher. Akoto erkennt das und agiert zunächst sehr klug: er versucht den Rostocker direkt unter Druck zu setzen. 

    Nach dessen Ballannahme setzt er sich aber wieder etwas nach hinten ab, was Schumacher zu viel Zeit am Ball gibt. Die Gründe für diese Entscheidung lassen sich nur vermuten. Ich könnte mir zum Beispiel denken, dass Akoto als gelernter Innenverteidiger in solchen klassischen Außenverteidigersituationen vielleicht manchmal noch tendenziell eher zentrumslastiger entscheidet. Zudem könnte er vielleicht auch durch den hohen Achter Bahn beeinflusst worden sein. Da sowohl Königsdörffer als auch Schröter noch sehr hoch stehen (zu hoch? schon zu Beginn standen die beiden Linien ziemlich weit auseinander…) hat dieser viel Raum und keinen Gegenspieler. So hätte er beispielsweise sofort im Halbraum angespielt werden können. Doch auch wenn er hier die Tiefe zwischen Akoto und Sollbauer attackiert, kann er gefährlich werden. Ich vermute, dass diese smarte Bewegung Akoto deswegen wieder etwas zurückdrängte.

    Doch in dieser Zeit schob schon Sollbauer nach, um den potenziellen Raum für den Achter zu schließen. Dadurch entstand in der Box eine 3v3-Situation – sehr gute Voraussetzungen für eine Flanke. Zwar verteidigt Dynamo weitestgehend nah am Mann, doch weil Stark zu weit weg ist , müssen Mai und Löwe die ersten beiden Optionen aufnehmen. So bleibt in deren Rücken Mamba frei, den Schumacher mit einer stark gespielten Flanke erreicht.

    Insgesamt waren es bei Dynamo viele kleine Fehler, nicht nur der von Akoto, die am Ende das Gegentor bedingen. Auf der anderen Seite muss man aber auch anerkennen, dass bei Rostock sowohl technisch als auch hinsichtlich der Lauf- und Passwege wirklich alles gestimmt hat. Gerade Bahn, der Akoto und Sollbauer verunsicherte, war in dieser Szene sehr wertvoll.

    Passende Anpassungen in der Halbzeit und erfolgreiche zweite Hälfte

    In der Halbzeit war es daher nun an Schmidt, die Rostocker Dominanz durch einige kleine Umstellungen zu durchbrechen. Das schaffte Dynamo vor allem durch kleine Anpassungen des Pressings und personelle Wechsel.

    Zunächst wurde erkennbar, dass Dynamo konstanter deutlich höher anlief, um die Probleme im tieferen Pressing zu übergehen. Im Angriffspressing spielte die Zentrumsraute nun zudem deutlich breiter und mannorientierter, um den Flügelüberladungen zu kontern. Denn das 451 war aufgrund der fehlenden Kontermöglichkeiten und dem Unentschieden nicht mehr die beste Option. Durch das höhere und intensivere Pressing und einer zunehmend wachsenden Müdigkeit und Ungenauigkeit des Gegners gelang es Dynamo im Laufe der Zeit, immer mehr Ballgewinne (hoch oder nach zweiten Bällen) zu erzeugen. 

    Das darauf folgende direkte Umschalten wurde zudem durch die eingewechselten Vlachodimos und Hosiner positiv geprägt. Vlachodimos mit seiner Qualität bei Tiefenläufen und 1v1-Situationen konnte einige Male Durchbrüche erzeugen. Hosiner konnte außerdem von der Zehn aus durch seine Spielintelligenz und Kombinationsstärke auffallen, zudem wurde mit ihm auch die Boxbesetzung und Torgefahr am Ende der Dresdner Angriffe erhöht.

    Fazit

    So schießt Dynamo auch noch zwei weitere Tore und gewinnt damit (nach einer Phase mit stark ausgeführtem tiefen Verteidigen) am Ende durchaus nicht unverdient, auch wenn das Spiel auch gut und gern in die andere Richtung hätte gehen können. Die Intensität, Mentalität und vor allem die klugen Anpassungen des Trainerteams während des Spiels haben gegen Rostock den Ausschlag gegeben. Insgesamt war das dennoch nicht so überzeugend wie sonst. Das Spiel am Samstag war auch eines, was Dynamos Schwächen bei bestimmten strategischen Verhältnissen offenlegte. Denn klappt das im Fokus stehende Pressing aufgrund des Gegners nicht, kann man durchaus große Probleme bekommen. In solchen Phasen würde es helfen, wenn man über klare Ballbesitzideen und ruhige flache Kombinationen etwas mehr Kontrolle und Dominanz erlangen könnte. Solch eine Entwicklung wird – wie ich auch schon in den letzten Wochen angemerkt habe – langfristig noch essentiell wichtig werden, um gegen jede Art von Gegner bestehen zu können.

     

  • Hannover 96 – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse 

    Hannover 96 – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse 

    Dynamo gewinnt am Wochenende gegen die Mannschaft aus Hannover das nächste Spiel unter Trainer Schmidt. Ein ordentliches, wenn auch kein überragendes Spiel. Warum die SGD dieses Mal vor allem von den gegnerischen Limitierungen profitiert, zeigen einige taktische Beobachtungen.

    Aufstellungen, Strategie und eine zerfahrene Anfangsphase

    Beide Teams gingen in dieses Spiel mit dem klaren Fokus auf das Pressing, währenddessen sie im Spiel mit Ball eher einfache Lösungen suchten. Dynamo agierte dabei typischerweise in der 433/4Raute2-Grundordnung und lief den Gegner über weite Strecken im Angriffspressing an, um so primär hohe Ballgewinne zu erzielen, schnell umzuschalten und zu Torchancen gelangen.

    Im Gegensatz dazu spielte Hannover auf der Grundlage eines nominellen 442 mit Weydandt und Ducksch im Sturmzentrum. Anfangs agierten auch sie mit Angriffspressing, später spielten sie etwas abwartender. Wie die SGD wollte man über direktes Umschalten gefährlich werden. Zudem verfolgte man im Spiel mit Ball zwei klare, wenn auch einseitige Ideen. Aber schauen wir uns zunächst die anfänglichen Strukturen und Abläufe konkret und grafisch an.

    Dynamos Pressing

    Baute Hannover in tiefen Zonen auf (Abstoß), lief Dynamo den Gegner extrem hoch an. Hannover streckte Dynamos Struktur durch die 4114-Grundordnung, was gerade das Absichern und Verteidigen der häufig eingesetzten langen Bälle erschwerte. Individuell stachen dabei jedoch die Innenverteidiger der SGD positiv heraus, die Weydandt und Ducksch in jenen engen Situationen weitgehend souverän wegverteidigten. 

    Spielte der Gegner dennoch kurz, lenkte Dynamo ihn durch bogenförmiges Anlaufen des ballnahen Stürmers nach außen, wo der Pass auf den Außenverteidiger direkt durch den ballnahen Achter attackiert wurde. So war die SGD, gerade in der Anfangsphase, in der Lage, direkt hohe Ballgewinne zu erzielen oder unkontrollierte Bälle zu erzwingen. 

    Dynamos Angriffspressing – Ausgangssituation.
    Dynamos Angriffspressing – Attackieren des AV-Passes.

    Insgesamt war dabei aus Dresdner Perspektive neben der Individualleistungen der 4er-Kette vor allem die brutale mannschaftstaktische Intensität positiv herauszuheben. 

    Hannovers Pressing

    Zu Beginn lief auch H96 die SGD direkt beim Spielaufbau in tiefen Zonen an. Aus einem 4231 heraus lenkte man uns auf die Seite und schob dort den Raum zu. Auch dies führte wiederum dazu, dass Dynamo im Aufbau zu vielen unkontrollierten und einfach zu pressenden Bällen gedrängt wurde (longline) und im Laufe der Zeit sichere und längere Passvarianten bevorzugte. 

    Hannovers Angriffspressing – Grundlegende Struktur.

    Aufgrund dieser strategischen Neutralisation beider Teams, entwickelte sich die Anfangsphase des Spiels vom Samstagabend zunächst in eine sehr zerfahrene Richtung. Torgefahr wurde auf beiden Seiten eher seltener kreiert. 

    Hannovers Spielaufbau

    Die ersten Ansätze dessen wurden Mitte der ersten Hälfte deutlich, als Hannover einige Male den eigenen Matchplan im Spiel mit Ball (zumindest teilweise) erfolgreich umsetzen konnte. 

    Einerseits war es Dynamo nicht stets und über die gesamte Zeit möglich, die langen und darauffolgenden zweiten Bälle auf Weydandt zu verteidigen. Im Großen und Ganzen agierte man dabei aber meist sehr aggressiv und erfolgreich, wobei einem die enge Rautenstruktur zu Gute kam.

    Andererseits – und in dieser Hinsicht von größerer Bedeutung – war Hannover bei etwas höherem Spielaufbau ab und zu mal in der Lage, im Übergang Dynamos Pressing zu überspielen (auch wenn daraus immer noch wenig Torgefahr resultierte). Plan war, durch das Räumen des Zentrums, einen hohen Flügelfokus und ruhigem Verlagern, Dynamo über lange Zeit in die (aufgrund der engen Raute anstrengenden weil weiten) Verschiebebewegungen zu zwingen, dabei auf einen Fehler zu hoffen und über diesen dann (zum Beispiel über Muslija) in den ballnahen Halbraum zu gelangen. 

    Hannovers Ballbesitzspiel – Flügelfokus, Verlagerungen, Spiel im U.

    Dynamos Umstellung auf 451

    Um diesen Flügelfokus zu kontern, ließ Dynamos Trainer Schmidt die Mannschaft beim Verteidigen in tieferen Zonen nun in 451-Strukturen agieren. Durch das Zurückziehen der Außenstürmer verkürzte man so die Anlaufwege und erhöhte zeitgleich die Kontrolle der dort in Überzahl bzw. Gleichzahl agierenden Gegner (je nach Positionierung eher durch den Deckungsschatten [anfangs] oder durch mannorientiertes Verfolgen [später]). So war man in der Lage, das so schon einseitige und (gerade aufgrund der Personalauswahl) sehr direkte Spiel der Hannoveraner weitgehend vom eigenen Strafraum fernzuhalten.

    Dynamos Mittelfeldpressing – Umstellung auf 451.

    Dynamos verbesserter Ballbesitz

    Im Laufe der ersten Halbzeit zog sich Hannover immer weiter in ein etwas passiveres Mittelfeldpressing zurück. Nun war Dynamo wiederum gefragt, im Aufbau- und Übergangsspiel mit Ball Lösungen zu finden – in den letzten Wochen eher eine weniger gut funktionierende Spielphase. Zunächst agierte man auch ähnlich wie in den letzten Wochen. Im engen 433 mit hohen Achtern waren grundsätzlich nur lange Chips auf Daferner mit folgendem Kampf um den zweiten Ball oder direktes Anspielen der Tiefenläufe in der Lage, Dynamos Spiel progressiv zu beeinflussen. Ansonsten waren die Abstände zu groß, die Achter zu leicht von den gegnerischen Sechsern zu verfolgen.

    Dynamos Ballbesitzspiel #1 – Fokus auf lange Bälle.

    Mithilfe einiger kleiner Anpassungen war man später aber immer besser in der Lage, im Übergangsspiel Durchbrüche zu erzeugen und dabei die nominelle Überzahl im Zentrum auszuspielen. Circa ab Minute 30 agierten Dynamos Achter und der ballnahe Flügel (gerade Königsdörffer) etwas breiter und tiefer. Damit zogen diese ihre mannorientierten Verfolger im Zentrum aus ihren Positionen und eröffneten dort Raum für Zehner Mörschel, der sich so häufiger fallen lassen konnte. Von dort aus waren nun einige Steil-Klatsch-Kombinationen möglich, die die Tiefenläufe der Stürmer besser bedienen konnten. 

    Dynamos Ballbesitzspiel #2 – Steil-Klatsch-Fokus.

    Spannende Rochaden im Übergang

    Währenddessen fiel mir ein sehr interessantes Detail ins Auge, das mit der Spielerauswahl im Mittelfeldzentrum zu tun hat. Seit Schröter als eigentlich sehr dynamischer und progressiver Spieler in der Breite auf der rechten engen Achterposition agiert, kommt dieser schließlich seltener in jene Situationen, in denen er seine Stärken ausspielen kann. Um diesem entgegenzuwirken, waren im Spiel gegen Hannover nun einige spannende Rochaden auf der rechten Seite erkennbar. 

    All diese Bewegungen liefen nach folgendem Prinzip ab: 1x breit, 1x hoher Halbraum, 1x tiefer Halbraum; dabei Dreiecksbildung. Im Übergangsspiel wechselten Akoto, Schröter und Königsdörffer stets genau nach diesem Plan ihre Positionen. Gerade wenn Schröter in die Breite rückte, Königsdörffer den Innenverteidiger band und Akoto als eigentlich etwas undynamischerer Innenverteidiger tief einrückte, schaffte man sich so Kombinationsstrukturen, die den Stärken dieser drei Spieler besser einband als deren nominelle Ausgangspositionen. So kam Dynamo häufiger in die Dynamik, kreierte erfolgversprechende 1v1-Situationen für Schröter und erzeugte so einige Durchbrüche in die Tiefe. (Auf der anderen Seite fehlte manchmal die zentrale Anbindung, wenn Akoto nicht weit genug einrückte.)

    Dynamos Ballbesitzstruktur – Positionsrochaden auf rechts.

    Probleme im letzten Drittel

    Nichtsdestotrotz gelang es den Dresdnern nicht, zwingende Torchancen zu kreieren. Das lag vor allem an einer gewissen Einseitigkeit während der Chancenerarbeitung im letzten Drittel. Die Durchbrüche in die Tiefe führten bei Dynamo nur zu etwas Raumgewinn auf den Flügeln. Von dort in Richtung Strafraum zu gelangen, gestaltete sich dann aber wiederum sehr schwer. Bei den dann häufig gespielten Flanken war zum einen die Strafraumbesetzung durch nachstoßende Angreifer unzureichend. Zum anderen war Hannover auch oft in der Lage, den potenziellen Flankengeber wieder schnell unter Druck zu setzen und nach außen zu drängen, sodass Dynamo den Angriff wieder abbrechen musste.

    Insgesamt hätte ich mir dabei schlicht vielfältigere Optionen gewünscht. Wie Schmidt in der Pressekonferenz meinte, hätten kurze Kombinationen statt direktem Attackieren der Tiefe den Angriffen in vielen Fällen besser getan. Mehr Zentrumsfokus, Dribblings nach innen statt nach außen und flache Cutbacks statt hohe Flanken aus der Dynamik hätten dabei meines Erachtens nach ebenso geholfen. 

    Halbzeit Zwei

    Nach der Pause merkte man schnell, dass Dynamo den eigenen Ballbesitz durch etwas mehr Ruhe und Fokus auf kleinteilige Kombinationen verbessern wollte. Doch mit dem ersten Tor durch Daferner veränderte sich die strategische Spielanlage schnell.

    Dynamo zog sich nun vermehrt in dem angesprochenen 451-Mittelfeldpressing zurück und ließ Hannover das Spiel gestalten. Trotz einiger signifikanter Wechsel in der Defensive war Dynamo so beeindruckenderweise über die gesamte restliche Spielzeit in der Lage, Hannovers Offensivbemühungen weitgehend zu kontrollieren. Einerseits blieben diese weiterhin sehr einseitig und undynamisch. Durch Wechsel und die Umstellung auf eine breite 4Raute2-Struktur veränderte sich zumindest die individuelle Gestaltung der Rollen im Detail, im Großen und Ganzen blieben jedoch Hannovers Offensivabläufe weitestgehend ähnlich.

    Auf der anderen Seite gilt es in diesem Zusammenhang aber auch, Dynamos diszipliniertes kollektives Verteidigen positiv hervorzuheben. Man schob gut durch, nach und sicherte planmäßig ab. Die Einzelduelle führte man stets sehr intensiv und aggressiv, wobei vor allem das souveräne Zweikampfverhalten der 4er-Kette herausstach.

    Fazit

    Kombiniert man das mit einer sehr aufmerksamen Verteidigung von Standardsituationen, gewinnt die SGD dieses Spiel verdient und sicher. Insgesamt war das eine sehr ordentliche Leistung der Dresdner, die vor allem durch ein konstant starkes Pressing auftrumpften. Das Spiel mit Ball war im Gegensatz dazu leider etwas ungefährlich, was jedoch gegen einen limitierten Gegner aufgrund der strategischen Spielanlage nicht von riesiger Bedeutung war. Langfristig sollte man das im Kopf behalten – kurzfristig kann man absolut zufrieden sein.

  • SG Dynamo Dresden – SC Paderborn: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – SC Paderborn: Spielanalyse

    In einem intensiven und emotionalen Pokalspiel gelingt es der SG aus Dresden, den zuvor etwas höher eingeschätzten Zweitligisten aus Paderborn zu schlagen. Nicht unverdient, wenn man den Spielverlauf betrachtet. Hier ist ein grober taktischer Bericht.

    Eine ausgeglichene erste Hälfte

    Für mich ist es schwierig, die erste Halbzeit dieses Spiels in noch kürzere Phasen zu unterteilen. Zu ähnlich verliefen die gesamten 45 Minuten – auf beiden Seiten. Dynamo und Paderborn starteten in das Pokalspiel mit einem ganz klaren strategischen Fokus: hohes Pressing. Für beide Trainer typisch liefen die Teams den jeweiligen Gegner am gegnerischen Strafraum und – gerade auf Dresdner Seite – mit brutaler Intensität an. Ziel war, direkt Ballgewinne in hohen Zonen zu erzwingen, danach schnell umzuschalten und so Torgefahr zu erzeugen. Ersteres klappte auf beiden Seiten sehr gut.

    Paderborns Pressing

    Zum einen gelang es Dynamo selten, das Spiel geordnet aufzubauen. Das lag zunächst über weite Strecken an dem hohen und mannorientierten Angriffspressing des Gegners. Aus dem nominellen 433 bewegte sich Paderborn in eine 3412-artige Struktur, um die Anspielstationen für Dynamo im 433 1v1 zuzustellen. Dafür rückte der rechte Flügelstürmer Pröger etwas tiefer, um Linksverteidiger Löwe zu kontrollieren. So konnte zudem der Außenverteidiger Schuster auf dieser Seite einrückend agieren, sodass schließlich jedem Einzelspieler ein Dresdner Akteur gegenüberstand.

    Pressingstruktur des SCP – Manorientiertes Angriffspressing.

     

    In Anbetracht der noch bestehenden Limitierungen des Dresdner Ballbesitzspiels unter Schmidt, der jenes selten in den strategischen Fokus stellt und eher auf einfache, direkte Lösungen setzt, war so auf Paderborner Seite nicht einmal große Intensität vonnöten, um Ballgewinne erzielen zu können. Vielmehr führte jene Struktur dazu, dass Dynamo im Aufbau große Abstände zwischen den eigenen Spielern hatte, diese zudem zugestellt waren und damit am Ende häufig nur ein langer Ball blieb. Dabei half die enge Struktur der fünf offensiven Akteure der SGD durchaus das ein oder andere Mal, doch insgesamt konnte man auf Dresdner Seite im Spiel mit dem Ball wenig Strukturiertes beobachten.

    Dynamos Pressing

    Im Gegensatz zu Dynamo ist Paderborn grundsätzlich ein Team, welches durchaus hohen Wert auf spielerische Lösungen in Ballbesitz legt. Das konnte man auch in diesem Spiel beobachten. In einem 343, in dem sich Sechser Schallenberg gerade zu Beginn häufig zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, agierte man stets mutig, versuchte stets flache und progressive Kombinationen zu spielen. Gegen das starke Pressing der SGD lief dies aber häufig ins Leere. 

    Auch die SGD lief den Gegner schon an dessen Strafraum an, agierte aber aus dem typischen Mix aus 433 und 4Raute2. Die 4er-Abwehrkette sicherte hinten ab, um gegen die drei Paderborner Stürmer stets in Überzahl zu bleiben. Vorn liefen die drei Stürmer die gegnerischen Innenverteidiger und Sechser an, wobei vor allem im Fokus stand, Schallenberg durch Manndeckung von Daferner aus dem Spiel zu nehmen. Das Spiel sollte so auf die Flügel gelenkt werden, wo dann der ballnahe Achter den Ballführenden anlaufen und das gesamte Team aggressiv zuschieben sollte. Im Gegensatz zum Spiel gegen den HSV setzte man diesen Plan, der hohe Laufbereitschaft verlangte, über weite Strecken, gerade während des sehr intensiven Beginns des Spiels, sehr gut um. Das Anlaufen, Zuschieben und Durchschieben des gesamten Teams und gerade der Mittelfeldspieler wurde mutig und aggressiv ausgeführt und klappte daher letztendlich häufig.

    Pressingstruktur der SGD – Hohes Angriffspressing. Hier interessant: Struktur leicht asymmetrisch dargestellt, da SCP-Aufbau sehr linksfokussiert war und sich Kade daher oft schon optionsorientiert zwischen AV und 6er positioniert hat, um den Anlaufweg zu verkürzen.
    Beispielhafte Pressingszene nach Ball auf AV und Verschieben der SGD.

     

    Probleme bekam Dynamo tatsächlich nur in einigen wenigen Situationen. Paderborn war nur in der Lage, das starke Pressing in zwei Fällen zu überspielen. Einerseits, wenn die SGD individuelle Fehler machte. Passte beispielsweise eine Anlauf- oder Verschiebebewegung nicht zu 100%, kam zu früh oder zu spät, verlor man die Kontrolle. Andererseits, wenn die individuelle Spielstärke des Paderborner Aufbaupersonals aufblitzte. Sechser Thalhammer habe ich in dieser Hinsicht beispielsweise noch im Kopf, der sich einige Male durch kluge Positionierung, Körperfinten und kleine Dribblings dem Druck entziehen konnte. Nichtsdestotrotz: Über weite Strecken passierte das der SGD nicht. Über die gesamte Zeit, gerade in der Anfangsphase, war man vielmehr in der Lage, vielversprechende Ballgewinne mit Perspektive Torgefahr zu erzielen. Doch letzteres klappte nicht. Warum?

    Ungenauigkeit im Ballbesitz

    Die SGD und auch Paderborn agierten in der ersten Halbzeit des Pokalspiels extrem ungenau, wenn man den Ball am Fuß hatte. Sowohl im Umschaltspiel als auch im (nur phasenweise zu beobachtenden) Ballbesitz fehlte schlichtweg Präzision und Timing. Gewann Dynamo den Ball, fand man selten die passende Anschlussaktion. Der Tiefenlauf kam zu früh, der Steckpass zu spät oder das Paderborner Gegenpressing gewann den zweiten Ball. Startete Paderborn eine offensive Umschaltbewegung, verloren auch sie den Ball spätestens vor dem Dresdner Strafraum.

    Bis auf einige wenige Chancen war dieses Pokalspiel in der ersten Hälfte damit insgesamt von hoher Intensität und starkem Pressing geprägt, währenddessen dennoch keine Torgefahr zustande kam. Bis dahin war das ein ausgeglichenes Spiel, auch wenn Dynamo die fehlende Struktur tendenziell eher gelegen haben dürfte als dem Gegner.

    Dynamos verbessertes Umschaltspiel

    In Halbzeit Zwei entwickelte sich dann aber doch etwas mehr Torgefahr – wiederum auf beiden Seiten. Zunächst begann die SGD mit einigen sehr vielversprechenden Chancen. Dafür waren kleinere Anpassungen verantwortlich, die das Dresdner Umschaltspiel deutlich klarer und zielstrebiger machten. Beispielsweise agierte Königsdörffer nun situativ etwas breiter, um den Halbraum hinter der letzten Kette zwischen Innen- und Außenverteidiger besser belaufen und dort seine Dynamikvorteile ausspielen zu können. Insgesamt verbesserte sich Timing und Abstimmung, was in Chancen von u. a. Borrello mündete.

    Entscheidende Paderborner Anpassungen

    Doch auch der SCP war nun häufiger in der Lage, gefährlich vor das Tor von Kevin Broll zu gelangen. Zu Beginn war dies in der immer weiter schwindenden Intensität der Dresdner begründet. Später stellte Trainer Kwasniok auch strukturell einiges um. Nun begann Paderborn, die SGD erst kurz nach der Mittellinie in einer 4231 statt einer 343-Grundordnung anzulaufen. Was bedeutete das?

    Dynamo musste nun das Spiel aufbauen, Paderborn konnte umschalten – die Ballbesitzwerte der SGD müssen Mitte der zweiten Hälfte deutlich höher gelegen haben als zuvor. So verschieb sich der strategische Vorteil in Richtung Westfalen. Problematisch für Dresden und vorteilhaft für Paderborn war dabei, dass Erstere immer noch keine Lösungen für das Spiel mit Ball hatten. Der SCP schloss das Zentrum und wartete ab. Dynamo hatte zwar den Ball, zeigte jedoch keine klare Idee, was sie damit vorhatten. Vielmehr agierte man sehr unruhig und hektisch, schlug viele lange Bälle und verlor diese wiederum sehr schnell.

    Pressingstruktur des SCP #2 – enges Mittelfeld verhindert Dynamos Kombinationen und gewinnt viele zweite Bälle.

     

    So war der SCP in der Lage, den Ball immer häufiger in dem Bereich um die Mittellinie zu gewinnen. Man lockte den Gegner zudem etwas weiter aus den tiefen Ausbauzonen, sodass die Möglichkeiten nun groß waren, über die Stürmer den Raum hinter der letzten Kette und zwischen Abwehr und MIttelfeld der Dresdner zu bekontern.

    Beispielhafte Szene für das potenzielle Kontern des SCP nach Ballgewinn im 4231-MFP.

    In den letzten Minuten stellte die SGD vermutlich auch deswegen, aber vor allem aufgrund fehlender Kräfte nochmal auf ein tieferes Mittelfeldpressing um. Doch auch da gelang es den Paderbornern mit ihrem zielstrebigen und mutigen Ballbesitzspiel, regelmäßig und gefährlich vor das Dresdner Tor zu gelangen. Aus dem 4231 konnte man sich dabei einige Male die Halbräume erschließen und so nach vorn kombinieren.

    Pressingstruktur der SGD #2 – Systematische Darstellung. Die Dresdner 8er standen teils etwas zu hoch, sodass der SCP über dynamische vertikale Kombinationen v. a. in Richtung der zentralen Überladung des Zwischenlinienraums gefährlich werden konnte.

     

    Fazit

    Nichtsdestotrotz: Am Ende trifft Dynamo. Mit wunderbar anzusehenden Aktionen und klugen Läufen der involvierten Spieler schafft man es, in einer etwas schwächeren Phase, das Spiel auf den Kopf zu stellen und so zu gewinnen. Das ist am Ende meines Erachtens nach nicht unverdient, obwohl ich das Spiel insgesamt als durchaus ausgeglichen bezeichnen würde. Gegen einen starken Gegner bleibt bei Dynamo vor allem das smarte und sehr gut umgesetzte Pressing in Erinnerung. Langfristig gilt es, daneben die Schwächen im Ballbesitz im Kopf zu haben. 

  • Hamburger SV – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Hamburger SV – SG Dynamo Dresden: Spielanalyse

    Nach einem turbulenten Spiel gegen den Hamburger SV geht die SGD mit einem Punkt nach Hause. Das war ein schwieriges Spiel, mit dem Ergebnis am Ende kann Dynamo aber zufrieden sein. Hier sind einige taktische Beobachtungen.

    Hamburg als schwieriger Gegner

    Im Gegensatz zum FC aus Ingolstadt in der letzten Woche (für den Spielbericht siehe den letzten Blogpost) stand Dynamo mit dem HSV nun ein deutlich schwieriger Gegner entgegen. Dieser gilt zuweilen als einer der Aufstiegsfavoriten der Liga. Mit Tim Walter als Trainer spielt dieser auch einen besonderen Fußball:

    Strategisch ist der HSV auf die Spielphase Ballbesitz fokussiert und fällt dabei durch eine sehr besondere Spielweise auf. In einem insgesamt fluiden Positionsspiel agiert man besonders im Spielaufbau sehr flexibel, lässt vor allem die Innenverteidiger oft und dynamisch aufrücken. Auch wenn sie mir im letzten Drittel teils zu durchschnittlich agieren, viel Flügelspiel dabei haben, spielen sie damit durchaus dominant und souverän in Liga 2. Für Dynamo stellte sich daher die Frage: Wie kontern wir dieses Konzept?

    Dynamos fehlgeschlagener Pressingplan

    Trainer Schmidt ließ Dynamo, wie auch schon in den vorangegangen Spielen, in einem hohen Rautenpressing agieren. Etwas tiefer als normal, dennoch ziemlich hoch, erwarteten Dynamos Stürmer den Spielaufbau der Hamburger. Um die dynamischen Bewegungen und Rochaden des tiefen Aufbaupersonals zu kontrollieren, agierten diese durchaus abwartend, liefen nicht direkt an, sondern versuchten, das Zentrum zu schließen. 

    Nichtsdestotrotz war der HSV häufig in der Lage, dieses Pressing zu überspielen. Denn: Die Struktur der SGD passte nicht zur gegnerischen Spielweise, kam ihr vielmehr sogar entgegen. Naturgemäß befinden sich schließlich große freie Räume auf beiden Seiten der Raute. Der HSV, der in einer 433-artigen Struktur agierte und die Flügel (zum Beispiel mithilfe von herauskippenden Achtern) immer wieder überlud, konnte genau dort kombinieren. Dynamos 4er-Kette wurde durch die drei breiten und hoch stehenden Stürmer des Gegners zurückgedrängt, die drei Stürmer bewegten sich vorn zentral und eng. So war Dynamo in jenen Flügelregionen häufig in Unterzahl. Der ballnahe Achter musste herausschieben, öffnete währenddessen aber wiederum Räume im Halbraum, die der HSV über beispielsweise fallende Stürmer, herausrückende Innenverteidiger oder horizontal andribbelnde Außenverteidiger bespielen konnte. Schob die SGD mal mit dem gesamten 3er-Mittelfeld auf die ballnahe Seite, um so den Raum dort zu verknappen, gab man wiederum auf der ballfernen Seite Möglichkeiten für eine Verlagerung frei. 

    Grundlegende Pressingstruktur der SGD bei Ballbesitz HSV – HSV mit dynamischen Bewegungen und Überladungen auf dem Flügel, Unterzahl und weite Wege für die SGD
    Beispiel #1 der Pressingprobleme der SGD – freier Halbraum nach Verschieben des 8ers
    Beispiel #2 der Pressingprobleme der SGD – offener Halbraum nach Verschieben des 8ers und Möglichkeit zum Andribbeln nach breitem Anlaufen des Stürmers

    Insgesamt hatte die SGD daher große defensive Probleme, gerade in der Anfangsphase. Die Struktur passte schlichtweg nicht. Außerdem kam hinzu, dass einige Akteure zu Beginn sehr unsauber agierten. Hier ist Rechtsverteidiger Schröter ein gutes Beispiel, der meiner Meinung nach individualtaktisch einige Unsicherheiten im defensiven Stellungsspiel und Zweikampfverhalten offenbarte. So kassierte man am Ende das verdiente 1:0 und konnte froh sein, dass der HSV im letzten Drittel nicht so komplett agierte wie in den anderen beiden Spielteilen.

    „Stabilität“ ab Minute 30 und weitere Probleme

    Im Laufe des Spiels kämpfte sich die SGD ins Spiel, wie Schmidt es später ausdrückte. In Hälfte 1 war man zumindest in der Lage, sich individuell zu stabilisieren. So musste der HSV schon etwas mehr arbeiten, um in Richtung Tor zu gelangen. Trotzdem blieben die strukturellen Probleme offensichtlich, präsent und gefährlich. 

    Aus Dynamo-Sicht kam auch noch dazu, dass man dem Gegner auch in den anderen Spielphasen unterlegen war. Das Umschaltspiel wirkte gegen ein starkes Gegenpressing zu hektisch und war daher wirkungslos, da die Tiefenläufe nicht abgestimmt waren oder nicht erreicht wurden. Wenn man mal den Ball hatte, ging es gegen das mannorientierte Rautenpressing der Hamburger zudem zu häufig planlos lang. Häufige Longline-Bälle (für eine Erklärung siehe Saisonvorschau Spielweise #2) führten zu schnellen Ballverlusten und noch größerer gegnerischer Dominanz.

    Dynamos Anpassungen in der Halbzeit

    Defensive 

    In der Halbzeit galt es für das Trainerteam nun, die strukturellen Probleme der SGD zu lösen. Ich hatte mir zu diesem Zeitpunkt gewünscht, dass man sich etwas tiefer zurückzieht, die Flügel mehr kontrolliert und den Fokus auf das Verteidigen im und Kontern aus dem tiefen Block fokussiert. Doch Schmidt hatte eine andere Idee. In Halbzeit Zwei waren nun für mich zwei verschiedene Pressingpläne zu erkennen.

    Situativ, gerade wenn der HSV in sehr tiefen Zonen aufbaute (beispielsweise bei einem Abstoß), agierte die SGD in einem hohen mannorientierten 4Raute2-Angriffspressing, was typisch für Schmidt ist. Das funktionierte jedoch selten, aus den selben Gründen wie in der ersten Hälfte. Zu leicht gelang es dem HSV, die Stürmer und Achter durch flexible Bewegungen und sichere Kombinationen zu überspielen. Deswegen konnte ich persönlich nicht so richtig verstehen, warum Dynamo diesen Plan verfolgte. Denn ein unabgestimmtes Pressing verbraucht nur unnötige Energie und gibt dem Gegner dann Raum, die übrigen Verteidiger zu bespielen. 

    Dafür war die zweite, häufiger genutzte Idee für das Pressing die bessere. Strukturell agierte man ähnlich, veränderte aber entscheidende Details. Das 433 zog sich noch enger zusammen und versuchte noch deutlicher (und diesmal auch etwas erfolgreicher), das Zentrum zu schließen. War der Gegner auf dem Flügel, schob man aggressiver (vor allem die Außenverteidiger) heraus und versuchte so, die Kombinationen des HSV zu verhindern. Insgesamt schien es, als hätte Schmidt eine höhere Intensität in den Einzelduellen gefordert. Auch die drei Stürmer der SGD waren dafür ein gutes Beispiel, die etwas höher und aggressiver anliefen.

    Dynamos Pressing in HZ2 – ähnlich, aber etwas stabiler; wenn auch nicht perfekt bzgl. Kontrolle der Flügel

    So konnte Dynamo die Hamburger Durchbrüche zumindest quantitativ reduzieren. Die Probleme wurden situativ immer noch deutlich, es klappte definitiv nicht alles. Doch spätestens in der Endverteidigung der Box agierte Dynamo überzeugend (oder der HSV etwas zu einseitig, wahrscheinlich beides). Insgesamt hatte Hamburg immer noch einige progressive Aktionen dabei, schien gerade nach der Meffert-Auswechslung so aber etwas weniger fluide und gefährlich im Aufbau und Übergang. Das spielte Dynamo in die Karten.

    Offensive

    Um auch selbst etwas Torgefahr zu kreieren, brachte Trainer Schmidt zur Halbzeit des Weiteren Panagiotis Vlachodimos aufs Feld. Der interpretierte die linke Stürmerrolle etwas direkter und dynamischer als der eher balltreibende Brandon Borrello in Halbzeit Eins, was Dynamos Konterfokus unterstützte. Nach Ballgewinn konnte man so öfter und auch erfolgreicher umschalten. Vlachodimos attackierte sofort (und mit besserem Timing) die Räume zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger und war so maßgeblich an einigen gefährlichen Aktionen beteiligt. Im Großen und Ganzen passte er individualtaktisch besser in die strategische Spielanlage beider Teams.

    Beispiel für einen Tiefenlauf von Vlachodimos in der offensiven Umschaltbewegung der SGD

    Spielende und Fazit

    Am Ende entwickelte sich das Spiel dann in eine etwas chaotischere Richtung. Hamburg sah viel vom Ball, attackierte das letzte Drittel der SGD, scheiterte aber an einem am Ende über weite Strecken solide organisierten tiefen Block und individualtaktisch auftrumpfenden Einzelspielern (Tim Knipping, Michael Sollbauer, Kevin Broll). Dynamo konterte situativ, wurde aber selten gefährlich. So geht das Spiel am Ende unentschieden aus.

    Für die SGD geht dieser Punkt letztendlich auch absolut in Ordnung. Aufgrund der angesprochenen strukturellen Schwächen hätte man sich auch nicht beschweren dürfen, wenn man gegen den HSV verloren hätte. Dies würde ich im Verantwortungsbereich des Trainerteams verorten. Am Ende findet Trainer Schmidt aber ganz ordentliche Anpassungen, die das intensiv kämpfende Team am Ende zu einem Punkt bringen. Als Aufsteiger in der Entwicklung gegen einen sehr starken Gegner, der vermutlich noch viele Gegner in diesem Zweitligajahr dominieren wird, ist das ziemlich okay. Nicht überragend, aber auch nicht schlecht.

  • SG Dynamo Dresden – FC Ingolstadt: Spielanalyse

    SG Dynamo Dresden – FC Ingolstadt: Spielanalyse

    Spitzenreiter! Dynamo Dresden gewinnt das erste Spiel der Saison 2021/22 souverän gegen den Mitaufsteiger aus Ingolstadt. Wie kommt das zustande? Hier sind einige taktische Beobachtungen.

    Die Ausgangslage

    Für uns Außenstehende schien der FCI vor dem Spiel wie eine Wundertüte, gerade auch aufgrund eines Trainerwechsels während der Sommerpause. Nicht jedoch für Alexander Schmidt und sein Trainerteam: Ihnen war klar, dass der Gegner primär ein Pressingteam ist. Sie erwarteten Ingolstadt in einem 4222 und wussten, dass sie die Dresdner hoch anlaufen würden. Was macht man nun dagegen?

    Aufstellung und Matchplan

    Wie Schmidt normalerweise spielen lässt, wissen wir (bzw. können wir in den letzten Blogbeiträgen zur Saisonvorschau nachlesen). Von seiner grundlegenden Strategie und den dahinter steckenden Prinzipien (hohes Pressing, Intensität, Vertikalität etc.) wich er auch für dieses Spiel nicht ab. Jedoch: Er verfolgte innerhalb dieses Rahmens einen spezifisch auf den Gegner angepassten Matchplan. Er veränderte Details in Grundordnung und Abläufen, um der Ingolstädter Taktik entgegenzuwirken. 

    Offensichtlich wurde dies schon mit der Aufstellung oder spätestens in den ersten Minuten. Statt einer klaren Raute spielte Dynamo in Ballbesitz nun mit Christoph Daferner im Sturmzentrum. Dort agierte er nicht wie ein gewöhnlicher 10er zwischen den Linien sondern band meist beide Innenverteidiger mit einer hohen Position mit Rücken zum Tor. So sah das diesmal eher wie eine 433-Struktur aus (auch wenn die Zahlen nicht so wichtig sind).

    Letztendlich veränderte das nur Details, diese waren aber entscheidend in der Entwicklung des Spiels. Wenn Dynamo hoch angelaufen wurden, drückte man die gegnerische 4er-Kette durch die breite und hohe Positionierung der drei Stürmer weit zurück. Weil die Außenverteidiger sich daher nicht zu weit herauslocken lassen wollten, entstanden zwei vorteilhafte Aspekte für die SGD: Zum einen hatte man mit der 4er-Kette und den drei Mittelfeldspielern stets Überzahl beim Spielaufbau in tiefen Zonen, konnte so häufig einen freien 8er oder Außenverteidiger finden und damit letztendlich das hohe Pressing überspielen. Dabei half zum anderen, dass der Raum zwischen Ingolstadts Verteidigung und Angriff so groß wurde, dass sich die 6er nicht trauten, herauszurücken und Dynamo unter Druck zu setzen. So konnte man zu Beginn einige Male dynamische Durchbrüche im Zentrum erzeugen, nur im letzten Drittel fehlte es an Präzision und Abstimmung.

    Angriffspressing des FCI und Dynamos Aufbaustruktur – Überzahl in tiefen Zonen und viel freier Raum im Zentrum.

    Diese Vorteile im Spiel mit Ball wurden des Weiteren durch das Pressing der SGD quantitativ verstärkt. Man lief Ingolstadt in einer asymmetrischen Struktur mannorientiert an und konnte so viele lange Bälle erzwingen. Ingolstadt hatte ab und zu mal einige wenige erfolgreiche Aktionen, sowohl in Situationen, in denen sie den eigenen Außenverteidiger frei spielen konnten, als auch vereinzelt im eigenen Pressing. Im Großen und Ganzen waren sie jedoch taktisch deutlich unterlegen.

    Angriffspressing der SGD – Asymmetrische Mannorientierungen.

    Ingolstädter Anpassung und Dresdner Ballbesitz

    Diese Probleme brachten Ingolstadt dazu, auf ein klassisches und vorsichtigeres 442-Mittelfeldpressing umzustellen. Das brachte Mitte der ersten Halbzeit durchaus etwas Stabilität. Nichtsdestotrotz war Dynamo in der Lage, mit klaren Ideen dieses Block zu durchbrechen und Chancen zu kreieren. 

    Im tieferen Aufbau bewegte man sich zunächst sehr flexibel, gerade auf der linken Seite. Dabei wurden spannende Positionsrochaden von Löwe, Kade und Borrello ersichtlich. Ersterer blieb im Gegensatz zu Schröter häufig etwas tiefer und zentraler, während Kade und Borrello abwechselnd die Breite bzw. den hohen Halbraum besetzten. Damit war definitiv eine gute Ballzirkulation gegeben, die auch von dem über das ganze Spiel starke Gegenpressing nach Ballverlust getragen wurde. Doch für klare Torchancen brauchte es noch eine kleine Anpassung. Borrello begann circa ab Minute 30, konstanter minimal breit zu stehen, womit er den Gegner auseinanderzog und so Passwege und Kombinationen im Zentrum ermöglichte.

    Eine mögliche Kombination gegen den tiefen Block – Dynamos breite Flügel und Achter ziehen ihre Gegenspieler auseinander, Daferner kann sich in den offenen Raum fallen lassen.

    Das 1:0 durch Christoph Daferner

    Kurz vor der Halbzeit fällt dann das 1:0 für die SGD. Aufgrund der Dominanz letztlich verdient, auch wenn es nicht nach einer Ballbesitzphase fällt. Nach souveräner Zweikampfführung von Sollbauer, schaltet man Schmidt-typisch schnell um und attackiert sofort die Tiefe. Schröter kann nun seine Dynamik und Flankenstärke ausspielen, Daferner agiert zudem klug im Zentrum.

    Hälfte 2 mit Panagiotis Vlachodimos 

    In der Halbzeit war nun klar, dass Ingolstadt wieder etwas höher anlaufen wird, um dadurch Torgefahr zu kreieren. Dynamos Personal- und Taktikanpassungen waren daher wiederum sinnvoll. Mit Vlachodimos brachte Schmidt einen direkten Flügelstürmer, der gern die Tiefe attackiert und deutlich fitter als Königsdörffer erschien. Gegen die nun höher stehenden und aggressiver herausrückenden Gegner ergab sich nun viel Raum hinter der letzten Kette, den er attackieren konnte. Dynamo agierte nun wieder etwas mehr mit den rautentypischen Kombinationen: Daferner ließ sich häufig etwas zwischen die Linien fallen, zog so einen Innenverteidiger heraus und konnte den so entstehenden Raum dann über die klassischen Steil-Klatsch-Tief-Kombinationen bespielen. Einige Male ergaben sich dabei Räume für Vlachodimos – am Ende erzielt Dynamo dann auch das 2:0 auf diese Art und Weise.

    Mögliche Rautenkombination #1: Entgegengesetzte Bewegungen mit Tiefenlauf.
    Mögliche Rautenkombination #2: Steil-Klatsch-Tief oder Verlagerung.

    Ungenaues Pressing und wichtiges Tor

    Danach stellte sich bei Dynamo meines Erachtens nach etwas der Schlendrian ein. Einige Male klappte das hohe Angriffspressing nicht zu 100%. Mörschel auf der 8 oder auch Hosiner in der Offensive fanden nicht immer die richtige Positionierung, standen teils zu hoch oder zu tief oder gingen die Wege nicht komplett mit. Da war ich froh, dass man durch eine Einzelaktion im Konter das 3:0 erzielen konnte. Sonst hätte das durchaus noch knapper werden können.

    Nach dem dritten Tor war das Spiel dann aber gelaufen. Dynamo ließ den Ball kontrolliert in tiefen Zonen laufen und ging weniger Risiko. Das imponierte mir, denn solch eine abgezockte Performance habe ich bei Dynamo lange nicht gesehen.

    Fazit

    Insgesamt war das damit ein wirklich starkes Spiel der SGD. In allen Spielphasen, besonders überraschend im Spiel mit Ball und dem Gegenpressing, agierte man mit einem klaren Plan und war auch in der Lage, diesen umzusetzen. Jedoch gilt es auch einzuordnen, dass der Gegner Ingolstadt in allen Belangen verwundernswerterweise wenig souverän und flexibel agierte. Es wird daher spannend, wie sich Dynamo in den kommenden Wochen gegen andere Kaliber schlagen wird.

  • Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #2

    Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #2

    Nachdem wir gestern den Einstieg in Dynamos neue Herangehensweise unter Schmidt gewagt haben, soll es nach der Defensive und dem Konterspiel nun um den Dresdner Ballbesitz und die entgegengesetzte Umschaltbewegung gehen. Hier sind weitere strategisch-taktische Beobachtungen.

    Offensive

    Normalerweise liegt der strategische Fokus der SGD nicht auf einem ruhigen Ballbesitzspiel. Kontert man aber mal nicht direkt in die Tiefe, sondern hält den Ball etwas länger als gewohnt, wurden auch schon einige Ideen ersichtlich. 

    Grundsätzlich ist in dieser Hinsicht erst einmal festzuhalten, dass auch in dieser Spielphase das Prinzip der engen und kompakten Struktur gilt, was Kombinationen erleichtern soll. Auch der Grundsatz Aktivität und Progressivität bleibt bestehen. Das heißt, es soll nicht im Tiki-Taka-Style 80% Ballbesitz in tiefen Zonen gesammelt, sondern nach kontrolliertem Aufbau trotzdem schnell Torgefahr erzeugt werden.

    Im Spielaufbau ließen sich bisher einige Muster erkennen. Zunächst wird ersichtlich, dass der lange Ball keine verschmähte Option unter Schmidt ist. Das Gute ist: Diese werden gut vorbereitet. Eine Möglichkeit, gerade wenn der Gegner hoch presst, ist ein direkter Chipball auf einen Stürmer und der darauffolgende Kampf um den zweiten Ball. Dafür ziehen sich Dynamos Mittelfeld und Sturm noch enger zusammen als sie sowieso schon sind und versuchen so, denn Ball zu behalten. 

    Bisher kam dies jedoch eher selten vor. Vielmehr konnte Dynamo bisher über weite Strecken auch in höheren Zonen in Ruhe das Spiel aufbauen. Dabei befindet man sich je nach Situation, Gegner und Personal in einer 32- bzw. 23-Aufbaustruktur. Bei letzterem, also einer 4er-Kette, bezieht man meist auch den Torwart mit ein, der entweder eine seitliche Rückpassoption in Drucksituationen anbietet oder zwischen die Innenverteidiger aufrückt.

    Spielaufbau – 32-Struktur.
    Spielaufbau – 23-Struktur mit aufrückendem Torwart.
    Beispielhafte Spielaufbauszene, in der der Torwart mit seiner seitlichen Positionierung als Anspielstation helfen kann.

    Währenddessen binden die beiden Stürmer die generische Abwehrkette durch ihre Positionierung zwischen Innen- und Außenverteidiger. Dynamos Außenverteidiger bewegen sich maximal breit, um den Gegner auseinanderzuziehen (auch wenn sie bei der Chancenerarbeitung im letzten Drittel situativ eher nach dem Prinzip der minimalen Breite agieren). Aus dieser Struktur heraus ergaben sich einige interessante Aufbau- bzw. Übergangskombinationen:

    Das klassische Steil-Klatsch-Tief: Ein Stürmer oder Zehner kippt in den Halbraum ab (und zieht ggf. den Gegenspieler mit sich) und erhält dort einen vertikalen linienbrechenden Pass des breiten Innenverteidigers. Entweder kann er nun direkt aufdrehen oder den Ball klatschen lassen auf den ballnahen Achter. Daraufhin starten beide Stürmer sofort zwischen Innen- und Außenverteidiger in die entstandenen Räume in der Tiefe, sodass sie direkt wieder über einen Steilpass gefunden werden können. 

    Das klassische Steil-Klatsch-Tief über gegenläufige Bewegung der beiden Stürmer.
    Das klassische Steil-Klatsch-Tief #2. Auch mit einem fallenden Zehner hat das Dynamo schon gemacht.

    Überladung und direkte Tiefe oder Verlagerung: Dynamo überläd eine Seite und startet zunächst mit ruhigen Kombinationen zwischen Innen-, Außenverteidiger und Achter, um den gegnerischen Außenverteidiger herauszulocken. Den Raum dahinter versucht dann der Stürmer durch einen diagonalen Tiefenlauf zu bespielen. Nun schickt man entweder eben jenen Stürmer in die Tiefe oder verlagert das Spiel auf die ballferne Seite, wo der eigene Außenverteidiger durch die Verschiebebewegungen des Gegners auf die ballnahe Seite viel Platz haben sollte, um dynamisch anzudribbeln, ins 1v1 oder die Tiefe zu gehen oder sogar Flanken zu schlagen.

    Tiefe Kombination auf der überladenen Seite, darauf folgt der Tiefenball.
    2. Möglichkeit: Tiefe Kombination auf der überladenen Seite, dadurch Anlocken des Gegners und folgendes Verlagern in freien Raum.

    Überladung und direkte Tiefe, aber anders: Ähnlich wie Muster 2 funktioniert folgendes: Bei kleinteiliger Kombination auf der überladenen Seite kippt Dynamos Achter seitlich in den Außenverteidigerraum. Dieser wiederum schiebt hoch, teils bis an die letzte Linie, um den gegnerischen Außenverteidiger zurückzudrängen und so Raum zwischen den Linien zu öffnen, in den sich dann der ballnahe Stürmer oder Zehner fallen lassen kann. Dieser kann dann von dort aus aufdrehen oder den Ball wieder klatschen lassen. Auch hier ist zudem eine Verlagerung auf die verwaiste ballnahe Seite möglich.  

    Übergangskombination aus der Raute mit herauskippender Acht.

    Fand man dabei keine kurze Kombinationsmöglichkeit, kam auch hier der lange Chipball zum Einsatz. Meist vom Außenverteidiger an der Mittellinie, teils auch von den Innenverteidigern oder Sechsern, versucht Dynamo die Tiefenläufe der offensiven Akteure anzuvisieren. Startet ein Stürmer diagonal in die Tiefe, versucht man durchaus mal, ihn mit einem langen Ball direkt vor das Tor zu bringen. Auch die Achter starten manchmal solch einen Versuch, der in der folgenden Grafik zu erkennen ist. Während auf der überladenen Seite kombiniert wird, lässt sich ein Stürmer tief in den Halbraum fallen und versucht dabei, den gegnerischen Innenverteidiger aus der letzten Linie herauszulocken. In den dahinter entstehenden Raum versucht dann der Achter aus der Tiefe heraus zu starten, um so ohne direkten Gegenspieler vor das Tor zu gelangen. 

    Übergangskombination über Tiefenlauf der Acht hinter den ballnahen Innenverteidiger.

    Am Ende galt es so ins letzte Drittel zu kommen, über die Tiefenläufe hinter die letzte Kette des Gegners zu gelangen und dann von dort aus flache Cut-Back-Flanken in den Rückraum auf die in den Strafraum nach- bzw. einrückenden Offensivspieler und Außenverteidiger zu spielen. Gelingt der Durchbruch zur Grundlinie nicht, spielt man teils auch direkte Halbfeldflanken aus der Dynamik heraus, die mithilfe einer quantitativ guten Strafraumbesetzung in Torgefahr umgewandelt werden sollen.

    Chancenerarbeitung im letzten Drittel über Cut-Back-Flanken.
    Chancenerarbeitung im letzten Drittel über hohe Flanken aus der Dynamik.

    Manchmal hilft es auch, flexibel während des eigenen Ballbesitzes, die Grundordnung zu wechseln, um neue Räume zu öffnen und den Gegner durcheinanderzubringen. So hat Dynamo auch schon einige Male während eigenen Ballbesitzes zwischen 4er- und 3er-Kette gewechselt. Wie gesagt, dabei verändern sich nur strukturelle Details. Manchmal reichen jene aber aus, um den Spielaufbau und das Übergangsspiel erfolgreicher zu gestalten. 

    Bei einer Raute hat man beispielsweise aufgrund der Spieleranzahlverhältnisse meist mehr Zentrumskontrolle und kann die Achter etwas befreien, die ggf. höher und breiter in den Halbraum schieben und dort eine weitere Anspielstation bieten können. Wenn der Gegner das Zentrum verdichtet, aber dort etwas Raum lässt, kann das also eine Waffe sein. Auf der anderen Seite erreicht man die Halbräume mit einer 3er-Kette meist über andribbelnde Bewegungen der Halbverteidiger. Verfolgt der Gegner Dynamos Achter also beispielsweise mannorientiert, können die sich in einer 32-Struktur zentraler zusammenziehen, um so Raum für die Verteidiger zu öffnen.

    Übergangsspiel – Freie Achter als Vorteil einer Raute gegen raumorientierte Gegner.
    Übergangsspiel – Mögliche Andribbelbewegungen als Vorteil einer 3er-Kette gegen einen mannorientierten Gegner.

    Bei Dynamo gibt es in dieser Hinsicht zwei Möglichkeiten des Strukturwechsels. Zunächst kann der zentrale Innenverteidiger auf die Sechserposition schieben (oder umgekehrt). Eine andere Möglichkeit kann funktionieren, wenn mit Chris Löwe eine etwas konservativere Variante auf der linken Verteidigerseite im 41212 eingesetzt wird. Manchmal konnte man da schon beobachten, dass er im Spielaufbau zurückbleibt, sozusagen den linken Halbverteidiger einer temporären 3er-Kette spielt und dafür ein sehr dynamischer Achter (Jonas Kühn hat das beispielsweise mal übernommen) die Breite besetzt. 

    Umschalten – Offensive auf Defensive

    An den Ballbesitz anschließend ist auch die letzte Spielphase, das Umschalten nach Ballverlust, essentiell, gerade für eine gewisse Spieldominanz. Das ist eine Phase, die Schmidt wiederum in den strategischen Fokus stellt. Er will, dass seine Mannschaft nach eigenem Ballverlust sofort ins Gegenpressing geht und versucht, einen Gegenstoß zu verhindern und den Ball so schnell wie möglich wieder zu gewinnen. 

    Dafür sind die kompakte Struktur, die ballnahen Verschiebungen und die 23- bzw. 32-Restverteidigung von Vorteil. Nach Ballverlust sind so die Wege für Dynamos Spieler kurz, von denen gleich mehrere den Ballführenden unter Druck setzen bzw. seine potenziellen Passwege schließen können. Auch hierbei forciert Schmidt wieder Mut, Aktivität und das Konzept des Vorwärtsverteidigens. Fokus liegt dabei im Speziellen auf Dynamos Sechsern und den Halbverteidigern der 3er-Kette, die als Restverteidigung aktiv nach vorn verteidigen sollen und manchmal auch die Flügel abdecken müssen. 

    Beispielhafte Szene des aggressiven Gegenpressings nach Ballverlust.

    Fazit und Ausblick

    Intensität, Aktivität, Progressivität. Das sind vermutlich die drei Schlagwörter, die Dynamos neuen Spielstil zusammenfassen. All die eben beschriebenen strategischen und taktischen Ideen ließen sich in den bisherigen Spielen der SGD unter Trainer Alexander Schmidt erkennen – einige besser, andere schlechter umgesetzt. Das Pressing funktionierte über weite Strecken schon ganz ordentlich, gerade im tieferen Block, obwohl auch ganz klar sichtbar war, dass das mannschafts- und individualtaktische Timing aufgrund von Müdigkeit und fehlender Abstimmung noch nicht über die gesamte Zeit stimmte. Genau dasselbe lässt sich auch auf beide Umschaltmomente übertragen, deren strategischer Fokus deutlich wurde, deren Umsetzung aber noch klarer werden muss. 

    Im Ballbesitz agierte Dynamo über die Vorbereitung vermutlich am schwächsten. Häufig war man nicht in der Lage, progressiv in den gegnerischen Block zu spielen und sich so zahlreiche Torchancen zu erarbeiten. Vielmehr spielte man zu statisch, viel im sogenannten U ohne Anbindung nach vorn und hatte zu viele einfach zu pressende Longline-Bälle dabei. Insgesamt hat auch da noch die Feinabstimmung und der Mut gefehlt. In dieser Hinsicht muss sich das Positionsspiel noch klar verbessern. Ich hätte mir beispielsweise eine stetigere Halbraumbesetzung gewünscht, um über aggressiveres Vertikalspiel oder andribbelnde Innenverteidiger (Mut!) in höhere Zonen zu gelangen.

    Das sog. Spiel im U – um den gegnerischen Block herum, ohne Gefahr zu erzeugen.
    Sog. Longline-Bälle: „Einfach mal die Linie lang!“ Doch dort kann der gegnerische Block mithilfe der Außenlinie leicht pressen und den Ball gewinnen.
    Mein Wunsch für ein besseres Positionsspiel: Eine Art 343-Struktur, in der die Stürmer die Halbräume besetzen und so Anspielmöglichkeiten im gegnerischen Block eröffnen.

    Nichtsdestotrotz: Ich bin sehr zuversichtlich, dass das wird. Der große Unterschied zu letzter Saison ist, dass in allen Spielphasen klare Ideen zu erkennen sind. Dass diese zur Vorbereitung noch nicht komplett funktionieren, ist selbstverständlich. Sie zeigen aber auf, wo es mit der SGD und Schmidt hingehen kann. Schafft es der Trainer, die Mannschaft in all den angesprochenen Aspekten weiterzuentwickeln und in ihrer Anlage strategisch komplett zu machen, sehe ich taktisch in Verbindung mit den vielversprechenden kadertechnischen Ansätzen großes Potenzial.

  • Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #1

    Saisonvorschau 2021/2022 – Dynamos neue Spielweise #1

    Nachdem wir gestern einen Blick auf den aktuellen Kader der SGD geworfen haben, soll es nun um einige strategisch-taktische Beobachtungen der Mannschaft aus den bisherigen Testspielen gehen. Wir wissen, dass der Kader auf 3412 und ferner auch 41212 geplant ist. Doch wie werden diese Grundordnungen auf dem Platz interpretiert?

    Allgemeine Prinzipien

    Zunächst: Jeder Trainer verfolgt bei seinem persönlichen Spielkonzept stets gewisse Prinzipien, die unabhängig von Grundordnung und Spielanlage umgesetzt werden sollten. Bei Alexander Schmidt lassen sich in dieser Hinsicht bisher folgende Aspekte erkennen: 

    Zuerst gilt es, als gesamte Mannschaft stets in einer sehr kompakten Struktur zu stehen. Damit geht auch ein extremes Verschieben des gesamten Teams auf die ballnahe Seite einher, um den Raum und die Abstände zwischen den eigenen Spielern zu verkleinern. In dieser engen Struktur legt Schmidt Wert darauf, dass jeder Spieler und die gesamte Mannschaft stets aktiv, aggressiv und progressiv agiert. Das heißt, dass man stetig selbst denkt, selbst den Ball haben und dann auch schnell vor das gegnerische Tor kommen möchte. Daran schließt auch das Prinzip der Dynamik bzw. des Tempos an, welches bei Schmidt in jeder Spielphase im Fokus steht. 

    Ergänzend dazu legt man bei der SGD den strategischen Fokus nun auf ein starkes Pressing, auf dessen Grundlage man stets schnell nach vorn umschalten und über viele Tiefenläufe und vertikales Passspiel zum Erfolg kommen möchte. 

    Grundordnung

    Diese Prinzipien sollen, wie zuvor erwähnt, primär in der 3412-Grundordnung umgesetzt werden. Man möchte jedoch zudem auch flexibel in einer 41212-Grundordnung agieren. Grundsätzlich macht dies jedoch keinen großen Unterschied. Wie die Grafiken erkennen lassen, ist der bedeutendste Unterschied die Positionierung des zentralen Innenverteidigers bzw. des Ankersechsers. Dies führt dann bei einer klassischen Rautenformation dazu, dass die Außenverteidiger etwas konservativer agieren, während die Achter weiträumigere Aufgaben im Pressing und Ballbesitzspiel übernehmen. 

    Dynamos primäre 3412-Grundordnung.
    Dynamos sekundäre 41212-Grundordnung.

    Doch das sind wirklich minimale Unterschiede, die die prinzipiellen Abläufe nicht deutlich verändern. Ich kann mir schlicht vorstellen, dass man in der kommenden Saison flexibel zwischen diesen Systemen wechselt und das dann vor allem am Gegner und der eigenen Personalllage festmacht. Erfordert das Spiel beispielsweise mehr Präsenz im zentralen Mittelfeld, kann sich die Raute anbieten. Ist dagegen Rechtsverteidiger-BackUp Aidonis nicht verfügbar und Schröter in dem Spiel für diese klassische tiefe Außenverteidigerrolle etwas zu offensiv, spielt man vielleicht lieber im 3412.

    Abgesehen davon hat Trainer Schmidt schon einige Male gezeigt, dass er sowohl im Spiel als auch während einer Saison flexibel umstellen kann, wenn er dies für sinnvoll und erfolgversprechend hält. Beispielsweise konnte man unter ihm auch schon situativ 442-, 4231- und 4321-Staffellungen erkennen. Das wird nicht Plan A oder B sein, doch bei Gelegenheit kann es sicherlich vorkommen, dass die SGD von diesen abweicht, wobei ihr der sehr flexible Kader von großem Vorteil sein wird.  

    Defensive

    Gleich in welcher Grundordnung Dynamo agiert, die defensiven Abläufe ähneln sich meist. Im Grundsatz verfolgt man dabei zwei Pressingpläne:

    1. Angriffspressing

    Plan A ist ganz klar ein sehr hohes Angriffspressing, denn Dynamo will den Ball früh erobern. Meist aus der 3412-Struktur heraus rückt man daher schon früh sehr hoch. Mit einer hohen letzten Linie versucht man den Raum für den Gegner zu verknappen und als Team möglichst kompakt zu stehen. Auch wenn die Anlaufmuster im Detail von Gegner zu Gegner leicht variieren, lassen sich diesbezüglich schon einige Ideen erkennen: 

    Die zwei Stürmer stehen meist auf Höhe des gegnerischen Strafraums relativ breit, um optionsorientiert Innenverteidiger und Außenverteidiger zu kontrollieren. Die Außenverteidiger Dynamos stehen besonders hoch, um ggf. den gegnerischen Außenverteidiger anlaufen zu können. Der Rest des Teams verfolgt den Gegner mannorientiert, sodass je nach gegnerischer Struktur 12- oder 21-Strukturen im Mittelfeld entstehen können. Am Ende sollten so alle kurzen Anspieloptionen für den Gegner zugestellt sein.

    Beispielhafte Ausgangsposition im Angriffspressing.

    Ziel dieser Struktur ist es zum einen, lange Bälle des Gegners zu erzeugen. Von Natur aus ist es statistisch weniger wahrscheinlich, dass diese ihr Ziel erreichen. Dynamo versucht dann, entweder im direkten Kopfballduell oder beim Kampf um den zweiten Ball eben diesen zu gewinnen und zu sichern. Dabei ist es besonders wichtig, sich – nachdem der lange Ball gespielt wurde – in dieser Zone noch kompakter zusammenzuziehen und dann aggressiv auf den Ball zu gehen, um diesen Kampf zu gewinnen. 

    Beispielhafte Szene eines langen Balls während der Pressingphase.

    Zum anderen ist es möglich, dass der Gegner trotzdem kurz eröffnet. In diesem Fall besteht die Chance, den Ball durch geschicktes Pressing schon in hohen Zonen zu gewinnen oder wiederum einen langen Schlag zu provozieren. Dabei geht man meist wie folgt vor: Der erste Pass auf den Innenverteidiger wird zugelassen. Dieser wird dann direkt attackiert. Das heißt: Sobald der Pass gespielt wird, läuft man den Gegenspieler an, der jenen Pass erhalten soll. Je nach Gegner und Situation versucht man dabei, das gegnerische Spiel nach innen oder außen zu lenken.

    Ersteres ist auf folgender Grafik sichtbar. Die Stürmer laufen bogenförmig an und nehmen so den gegnerischen Außenverteidiger in ihren Deckungsschatten, sodass dieser nicht anspielbar ist. Im Zentrum sind weiterhin alle Gegner zugestellt, sodass die Wahrscheinlichkeit für ein Ballverlust oder langen Ball erhöht wird.

    Angriffspressing – Lenken des Gegners nach innen.

    Wie das Lenken nach außen funktioniert, zeigen folgende Grafiken. Bogenförmiges Anlaufen des Stürmers von innen nach außen schließt die Passwege für den Innenverteidiger auf die andere Seite. Die einzige Anspielmöglichkeit ist der ballnahe Außenverteidiger, der jedoch direkt von Dynamos zuvor hoch postiertem Außenverteidiger unter Druck gesetzt wird. Zudem verschiebt die gesamte Mannschaft auf diese ballnahe Seite, um dem Gegner noch mehr Raum zu nehmen und ihn so unter Druck zu setzen (inklusive des ballfernen Stürmers, der den ballfernen Innenverteidiger und den Torwart kontrolliert und dem ballfernen Außenverteidiger, der etwas zentral einrückt). Auch so erhöht Dynamo die Wahrscheinlichkeit auf einen hohen Ballgewinn oder einen langen Ball.

    Angriffspressing – Lenken des Gegners nach außen #1.
    Angriffspressing – Lenken des Gegners nach außen #2 – Beispielhafter Ballgewinn des Außenverteidigers.

    Auch wenn dies nun ziemlich sicher klingen mag, muss man in Bezug auf diese Art von Pressing einordnen, dass es durchaus sehr riskant sein kann. Die Positionierungen von jedem Spieler und das Timing in den Anlauf-, Verschiebe- und Balancierungsbewegungen muss stets stimmen. Genauso muss jeder Spieler seine 1v1-Duelle durch aggressives Vorwärtsverteidigen gewinnen. Macht man dabei ein Fehler und wird überspielt, kann Dynamos Defensive schnell offen stehen und ausgespielt werden. Schließlich spielt man meist 1v1 auf dem ganzen Feld und ist somit nicht mit viel Zusatzpersonal abgesichert.

    1. Mittelfeldpressing

    Zu dem Angriffspressing hat man unter Schmidt noch eine zweite, etwas absicherende Variante gesehen: das tiefere Mittelfeldpressing. Situativ, gerade wenn die Müdigkeit der eigenen Mannschaft zu groß wird, zieht man sich bis vor den eigenen Strafraum zurück. Aus derselben 3412-Struktur versucht man dann, in einen kompakten Block zu fallen und den Gegner erst an der Mittellinie zu attackieren. Dabei agiert man weniger mannorientiert, sondern versucht vor allem die zentralen Räume zu schließen und darin aggressiv und mannorientiert zu verteidigen, sollte der Gegner dort hinein spielen. Dafür gibt man Raum auf den Flügeln frei, in den der Gegner zunächst spielen soll. Tut er das und versucht dort in die Tiefe zu gelangen, schiebt die gesamte Mannschaft symmetrisch auf jene Seite, um dort den Raum zu verknappen und so entweder den Ball zu gewinnen oder den Gegner wieder in tiefere Zonen zu zwingen. Da bei dieser Pressingidee vor allem die Mittelfeldspieler viel Raum belaufen und sichern müssen, hat Schmidt häufig auch auf ein 532 umgestellt. Durch das Zurückziehen des Zehners versucht man so, die Verschiebewege zu verkleinern und die Kontrolle der Flügel zu erhöhen. 

    Mittelfeldpressing – Grundlegende Struktur.
    Mittelfeldpressing – Gegner wird auf die freien Räume nach außen gelenkt.
    Mittelfeldpressing – Der Außenverteidiger wird zugeschoben und hat keine Optionen mehr.
    Mittelfeldpressing – Das oft genutzte 532 bringt einen Mann mehr im Zentrum.

    Umschalten – Defensive auf Offensive

    Oberstes Ziel von Dynamos Pressing ist logischerweise der Ballgewinn, möglichst in hohen Zonen. Denn: Erhält man dort den Ball, ist die Chance auf einen schnellen Torerfolg am größten. Dynamo ist schon nah am Tor, der Gegner in seiner Offensivformation nicht kompakt und auch nicht auf einen Angriff vorbereitet. Schmidt will daher, dass nach dem Ballgewinn der erste Blick der Dresdner Spieler stets nach vorn gerichtet ist. Wenn wir schnell und vertikal nach vorn umschalten können, machen wir das. 

    Dafür bieten die offensiven Akteure der SGD sofort dynamische Läufe in die Tiefe hinter die letzte gegnerische Kette an. Im Fokus stehen dabei vor allem die beiden Stürmer. Diese starten meist diagonal in die Tiefe – je nach Situation und vorausgegangener Positionierung eher von innen nach außen hinter die aufgerückten generischen Außenverteidiger oder von außen nach innen. Situativ kann einer von ihnen jedoch auch als Wandspieler agieren, um den Ball nach einem vertikalen Pass auf die nachrückenden Akteure abzulegen.

    Auch Dynamos Zehner kann situativ die Tiefe attackieren, agiert jedoch meist eher balltreibend auf der Suche nach dem Steckpass auf die Spieler vor ihm. Weiterhin versuchen auch die hohen Außenverteidiger in der Breite die Tiefe zu attackieren, um den Gegner auseinanderzuziehen, den Ball selbst in der Tiefe zu erhalten oder Flanken zu schlagen. 

    Beispielhafte Kontersituation – Gegner befindet sich in der unkompakten Angriffsstruktur, einige Dynamos fallen und agieren als Wandspieler, andere attackieren die Tiefe.

    Fortsetzung (Offensive und zweite Umschaltbewegung) folgt morgen…